Marie Hammarström verlässt KIF Örebro

14 Jahre hat Marie Hammarström für KIF Örebro gespielt. In dieser Saison wollte sie mehr als den fünften Platz, auf den der Verein in den vergangenen Jahren abonniert schien, am Ende wurde Rang 10 daraus. Gleichzeitig war man kurz vor dem Konkurs, lediglich ein unbefristeter Kredit der Stadt rettete das Team unter der Saison.

Sparmaßnahmen wurden angekündigt vor 2013 und all das veranlasste Marie Hammarström nun, ihren Abschied aus Örebro bekannt zu geben. Gemeinhin wird erwartet, dass sich die Schützin des goldenen Tores für Schweden im Spiel um Platz 3 bei der WM 2011 in Deutschland wie schon ihre Zwillingsschwester Kristin und Innenverteidigerin Stina Segerström vor ein paar Jahren gen Göteborg auf den Weg macht. Dort wurde auch bereits von der Verpflichtung einer schwedischen und einer ausländischen Nationalspielerin gesprochen.

Beinahe

wäre es KIF Örebro gelungen, den Klassenerhalt bei Pokalsieger Göteborg auch theoretisch klarzumachen. Aber die exzellente Yael Averbuch wollte das verhindern und erzielte in den Schlussminuten den 2:1-Siegtreffer. Zwischenzeitlich hatte Göteborg durch Anna Ahlstrand die Führung übernommen und Marina Pettersson Engström den umjubelten Ausgleich erzielt der zum Klassenerhalt gereicht hätte.

Nun hat man immerhin drei Punkte und sieben Tore Vorsprung auf Djurgården und das sollte dann doch reichen, zumal man die Saison daheim gegen den Tabellenletzten AIK beendet, es reicht ein Unentschieden oder eine Niederlage mit einem Tor, wenn Djurgården nicht mit sechs Toren Differenz gegen Piteå gewinnt.

Lediglich 243 Zuschauer setzen das x.te Fragezeichen hinter die Entscheidung des schwedischen Fußballverbands, Göteborg zur Haupstadt des Frauenfußballs zu erklären und das Stadion Nya Gamla Ullevi zur Nationalarena. Achteinhalb Monate vor der EURO 2013 sehe ich noch keine Werbekampagne und befürchte, dass außer bei den Schweden-Spielen gähnend leere Ränge das Bild bestimmen werden.

Theoretisch noch alles drin da unten

Vittsjös Torhüterin Lois Geurts beim Warmmachen vor dem Spiel gegen Djurgården

In einer halben Stunde wird der 20. Spieltag der Liga mit der Begegnung Erster gegen Letzter LdB FC Malmö gegen AIK abgeschlossen, da bleibt nicht viel Zeit, die gestrigen fünf Begegnungen zu summieren.

Hanna Persson, Ersatz für Kristianstads kreuzbandverletzte Nationalkeeperin Hedvig Lindahl, hielt gegen Tyresö FF einige fulminante Schüsse und musste dennoch nach zehn Minutenmit einer Fußverletzung hinkend das Spielfeld verlassen. Reserve? Fehlanzeige. Elisabet Gunnarsdottir entschied, dass Mittelfeldspielerin Katrin Omarsdottir sich mal schnell umziehen musste und das gegen das torgefährlichste Team der Liga. Am Ende gewann Tyresö verdient nach zwei Toren von Kirsten van de Ven mit 2:0 und hielt damit den Kampf um die Meisterschaft einigermaßen offen.

Kristianstads Torwarttrainer Benny Johansson war voll des Lobes über die unfreiwillige Torhüterin Omarsdottir: „Sie hat sich selbst übertroffen. Dass sie das Spiel so gut lesen konnte, war keine Überraschung, aber das Spiel in der Luft war euine große Überraschung. Sie zeigte Mut, Sprungkraft und Timing bei fast allen Ecken und Standards von denen.“ Gleichzeitig äußerte er Mitleid mit Hanna Persson im Interview mit Kristianstadsbladet: „Sie hat lange auf so eine Chance gewartet und dann gleich im dritten Spiel selber verletzt zu werden, das ist bitter.“

Omarsdottir sagte, dass sie lieber im Mittelfeld spiele, aber falls Persson bis zum Ende der Saison ausfiele, würde sie da spielen wo Elisabet Gunnarsdottir sie haben will, notfalls auch im Tor. Wie eine Reihe Zuschauer bereits auf Twitter äußerten, war auch Katrin Omarsdottir der Ansicht, dass die 1:0-Führung Tyresös ein klares Abseitstor war.

Kristianstads Vorsitzender Mikael Forsberg glaubt, dass die Liga am 12. November in Stockholm mit Sicherheit über die angestrengte wirtschaftliche Situation vieler Vereine reden wird. „Dass die Liga in einer Saison, in der wieder viele der besten Spieler der Welt in der Liga spielen Zuschauer verliert, ist beunruhigend. Diesen Trend müssen wir wenden. Wir selber können jetzt auch nur den nächsten Schritt nach oben mit einer breiter angelegten Organisation schaffen,“ so Forsberg.

In Göteborg trennten sich Jitex und Umeå 1:1. Umeå ging durch Ogonna Chukwudi in Führung und Sofia Skog glich wenig später aus. „Dieser Punkt kann wichtig sein,“ sagte Jitex‘ Trainer Stefan Rehn zu Göteborgs Posten. 174 Zuschauer bei Jitex bedeuteten wieder einmal die Minuskulisse der Liga. Jitex spielt und wenig mehr als Eltern, Geschwister und Freunde interessiert es. Schade.

99 Zuschauer zählte ich selber im Stockholmer Olympiastadion, fünf Minuten bevor das Spiel begann. Dabei schien die Sonne, aber das Wetter war sehr wechselhaft in den 90 Minuten, in denen Djurgården seinen dritten Heimsieg in Folge landen wollte. Aber Aufsteiger Vittsjö ging schnell mit 1:0 in Führung durch einen Treffer von Kapitänin Sofie Andersson. Keine sechs Minuten waren gespielt als Danesha Adams gute Vorarbeit leistete und Andersson einen Abpraller verwertete.

Daach hatte es Djurgården sehr schwer, erst in der zweiten Halbzeit kam man in Fahrt und dominierte die Begegnung und es dauerte bis zur 72. Minute, ehe Matilda Rosqvist der Ausgleich gelang. Die abschließende Druckperiode (Jessica Landström kämpfte um jeden Ball in Abwehr und Angriff) brachte dennoch keine klaren Torchancen mehr und der Punktgewinn gegen Vittsjö scheint zu wenig, besonders, wenn man die Punktgewinne der Konkurrenten Jitex und Piteå sieht und das Schlussprogramm von Djurgården und Hauptkonkurrent Örebro.

KIF Örebro kann nicht mehr nur von einer verkorksten Saison sprechen. Sie ist grottenschlecht und völlig misslungen. Früher und das ist höchstens ein Jahr her, konnte sich Örebro einer der besten Abwehrketten der Liga rühmen. Es war schwer gegen KIF Tore zu machen. 2012 aber ist der Tabellenzehnte die Schießbude der Liga mit den meisten Gegentoren. Zwar ging man gestern daheim gegen Mitkonkurrent Piteå (beide 19 Punkte vor dem Spiel) durch Linda Hallin mit 1:0 in Führung, zwar hielt Stephanie Labbé sogar einen Elfmeter von Piteå, aber am Ende stand dann doch 1:2 auf der Anzeigentafel. June Pedersen und Jennifer Nobis wendeten das Blatt und damit dürfte Piteå für dieses Mal gerettet sein. Örebro spielt nun in Göteborg (Djurgården in Kristianstad) und noch daheim gegen AIK (Djurgården gegen Piteå). Das Schlussprogramm verlangt von Djurgården mindestens vier Punkte, um die drei aufholen zu können. KIF Örebro wird wohl mit dem Schrecken davon kommen und Djurgården wird AIK Gesellschaft leisten beim Gang in die neue zweite Liga, die nun wohl Elitettan heißen wird, nachdem man Damettan nur als Arbeitsnamen geoutet hat.

Im Spitzenspiel des Tages schlug Linköping Göteborg mit 3:2. Nur zwei freie Tage zwischen den 120 Minuten Pokalfinale gegen Tyresö waren zu wenig für Göteborg. Aber Linköping ist mit dem neuen Trainer Martin Sjögren zu Saisonende auch gut drauf. Manon Melis schoss die Führung für Linköping und nachdem Christen Press mit zwei Toren das Spiel gedreht hatte, kam dann Lisa DeVanna immer besser in Form Zuerst besorgte die Norwegerin Nora Holstad Berge den Ausgleich und dann gelang DeVanna der Siegtreffer in einer sehenswerten Partie vor 407 (!) Zuschauern. Ein echtes Problem das kaum vorhandene Publikumsintereresse ein Jahr vor der EM. Hier schwant mir nichts Gutes.

 

 

Wie gewonnen…

Die Freude bei Djurgården nach dem Sieg über Tyresö am Samstag war grenzenlos. Bis auf einen Punkt war man herangekommen an den zehnten Platz auf dem DIE Enttäuschung der Saison – KIF Örebro liegt.

Mit noch drei Spielen rechnete man sich sicher Chancen aus, den einen Punkt noch wettmachen zu können und die Klasse zu erhalten. Am Sonntagnachmittag um kurz vor 16 Uhr betrug der Abstand wieder vier Zähler. Bei wie schon gesagt neun noch zu vergebenden.

Denn KIF Örebro gewann sein Auswärtsspiel bei Vittsjö GIK mit 1:0. Torschützin ausgerechnet Sarah Michael, die Nigerianerin die vor zwei Spielzeiten noch im Blauschwarz von Djurgården gestürmt hatte.

Die Luft ist raus beim Aufsteiger nach einem sensationellen Saisonstart. Nun kamen lediglich 557 Zuschauer und Örebro machte das bessere Spiel. Und in der 83. Minute eben auch das Tor. Sekunden nachdem sich bei Viola Bajraktaraj das Knie verdreht hatte und sie mit dem Verdacht auf, na was wohl, Kreuzbandriss (es wäre der sechzehnte in dieser Saison) ausgeschieden war, machte Michael auf der Gegenseite das Tor.

„Keine gute Leistung. Wir können das besser,“ so Trainer Thomas Mårtensson kurz und bündig. In Skåne hatte es ordentlich geregnet, der Rasen war in keinem guten Zustand. „Es war ein typisches Oktoberspiel. Nicht schön, sehr viel Kampf,“ so Mårtensson.

Örebro hat jetzt wieder vier Punkte auf Djurgården und gar sechs auf AIK.

 

Und am Ende stirbt die Hoffnung

Zugegeben. Ich hätte es Djurgården nicht zugetraut. Aber wie tief ist KIF Örebro gesunken? Ein Team, das es nach Aussagen von Nationalspielerin Marie Hammarström (vor der Saison) leid sei, immer „nur“ auf Platz 5 sei und diese Saison nach höheren Zielen strebe, liegt vier Runden vor Ende der Saison auf Rang 10.

Und  nach dem 1:3 bei Djurgården gestern Nachmittag sind die Stockholmerinnen auf vier Punkte herangerückt.

Angeblich sahen 157 Zuschauer die Begegnung im weiten Rund des Stockholmer Olympiastadions. Meine Kollegin Alva Nilsson, hat mal durchgezählt und kam inklusive Funktionäre auf knapp 70 Personen. Vor etwas mehr als einem Monat spielte an gleicher Stelle Coldplay vor 30.000. Das wollen wir hier nicht vergleichen, aber die Vorstellung von 70 Personen in einer Arena, die 30.000 Platz bietet, hilft etwas, sich vorzustellen, wie trostlos das aussieht an einem bewölkten Samstagnachmittag in einem herbstlich kühlen Stockholm.

Immerhin. Das Spiel war wohl attraktiv und es gab vor allem in Halbzeit 1 Torchancen auf beiden Seiten. Das unterstreicht auch die Schussstatistik von 25:19.

Los ging es mit Jessica Landström, die in der siebenten Minute die wichtige Führung erzielte. Ausgleich durch die Ex-Djurgårdenspielerin Sarah Michael und dann Treffer von Susan Varli (von AIK gekommen) und Matilda Rosquist.

Das Schlussprogram allerdings sieht nicht so gut aus für Djurgården. Zwar gibt es nächsten Samstag erneut ein Heimspiel, aber dann kommt Marta…

Göteborg am Ziel – Moberg ins Krankenhaus – Örebro bleibt unten

Die Saison war verkorkst, um die Meisterschaft oder einen CL-Platz konnte Göteborg schon vor einigen Wochen nicht mehr mitspielen. Da gab man die Zielsetzung aus, dass man ab sofort jedes Spiel gewinnen wolle und dass Platz 3 noch in Reichweite sei.

Nach dem souveränen 3:0 über Kristianstad steht Göteborg zumindest bis morgen auf dem dritten Platz. Anna Ahlstrand, Christen Press und Yael Averbuch machten die Tore. Statistisch gesehen war das Spiel aber ausgeglichen. Bei Göteborg fehlte die nach Moskau emigrierte Linnéa Liljegärd, bei Kristianstad die nach Paris wechselnde Kosovare Asllani. Göteborgs Kader bleibt dünn, auch heute bot der Pokalsieger 2011 und Finalist 2012 wieder alle seine 15 Spielerinnen auf.

Nach dem Halbzeitpfiff brach Kristianstads Nationalspielerin Susanne Moberg zusammen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Henrik Nygren, Sportchef des Clubs, zu Aftonbladet: „Ich habe kürzlich mit ihr gesprochen, sie ist müde und mitgenommen.“ Näheres später.

Fünf Tore fielen in der Behrns Arena in Örebro. Dort gewann Linköping nach Toren von Louise Fors, Manon Melis und Marianne Gajhede mit 3:2. Wieder einmal konnte Örebros Abwehr nicht dicht halten. Linda Fransson und Linda Hallin trafen für Örebro, das nach wie vor auf Platz 10 mindestens fünf Plätze schlechter liegt als man sich vor der Saison vorgenommen hatte. Und das, obwohl man den Kader kaum verändert hat.

 

 

Tyresö – bester Angriff, beste Abwehr

Meghan Klingenberg gelang mit dem 4:0 ihr erstes Tor für Tyresö

5:0 gewann Tyresö am Abend bei KIF Örebro und marschiert damit weiter Richtung Finale gegen Malmö am 3. November. Aber während Malmö am Samstag große Probleme mit Jitex hatte und erst in der Nachspielzeit zum 2:0 kam, war Tyresös Spiel in der zweiten Halbzeit wieder einmal hochklassig.

In der ersten Halbzeit allerdings sorgte eine Szene für große Aufregung: Sarah Michael war durch Richtung Tyresös Tor als sie von hinten von Emilia Appelquist zu Fall gebracht wurde. Kein schlimmes Foul, aber eine Notbremse. Und die Regel sagt eigentlich, dass es in so einem Fall ROT geben muss. Aber Annica Andric gehört leider nicht zu den besseren Schiedsrichterinnen der ersten Liga, sie hat sogar bei vielen Spielerinnen einen ausgesprochen schlechten Ruf. Und dem wurde sie wieder einmal gerecht. Der Linienrichter winkte wild mit seiner Flagge, Andric lief zu ihm und beriet sich fast eine Minute lang, ließ sich von ihm die Sünderin zeigen, da sie die Situation offenbar überhaupt nicht gesehen hatte. Und zeigte Appelquist – gelb.

Offenbar hat sich die Unparteiische nach dem Spiel bei Spielerinnen von Örebro für ihre katastrophale Fehlentscheidung entschuldigt – was die Sache eigentlich noch schlimmer macht.

Fast im Gegenzug zeigte sich Marta wieder einmal als die wertvollste Spielerin der Liga. Ihr exakter Pass auf Caroline Seger brachte das 1:0. Martas zwölfter (!) Assist in dieser Saison.

Statt 0:1 oder nur noch mit zehn Spielerinnen lag Tyresö nun vorn und ging mit der Führung in die Pause. Trainer Tony Gustavsson nahm zu Beginn der zweiten Hälfte Kirsten v an de Ven und die Sünderin Appelquist raus und brachte Linda Sembrant und Elaine. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Auf Tyresös Bank saßen zu Beginn mit Sembrant, Elaine und der ohnehin nach Meghan Klingenbergs zur zweiten Wahl gewordenen Annica Svensson drei A-Nationalspielerinnen und zwei U19-Europameisterinnen.

Tyresö kam aggressiver und entschlossener aus der Pause und das Spiel geriet zur Show. Zweimal Marta, Meghan Klingenberg und Madelaine Edlund erhöhten mühelos auf 5:0, Örebro hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Während Tyresö nun mit 49:10 Toren sowohl den besten Sturm wie auch die beste Abwehr hat, bleibt Örebro Zehnter und nur noch Djurgården hat zwei Tore mehr reinbekommen als man selber. Von den 42 Gegentoren gingen 12 auf das Konto von Tyresö, das ja das Hinspiel 7:0 gewonnen hatte.

Rettung innerhalb einer Woche

Was müssen die Spielerinnen von KIF Örebro gezittert haben? Eine hundsmiserable Saison wird es am Ende sein, aber das Abstiegsgespenst ist jetzt (fast) vertrieben. Das Konkursgespenst auch. Und zwei Tore reichten aus, um innerhalb von Wochenfrist Jitex und Umeå mit jeweils 1:0 zu schlagen und sechs Punkte zu machen, mit denen man AIK auf sechs und Djurgården auf sieben Punkte Abstand hält.

Linda Fransson erzielte das Tor des Tages in Umeå. In der 80. Minute einer Begegnung, in der Örebro mehr wollte. Und am Ende gewann. Die von mit sehr geschätzte Abwehrspielerin und Kapitänin Umeås Emma Berglund sollte gelernt haben, dass es trotz Frust bei einem 0:5-Rückstand dem eigenen Team nichts bringt, wenn man in der 90. Minute vom Platz gestellt wird und seiner Mannschaft im nächsten Spiel fehlt. Auch das war ein Vorteil für Örebro an diesem Samstag.

Das K-Wort

Am Montagabend tweetete KIF Örebros isländische Nationalspielerin Edda Gardarsdottir, dass ihr Verein am Dienstagmorgen eine Presskonferenz abhalten würde. Ich fragte, ob da die Verpflichtung von kanadischen Nationalspielerinnen bekanntgegeben würde; Verstärkung hätte Örebro angesichts seines zehnten Tabellenplatzes wirklich gut gebrauchen können. Nein, antwortete Edda, es werde um die wirtschaftliche Situation des Vereins gehen.

In der Pressekonferenz verkündete dann Charlotte Nordenberg, Vorsitzende des Vereins, dass KIF bis Ende dieser Woche 400.000 Kronen benötige. Man habe kein Geld mehr, eventuell könne das Heimspiel gegen Jitex am Samstag schon gar nicht mehr stattfinden.

Wie LdB FC Malmö vor einer Woche so teilte nun auch Örebro mit, dass weniger Zuschauer als erwartet gekommen wären und auch Sponsoren nicht so beigetragen hätten wie angenommen.

Nach dem Rückzug der Mannschaft von Zweitligatabellenführer Dalsjöfors und dem angedrohten Konkurs von Malmö fällt das K-Wort also nun zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen im schwedischen Frauenfußball. Das trägt sicher alles andere als dazu bei, den Status des Sports aufzuwerten.

Örebro wurde schon am Dienstagnachmittag „gerettet“. Die Stadt meldete sich und versprach, dem Verein zu helfen. KIF Örebro werde nicht in Konkurs gehen, man werde aber harte Forderungen stellen. Schon vor einem Jahr hatte die Stadt Örebro dem Verein einen zinslosen Kredit von einer Million Kronen gegeben, von denen noch keine einzige Öre zurückbezahlt wurde. Im Forum der Lokalzeitung Nerikes Allehanda sind die Meinungen gespalten. Die einen finden es gut, dass man dem Frauenfußball hilft, andere meinen, dass man einen unrentablen Spitzensport nicht zu Lasten von Alten und Kranken subventionieren darf, die das Geld dringender benötigen.

Sonntag ohne Auswärtstor

Normalerweise spielt es im Frauenfußball keine so große Rolle, ob man nun auswärts oder zu Hause spielt. Am Sonntag erzielten alle vier Teams, die zu Besuch waren, jedoch kein einziges Tor, die Gastgeber jedoch insgesamt neun.

0:0 endete Meistertrainer Martin Sjögrens erstes Spiel auf der Bank von Linköpings FC. Dass Jitex sich nicht so leicht schlagen lassen würde nach einer Kette von Niederlagen im Frühjahr, aber zwei Siegen kurz vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs war klar. Zwei ehemalige AIK-Spielerinnen trafen das Gehäuse: Zunächst Frida Höglund (Jitex), dann auch noch Emma Lundh (Linköping). Lundh musste auf die Bank und wurde für Louise Fors eingewechselt. Ansonsten debütierte die Dänin Pernille Harder im zentralen Mittelfeld bei Linköping.

Djurgården kam zu spät. Die Maschine sollte um 12.50 Uhr in Stockholm-Bromma starten, um 16.00 Uhr war der Anpfiff angesetzt. Ohnehin schon sehr knapp geplant. 70 Minuten Verspätung. Verschiebung um 30 Minuten, mehr war nicht drin, da um 19.50 Uhr schon der Rückflug geplant war. Am Flughafen in Malmö-Sturup warteten Taxis, Vorbefeitung auf den Rückbänken, Einlauf. Gudbjörg Gunnarsdottir zwar mit, aber als Reservistin auf der Bank, mehr moralische Unterstützung. Schon nach zwei Minuten hatte die 17-Jährige Tove Engblom wieder ein Ding im Kasten. Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt und Anja Mittag sorgten nach 19 Minuten für eine schnelle 3:0-Führung und ich befürchtete Schlimmes für Tove, aber Malmö traf danach nur noch einmal durch Katrine Veje. An das 0:11 erinnerte nichts mehr, die zweite Halbzeit lief besser für Djurgården, zumal Malmö seinen Torhunger schon gestillt hatte. Trotzdem Klassenunterschied.

Kristianstad gewann 4:0 gegen den Zehnten Örebro. Ähnlich wie das Malmö-Spiel. Drückende Überlegenheit der Gastgeberinnen. Das war in den letzten Jahren anders, aber jetzt ist Örebro wirklich in der Abstiegszone angekommen. Woran das liegt? Keine Ahnung. Es kann wirklich nicht nur daran liegen, dass Olina Vidarsdottir ein Kind bekommen hat. Denn ansonsten sieht das Team auf dem Papier fast gleich aus. Tore für Kristianstad durch Therese Andersson, Katrin Omarsdottir, Susanne Moberg und Elin Nilsen.

Halbzeit (10): KIF Örebro

KIF Örebro sah in den meisten Spielen nicht so gut aus

Kein Zweifel, dass die Enttäuschung der Saison bislang KIF Örebro heißt. Pokalsieger 2010. Immer dabei in den letzten drei Jahren unter den ersten Fünf, auch wenn es nach oben nie richtig gereicht hat. Ein sehr unangenehm zu spielendes Team, das seine Stärken vor allem in der Defensive hatte.

Hatte.

Die Verwandlung zu dieser Saison ist erstaunlich, sie ist nicht erklärbar. Denn personell hat sich so viel nicht geändert, bei der Mannschaft, die nicht nur laut Ex-Hammarbytrainer En Perlskog einen fürchterlich langweiligen aber erfolgreichen Fußball spielte.

Sara Larsson, die Innenverteidigerin der Nationalmannschaft, wenn man so will Nachfolgerin der Finnin Sanna Valkonen fehlte monatelang wegen einer Operation an der Ferse und kam erst kurz vor der Sommerpause zurück.

Aber auch das ist keine Erklärung, denn mit Partnerin Marina Pettersson Engström und der kleinen, energiegeladenen Finnin Susanne Lehtinen hat Örebro den Kern seiner starken Defensive behalten und dass die neue Torfrau Stephanie Labbé nicht taugen würde, das ist eine Fehleinschätzung. Labbé gehört zu meinen Favoritinnen zwischen den Pfosten, ist sehr gewandt auf der Linie und auch charakterlich eine waschechte Nordamerikanerin, die sich in ein Team einordnet und zum allgemeinen Siegenwollen allerhand beiträgt.

Im ersten Spiel bei Tyresö FF, der Premiere von Marta nach drei Jahren Exil in den USA, gab es mit 0:7 eine fürchterliche Packung. Steckte dieses Spiel der Mannschaft so lange in den Knochen? Und ist der neue Trainer Rickard Nilsson wirklich der Aufgabe gewachsen?

Sarah Michael kam mit einigen Pfund Übergewicht zurück aus Nigeria im Frühjahr, darüber wurde in der Liga unter den Spielerinnen gemunkelt, aber inzwischen ist die physisch enorm durchsetzungsstarke Afrikanerin mit drei Toren und vier Assists erfolgreichste Scorerin. Noch nicht so richtig in Gang gekommen sind die sonst so treffsichere Sanna Talonen, die allerdings an mehreren Verletzungen laborierte und die aus Sunnanå gekommene Torschützenkönigin der zweiten Liga 2011 Linda Fransson.

Vom Spielermaterial her gesehen ist Örebro jedenfalls kein Abstiegskandidat und zuletzt lief es etwas besser, zwei knappe 3:4 Niederlagen daheim gegen Vittsjö und Malmö, wo man eigentlich hätte punkten müssen. Ich bin mir sicher, dass Örebro nicht absteigen wird, was den beiden Teams, über die wir hier noch reden müssen, die zweite Hälfte der Saison nicht gerade einfacher macht.

Zitterpartie für Malmö

Am 22. Spieltag der letzten Saison wurde Malmö mit einem 6:0 über Örebro schwedischer Meister. Damals hatte die heute kreuzbandverletzte Frida Nordin schon in der ersten Minute den Torreigen eröffnet. Gestern Abend auf dem Malmö IP besorgte Emma Wilhelmsson das erste Tor schon nach drei Minuten und einer Ecke von Ramona Bachmann und weil Örebro in der Tabelle wesentlich schlechter dasteht als vor Jahresfrist, glaubte vielleicht der eine oder andere, das Spiel würde nun ähnlich verlaufen.

Nein. 840 Zuschauer sahen eine ausgeglichene Partie, in der Malmö sich sehr schwer tat gegen den Tabellenzehnten. Elin Magnusson glich in der 66. Minute aus und spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen in Tyresö Hoffnungen aufgekeimt sein, der Meister würde zwei Punkte liegen lassen. Aber ein Foul an Anja Mittag und ein daraus resultierender Elfmeter, den Mittag selber verwandelte zu ihrem 13. Saisontreffer brachten den Sieg für den Tabellenzweiten.

Die Schlussphase gehörte den Gästen und am Ende wurde noch Trainer Peter Moberg von Malmös Bank auf die Tribüne verwiesen. „Warum? Frag die Schiedsrichtern,“ sagte er Sydsvenska Dagbladet nach dem Spiel. „Ich habe ‚Abseits!‘ gerufen und dann schickte sie mich weg. Das ist mir noch nie passiert und wird mir auch nicht wieder passieren.“

Und zum Spiel fügte er hinzu: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir haben das Spiel gewonnen und das ist das Wichtigste. Es war ausgeglichen und es war knapp. Eigentlich haben wir nur in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit gut gespielt und haben glücklich gewonnen.“

Für Sarah Storck war es gestern das letzte Spiel für Malmö. Die hochtalentierte offensive Mittelfeldspielerin verlässt Malmö zur Olympiapause, ihren neuen Verein will sie noch nicht nennen, im Gespräch sollen Zweitligist Sirius (2. in der Norrettan) und der finnische Erstligist Åland United sein. Therese Sjögran verabschiedete Storck auf Twitter und schrieb, dass die 21-Jährige mehr Chancen verdient gehabt hätte.

Örebro bleibt unten

Nach dem 1:0 bei Jitex zuletzt hätte man annehmen können, dass nun ein Aufwärtstrend für KIF Örebro beginnt, das Team, das 2010 und 2011 jeweils Fünfter in der Damallsvenskan wurde.

Dem ist jedoch nicht so. Gegen hochambitionierte Südschwedinnen aus Kristianstad verlor man daheim in der Behrns Arena mit 1:4. Bereits nach sieben Minuten schoss Therese Andersson das 0:1, es folgten Tore von Katrin Omarsdottir, Kosovare Asllani und Elena Sadiku. Den Ehrentreffer erzielte die eingewechselte Fanny Persson.

Örebros Trainer Eric Östlund freute sich auf Twitter später immerhin darüber, dass Sara Larsson 90 Minuten durchgespielt hatte, ich konnte mir nicht verkneifen zu antworten, dass man trotz Sara Larsson wieder vier Gegentreffer kassierte und damit weiterhin die Schießbude der Liga ist mit bislang 31 Gegentoren nach der Hälfte der Spiele.

 

Die breite Mitte

Das Mittelfeld in dieser Saison ist groß. Bald wird auch der Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK dazugehören, der heute mal wieder ein Spiel verlor, erst die dritte Niederlage im zehnten Spiel bei sieben Siegen. Immerhin 2.700 Zuschauer kamen zum Skåne-Derby nach Kristianstad und nach dem Tor durch Emma Sjödahl in der 58. Minute ging man scheinbar in Richtung Sieg Nummer acht.

Aber die Dänin Johanna Rasmussen drehte den Spieß um. Der Ausgleich durch einen direkt verwandelten Freistoß und dann auch das 3:1 nach einer „verunglückten“ Flanke gingen auf ihr Konto, dazwischen bediente sieKatrin Omarsdottir, die den Führungstreffer erzielte. Nach dem Rückstand spielte Kristianstad mit einer Dreierkette und setzte alles auf Offensive.

Ex-Kristianstadspielerin Sofie Andersson: „Wenn man nicht sein normales Niveau erreicht, muss es wohl so ausgehen.“

Dass KIF Örebro kein Team ist, das im Abstiegsstrudel beheimat sein sollte, hatte man zuletzt bei zwei Heimniederlagen gezeigt (!). Sowohl gegen Vittsjö wie gegen LdB FC Malmö hatte es jeweils ein 3:4 gegeben, gegen Malmö verlor man erst in der Nachspielzeit. In einem ausgeglichenen Spiel in Göteborg gegen Jitex konnte man heute den Erfolg ernten. Linda Franssons Tor blieb das einzige der Begegnung, Örebro ist immer noch Zehnter mit nun zehn Punkten, aber wieder auf Tuchfühlung zum Mittelfeld, in dem Jitex mit 12 Punkten nun näher gekommen ist. Nationalspielerin Sara Larssón wurde nach ihrer Fersen-OP erstmals wieder eingewechselt, sie spielte sieben Minuten. Einige glauben, dass Thomas Dennerby die Innenverteidigerin noch diese Woche in seinen Olympia-Kader berufen könnte, was sicher sehr gewagt wäre.

Umeå und Göteborg trennen doch Welten mittlerweile. Umeå bleibt auf dem neunten Platz nach einem nie gefährdeten 3:0 Sieg Göteborgs in der T3-Arena in Umeå. Sara Lindén, Linnéa Liljegärd und Olivia Schough machten die Tore. Im Mittelfeld gibt es doch Unterschiede. Göteborg führt es auf Platz vier an und Umeå ist Neunter.

 

Vittsjö siegt und siegt

Drei Auswärtsspiele in Folge haben die genialen Terminplaner der diesjährigen Auflage der Damallsvenskan dem Aufsteiger Vittsjö GIK vom 8-10. Spieltag verpasst. Das heutige Spiel in der Behrns Arena bei KIF Örebro hätten wohl 95% aller Experten vor der Saison mit einer klaren 1 getippt. Zwei Monate nach Beginn der Saison sieht das anders aus.

Vittsjö holte seinen sechsten Sieg und liegt mit nunmehr 18 Punkten wenigstens bis morgen Abend auf dem zweiten Platz hinter Tyresö. Mit 4:3 gewann der Aufsteiger und liess es dabei erst in den letzten sieben Minuten spannend werden, als man die sichere 4:1 Führung noch in Gefahr brachte. Zweimal Sandra Adolfsson, Danesha Adams und Kirsty Yallop erzielten die Tore für den Aufsteiger, bei dem die Schottin Ifeoma Dieke nur auf der Bank sitzen konnte.

Örebro hat nur gegen die beiden Tabellenletzten AIK und Djurgården gewonnen, sowie gegen den derzeitigen Tabellenneunten Linköping einen Punkt geholt.

„Wir haben zu viele Fehler gemacht und zu einfache Tore zugelassen,“ sagte Örebros bislang weitgehend erfolgloser Trainer Rickard Nilsson. „Der Statistik zufolge hat Vittsjö bei fünf Schüssen auf das Tor viermal getroffen. Das ist ganz schön hart, weil die Mädels so gut gespielt haben,“ so Nilsson weiter. Bei Örebro schoss Neuzugang Linda Fransson (kam von Zweitligist Sunnanå) ihre ersten beiden Tore. Möglicherweise führt die Erkenntnis, dass Fransson ganz vorne besser zur Geltung kommt dazu, dass sie neben Sarah Michael, die den dritten Treffer erzielte, spielen wird.