Djurgården im Soll


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Zoe Ness stößt mit Gudbjörg Gunnarsdottir zusammen

 

Seit vielen Jahren ist Frauenfußball in der schwedischen Hauptstadt Stockholm keine Erfolgsgeschichte. Die drei Männerfußballtraditionsvereine AIK (aus Solna), Djurgården und Hammarby steigen meist genauso schnell wieder ab wie sie aufgestiegen sind. Besonders AIK hat sich den Stempel einer klassischen „Fahrstuhlmannschaft“ zugelegt. Rauf und gleich wieder runter, um dann wioeder aufzusteigen. Aber kein Geld, um das Team so zu verstärken, dass es in Liga 1 konkurrenzfähig ist.

2011 stieg dann auch noch Hammarby ab, die Grünweißen, die von Beginn (1988) an in der Damallsvenskan gespielt hatten. Drei Jahre zweite Liga und schließlich dann der Wiederaufstieg und sofortige Wiederabstieg – hauchdünn zwar aufgrund eines einzigen Tores im Verhältnis zum Tabellenzehnten Mallbacken, aber doch.

Aber Tyresö wird der geneigte Leser bemerken, aber Tyresö FF hat sich nach der kometenhaften Aufstiegsgeschichte vom bedeutungslosen Viertligisten zum Champions League Finalisten, der nur sehr knapp (3:4) am europäischen Player VfL Wolfsburg scheiterte ebenso schnell wieder verabschiedet. Zahlungsunfähigkeit, Konkurs der A-Mannschaft – das überehrgeizige Projekt eines größenwahnsinnigen Managers, der vor allem sein eigenes Ego permanent befriedigte. Kein Ruhmesblatt für den Frauenfußball, der anfangs so viel Hoffnung in das Modell investiert hatte. Dass ausgerechnet Nigeria im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes Millionen an den notleidenden schwedischen Verein spendieren sollte, glaubte am Ende niemand mehr.

Der Aufstieg von Djurgården aus der Elitettan 2015 wurde gemeinhin erwartet und auch tatsächlich erreicht. Als ich vor der Saison Gudbjörg Gunnarsdottir traf, die nach ein paar Jahren im Exil auch aus privaten Gründen nach Stockholm zurückkehrte, war die jetzt 31-Jährige noch recht unsicher, was die Qualität der Liga im Allgemeinen anging und wie sich ihr alter und neuer Verein da schlagen würde. Sie bemerkte allerdings, dass die Organisation des Vereins wesentlich verbessert sei, vor allem weil man wieder unter dem gemeinsamen Dach mit dem Männerclub firmiert.

Nach sechs Spieltagen ist Djurgården im Soll. Neun Punkte aus sechs Spielen und Niederlagen gegen Rosengård, Eskilstuna und in Piteå, das ist eigentlich eine beinahe optimale Ausbeute.

Am Samstag kamen knapp 320 Zuschauer, das Stockholmer Olympiastadion von 1912 ist immer noch gähnend leer, aber hier gehen auch 35.000 rein oder gingen, denn 35.000 ist der offiielle Publikumsrekord, aufgestellt bei einem Konzert der Rolling Stones.

Und Gunnarsdottir ist eine Spielerin, die enorm wichtig ist für den Aufsteiger. Beim Spiel gegen Mallbackens IF Sunne, nicht gerade eine Spitzenmannschaft mit beinahe ausgewechseltem Spielerinnenkader im Vergleich zur vorigen Saison war sie eine derjenigen, die den Unterschied ausmachten. Die Isländerin hat Pondus im Tor und man sollte sich hüten, mit der 1,78 m großen und über 70 kg schweren Nationalspielerin zusammenzustoßen. Die Schottin Zoe Ness bekam das zu spüren (siehe Foto) und lag mehrere Minuten lang benommen am Boden. Es war bisweilen ein hartes Spiel ohne aber unfair zu werden. Die Neuseeländerin Anna Green schied verletzt aus, das Knie hatte sich verdreht und Green sass mit ausgestrecktem Bein und schmerzverzerrtem Gesicht auf der Bank. Stürmerin Madelen Janogy landete nach einem Duell mit Sofia Nilsson auf der Laufbahn des Stadions und verletzte sich an beiden Händen. Mindestens eine Hand ist verstaucht, wie sie mir nach dem Spiel sagte.

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Katrin Schmidt beim Freistoss für Djurgården

Die andere Schlüsselspielerin Djurgårdens ist Katrin Schmidt. Die 29-Jährige ist Europas beste Mittelfeldspielerin, die nicht in einer Nationalmannschaft spielt.

In Deutschland hat man offenbar kein Interesse und in Schweden kann sie nicht zum Einsatz kommen, da sie die schwedische Staatsbürgerschaft zwar beantragt, aber noch nicht bekommen hat. Dabei sollte es eigentlich „im Interesse der Nation“ sein, Schmidt einzubürgern, denn nachdem sich auch noch Mannschaftskameradin Emilia Appelqvist verletzt hat und sowohl bei Djurgården wie auch in Sundhages Nationalmannschaft für mindestens zwei Monate ausfällt,. bräuchte Sundhage unbedingt eine zentrale Mittelfeldspielerin internationaler Klasse.

Katrin Schmidt ackert und arbeitet und anders als in Malmö, wo sie meist die Kärrnerarbeit leistete, inszeniert sie bei Djurgården das Spiel, setzt andere in Szene und sorgt auch immer wieder selber für Gefahr für das gegnerische Tor. Dabei ist ihr niedrigstes Niveau ungemein hoch und sie ist in nahezu jedem Spiel die Beste ihrer Mannschaft.

Gegen Mallbacken hätte das Spiel auch unentschieden enden können. Beide Teams kamen mit einem Sieg in diese Begegnung und begannen mit entsprechendem Selbstbewusstsein. Mallbacken spielte sehr gefällig und hatte in der ersten halben Stunde durchaus Chancen durch Janogy und die sehr umtriebige Australierin Tameka Butt. Butt hätte in der 23. Minute auch das Führungstor machen müssen als sie endlich nach vielen Abseitspfiffen mal den Ball von der Gegnerin bekam und dann aber einen halben Meter am Tor von einer chancenlosen Gunnarsdottir vorbeizirkelte.

Auf der anderen Seite traf Madeleine Stegius den Pfosten und die robuste Angreiferin war es in der 57. Minute dann auch, die das 1:0 erzielte. Zu dem Zeitpunkt verdient, denn Djurgården hatte wesentlich mehr Spielanteile und Mallbacken versuchte sich lediglich mit langen Bällen auf Ness oder Butt anstatt sich nach vorn zu spielen. Trainerin Yvonne Ekroth brachte die Portugiesin Carolina Mendes und Gegenüber David Uvenclir wechselte die neuverpflichtete Antonia Göransson ein. Mendes machte das 2:0 nach einem Gewühl im Strafraum. Mallbackens Spielerinnen waren sauer und protestierten, Mendes hätte die Torhüterin Lee Alexander ungebührlich behindert, aber der Treffer wurde gegeben. Eine Minute später traf auch die andere Einwechselspielerin. Göransson signalisierte auf der linken Seite, wollte den Ball, bekam ihn und schräg frei vor Ex-Potsdammitspielerin Gunnarsdottir liess sie sich die Chance nicht nehmen und platzierte gekonnt und trocken knapp zwischen Gunnarsdottir und dem linken Pfosten. 2:1.

Der Sieg für Djurgården verdient am Ende, aber doch eine Zitterpartie. Ekroth, Mutter der wieder genesenen Innenverteidigerin Petronella und gleichermassen deren Trainerin, jubelte nach dem Schlusspfiff als hätte sie ein Pokalfinale gewonnen. Und so ähnlich ist es auch, denn neun Punkte lassen Djurgården sehr gut dastehen. Das könnte Richtung Klassenerhalt gehen. Mir scheinen derzeit Umeå und Kristianstad die beiden schwächsten Teams zu sein und Kristianstad ist der nächste Heimspielgegner für Djurgården nach der Länderspielpause.

Nach dem Spiel sprach ich mit Carolina Mendes und Tameka Butt.

Carolina, herzlichen Glückwunsch, das war dein zweites Tor für Djurgården.

„Das ist mein Job als Stürmerin. Ich denke, wir hatten eine ganze Reihe von Chancen, wir hatten aber Schwierigkeiten, sie auszunutzen.“

Du bist aus Russland nach Schweden und zu Djurgården gekommen?

„Ich denke, das ist fast so etwas wie das Gegenteil. Die Trainer, die Gesellschaft, da gibt es große Unterschiede, auch im Fußball. Aber ich bin auch gerade erst seit eineinhalb Monaten hier. Also bisher geht es mir hier richtig gut und ich fühle mich bequem.“

Du bist jetzt die zweite portugiesische Spielerin, die dabei ist, sich in der ersten Liga zu etablieren, die andere ist natürlich Claudia (Neto) in Linköping. Wie wichtig ist das für den Frauenfußball in Portugal?

„Ich denke, dass es sehr gut ist für uns. Wir haben die Möglichkeit, in einer sehr guten Liga zu spielen, das ist eine der besten Ligen in Europa. Für Portugal ist das sehr bedeutsam, vielleicht gelingt es uns, auch anderen, jüngeren Spielerinnen zu ermöglichen, hierhin zu kommen. Es gibt in Portugal wirklich eine Reihe von richtig guten Talenten. Aber die haben nicht dieselben guten Entwicklungsmöglichkeiten. Das könnte ein Fenster für andere sein.“

„Mallbacken hat uns echt Schwierigkeiten bereitet heute. Ich denke, dass wir das Spiel einfacher hätten haben können, wenn wir Tore gemacht hätten. Die hatten auch Möglichkeiten, mehr als ein Tor zu machen, aber wenn das Ergebnis anders gewesen wäre, fände ich das nicht ok, denn wir waren die bessere Mannschaft. Wir haben jetzt neun Punkte, werden weiter arbeiten und Spiel für Spiel nehmen.“

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Tameka Butt machte ein gutes Spiel

 

Tameka Butt: „Ich denke, das Spiel heute hätte so oder so ausgehen können. Wir hatten eine Reihe guter Chancen, die wir hätten ausnutzen können. Ich denke, es war ein gutes Spiel und spannend, ein echtes Kampfspiel beider Mannschaften. Ich denke, wir haben irgendwann unseren Rhythmus verloren, aber wir haben in den letzten fünfzehn Minuten versucht, das wieder zurück zu bekommen, als wir probiert haben, den Ausgleich zu erzielen.“

 

4 Gedanken zu „Djurgården im Soll

  1. Katrin schmidt beste mittelfeld spielerin europas? Nein
    Lena goessling, melanie leupolz, sara daebritz, lena dallmann und dzsenifer marozsan sind besser und juenger.
    Und wenn man bedaenkt wie viele spiele diese beste mittelfeld spielerin gegen deutsche Mannschaften verloren hat, ist diese aussage doch sehr komisch.

    • Bitte lesen. Katrin ist die beste Mittelfeldspielerin Europas, die nicht in einer Nationalmannschaft spielt. Soweit ich weoiss spielen sowohl Gössling wie auch Leupolz, Däbriz und Marozsan in der deutschen Nationalmannschaft,. Wer ist Dallmann?

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