Zwei Millionen für Tyresö


Etwas mehr als ein Jahr nachdem die „gedopte gelbe Lokomotive“ (Simon Bank) Tyresö FF im Champions League Finale in Lissabon gegen den VfL Wolfsburg gestanden hat und wenig später sein Team aus der ersten Liga wegen Zahlungsunfähigkeit zurückziehen musste, sind vier ehemalige Vorstandsmitglieder vom Amtsgericht in Nacka zu insgesamt 2 Millionen Kronen Schadenersatz verurteilt worden. Jeder der vier soll nun eine halbe Millionen (ca. 52.000 Euro) ans Finanzamt bezahlen.

In einem interessanten Artikel in der Sportwirtschaftszeitung Idrottens Affärer schreibt Ken Olofsson und wundert sich, dass die übrigen Medien kaum von dem Urteil Kenntnis genommen haben. Die Nachricht finde schlicht und ergreifend nicht statt.

Möglicherweise, so vermutet Olofsson, habe das Desinteresse mit den Namen der vier Verurteilten zu tun, von denen drei recht bekannte Personen sind, während der vierte  eher ein unbeschriebenes Blatt ist.

Ex-Vorsitzender Hans Lindberg war es, der bis zuletzt behauptet hatte, das der Verein mehrere Millionen Euro aus einem Entwicklungsprojekt aus (!) Nigeria beziehen werden würde, Die Nigeria-Spur wurde nie weiter verfolgt, Lindberg war in der Gemeinde Tyresö ein bekannter (konservativer) Kommunalpolitiker.

Auch Erik Strand muss 500.000 zurückzahlen, Er ist ehemaliger Generalsekretär des schwedischen Sportbundes, ehemaliger Marketingchef der Fluggesellschaft SAS und heute von der schwedischen Regierung eingesetzter Chef der Firma Samhall, die sich verdienstvoll macht, weil sie behinderte und entwicklungsgestörte Bürgerinnen und Bürger in die Arbeitswelt bringt.

Ebenfalls verurteilt wurde Ulf Lönnqvist, ehemaliger Wohnungs- und Sportminister Schwedens (Sozialdemokrat), ehemaliger Vorsitzender des schwedischen Tischtennisverbands und ehenaliger Regierungspräsident der Provinz Blekinge.

Drei politische Schwergewichtler also waren es, die gemeinsam mit Lill Nilsson die wirtschaftliche Verantwortung für ein beispielloses Desaster in der Geschichte des Frauenfussballs trugen.

Der Mann im Hintergrund, der lange die Fäden zog, der den Auftritt Tyresös bis ins Kleinste choreographierte, den Fans die Flaggen auslieh und mit den Agenten von Marta, Caroline Seger oder Fabiana Verträge aushandelte, die der Verein dann nicht erfüllen konnte, Hans Löfgren, kommt also ungeschoren davon. Er behauptete in einem Interview vor Jahresfrist, selber ungeheure Summen privaten Kapitals in den Verein investiert zu haben. Löfgren hatte die UN-Hilfsorganisation UN Women als Partner für Tyresö gewonnen. Sie setzt sich ein für die Rechte von benachteiligten Frauen. Kurze Zeit später wurde er wegen des Kaufs sexueller Dienste rechtskräftig verurteilt.

In Tyresö könnte investigativer Journalismus mit Sicherheit eine spektakuläre Geschichte recherchieren, ein warnendes Fallbeispiel aus der Provinz in der Perihperie einer Grossstadt, Aber die grossen schwedischen Zeitungen und TV-Stationen haben offenbar kein Interesse,

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