McLeod und Masar nach Schweden


Seit ca. zwei Wochen floriert das Gerücht in den sozialen Medien. Die kanadische Nationaltorhüterin Erin Mc Leod (32) und ihre amerikanische Ehefrau, Abwehrspielerin Ella Masar (29) sind auf dem Weg nach Schweden und werden in der kommenden Saison wohl beim schwedischen Meister FC Rosengård spielen.

Der kanadischen Zeitung Vancouver Sun gab McLeod vor einigen Tagen ein Interview, aus dem sich das entschlüsseln lässt. Auf die Frage, warum McLeods Frau Ella Masar beim gemeinsamen Club Houston Dash auf der Transferliste steht, antwortete die Kanadierin: „Wir sind eigentlich auf dem Weg nach Schweden (um dort in einer Profiliga zu spielen), wir haben gehofft, dass niemand sie von der Liste holt.“

Weiter heißt es zum Zeitpunkt des Wechsels: „Die nächste Saison da fängt im März an und wir werden im Frühling rübergehen.“

Über ihren eigenen Vertrag mit Houston sagt sie: „Ich hatte eine mündliche Absprache am Ende der Saison. Ich habe sie gebeten, mich gehen zu lassen und sie haben ihr Wort gehalten. Wirklich cool von denen. Es war schon immer ein Traum, in Europa zu spielen, in der Champions League zu spielen. […] Wir wollen eine Familie gründen und wollen das in Kanada tun. Wir werden also ein paar Business-Sachen erledigen und hoffentlich kommen wir dann zurück und machen das.“

Erin McLeod hat die Katze also selber aus dem Sack gelassen. Um so erstaunlicher dann ihre Tweets am Wochenende.

„Liebe Alle, da fliegen Gerüchte umher, zu welchem Club ich gehen werde- wenn du nicht der Club bist, würde ich das nicht beachten…“

UND

„Ich hoffe, dass jeder meine Privatsphäre respektiert, vielen Dank!!! Ich werde bestätigen, sobald es der Club tut.“

Ja, das ist dann schon sehr merkwürdig, wenn sie in einem Interview vor diesen Tweets erklärt, dass sie nach Schweden geht und zwar zu einem Club, der in der Champions League spielt. Das kann dann erst einmal nur KIF Örebro oder der FC Rosengård sein. KIF Örebros Chancen, das Viertelfinale der UWCL zu erreichen, darf man bei dem Achtelfinalgegner PSG als unter 15% beziffern. Wer bleibt dann wohl noch übrig?

Und nachdem vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass Kathrin Längert Malmö verlassen wird, hat man dort „nur“ Megatalent Zecira Musovic unter Vertrag.

Man kann sich auch fragen, wie langfristig der FC Rosengård bei diesem anstehenden Transfer denkt. McLeod wird noch vor Beginn der neuen Saison 33 Jahre alt und sagt in obigem Interview, dass sie bald eine Familie in Kanada gründen will. Nicht so ganz professionell finde ich auch die Personalpolitik eines Topvereins, der Spielerinnen paarweise verpflichtet. Das würde ich doch sehr von der spielerischen Qualität und dem konkreten Bedarf abhängig machen. Natürlich braucht Malmö in der Abwehr Verstärkung, auch nachdem klar ist, dass die Dänin Line Röddik Hansen den Verein verlassen wird. Aber muss es immer eine recht teure Ausländerin sein? Auch wenn man für McLeod/Masar nur eine Wohnung braucht, so scheint mir dieser Transfer nicht unbedingt durchdacht zu sein. Gerade im Herbst sprach Impresario Erling Nilsson stolz darüber, dass der eigene Nachwuchs so ungeheuer gefördert wird, der FC Rosengård wurde auch U19-Meister in Schweden. Zecira Musovic, die eine Hälfte der Saison schon gefeierte Nachwuchstorhüterin war und von Trainer Marcus Tilly zur Nummer eins gemacht wurde, von der UEFA gar in die UWCL-Elf des Jahres nominiert wurde, setzt man mit dieser Personalentscheidung ein weiteres Jahr auf die Bank.

Und die ersten vier Verpflichtungen für die neue Saison sind offenbar vier Ausländerinnen…

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3 Gedanken zu „McLeod und Masar nach Schweden

  1. Ella Masar ist eine gute, zweikampfstarke Stürmerin, die lediglich in der letzten Saison bei Houston Dash in der Abwehr gespielt hat. Sie kommt also nicht als Anhängsel, sondern als gleichwertige Spielerin. Zudem wird dieser Wechsel der schwedischen Liga viel Aufmerksamkeit aus Nordamerika bescheren, denn das Social-Media-Profil der beiden ist sehr groß.
    Eine langfristige Entscheidung ist es sicher nicht, sie werden sicher nur eine, maximal 2 Saisons in Europa spielen.

    • Ich weiß, dass Masar eigentlich Stürmerin ist. Aber wie du sagst hat sie bei Houston nun die Abwehrrolle bekommen. Dessen ungeachtet, dass sie sicher eine gute Spielerin ist, bin ich davon überzeugt, dass es einfachere und billigere Lösungen hier in Schweden geben würde. Dass Spielerinnen als Paare wechseln und nur so ist doch relativ verbreitet im Frauenfußball und hat meiner Meinung nach wenig mit Professionalität zu tun. Ein Club sollte immer individuell nach Spielerinnen suchen.
      Als Meghan Klingenberg, Christen Press, Whitney Engen, Ali Krieger und Ashlyn Harris in Tyresö spielten gab es in den sozialen Medien auch mehr Aufmerksamkeit für den Verein, aber letzten Endes verpufft das im Frauenfußball. Bei den Männern ist das anders, wenn innerhalb von drei Monaten nach dem Wechsel des Kolumbianers James Rodriguez 80.000 Real-Trikots mit seinem Namen verkauft werden.
      Ich finde, dass man langfristig bauen sollte. In Rosengård wurde seit dem Sommer sehr viel von der Jugendarbeit geredet und davon, dass man nicht mehr mit den ganz Großen konkurrieren könne und kleinere Brötchen backen werde, aber dennoch Top in Schweden bleiben will. Kaum taucht ein bisschen Geld auf, wird es dann aber scheinbar auch wieder ausgegeben. Mit Zecira Musovic hat man eine hochtalentierte Torhüterin, der die Zukunft gehört. McLeod wird sich kaum auf die Bank setzen, auch wenn Musovic noch besser wird. Nein, ich bin nicht begeistert von den kommenden Verpflichtungen, auch wenn die beiden Frauen bestimmt sehr nett sind. Und auch gute Spielerinnen.

  2. Deine Argumente, dass man mit der kurzfristigen Verpflichtung von älteren ausländischen Spielerinnen die Jugendarbeit nicht unbedingt fördert, kann ich schon verstehen. Das klingt etwas nach dem FFC Frankfurt vor einigen Jahren. Die junge Torhüterin würde aber sicher vom Training mit einer so erfahrenen Kollegin profitieren. Macht die schwedische Liga eine Pause für Olympia? Wenn Canada sich für Olympia qualifiziert, wäre McLeod ja sowieso länger weg.
    Ich persönlich freue mich jedenfalls, dass es durch diesen Wechsel die Chance gibt, die beiden in Europa spielen zu sehen.

    Ist schon bekannt, wohin Kathrin Längert wechselt?

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