Damallsvenskan – die große Vorschau


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In Pernille Harder hat die Damallsvenskan einen seiner größten Stars verloren

Am Sonntag geht es los! Frohe Ostern! Die Damallsvenskan startet in ihre Saison 2017. Ich gebe euch hier die wichtigsten Infos und wage mich wie immer an eine Prognose.

Die schwedische Liga verliert an Attraktivität

Nach vielen Jahren, in denen die Damallsvenskan zu den besten Ligen der Welt gehört hat, muss man konstatieren, dass für internationake Topspielerinnen nun endgültig andere Ligen interessanter sind. Der Trend geht zu England, Frankreich ist derzeit vorn, Deutschland verliert (nicht zufällig sind keine deutschen Clubs mehr in der UWCL vertreten und haben das deutsch-französische Duell mit 0-2 verloren) und Schweden rutscht noch ein wenig weiter ab, da es mit den finanzstarken VfL Wolfsburg und Bayern München auch nicht mithalten kann. In Spanien bildet man eigene Spielerinnen aus nach den bewährten Männermodellen (siehe FC Barcelona). Für mich gehören die Spanierinnen in der EURO 2017 zu den Medaillenanwärtern.

Am deutlichsten zeigt sich das daran, dass mit Pernille Harder (Wolfsburg), Marta (Orlando Pride), Stina Blackstenius (Montpellier HSC) und Fridolina Rolfö (Bayern München) vier der schillerndsten Stars die Liga verlassen habe. Meistens hängen Geld und Erfolg auch im Frauenfußball zusammen, ist es einmal nicht unbedingt so, spielt einmal eine Mannschaft ein junges Team ein und zum Meistertitel wie letztes Jahr in Schweden, dann antworten die finanzstarken Clubs damit, dass sie die besten Spielerinnen wegkaufen.

Rosengård ist nach dem Jahr von Linköping nun wieder klarer Favorit auf den Meistertitel. Denn der LFC musste seine Offensive (mit Ausnahme der starken Notwegerin Kristine Minde) komplett neu aufbauen und selbst wenn man mit den Verpflichtungen von Marija Banusic und Lina Hurtig zwei der größten Talente des schwedischen Fußballs aus Eskilstuna bzw. Umeå geholt hat, so kann man nicht von den Beiden verlangen, dass sie ab Sonntag in die Fußstapfen von Harder treten, die für mich zu den weltbesten Spielerinnen zählt.

Rosengård kommt in die Jahre, aber die Routine reicht (noch) für den Titel

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Die 33-Jährige Lotta Schelin soll in dieser Saison die Tore machen

In Rosengård gibt es mehr Routine als sonstwo in Schweden. Das Team ist im Kern seit Jahren zusammen, es altert allerdings auch bedenklich. Die neue Sportchefin Therese Sjögran und Mr. Rosengård Erling Nilsson gelingt es zwar immer schnell, entstandene oder entstehende Löcher zu stopfen, allerdings findet man auf dem heutigen Markt eben nicht mehr junge „Rohdiamanten“ wie Sara Björk Gunnarsdottir oder Manon Melis. Und so kommen Lotta Schelin (33), Anja Mittag (32 in vier Wochen), Anita Asante (32 in zwei Wochen), Ella Masar McLeod (31), Erin McLeod (34), Lina Nilsson (30 am 17.06.), Ali Riley (30 am 30.10.) langsam, aber auch unaufhaltsam in die Jahre. Auf der „jungen“ Seite stehen da lediglich Zecira Musovic (21 am 26.05.), Amanda Ilestedt (24) und Lieke Martens (25 am 16.12.) gegenüber. Die 18-Jährige Ebba Wieder ist die einzige der jungen Schwedinnen im Kader, die regelmässig zu Einsatzminuten kommt, wir dürfen sehen, ob das auch in der Saison so sein wird. Nein, Rosengård braucht unbedingt einen Generationswechsel, einen fließenden, gesunden Übergang zur nächsten Generation. das heißt nicht, dass man viele der Leistungsträgerinnen ausmustern muss, das geht auch gar nicht. aber hier ist sukzessive, konsequente Kaderplanung vonnöten, die ich in Malmö nicht sehe.

Linköping ist hier weiterhin vorn, obwohl man viele Leistungsträgerinnen abgeben musste, für die guten Leistungen sozusagen „bestraft“ wurde. Aber die Abwehr besteht weiterhin aus drei schwedischen Nationalspielerinnen (Jonna Andersson, Jessica Samuelsson und Kapitänin Magdalena Eriksson), hinzu kommen gar zwei dänische Auswahlspielerinnen mit Janni Arnth und Maja Kildemoe. Das Alter der Leistungsträger ist wesentlich niedriger, die Perspektive über 2017 hinaus damit besser.

Klug arbeitet auch die Mannschaft mit dem besten Publikumsschnitt, Eskilstuna United. Nachdem vergangene Saison Gaelle Engamanouit ging (die Kamerunerin war 2015 Torschützenkönigin der Liga, verletzte sich schwer am Knie in einem ihrer ersten Spiele für Rosengård und ging, noch nicht 100% wieder fit zu Beginn des Jahres nach China), verlor man den Anschluss an die beiden Topteams, da Olivia Schough nun mal sehr wenig Tore schiesst und Marija Banusic nicht zurechtkam. Aber man hatte bereits die ausgezeichnete Mimmi Larsson, die aus welchen Gründen auch immer bei Pia Sundhage bestenfalls zweite Wahl ist. In diesem Jahr bekommen Schough und Larsson Hilfe von der ausgezeichneten schottischen Aussenspielerin Fiona Brown. Und nach einem Jahr Pause hat Mittelfeldschwerstarbeiterin Petra Larsson den Nachnamen gewechselt zu Johansson und wird ebenfalls für Akzente sorgen. Am Ostermontag bin ich in Eskilstuna beim ersten Heimspiel gegen Aufsteiger Hammarby.

Die Aufsteiger enttäuschten mit nur wenigen Neuverpflichtungen. Durch die Einführung der eingleisigen zweiten Liga ist zwar der sportliche Abstand zwischen Unter- und Oberhaus geringer geworden, aber man braucht dennoch weiterhin einige Spielerinnen mit Erfahrung. Kvarnsveden hatte das sicher 2016 auch nicht, aber wir alle haben die Klasse der Malawierin Tabitha Chawinga unterschätzt, die mit ihren Toren den Verein in der Liga hielt. Aber weder Hammarby noch Limhamn Bunkeflo haben ein Ausnahmetalent wie Chawinga in ihren Reihen. Es wird interessant sein, zu sehen, wo Tabitha Chawinga landet nach diesem Jahr: Rosengård, Linköping oder gar Lyon, PSG, Wolfsburg? So viel rohe Kraft und Schnelligkeit hat man selten im Frauenfußball gesehen. „Die spielt wie ein Kerl,“ sagten mir vergangenes Jahr mehrere Spielerinnen in einer Mischung aus Neid und Respekt.

2017 – Der Tipp

Wie geht die Saison 2017 also aus? Hier kommt die Abschlusstabelle, wie ich sie voraussage:

  1. FC Rosengård
  2. Linköpings FC
  3. Eskilstuna United
  4. Piteå IF
  5. Kopparbergs/Göteborg FC
  6. Djurgården
  7. KIF Örebro
  8. Kristianstads DFF
  9. Vittsjö GIK
  10. Kvarnsvedens IK
  11. Limhamn Bunkeflo
  12. Hammarby

Interessant noch, dass mit KIF Örebro und Hammarby zwei Teams am Start sind, die völlig ohne Ausländerinnen spielen. Bei einer schnellen Recherche stellte ich neulich auch fest, dass es in Schweden „nur“ noch 53 ausländische Spielerinnen gibt, die meisten in Vittsjö (9).

In Deutschland sind deutlich über 80 Ausländerinnen dabei, wobei der VfL Wolfsburg, Bayern München und der SC Sand mit jeweils 13 Ausländerinnen im Kader beinahe die Hälfte stellen.

 

 

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