ffschweden im Gespräch mit: Renée Slegers


reneeRenée Slegers hat es nicht leicht gehabt in Linköping. Das lag nicht am Verein, sondern an einer unerhört langwierigen Entzündung im Beckenbereich, die einfach nicht vollständig verschwinden wollte und ihr sowohl Trainieren wie Spielen mehr oder weniger unmöglich macht.

Als Renée noch in Stockholm bei Djurgården spielte, traf ich sie erstmals und mit dem Abstieg orientierte sich die Niederländerin nach Süden zu Linköpings FC, wo Trainer Martin Sjögren einen genialen Schachzug landete und sie von der Außenposition ins zentrale Mittelfeld holte. Und auf einem Mal wurde aus der guten Erstligaspielerin, die sich aber nicht wesentlich von vielen, vielen anderen unterschieden hatte, eine Spielerin, die Ausrufezeichen setzte und 2013 zu den besten Mittelfeldakteuren der Liga gehörte.

Dann kam die Entzündung und Renée Slegers fand sich in der Reha, bei Ärzten und auf der Tribüne wieder. So langsam ging es dann aufwärts, nach fast einem ganzen ungewissen Jahr und in der zweiten Hälfte 2015 kam dann das ersehnte Comeback.

„Wenn ich an 2015 zurückdenke, dann mit gemischten Gefühlen. Ich habe wirklich alles getan, um für die neue Saison mit dem LFC und den Champions-League-Spielen fit zu werden und natürlich auch für die WM in Kanada. Aber – es ging nicht und ich habe sowohl die Champions League wie auch die WM verpasst, das war sehr hart und eine große Enttäuschung für mich.“

Bei der WM kam die Niederlande bei der allerersten Teilnahme immerhin ins Achtelfinale, wo dann der damals amtierende Weltmeister Japan Endstation war.

„Das ist doch das, wofür du als Leistungssportlerin arbeitest, bei den großen Turnieren dabei zu sein und Spiele auf dem aller höchsten Niveau zu spielen. Ich habe das verpasst und das war eine schwere Zeit. Gleichzeitig aber hatte ich Luft um auszuatmen, die Zeit zu nehmen, die ich brauchte, um wirklich gesund zu werden ohne irgendeinen Druck. Deshalb bin ich auch dankbar, dass ich mit professioneller Hilfe wieder zurückkommen konnte, aber auch durch viel Unterstützung der Menschen, die ich liebe. Jetzt bin ich 100% fit und bereit mich wieder meinem Topniveau zu nähern.“

Im Herbst begann Renée wieder zu spielen. Aber die Zeit außerhalb des Fußballplatzes verbrachte sie beileibe nicht nur in der Reha. Zusammen mit anderen Spielerinnen von Linköpings FC übernahm sie Arbeitsaufgaben innerhalb des Vereins. Als ich Renée im letzten Sommer im Zusammenhang mit dem schwedischen Pokalfinale (gegen den FC Rosengård; 2:0) in der Linköpings Arena traf, hatte die Niederländerin gerade am LFC Fußball Camp maßgeblich mitgearbeitet. Einer von vielen Initiativen, mit denen der Verein den Frauenfußball in der Region populärer machen will. Sie hat auch an einem Gemeinschaftsprojekt zwischen Linköpings FC und dem Regionalverband gearbeitet, in dessen Rahmen Spielerinnen des LFC Patinnen für insgesamt 80 Mädchenmannschaften waren. Nach wie vor hat der Verein den Anspruch, dass einige der Startspielerinnen des A-Teams aus der Region kommen sollen. Zwei Beispiele heirfür sind die gerade zurückgetretene Charlotte Rohlin und der Star der U19-EM im vergangenen Jahr in Israel, Stina Blackstenius.

Bevor die neue Saison für Linköping mit dem Spiel gegen Mallbacken am 17.04. beginnen wird, gibt es für Renée jedoch erst eine Dienstreise in die Heimat. Olympia-Quali gegen Schweden, die Schweiz und Norwegen. Ende Februar / Anfang März wird das sein. Was können wir uns da erwarten von den Fans?

„Wir spielen im Kyocera Stadion in Den Haag (ADO Den Haags Stadion) und im Kasteel in Rotterdam (Sparta Rotterdams Stadion). Die niederländischen Fans sind voller Begeisterung, schminken sich die Gesichter orange, nehmen Trompeten und Flaggen mit und singen und feuern uns gerne an. Es ist immer eine sehr gute Stimmung bei unseren Länderspielen und es sieht jetzt so aus, als ob alle Spiele ausverkauft sein werden, zumindest unsere.“

Das Qualiturnier ist ja sicher auch so etwas wie ein Test der Organisation für die EM 2017 bei euch. Wie wichtig ist das für den Frauenfußball in Holland, das ja eine klassische Fußballnation ist?

„Natürlich ist das sehr positiv für uns, dass die EM 2017 in den Niederlanden gespielt wird. Der Frauenfußball bei uns wächst schnell, auch die Qualität der Spielerinnen, aber er nimmt auch einen größeren Platz in der Gesellschaft ein, als er das noch vor etwa fünf Jahren getan hat. Wir sind in den Zeitungen, im Fernsehen, aber auch auf der Sponsorenseite passiert was. Die EM 2017 wird dem Land einen weiteren Boost geben und bringt hoffentlich ein größeres Interesse der Sponsoren, auch beim Verband und bei den großen Clubs, dass mehr in den Frauenfußball investiert wird. Dann wäre es auch toll, wenn die Anmeldezahlen von Mädchen in den kleineren Vereinen wachsen nach der WM mit dem Gedanken an die Breite des Mädchenfußballs.“

Welche Ziele habt ihr denn in Linköping, nachdem es 2015 ups and downs gegeben hat?

„Wir haben noch keine Ziele für dieses Jahr formuliert, aber ich finde zunächst einmal gut, dass es keine größeren Veränderungen in unserem Kader gegeben hat. Wir Spielerinnen kennen uns sehr gut auf dem Platz, wir kennen unsere individuellen Stärken und auch als Mannschaft und wissen woran wir arbeiten müssen. Wir bekommen die Chance, uns gemeinsam weiter zu entwickeln und das zu veredeln, mit dem wir vor ein paar Jahren begonnen haben.“

Was Linköping durchaus weit bringen kann, denn an guten Tagen gibt es wohl kaum ein Team, das man nicht schlagen kann. In knapp zweieinhalb Monaten geht es dann auch schon wieder los…

 

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