AIK und Djurgården verlieren – Stockholm bald ohne Erstligafußball

Ingrid Wells aus den USA – eine von vier Amerikanerinnen in der Startelf von Göteborg

Mit jedem Spieltag verdichtet sich die Gewissheit, dass Stockholm (und Solna) im nächsten Jahr ohne Erstligafußball sein werden und dass Stockholmer Frauenfußballfreunde dann die 20 km nach Tyresö fahren müssen, um die Stars der Damallsvenskan zu sehen.

Während AIK sang- und klanglos mit 0:3 in Piteå verlor, hatte letztlich auch Djurgården beim 0:2 daheim gegen Kopparberg/Göteborgs FC kaum eine Chance. Sechs Spieltage vor Schluss steht man damit sechs bzw. sieben Punkte hinter dem rettenden zehnten Platz.

Und da auch der dritte Traditionsverein Hammarby nach dem Abstieg 2011 nicht den Direktwiederaufstieg schaffen wird (drei Spieltage vor dem Ende der Saison hat man 17 Punkte Rückstand auf einen Platz, der zu einem Qualifikationsspiel berechtigt), wird es somit in der 2013 neu gegründeten Superettan, der landesweiten zweiten Liga viele Derbys geben.

Piteå ging gegen AIK schnell durch eine direkt von der Norwegerin June Pedersen verwandelte Ecke mit 1:0 in Führung. Die Mannschaft spielte mit Trauerflor, um den 29-Jährigen Victor Brännström vom lokalen Männerverein Piteå IF zu ehren. Brännström war vor einer Woche bei einem Spiel der dritten Liga auf dem Platz der LF Arena (in der auch die Frauen spielen) mit Herzversagen tot zusammengebrochen.

In der Schlussphase der Begegnung erhöhten Jennifer Nobis (nach Ecke Pedersen) per Kopf auf 2:0 und Hanna Pettersson auf 3:0 für den Gasteber gegen AIK, das auf seine Innenverteidigerin Jennie Nordin verzichten musste. Nach vier Niederlagen in Folge konnte sichj Piteå mit diesem Sieg deutlich von der Abstiegszone absetzten., Der Abstand auf AIK beträgt nun neun Punkte.
Djurgården musste im „heimischen“ Olympiastadion von Stockholm (Yael Averbuch: „Das schönste Stadion, in dem ich je gespielt habe.“) auf Jessica Landström zunächst verzichten. Die hatte Fieber und saß auf der Bank, spielte aber die letzten 22 Minuten. Statt ihrer versuchte es Trainer Patrik Eklöf mit der von AIK gekommenen Susan Varli. Die hatte durchaus ein paar gute Szenen, aber die beste Gelegenheit hatte Magdalena Ericsson, die die Latte traf. Im Tor stand doch Kristin Hammarström trotz mutmaßlicher Gehirnerschütterung aus dem Spiel gegen Piteå vor Wochenfrist.
Göteborg hatte mehr Ball und kontrollierte das Geschehen, ohne jedoch nur annähernd sein Potential zu erreichen. Abgemeldet auch weitgehend Christen Press. Bis zur 43. Minute. Da setzte sich Johanna Almgren auf der rechten Seite durch, flankte nach innen und Press wurde für einen Moment allein gelassen, nahm den Ball an und ein paar Zehntelsekunden später hatte sie Djurgården dafür bestraft und ihren 14. Saisontreffer erzielt.
Yael Averbuch, die bei Göteborg Lisa Ek ersetzen soll und die mir, ehrlich gesagt, nach zwei Spielen, die ich von ihr gesehen habe, als deutliche Verstärkung erscheint (eine Spielmacherin mit Power) konnte aus ungefähr 18 Metern ins linke untere Eck von Gudbjörg Gunnarsdottir schießen. ‚Gugga‘, die Kapitänin Djurgårdens, redet offiziell noch nicht vom Abstieg, aber beim kurzen Gespräch nach dem Spiel kam sie mir doch recht zweifelnd vor.
Nationalspielerin Johanna Almgren lief mir noch vor das Mikrofon meines IPhones. „Wenn wir etwas Glück haben und die restlichen Spiele gewinnen, können wir Dritter werden. Aber die Meisterschaft und ein CL-Platz haben sich erledigt. Aber wir wollen weiterhin in guter Form bleiben, denn mit der Champions League und dem Pokalfinale haben wir trotz allem noch vieles, um das wir spielen können in diesem Jahr,“ so Johanna Almgren.

Djurgården ging baden

Sie hatten sich viel vorgenommen, die Spielerinnen vomn Djurgården, gegen einen Gegner, der in den letzten Monaten schwere Zeiten durchlebt hat. Nach einem akzeptablen Saisonstart hatte Jitex BK zuletzt in fünf Spielen kein Tor mehr geschossen und war immer weiter Richtung Abstiegsplätze gerutscht. Dazu hatte sich noch Torgarantin Annica Sjölund bei der 0:1-Niederlage in Örebro vor Wochenfrist das Kreuzband gerissen und auch Christina Julien, die Stürmerin aus Kanada ist (noch?) in der Heimat.

Aber die 19-Jährige Fridolina Rolfö war zurück im Team aus Mölndal und Djurgårdens Neuzugang Susan Varli saß auf der Tribüne ihres alten Vereins AIK anstatt mit nach Westschweden zu reisen. Rolfö war es auch, die mir zwei Toren entscheidenden Anteil am höchst wichtigen und nie gefährdeten 3:0 der Gastgeberinnen hatte. Zwischen den Rolfö-Toren erhöhte Elin Karlsson auf 2:0. Die Schussstatistik weist 22:6 für Jitex aus, das nennt man gern drückend überlegen. Jitex ist damit dem Letzten Djurgården um sieben Punkte enteilt und das acht Spieltage vor Schluss.

Es wird nun immer wahrscheinlicher, dass Djurgården den bitteren Gang in die zweite Liga antreten muss.

Sonntag ohne Auswärtstor

Normalerweise spielt es im Frauenfußball keine so große Rolle, ob man nun auswärts oder zu Hause spielt. Am Sonntag erzielten alle vier Teams, die zu Besuch waren, jedoch kein einziges Tor, die Gastgeber jedoch insgesamt neun.

0:0 endete Meistertrainer Martin Sjögrens erstes Spiel auf der Bank von Linköpings FC. Dass Jitex sich nicht so leicht schlagen lassen würde nach einer Kette von Niederlagen im Frühjahr, aber zwei Siegen kurz vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs war klar. Zwei ehemalige AIK-Spielerinnen trafen das Gehäuse: Zunächst Frida Höglund (Jitex), dann auch noch Emma Lundh (Linköping). Lundh musste auf die Bank und wurde für Louise Fors eingewechselt. Ansonsten debütierte die Dänin Pernille Harder im zentralen Mittelfeld bei Linköping.

Djurgården kam zu spät. Die Maschine sollte um 12.50 Uhr in Stockholm-Bromma starten, um 16.00 Uhr war der Anpfiff angesetzt. Ohnehin schon sehr knapp geplant. 70 Minuten Verspätung. Verschiebung um 30 Minuten, mehr war nicht drin, da um 19.50 Uhr schon der Rückflug geplant war. Am Flughafen in Malmö-Sturup warteten Taxis, Vorbefeitung auf den Rückbänken, Einlauf. Gudbjörg Gunnarsdottir zwar mit, aber als Reservistin auf der Bank, mehr moralische Unterstützung. Schon nach zwei Minuten hatte die 17-Jährige Tove Engblom wieder ein Ding im Kasten. Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt und Anja Mittag sorgten nach 19 Minuten für eine schnelle 3:0-Führung und ich befürchtete Schlimmes für Tove, aber Malmö traf danach nur noch einmal durch Katrine Veje. An das 0:11 erinnerte nichts mehr, die zweite Halbzeit lief besser für Djurgården, zumal Malmö seinen Torhunger schon gestillt hatte. Trotzdem Klassenunterschied.

Kristianstad gewann 4:0 gegen den Zehnten Örebro. Ähnlich wie das Malmö-Spiel. Drückende Überlegenheit der Gastgeberinnen. Das war in den letzten Jahren anders, aber jetzt ist Örebro wirklich in der Abstiegszone angekommen. Woran das liegt? Keine Ahnung. Es kann wirklich nicht nur daran liegen, dass Olina Vidarsdottir ein Kind bekommen hat. Denn ansonsten sieht das Team auf dem Papier fast gleich aus. Tore für Kristianstad durch Therese Andersson, Katrin Omarsdottir, Susanne Moberg und Elin Nilsen.

Malmö ohne Mittag übernimmt Tabellenführung

Folgenschwerer Zusammenstoss von Gudbjörg und Sara Björk Gunnarsdottir

Auf dem Sportplatz Kristineberg fand gestern Abend das Nachholspiel der elften Runde statt. Und erwartungsgemäß übernahm Malmö mit einem 2:1 beim Tabellenletzten Djurgården die Tabellenführung. Das war eigentlich auch schon fast alles Wissenswerte, das über dieses schwache Spiel gesagt werden könnte.

Anja Mittag stieg am Mittwochmorgen erst gar nicht ins Flugzeug auf Malmö-Sturup, da sie Muskelbeschwerden im Oberschenkel hat. Auf Anraten des Mannschaftsarztes wurde sie geschont und durfte ebenso zu Hause bleiben wie die Neuseeländerin Ali Riley, deren Verletzung noch aus dem olympischen Turnier aber wohl langwieriger ist. Mittag jedenfalls, so verlautete es aus Skåne, soll bereits am Sonntag beim Rückspiel wieder dabei sein.

In der zweiten Halbzeit gelang dann Elin Rubensson nach Einleitung durch Ramona Bachmann der erste Treffer für den Meister in der 73. Minute. Da hatte man sich allmählich damit angefreundet, dass es eine torlose Punkteteilung geben könnte. Ein eklatanter Abwehrfehler. Bachmann hat jahrelang mit Marta in Umepå gespielt und manchmal eifert sie der Brasilianerin nach. So, als sie einen Slalomlauf startete und schliesslich allzu leicht mit dem zweiten Tor abschliessen konnte. Kurz vor Schluss gelang Mia Jalkerud noch der Anschlusstreffer.

Gudbjörg Gunnarsdottir im Tor von Djurgården war beide Male chancenlos. Die 27-Jährige Isländerin sorgte für die andere Schlagzeile dieses Spiels. In der ersten Halbzeit kam eine mittelhoch geschlagene Flanke in den Strafraum von Djurgården. ‚Gugga‘ sprang  nach links um den Ball wegzufausten und kollidierte hart mit ihrer Landsfrau Sara Björk Gunnarsdottir. Das Foto zeigt den Aufprall, der Guggas linke Schulter mit Sara Björks Oberschenkel zusammenkommen lässt. Ausgerechnet die linke Schulter hatte die Torhüterin vor vier Jahren schon an gleicher Stelle, lediglich im anderen Tor, nach einem Schuss von Ramona Bachmann ausgekugelt, als sie mit der Schulter gegen den Pfosten flog.

Auch wenn die Mannschaftskapitänin nach einer schmerzstillenden Spritze in der Kabine weiterspielte in der zweiten Halbzeit, ist damit zu rechnen, dass sie wenigstens am Sonntag ausfällt. Dann müsste wieder einmal die 17-Jährige Tove Enblom ins Tor, deren bislang einziges Spiel in der höchsten Klasse bei Linköping 0:11 endete, was weniger Enbloms Schuld gewesen war als das Versagen der gesamten Feldspieler. Für Djurgården sieht es demnach trotz des akzeptablen Resultats düster aus, denn es MÜSSEN Punkte her, wenn man den Abstieg doch noch vermeiden will.

Bislang hat man sich auch noch nicht für die letzten Wochen verstärkt.

Zurück aus London – Nachrichten

Zurück aus London, wo wir am Montag ein tolles Halbfinale zwischen Japan und Frankreich gesehen haben. Das Beste: 61.000 Zuschauer zeigten, dass Frauenfussball doch ein Potential hat, auch wenn wir das in unseren heimischen Ligen im Alltagsgeschäft oft nicht so empfinden.

Es gibt allerhand Neues. Man nutzt den Tag des olympischen Finales zwischen Japan und den USA dazu, Ankündigungen und Neuverpflichtungen bekanntzugeben.

1) Es gibt eine neue amerikanische Profiliga 2013. Das ist wohl die wichtigste Nachricht. Bereits im Juli hatte sich eine Gruppe von Vertretern verschiedener Vereine getroffen und den Beschluss gefasst, der nun spruchreif ist und sicher einen Exodus amerikanischer Spielerinnen verhindern wird. Acht Vereine soll das neue Konstrukt haben, darunter die Boston Breakers, Chicago Red Devils und auch die Seattle Sounders, für die in dieser Saison Stars wie Hope Solo, Alex Morgan und Sydney Leroux einige Spiele absolviert haben. Wie die Liga konkret aussehen wird, soll in den nächsten Wochen festgelegt werden. Fünf Teams von der Ostküste und drei von der Westküste werden dabei sein. Weitere Investoren sind willkommen. Bald beginnen die Verhandlungen mit der US Soccer Federation bezüglich der Sanktionierung der neuen Liga.

2) In Schweden verstärkt sich der Tabellenelfte AIK mit der 92-fachen amerikanischen Nationalspielerin Lori Chalupny, die 2008 in Peking Gold mit den USA holte. Mich wundert etwas, dass es keine Stürmerin ist, die AIK holt, aber vielleicht soll Nazanin Vaseghpanah weiter nach vorne rücken, eine Rolle, die si früher schon erfolgreich gespielt hat.

Gestern Abend spielten Djurgården und Linköping in einem Testspiel 3:3. Djurgårdens Trikot mit der Nummer 8 trug die finnische Nationalspielerin Marianne Tolvanen, die eigentlich bei HJK Helsinki unter Vertrag steht. Möglicherweise soll Tolvanen also im Herbst helfen, den Tabellenletzten doch noch zu retten.

Markus Nilsson, erfolgreicher und junger Clubchef bei Aufsteiger Vittsjö GIK steigt aus. Nicht aus Unzufriedenheit, sondern weil man ihm einen Topjob angeboten hat: Nilsson wird Eventchef der EURO 2013, die kommendes Jahr in Schweden ausgetragen wird.

Halbzeit (12) Djurgården IF

Sofia Nilsson (links) im Spiel gegen Kristianstad mit Johanna Rasmussen

Hier ganz unten hatte man Djurgården nicht erwartet. AIK und Vittsjö waren die erklärten Abstiegskandidaten, Djurgården sah man davor mit einem recht deutlichen Abstand auf Platz 10.

Im Gefüge des Teams hatte sich einiges geändert. Dora Maria Larusdottir und Emma Lundh hatten den Verein verlassen. Larusdottir zog es in die brasilianische Provinz und inzwischen wieder zurück nach Reykjavik, wo sie beim mehrfachen Meister und jetzigen Tabellenvierten Valúr spielt. Lundh, die im Angriff jedes Mal für einen Assist oder ein Tor gut war, entschied sich, ihr einzigartiges Talent wirklich auf die Probe zu stellen und verließ Stockholm und ihre Familie und ging nach Linköping.

Die beiden Abgänge konnten nicht kompensiert werden. Und offenbar ist die Kasse auch zu klamm, denn die Neuverpflichtungen, die man sich gönnte, kamen zum einen vom Absteiger Hammarby: Spielerinnen, die zwar weiterhin erstklassig spielen wollten aber lieber in Stockholm bleiben wollten, als ihr Glück anderswo zu versuchen. Das ist völlig legitim und gerade im Frauenfußball, wo man eben normalerweise kein Geld verdient. Anna Lindblom, Magdalena Ericsson, Jessy Sharro und Katrine Petrous kamen von Hammarby, Madeleine Stegius von Tyresö. Stegius, weil sie bei Tyresö zu oft trainieren musste und damit nicht gleichzeitig ihre weitere Berufsausbildung hätte betreiben können. Sharro kam verletzt, in der Reha-Phase nach einem Kreuzbandriss und hat bis heute noch keine 90 Minuten spielen können. Linblom wurde von Trainer Putte Eklöf nicht auf der angestammten rechten Außenverteidigerposition eingesetzt, sondern als rechte Innenverteidigerin. Rechts blieb Sofia Nilsson, die beiden stehen sich öfter im Weg. Im Mittelfeld ist Renée Slegers nach ihrem Kreuzbandriss 2011 allmählich dabei, wieder eine 90-Minutenspielerin zu werden, aber das Mittelfeld ist sicher der schwächste Mannschaftsteil. Larusdottir, die ordnete und kreativ nach vorne spielte wurde nicht ersetzt, ihre Erfahrung, die sie zweimal zur wertvollsten Spielerin der isländischen Liga machte, fehlt einem relativ anonymen Team. Und vorne war Mia Jalkerud von Emma Lundh verlassen worden und bekam kaum noch Bälle. Zu leicht für gegnerische Defensiven, sich auf die kleine, energische Stürmerin zu konzentrieren. Jessica Landström hatte sich früh entschieden, zu Djurgården zu kommen, aber Frankfurt ließ sie nicht ziehen, obwohl man sie kaum einsetzte.

Und Landström ist auch nicht die Richtige für Djurgården. Nun hat man eine große und eine kleine Targetstürmerin. Jessica Landström hätte bestens zu AIK gepasst und gemeinsam mit dem U19-Nationalspielerinnen dort hätte sie AIK aus dem Keller rausschießen können. Bei Djurgården sehe ich die Rettung nicht mehr kommen. Es sei denn, man verstärkt sich jetzt noch schnell, da wo es unbedingt notwendig ist.

Zum zweiten Mal hintereinander wird der Preis der besten Spielerin Djurgårdens an Gudbjörg Gunnarsdottir gehen. Die Isländerin kämpft schreit und engagiert sich wie keine andere und sie rettet immer wieder Situationen für ihre Vordermannschaft und verhindert noch schlimmere Niederlagen. Die 27-Jährige hätte jedoch die Zeichen erkennen müssen und den Verein rechtzeitig verlassen sollen, um in ihrer persönlichen Karriere weiterzukommen. Das Potential, um in Island die Nummer 1 vor der für Malmö spielenden Thora Helgadottir zu werden, hat sie. Dazu allerdings müsste sie in einem besseren Verein spielen.

Inmitten der Hinrunde machte Gunnarsdottir die Schulter zu schaffen, die sie sich vor ein paar Jahren bei einem Sprung gegen den Pfosten auskugelte. Das führte dazu, dass ausgerechnet im Spiel gegen Linköping, das sich rehabilitieren wollte für eine bislang missratene Saison, die 17-Jährige Tove Engblom im Tor stand. Mit 0:11 bekamn sie einen Horroreinstand in die Damallsvenskan, wobei mehr als die Hälfte der Tore aufgrund der geradezu provozierenden Passivität ihrer Abwehr fiel. Wer 0:11 verliert, der wird es in der Regel auch nicht schaffen, auch wenn ein solches Rsultat sich (hoffentlich) nicht wiederholen wird.

Wenn kein kleines Fußballwunder im Herbst geschieht, wird Djurgården im kommenden Jahr in der neuen zweiten Liga Superettan spielen müssen. Elf Spiele hat man absolviert, die nächsten beiden Begegnungen bestreitet man gegen Meister LdB FC Malmö, der sechs Punkte einfahren MUSS, um die Meisterschaft zum dritten Mal hintereinander holen zu können. Dann steht das Stockholmer Derby beim Tabellenelften AIK auf dem Programm – ein Schicksalsspiel für beide Teams.

Stockholm wird, so sieht es im Moment aus, im Jahr 2013, dem Jahr der Europameisterschaften in Schweden, ohne Erstligateam sein. Erstligafußball wird man dann nur in Tyresö sehen können. Und geradezu symbolisch ist dann auch, dass keines der Spiele der EURO 2013 in Stockholm stattfinden wird. Die Stadt hat sich nicht für die Austragung von Spielen beworben.

Solna, Heimat von AIK, ist allerdings eine Stadt innerhalb der Stadt Stockholm, wird von Stockholm umschlossen. Und in Solna findet 2013 bei der EURO ein einziges Spiel statt: Das Finale am 28. Juli 2013 in der nagelneuen Friends Arena, die im Herbst diesen Jahres noch mit einem Länderspiel (Männer) zwischen Schweden und England eingeweiht wird. Das bislang (seit den 1920er Jahren) klassische Råsunda-Stadion in Solna wird abgerissen werden und soll Wohnungen Platz machen. Råsunda bekommt allerdings im September noch ein Abschiedsspiel, dann treffen die schwedischen Männer auf Brasilien in einer Neuauflage des WM-Finales von 1958, das an gleicher Stelle stattfand. In Råsunda machte im Übrigen auch ein gewisser Franz Beckenbauer 1965 sein erstes Länderspiel für Deutschland.

Keine Chance für Djurgården

Sofia Nilsson (Djurgården) springt hoch, Lollo Fors (Linköping) schaut nach oben, aber wo ist der Ball?

Gestern Abend war ich im Stockholmer Olympiastadion und sah dort mein letztes Spiel vor der Sommer- und Olympiapause: Djurgården gegen Linköping. Es war auch das Wiedersehen mit Emma Lundh, die bei Djurgården schmerzlich vermisst wird und die das gestern mit ihren Toren zum 3:0 und 4:0 auch noch mnal schmerzlich unterstrich. Emma ist eine waschechte Stockholmerin und sie war so fair, dass sie nach beiden Toren nicht jubelte, sondern lediglich die Glückwünsche ihrer Mannschaftskameradinnen entgegennahm.

Das Spiel wurde schon in der ersten Halbzeit entschieden. Den ersten Treffer markierte die Norwegerin Nora Holstad Berge, als Gudbjörg Gunnarsdottir gerade einen mächtigen Schuss abgewehrt hatte und schon geschlagen am Boden lag, da drückte Holstad Berge das Ding rein. Und den zweiten Treffer erzielte Manon Melis, sdchon ihr neunter in dieser Saison, allmählich müssen Christen Press und Anja Mittag sich darauf einstellen, dass an der Spitze der Torjägerliste nun auch die Holländerin auftaucht, die schon dreimal Torschützenkönigin in Schweden war.

Djurgården war wesentlich bemühter als beim desaströsen 0:11 in Linköping vor wenigen Wochen, aber man war letztlich chancenlos gegen dieses Spitzenteam, das allmählich auch in Form kommt mit nun fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen.

Jessica Landström traf am Ende noch für Djurgården, aber das war nicht einmal Kosmetik. Die Frustration nach dem zwölften Spieltag und nach elf Spielen muss groß sein bei Djurgården, denn zumindest die erfahrenen Spielerinnen wissen wohl, dass es kaum noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt geben dürfte, auch wenn das rettende Ufer mit KIF Örebro nur vier Punkte entfernt ist.

Eine Bilanz der ersten zwölf Spieltage kommt in den nächsten Tagen.

Jane Törnqvist sagt Tschüss

Normalerweise beendet man seine Karriere am Ende einer Saison. Nicht so Jane Törnqvist. Die 37-Jährige Innenverteidigerin von Vizemeister Kopparberg/Göteborgs FC spielt am Mittwoch daheim gegen AIK und dann nächste Woche auswärts in Tyresö, danach ist dann Schluss.

Dann hat sie 368 Spiele in der Damallsvenskan gespielt. Bei 22 Spielen pro Saison sind das imponierende 16,7 komplette Spielzeiten. Törnqvist spielte 109 mal für die schwedische Nationalmannschaft und erzielte elf Tore. Ihr größter EQrfolg war die Vizeweltmeisterschaft mit Schweden 2003 in den USA. Lange Jahre spielte sie bei Djurgården in der Innenverteidigung als der Stockholmer Club noch eine der ersten Adressen für Frauenfußball in Schweden war.

2005, nachdem Djurgården das Finale im UEFA Women’s Cup gegen Turbine Potsdam verloren hatte, sollte die in Manila geborene Schwedin angeblich zu Bernd Schröders Truppe wechseln, was sie jedoch abstritt. Der KICKER hatte Törnqvist schon in seine Saisonvorschau 2005/06 aufgenommen. Man habe miteinander geredet, es sei jedoch nie zu einem konkreten Angebot gekommen, so Törnqvist damals.

2008 als man damit rechnete, dass Jane Törnqvist eventuell die Schuhe an den Nagel hängen würde, wechselte sie nach Göteborg, wo sie bis heute unverzichtbar ist, was ihren Abschied mitten in der Saison zur Sommerpause hin etwas unverständlich macht.

Landströms erster Sieg

Jennie Nordin und Jessica Landström

Im Stockholmer Derby zwischen Djurgården und AIK gab es am Sonntagnachmittag den ersten Sieg für Nationalspielerin Jessica Landström nach ihrer Rückkehr nach Schweden. 0:2, 1:3, 0:11 und nun immerhin ein 2:1, das allerdings auch lebenswichtig war, denn eine Niederlage hätte einen immensen Rückstand auf das rettende Ufer bedeutet.

AIK war für mich leicht favorisiert, denn die Mannschaft hatte besser kombiniert, wie eine Einheit gewirkt in den Begegnungen, in denen ich den Aufsteiger gesehen hatte. Djurgården dagegen hatte kaum Chancen produziert und sah blass aus. Dennoch: mit Landström hat sich etwas verändert. Man setzte auf Offensive und kontrollierte zu Beginn das Spiel. Auffällig im Mittelfeld: Annika Kukkonen. Die Finnin spielte sowohl zentral wie auch zeitweise auf den Flügeln. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Gastgeberinnen vor knapp 700 Zuschauern in Führung gehen würden.

Aber ich hatte die Rechnung ohne den Regen gemacht, der die Bälle schnell und den Rasen rutschig machte. Nach drissig Minuten schoss Nazanin Vaseghpanah aufs Tor, Gudbjörg Gunnarsdottir konnte nur abklatschen und aus gut 14 Metern setzte Susan Varli den Ball ins Tor. Die überraschende Führung für AIK und wer weiß wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn man dieses Resultat hätte mit in die Halbzeit nehmen können. Aber nur wenige Minuten später schon schoss Renée Slegers, erstmals wieder von Anfang an nach ihrem Kreuzbandriss letztes Jahr, den Ausgleich. Als dann in der zweiten Halbzeit AIK streckenweise optisch stärker wurde, ging Djurgården in Führung und gab den Vorteil auch nicht mehr ab: Sofia Nilssons Freistoß wurde länger und länger und rutschte ihrer Namensvetterin Susanne Nilsson im Tor von AIK durch die Hände.

Dioe restliche halbe Stunde sah zwar mehr Ballbesitz der Gäste aber Katrin Jonsdottir in der Abwehr und Jessica Landström vorne retteten das Resultat über die Zeit. Ob es jemandem nutzt, oder ob doch beide Stockholmer Clubs absteigen wird sich zeigen. Es ist fast zu befürchten, denn wie ich im vorigen Post behauptet habe, ist die Mitte sehr breit und unten stehen eben Djurgården und AIK,

Linköpings FC – Djurgården damfotboll= (8:0) 11:0

Und hier gibt es alle Tore. Die arme Tove Enblom im Tor…

1:0 Emma Lundh (1.), 2:0 Louise Fors (11.), 3:0 Petra Larsson (16.), 4:0 Lisa DeVanna (27.), 5:0 Manon Melis (37.), 6:0 Louise Fors (39.), 7:0 Manon Melis (41.), 8:0 Emma Lundh (45.), 9:0 Manon Melis (68.), 10:0 Josefine Alfsson (83.), 11:0 Manon Melis (92.)

 

Tyresö schlägt Djurgården im Regen

Djurgården unter Druck – Kopfball von Elaine Moura

Mit 2:0 gewann Tyresö FF am Samstagnachmittag gegen den Tabellenletzten Djurgården durch Tore von Madelaine Edlund und Lisa Dahlkvist. Aber der Tabellenführer tat sich trotz fast totaler Dominanz sehr schwer, das Tor zu treffen.

„Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, aber da vorne lassen wir einfach zu viele Chancen aus, wir müssen uns das ansehen. Ich habe in der ersten Halbzeit auch einen Ball verschossen, den ich normalerweise immer reinmache,“ sagte mir Marta nach dem Spiel, die ich noch „erwischte“, als sie wie immer sehr geduldig und freundlich Autogramme für die Kinder schrieb, die ihr hinterherlaufen. Inzwischen muss wohl jedes Kind zwischen fünf und vierzehn in Tyresö ein Autogramm der Brasilianerin habe, dachte ich mir. Marta war’s dennoch zufrieden. „Das Spiel war wegen der ausgelassenen Torchancen nicht so lustig, aber am Ende bin ich dann doch zufrieden mit den drei Punkten,“ so Marta weiter.

Überragend auf dem Platz: Vero Boquete. Die kleine Spanierin zeigte Kabinettstückchen, filigrane Finten und leistete so ganz nebenbei hervorragende Defensivarbeit. Der neue Trainer (Stefan Fredriksson trat Donnerstag offiziell wegen Überarbeitung zurück) Leif Edeborg (bisheriger Assistent Fredrikssons) hatte etwas ummöbliert. Line Röddik-Hansen, wohl beste Linksverteidigerin der Liga, musste aus unerfindlichen Gründen in die Innenverteidigung für die angeschlagene Linda Sembrant, während Elaine auf Röddik-Hansens angestammter Position spielte.

Bei Djurgården überragte wie so oft in Begegnungen gegen wesentlich stärkere Teams Torfrau Gudbjörg Gunnarsdottir. „Das Wetter heute ist so wie bei uns zu Hause in Island,“ sagte sie mir nach dem Spiel, für das sie als Beste ihres Teams einen Picknick-Korb des Sponsors bekommen hatte.

Kaum Bälle bekommen hatte eine Debütantin, die wir seit dem November 2009 erstmals wieder in der schwedischen Liga sahen: Djurgårdens neue Nummer 6, Nationalspielerin Jessica Landström, die 95 Minuten durchspielte.

Fotos vom Spiel gibt es leider nur eines (von der Tribüne), da der stete Regen, der eisige Wind und Temperaturen unter zehn Grad dazu beitrugen, dass ich dieses Spiel zu dem mit dem bisher schlechtesten Wetter in allen sieben Spielzeiten küren möchte, in denen ich die Damallsvenskan verfolgt habe.

Nach dem Spiel joggte Landström, die als einzige mit Handschuhen spielte, erst noch einmal in Ruhe aus, ehe sie mir dann im Medienraum von Tyresö doch noch vor das Mikrofon lief.

„Ich glaube, da fehlt einfach noch viel Selbstvertrauen bei Djurgården. Dass man den Ball haben will und dass man sich traut, ihn auch erst einmal zu behalten. Man konnte das bei Tyresö sehen, die wollen den Ball haben. Wir laufen sehr viel, aber wir könnten effektiver laufen, wenn mehr Ballbesitz wollten, denn so müssen wir sehr viel in der Defensive laufen,“ sagte Jessica Landström, befragt nach ihren ersten Eindrücken vom (alten und) neuen Team.

„Ich denke, dass ich in guter Form bin, habe drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert. Wir müssen einander kennen lernen und einander vertrauen. Ich rede gerne viel und steuere auch die Dinge, aber das ist natürlich noch nicht so einfach, ich kenne ja noch nicht mal alle meine neuen Mannschaftskameradinnen mit Namen.“

Was hast du aus deiner Zeit in Frankfurt mitgebracht?

„Sehr viel. Das ist ein sehr professioneller Verein mit Weltklassespielern. Alle haben ein sehr hohes indivioduelles Leistungsniveau. Die Trainingsvoraussetzungen und das Training da haben mich enorm entwickelt. Hier ist eine andere Situation, hier bin ich sicher eine der kreativeren und aktiveren Spielerinnen, in Frankfurt waren sehr viele andere auch aktiv, das wird anders. Ich habe mich als Mensch weiterentwickelt und auch als Person.“

Und du hast auch Deutsch gelernt? Ich habe Tweets auf Twitter gelesen, die du auf Deutsch geschrieben hast?

„Ich verstehe alles, würde ich sagen, wenn es nicht gerade Fachsprache ist. Bücher kann ich auch lesen, aber Sprechen geht so lala.“

Siehst du dich unter Druck hier, du kommst in einer schweren Situation, die Mannschaft ist Letzter, man erwartet Tore?

„Den Druck, den ich von anderen bekomme, den kann man nie vergleichen mit dem Druck unter den ich mich selber setze.“

Wie würdest du Tyresö und Frankfurt vergleichen?

„Das wäre sicher ein interessantes Spiel.“

 

Jessica Landström vor Debüt

Am Dienstag landete sie in Stockholm und bereits heute soll Jessica Landström nach zweieinhalb Jahren Abwesenheit wieder in der Damallsvenskan spielen. Ihr neuer Verein Djurgården steht seit Ende März fest, aber der 1.FFC Frankfurt weigerte sich, die 27-Jährige Nationalspielerin freizugeben. Genutzt hat das niemandem – Frankfurt gewann nicht einen der drei anvisierten Titel und schaffte es nicht einmal sich für die Champions League zu qualifizieren.

In ihrem ersten Spiel bekommt es Jessica Landström gleich mit Tabellenführer Tyresö FF zu tun, der zwar oben steht, aber doch von diversen Ereignissen (ffschweden berichtete) gebeutelt wurde. Djurgården selber ist Letzter und stand seit 2000 noch nie so schlecht da nach sieben Spieltagen. Die Hoffungen auf Landström sind groß.

Wir machen uns auf den Weg nach Tyresö und hoffen, nach dem Spiel ein paar Worte mit Jessica Landström wechseln zu können.

Vittsjö gewinnt auch sein viertes Heimspiel

Djurgården hatte sich so viel vorgenommen nach dem Sieg gegen Umeå am letzten Sonntag. Da war die Hoffnung zurückgekehrt nach Stockholm und der Kampfgeist ebenso. In Vittsjö, gegen diesen mysteriösen Aufsteiger, da müsste man doch mit einer konzentrierten Leistung die Kurve fortsetzen können, die so vielversprechend gewendet worden war.

In der ersten Halbzeit war auch alles gut. Djurgården machte die Räume im Mittelfeld eng und Gudbjörg Gunnarsdottir, die Kapitänin zwischen den Pfosten, machte die größte Chance der Gastgeberinnen zunichte und hielt einen Foulelfmeter von Sandra Adolfsson.

Aber Adolfsson wollte den Fehler nicht auf sich sitzen lassen und hatte dabei mehr Erfolg als Robben gestern Abend in München. In der 66. Minute servierte ihr Sofie Andersson einen tollen Pass und es stand 1:0 für Vittsjö, das dieses Mal knapp unter 1.000 Zuschauern blieb. Der Bann war gebrochen. Sofie Andersson mit ihrem siebten Saisontreffer, Kirsty Yallop und Johanna Andersson erhöhten innerhalb von neun Minuten auf 4:0, ehe Natalia Rickne den Ehrentreffer für das neue Tabellenschlusslicht Djurgården erzielen konnte. Vittsjö, der von allen als Absteiger getippte Aufsteiger, liegt nach fast einem Drittel der Saison punktgleich mit Tyresö und Malmö auf Rang 3.

Ein Sonderlob meines Kollegen Fredrik Hasselgren verdiente sich IUnnenverteidigerin Ifeoma Dieke, die ihre Abwehr wohl so führte wie man das ansonsten nur von Faith Ikidi gewohnt ist.

Totgesagte leben länger

Jenny Hjohlmans Schuss - Gudbjörg Gunnarsdottir geht runterNein, das hätte ich Djurgården niccht zugetraut. Den gestrigen 1:0 Sieg über Umeå IK. Das frühe Tor von Mia Jalkerud versetzte Umeå in einen Zustand der Lähmung. Auch wenn die zwar zweimal die Querlatte trafen und sich die eine oder andere Chance erarbeiteten: Umeå wirkte einfallslos und enttäuschte auf der ganzen Linie gegen ein Djurgården, das kämpfte, füreinander spielte und zum ersten Mal in allen Mannschaftsteilen auch Verbindungen schaffte.

Smart von Trainer Patrick „Putte“ Eklöf die eigentliche Außenverteidigerin Sofia Nilsson ins rechte Mittelfeld aufrücken zu lassen. Das verbesserte die Qualität wesentlich. Abgesehen davon war es Nilsson, die sich in der sechsten Minute auf ihrem Flügel gegen mehrere Gegnerinnen durchsetzte und Jalkerud den Ball servierte, den sie wie vergangenes Jahr öfter geschehen klinisch zum Führungs- und späteren Siegtor verwandelte.

Thomas Dennerbz, den Innenverteidigungssorgen plagen, nachdem sich Charlotte Rohlin am letzten Donnerstag das Kreuzband riss und Sara Larsson noch immer nicht mit dem Balltraining begonnen hat, sah keine überzeugende Leistung von Nachrückkandidatin Emma Berglund. Die und ihre Partnerin Alexandra Nilsson, beide normalerweise sehr sichert, offenbarten ein ums andere Mal Unsicherheiten und schlechte Abstiummung. Die sieben Gegentore von Malmö und die fünf vom Heimspiel gegen Tyresö zuletzt haben da Spuren hinterlassen.

„Jetzt fängt die Saison endlich für uns an, ich wusste schon gar nicht mehr wie das ist, zu gewinnen,“ sagte mir Katrin Jonsdottir nach der Partie. Und Kapitänin Gudbjörg Gunnarsdottir strahlte, aber auf meine Frage, ob sie denn wie früher öfter geschehen, die Mannschaft zu sich nach Hause einladen würde, um den ersten Sieg zu feiern, sagte sie leicht verzögert: „ich glaube nicht, einige müssen ja morgen arbeiten.“

Nächster Gegner der Stockholmerinnen ist am Wochenende Aufsteiger Vittsjö, erst einmal jedoch geht es nach Västerås zum schwedischen Pokal am Donnerstagmittag.

Punktlos und ein Tor – Djurgården weiterhin Letzter

0:2, 0:2, 1:3, 0:1, 0:3. Mit nur einem erzielten Treffer liegt Djurgården weiterhin auf dem letzten Platz der Damallsvenskan. Bei den ebenfalls unter Erwartung gestarteten Kickerinnen von KIF Örebro verlor Djurgården am Samstag deutlich mit 0:3 und fing sich damit die höchste Saisonniederlage ein. Zum Nichabstiegsplatz 10, auf dem nach wie vor der heutige Gegner steht, beträgt der Abstand aber nun schon sechs beunruhigende Punkte.

Immerhin gab es in der zweiten Halbzeit einige Torchancen und vier Schüsse auf das von Stephanie Labbé gehütete Tor. Wie immer konnte sich Gudbjörg Gunnarsdottir bei Djurgården nicht über Arbeit beklagen. Mit nunmehr 37 gehaltenen Schüssen hat keine andere Keeperin der Damallsvenskan bislang so viel Arbeit gehabt wie die 26-Jährige Isländerin.

Das Problem bei solchen Statistiken ist, dass die Torhüterinnen, die sehr viel halten, meist auch viel reinbekommen. Denn oft steht halt ihre Abwehr ziemlich unter Druck. In Örebro trafen heute Elin Magnusson, Caroline Näfver und Marie Hammarström gegen das Stockholmer Team, das am nächsten Sonntag Umeå IK zu Gast haben wird.

Trainer Putte Eklöf sagte nach dem Spiel, dass man ja immer noch auf Spielerinnen warte, die in der Rekonvaleszenz seien – etwa Alexandra Höglund und Jessy Sharro, aber das ist die typische Rhetorik eines Trainers, der eigentlich wissen sollte, wie ernst es um sein Team bestellt ist, der es aber nicht sagen kann, will und darf. Denn sowohl von Höglund und Sharro, auch von Renée Slegers kann und wird man keine Wunder erwarten können. Das sind ordentlich begabte Spielerinnen – die bitter erforderliche Wende werden sie nicht herbeiführen können.

Djurgården wird in diesem Jahr Opfer seiner nicht vorhandenen Planung. Und natürlich der Tatsache, dass sich die Ressourcen massiv verschlechtert haben. Aber der Kader wurde auch seit langem nicht mehr wohlüberlegt zusammengestellt. Victoria Sandell Svensson war eine Weltklassespielerin, ob sie die Richtige war, den Posten einer Sportchefin zu bekleiden, darf bezweifelt werden. Im Jahr 1 nach dem Karriereende stand für Vickan erst mal die Familiengründung im Vordergrund, das ist akzeptabel, verständlich und nachvollziehbar. Man hätte aber eine erfahrene Position die Schwangerschaftsvertretung machen lassen müssen. Nun ist Svensson zurückgekehrt, aber ein Blick auf den Kader zeigt, dass da wenig von Planung zu sehen ist.

Man hat sich gleich mit vier Spielerinnen von Absteiger Hammarby eingedeckt, die vor allem in Stockholm bleiben wollten, aus privaten und beruflichen (nicht-fußballerischen) Gründen. Auch das ist legitim. Ein Erstliga-Club, der es bleiben will, sollte seine Positionen allerdings nach Notwendigkeiten und Zielen besetzen. In Ermangelung einer Nachfolgerin für Emma Lundh wird jetzt die 17-Jährige Madeleine Stegius vermutlich so lange in der Offensive verheizt, bis Jessica Landström kommt. Die wird die Niederlage ihres künftigen (und früheren) Vereins sicher auf ihrem Smartphone während der Busreise nach Potsdam mitbekommen haben.

Während Landström in Frankfurt zumindest davon träumen kann, für ein paar Minuten oder länger beim Champions-League-Finale in München eingesetzt zu werden, wird sie hier in Schweden einen gigantischen Rückstand aufholen müssen. Und so ist auch Landström das Beispiel einer Spielerin, die eher aus privaten, denn aus sportlichen Gründen wechselt. Kann man von dieser Art Spielerin dasselbe Engagement erwarten wie von einer Spielerin, die ihre Entscheidungen allein aus sportlichen Gesichtspunkten trifft?