ffschweden im Gespräch mit: Anita Asante


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Anita Asante hat im Vereinsfußball alles gewonnen, was es gibt. Sie ist mehrfache englische und schwedische Meisterin und gewann mit Arsenal London als letzte nicht-deutsche oder nicht-französische Mannschaft den Europapokal, der damals (2007) noch UEFA Women’s Cup hieß.

Seit fünf Jahren lebt die 31-Jährige Abwehr- und Mittelfeldspielerin in Schweden. Zuerst war es Göteborg und schließlich wurde es Malmö, wo sie im All-Star-Ensemble des FC Rosengård inzwischen zwei Meisterschaften gewann. 65 Mal spielte sie für England und absolvierte auch vier Länderspiele für Großbritannien, das erstmals (und letztmals?) bei der Olympiade mit einem gesamtbritischen Team antreten durfte.

Dass sie 2015 bei der WM in Kanada nicht die Bronzemedaille mit ihren Mannschaftskameradinnen gewinnen konnte, ist vielen Beobachtern nach wie vor unverständlich. Denn „Neetz“, wie sie von ihren Freunden genannt wird, ist schon allein aufgrund ihrer Vielseitigkeit ein Gewinn. Aber als Mark Sampson von  Hope Powell übernahm, hatte der vor allem Spielerinnen im Auge, die in der heimischen FA WSL spielten.

Heute Abend spielt Asante mit dem FC Rosengård bei Eskilstuna United, der Zweite beim Dritten, und gleichzeitig stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab.

Am Dienstagabend habe ich mich mit Anita nach dem Männer-EM Spiel Deutschland -ö Nordirland und vor Spanien – Kroatien unterhalten.

„Ich muss sagen, dass ich von der großen taktischen Disziplin der ‚kleineren‘ Mannschaften bei der EM sehr beeindruckt bin. Obwohl die Favoriten meist sehr viel mehr Ballbesitz haben, fällt es ihnen äußerst schwer, die Spiele zu entscheiden. Das liegt daran, dass sich das defensive Spiel enorm entwickelt hat,“ sagt Anita, als wir ein wenig über die Männer-EM sprechen.

Und England? „Ich finde, die spielen toll, es macht Spaß, der Mannschaft zuzusehen. Ich freue mich darüber, dass sie sich mehr auf ein Spiel mit viel Ballbesitz hin entwickeln.“

„Ich freue mich aber natürlich auch, wenn ein scheinbarer Außenseiter wie Wales so weit kommt. Und auch Nordirland, ist ja klar, dass man als Britin an deren Erfolgen Freude hat. Wenn dann aber England gegen Wales spielt, dann bin ich natürlich für England.“

Für den FC Rosengård läuft es bestens: Neun Spiele, acht Siege und ein Unentschieden. Wie siehst du eure Rolle im Vergleich zu den letzten beiden Jahren?

„Naja, das sieht sehr gut aus, da hast du Recht. Aber man muss auch sagen, dass wir sehr, sehr hart dafür arbeiten. Es kommt nicht von ungefähr. Wir versuchen auch die ganze Zeit noch bessert zu werden und immer wieder neue Lösungen zu finden.“

In diesem Jahr gibt es einen großen Konkurrenten, Linköpings FC. Dahinter kommt dann erst einmal gar nichts.

„Es ist doch nur gut, dass da zwei Teams so eng an der Spitze liegen. Das erhält die Spannung. Ich finde, dass wir das Spiel gegen Linköping vor ein paar Wochen selber aus der Hand gegeben haben. Das hätten wir gewinnen müssen. Es zeigt aber auch, dass Linköping ein sehr gutes Team ist, wenn du denen eine Chance gibst, sind sie auf einmal wieder im Spiel.“

Auf das Spiel am Abend in Eskilstuna (ffschweden wird dabei sein) freut sie sich, nicht zuletzt, weil es mit Sicherheit ein großes Publikum geben wird. Kein Team hat einen auch nur annähernd so hohen Zuschauerzuspruch wie Eskilstuna.

Inwieweit hat euer Trainer Jack Majgaard Jensen denn in dem gut einen jahr, in dem er bei euch war, das Spiel verändert?

„Ich finde, dass er sehr viel verändert hat. Es ist einmal die Sache, dass wir ständig an neuen Lösungen und Varianten arbeiten. Und dann ist es so, dass er sehr gut daran ist, dass Potential in den einzelnen Spielerinnen zu erkennen und uns auch herauszufordern.“

Sprachlich wird im Moment mehr Englisch gesprochen in Malmö, sagt Anita, aber das wird sicher bald wieder anders werden. Denn der Verein bringt seinen Spielerinnen schnell Schwedisch bei. Als ich vergangenes Jahr Ali Riley nach einem Spiel in Stockholm sprach stellte ich alle Fragen auf Englisch und sie antwortete jeweils auf Schwedisch. Auch Anita kann sich mittlerweile durch den schwedischen Alltag in der landessprache durchschlagen, wenn es aber darum geht, sich präzise und variiert auszudrücken, spricht sie dann doch lieber Englisch.

Selber habe ich Anita Asante wieder viel stärker gesehen in den letzten Monaten als etwa in der vergangenen Saison. Die Natio müsste eigentlich ein Thema sein, aber da Mark Sampson offenbar eine Grundsatzentscheidung getroffen hat, berühren wir das Thema gar nicht.

„Danke, freut mich zu hören,“ sagt sie zu meiner Auffassung, dass sie derzeit eine sehr starke Rolle im zentralen Mittelfeld spielt. „Aber das habe ich natürlich auch dem tollen Team zu verdanken, dass es mir ermöglicht, sicher aufzutreten.“

Am Tag des Spiels entscheidet Großbritannien über den Brexit, den verbleib oder Austritt aus der EU. Ich weiß, dass du ein Mensch bist, der sich sehr für gesellschaftliche und politische Fragen interessiert. Wie stehst du, obwohl ich die Antwort wohl schon weiß…

„Ich bin dafür dass Großbritannien in der EU bleibt. Die Möglichkeiten und Chancen, die auch die einzelnen Mitbürger haben auf dem Arbeitsmarkt und beim Studieren sind doch riesengroß. Warum will man das aufgeben? Ich finde es sehr schlimm, dass die Nein-Seite in Großbritannien die Diskussion so sehr auf das Thema Migration begrenzt hat. Aber auch hier müssen wir uns doch solidarisch zeigen und wie die meisten anderen europäischen Länder auch können wir doch nicht so inhuman sein und Flüchtlinge abweisen. Ich hoffe, wir bleiben drin.“

Donnerstag die Abstimmung. Freitag Mittsommer in Schweden. Du bist jetzt drei oder vier Jahre hier, wie sehr hat sich Schweden verändert oder hat es das überhaupt?

„Nein, ich bin schon fast fünf Jahre hier, die Zeit vergeht. Aber ja, natürlich verändert man sich. In Göteborg schon ein bisschen, aber seit ich in Malmö bin, bekomme ich noch viel mehr mit, wie die schwedische Gesellschaft funktioniert. Ich habe Freunde, die Lehrer sind und nimm nur, dass wir in Großbritannien immer noch Schuluniformen haben und hier nicht. Ich habe auch einen gewissen Einblick darin bekommen, wie politische Prozesse auf lokaler Ebene funktionieren. Und Mittsommer habe ich schon früher gefeiert,“ sagt Anita. „Das Lied „smågrodorna“ singen und um den Maibaum tanzen, das kenne ich schon und hab ich auch schon gemacht.“

 

 

 

 

 

 

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