Ausgeschieden – Bitterer Beigeschmack


Der FC Rosengård ist erneut im Viertelfinale der UEFA Champions League gescheitert. Nachdem man das Spiel am Brentanobad in Frankfurt durch einen Treffer von Sara Björk Gunnarsdottir mit 1:0 gewonnen und damit die Verlängerung erzwungen hatte, setzte sich der 1.FFC Frankfurt im Elfmeterschießen durch und schlug nach Lilleström aus Norwegen auch den schwedischen Meister vom Punkt aus. Torschützin Sara Björk verschoss ihren Elfer, alle anderen trafen. Frankfurt trifft auf Wolfsburg.

Der bittere Beigeschmack, den der Sieg der deutschen Elf hinterlässt, kommt daher, dass das Teile des Frankfurter Publikums offenbar rassistische Zurufe zu Rosengårds kamerunischer Nationalspielerin Gaelle Engamanouit machten. Auch Marta wurde nach Angaben der Vereinsführung aus Malmö immer wieder mit herabsetzenden geschrieenen Kommentaren bedacht.

Rosengårds dänischer Trainer Jack Majgaard Jensen: „Wir haben das die ganze Zeit gehört. Sobald sie merkten, dass sie (Gaelle Engamanouit) gut ist, versuchten sie, sie dazu bringen, dass sie ihre Energie auf anderes vergeudet. Ich bin stolz auf meine Mannschaft und froh, dass ich sie trainiere. Die Einstellung, die Frankfurt hat, sich ständig hinzuwerfen und den Kopf hängen zu lassen, ist für mich kein Fußball. Aber leider spielen sie so. Das würden sie nicht tun, wenn ich ihr Trainer wäre.“

Zu den Angriffen des Publikums gegen Marta: „Das ist sehr traurig. Besonders wenn eine Spielerin so viel für den Frauenfußball getan hat. Natürlich dürfen sie buhen und schreien, aber wenn es rassistisch und persönlich wird, dann hat das nichts im Fußball zu suchen.“

Die italienische Schiedsrichterin unterbrach das Spiel kurz, der Stadionsprecher rief das Publikum zur Ordnung auf und verwahrte sich gegen Rassismus, die UEFA untersucht den Fall und möglicherweise droht Frankfurt eine Geldstrafe.

8 Gedanken zu „Ausgeschieden – Bitterer Beigeschmack

  1. Hast Du beide Spiele gesehen? Der Unmut ging gegen eine Spielerin, die durch unnötige Härte auffiel, in beiden Spielen. Einzig gestern bekam sie eine gelbe Karte, das war ein „Witz“, denn es war eine Tätlichkeit. Dies führte dazu, das sie ausgebuht/gepfiffen wurde. Vielleicht sollte darüber der Trainer und andere Verantwortliche in Malmö nachdenken. Mich erstaunt, dass sich nur der Trainer äußert, sonst niemand. Oder dringt es nicht nach Deutschland durch? Seine Verhalten während der PK war auch nicht professionell.

  2. Die Aktion von Engamanoit gegen Jackie Groenen (s. Video) ist ne klare rote Karte, da sind wir uns wohl hoffentlich alle einig. Hinzu kommt noch, dass Engamanoit statt sich bei ihrer sichtbar verletzten Gegenspielerin zu entschuldigen, lieber die Schiedsrichterin anmotzt (auch im Video zu sehen, eigentlich hätte sie sich bedanken müssen, dass es nur gelb gab) und schnell von Masar weggezogen wird, damit sie nicht doch noch die (verdiente) Rote bekommt. Hinzu kommt noch der Zusammenstoß mit der Frankfurter Torfrau (ebenfalls kein Wort der entschuldigung anschließend, soweit ich das beobachten konnte) und mehreren Nicklichkeiten im Hinspiel die durchaus gelb damals hätten geben können/müssen. Das alles zusammengenommen führte in meinen Augen schließlich dazu, dass sie bei jeder Ballberührung ausgepfiffen worden ist.

    Ich behaupte: Das würde bei jedem Fußballspiel in jedem Land der Welt so passieren, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe, Glauben,… der betreffenden Spieler(in) !!
    Das kann man sicherlich gut oder schlecht finden, hat aber absolut nichts mit Rassismus zu tun. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, hätte die deutsche Kathrin Schmidt (die, das sei angemerkt, ein klasse Spiel gemacht hat, und das vor den Augen von Jones und Neid) sich diese Aktionen geleistet hätte, wäre sie von ihren „Landsleuten“ eben so ausgepfiffen worden.

    Was aber natürlich dennoch gar nicht geht (und ich hoffe da sind wir uns auch alle einig) ist, dass wenn es ZUSÄTZLICH zu rassistischen Äußerungen oder Verhalten (irgendwo hieß es „Affenlaute“) kommt, und gehört von der UEFA streng bestraft. Ich gebe zu, dass ich das Spiel nur am Fernseher verfolgt habe und nicht selbst im Stadion war, aber von hier aus ist mir nichts dergleichen aufgefallen und es hat mich doch ehrlich gesagt etwas überrascht als ich diese Vorwürfe das erste mal gehört habe. Nun hat die UEFA entschieden zu ermitteln (standardprozedere wenn die schiedsrichterin Meldung macht) und es heißt abwarten was passiert.

    Für kommende Saison wünsch ich mir jetzt nur das Rosengard dann doch bitte auf eines der französischen Teams trifft. Den nach dem Theater gegen Wolfsburg im letzten Jahr und jetzt diesem Spiel wäre es vlt für beide Seiten (deutsche und Schweden) ganz gut mal 1-2 Jahre lang nicht aufeinander zu treffen, damit sich alle Gemüter wieder beruhigen können.

  3. Hallo! Ich war genauso wenig beim Spiel im Stadion wie Sie, weiß also nicht aus eigenem Erleben, was passiert ist. Ich habe aber gerade in der Frankfurter Rundschau (nicht gerade ein ‚Käseblatt‘) den Artikel zu den Vorwürfen gelesen, und der FR-Reporter schreibt, niemand im Stadion habe rassistische Rufe gehört. Er bezeichnet die Rassismusvorwürfe schon in der Artikelüberschrift als „abstrus“.

  4. Sorry, dass ich mit demselben Thema noch mal nerve, aber ich habe auch noch beim anderen großen Frankfurter Blatt, nämlich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, nachgeschaut, und deren Reporter schreibt: „Von rassistischen Beschimpfungen konnte augen- und ohrenscheinlich keine Rede sein.“

  5. Ich weiß, daß Rainer hier auch kritische Kommentare zuläßt, und dafür möchte ich ihm ausdrücklich meinen Respekt aussprechen.

    Ich sehe das ähnlich wie schon einige Kommentare vorher: Engamanoit ist durch völlig unnötige Härte aufgefallen, und dann auch mehrfach wegen einer völlig rücksichtslosen und trotzigen Reaktion. Anstatt die eigenen Unsportlichkeiten und Fehler anzuerkennen, und sich selber mehr zu beherrschen (erwachsene Menschen können das), hat sie eher noch zugelegt in Sachen Härte. Gerade, so könnte man den Eindruck haben, nach dem Motto: ihr seid alle gemein zu mir, und jetzt spiele ich erst recht foul.
    Ob das Zufall ist, daß dies schon wieder bei Rosengard passiert? Wir erinnern uns im letzen Jahr, als Marta die gleiche Reaktion bekam. Anschließend auch von ihr lamentieren, wie gemein alle waren. Als dann in den Kommentaren (auch von mir) darauf hin gewiesen wurde, wie unfair und unnötig brutal Marta spielt, dann wurde stets geantwortet: sie ist halt so toll und talentiert, und die beste Spielerin der Welt. Dazu sage ich: wenn eine Spielerin sich so benimmt, dann ist sie nicht die beste Spielerin der Welt, sondern ein unkontrollierbares Risiko für ihr Team – und (auch hier wiederhole ich mich), kein Trainer sollte so etwas akzeptieren.

    Und der Bogen spannt sich zum Publikum: die Leute wollen das nicht sehen. Weder in Frankfurt, auch nicht in Wolfsburg, und Marta selber kann sich vielleicht noch daran erinnern, wie das Publikum bei der WM reagiert hat auf ihre schon damals absolut inakzeptable Spielweise.

    Insofern geht meine eigentlich Kritik in Richtung der Trainer und in Richtung des Vereins. Zu Engamanoit muß ich sagen: an die eigene Nase fassen, tief Luft holen, und mal reflektieren was vielleicht der eigene Anteil an der Situation war.

  6. Ich finde es nicht richtig, dass Marta in deutschen Stadien eigentlich immer ausgebuht wird. Das hat aber ganz sicher nicht primär rassistische Gründe. Dass sie eine der besten Fußballerinnen aller Zeiten ist, ist ja sicher unbestritten. In ihrem Fall dürfte es nur so sein, dass sie den deutschen Fans 2007 beim WM-Finale so negativ aufgefallen ist. Nur kurz zur Erinnerung: Als vor dem Spiel die Teams darauf warteten, von der Schiedsrichterin aufs Feld geführt zu werden, stimmten die Brasilianerinnen ziemlich laute ‚Schlachtgesänge‘ an. Jeder, mit dem ich seitdem über diese Szene gesprochen habe, empfand das als ziemlich unangenehmen Psychoterror.
    Später im Spiel dann forderten mehrere Brasilianerinnen – u.a. Marta und Cristiane – vehement die Schiedsrichterin auf, deutschen Spielerinnen Karten zu zeigen. Auch das kam gar nicht gut bei uns Zuschauern an.
    Trotzdem: Das Ganze ist natürlich mittlerweile fast NEUN Jahre her, und Marta immer noch auszupfeifen ist grob unsportlich – aber wohl nicht rassistisch motiviert. Ich habe noch nie von Zwischenfällen in deutschen Stadien gehört, bei denen Spielerinnen mit offensichtlich rassistischen Beschimpfungen belästigt wurden.
    Ein letztes Aber: Ich kann natürlich falsch liegen – ich bin kaum je selbst auf einem Fußballplatz.

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