Wolfsburg kann sich freuen


27789595181_d61d14939f_k (1)Sara Björk Gunnarsdóttir ist schon die dritte Spielerin aus Malmö, die der VfL Wolfsburg verpflichtet hat. Nach Kapitänin Nilla Fischer und Mittelfeldas Ramona Bachmann nun also die 25 Jahre alte Isländerin, die fünfeinhalb Jahre lang in Malmö gespielt hat.

Ihr letztes Spiel absolvierte ‚Björki‘, wie die Mittelfeldspielerin genannt wird, am 23.06. beim Auswärtssieg (1:0) bei Eskilstuna United. Mitte der zweiten Halbzeit gab Sara Björk den entscheidenden Steilpass über gut und gerne 30 Meter zu Marta, die keine Probleme hatte, das Siegtor zu machen.

Nach dem Spiel hatte ich Gelegenheit, mich mit ‚Björki‘ zu unterhalten.

Es ist sicher die blödeste und beliebteste Frage von schwedischen Sportjournalisten, aber heute und hier passt sie: „Hur känns det?“ – Wie fühlst du dich?

„Es ist ein komisches Gefühl zu gehen. Es waren fantastische fünfeinhalb Jahre, in denen ich mich sowohl als Mensch wie auch als Spielerin entwickelt habe. Es ist nicht leicht, zu gehen,“ sagte Gunnarsdottir wie man sie in Deutschland wohl nennen wird.

Dabei ist Island ein Land, in dem die Vornamen mehr Bedeutung als die Nachnamen haben. Sara Björks Vater heisst Gunnar, weshalb sie seinen Namen mitnimmt. Sollte sie Mutter werden, würden ihre Kinder den Vornamen des Kindsvaters tragen. Wer mal in Reykjavik war, als es noch Telefonbücher gab, weiß, dass das nach den Vornamen sortiert war. Das mal nur so als kleinen Exkurs…

Du bist als Jugendliche oder junge Erwachsene nach Schweden gekommen und gehst jetzt irgendwo gereift und endgültig erwachsen. 

„Es war eine sehr wichtige Zeit für mich. Ich war 20 als ich gekommen bin und es war genau die richtige Mannschaft. Ich habe mit fantastischen Spielerinnen zusammengespielt und hatte verdammt gute Trainer. Ich hätte es in diesen Jahren nicht besser haben können.“

94 unglaubliche Länderspiele hat ‚Björki‘ bereits für die isländische Nationalmannschaft gemacht, das erste mit nur sechzehn Jahren. Für die EM in den Niederlanden ist man bereits so gut wie qualifiziert und in der Nationalmannschaft ist sie bereits Kapitänin.

Da kommt eine Charakterspielerin nach Wolfsburg, eine, die durchaus die Rolle schultern kann, die Lücke füllen kann, die Weltfußballerin Nadine Kessler hinterlassen hat.

In Malmö, da sagen alle immer, dass es etwas ganz Besonderes ist, für Rosengård zu spielen, mit nichts vergleichbar. Kannst du das erklären?

„Wir kommen alle sehr gut miteinander aus und das ist nicht nur individuell. Es gibt eine Menge Spielerinnen, die sehr lange miteinander gespielt haben und wenn eine neue kommt, dann wird sie sehr schnell  bei uns integriert. Dann stehen wir uns sehr nahe. Machen viel zusammen nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalkb,. Ich glaube, dass man das letztlich auch unserem Spiel ansehen kann.“

Und jetzt Wolfsburg, du willst die Champions League gewinnen?

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Abschied – Tränen bei Ali Riley nach dem letzten Spiel mit ‚Björki‘

Das wird sehr spannend in Wolfsburg. Nach fünf Jahren ist es wohl der richtige Schritt. Ich sehe dem mit großen Erwartungen entgegen, aber heute Abend habe ich durchaus noch gemischte Gefühle, weil es schon schwer fällt, Abschied zu nehmen. Wie gesagt ging es mir hier sehr gut.“

Noch ist die Truppe des VfL Wolfsburg nicht ganz klar. Trainer Ralf Kellermann sagte in einem zweiteiligen Interview auf der Homepage des Vereins, dass man noch eine Spielerin verpflichten will. Im Mittelfeld kann Kellermann kommende Saison auf zehn aktuelle oder ehemalige Nationalspielerinnen zurückgreifen. Kellermann sagt, dass man große Hoffnungen auf ‚Björki‘ setzt.

Wir werden ihren weiteren Weg aus Schweden verfolgen.

Sara Björk, wenn man in diesen Tagen eine Isländerin trifft, dann muss man doch auch ausnahmsweise über Männerfußball reden, was sagst du zu den Erfolgen des Teams bei der EM?

„Ja, das ist schon fantastisch. Lasse (der schwedische Trainer Lars Lagerbäck) hat gute Arbeit geleistet.“

V or dem Spiel gegen England (das dann 2:1 gewoinnen wurde), hat Island eine Chance?

„Warum soll Island denn keine Chance haben? Man hat immer eine Chance, die müssen weiterhin so gut in der Defensive stehen. Dann werden wir sehen…“ sagte Gunnarsdottir, die dann am Ende Recht behielt und wohl auch für das heutige Spiel gegen Frankreich dieselbe Antwort geben würde. Warum soll Island denn keine Chance haben…

Deutsch gelernt hat sie vier Jahre auf der Schule in Island, aber sie glaubt, dass sie noch einmal von vorn beginnen wird. Die 25-Jährige ist möglicherweise der beste Neuzugang aus dem Ausland in die Bundesliga und dort wird sie sicher ihren Weg genauso machen wie in der Damallsvenskan. Eine reife, kluge und sympathische Sportlerin, die sich extrem einsetzt für ihr Team. Und die auch Führungspersönlichkeit ist. Wolfsburg kann sich freuen.

 

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