ffschweden im Gespräch mit: Magdalena Ericsson


Magdalena Ericsson im Gespräch mit ffschweden (Foto: Anders Henrikson)

Magdalena Ericsson im Gespräch mit ffschweden (Foto: Anders Henrikson)

Pia Sundhage hatte umgekrempelt. Endlich. Monatelang hatten wir uns in Schweden die Finger wundgeschrieben und gefordert, dass sie doch endlich der Jugend eine grössere Chance geben sollte, da schien sie zugehört zu haben oder selber auf die Idee gekommen zu sein.

Im Kader der EM-Qualispiele gegen Moldawien und Polen (die dann jeweils 3:0 gewonnen wurden) standen tatsächlich acht (!) U19-Europameisterinnen von 2012. Eine, Hanna Glas, riss sich das Kreuzband und selbst in diesem Fall wurde mit der 23-Jährigen Elin Landström eine Novizin nachnominiert.

Und auf dem Platz in beiden Spielen, 180 Minuten lang auf der linken Aussenverteidigerposition spielte die 22-Jährige Magdalena Ericsson. Die bei der WM noch zugunsten der 36-Jährigen Sara Thunebro geopfert wurde. Ericsson wurde zwar als Reserve nominiert, brach sich dann aber in einem Ligaspiel das Jochbein und musste sowieso absagen.

Magda Ericsson kommt aus Stockholm, sie ist in Enskede gross geworden und hat dann bei Hammarby gespielt, sowohl zentral in der Abwehr wie auch auf den Aussenpositionen. Sie galt schon früh als eines der grossen defensiven Talente im Lande, wechselte dann mit 18, nach Hammarbys Abstieg zum Lokalrivalen Djurgården, der aber auch sogleich abstieg. Und weil Ericsson wie einige andere ihrer Jahrgände 1992-94 es sehr ernst mit dem Fussball meint, ging sie nach Linköping, wo sie sich deutlich verbessert hat.

Vor der Reise nach Moldawien, vor den beiden Qualispielen also, habe ich mich mit Magdalena unterhalten. Ihr LFC hatte gerade 4:1 bei AIK gewonnen, sie hatte eine Nacht in Stockholm bei Familie und Freunden drangehangen und war wieder auf dem Weg mit dem Zug nach Linköping, nachdem sie das Heimspiel der Hammarby-Herren gegen Örebro SK (1:2) gesehen hatte.

Vielleicht fangen wir mal in Stockholm an. Du spielst in Linköping, Malin Diaz in Eskilstuna und Pauline Hammarlund, mit der ich mich vor kurzem unterhalten habe, in Piteå. Alle drei kommt ihr aus Stockholm. Kann man in der Hauptstadt nicht bleiben, wenn man weiterkommen will?

„Ich finde, man kann in Stockholm eine gute Basisausbildung bekommen. Die Konkurrenz in den Jugendmannschaften etwa ist sehr gross. Aber wenn du dann den nächsten Schritt machen willst in deiner Entwicklung, dann ist das wohl zur Zeit nicht möglich. Die Vereine hier sind Jojo-Mannschaften, die steigen auf in die Damallsvenskan und wieder ab in die Elitettan, was schade ist.“

Aber nun bist du seit zwei Jahren in Linköping und dort auch Stammspielerin. Wie würdest du die Mannschaft beschreiben?

„Wir haben Routine gepaart mit weniger Routine. Wir haben sehr erfahrene Spielerinnen wie Charlotte Rohlin oder Mariann Gajhede Knudsen und dann haben wir eben auch sehr hungrige und ehrgeizige Spielerinnen. Im Team gibt es sehr grosse Konkurrenz, was einerseits sehr gut ist, andererseits aber auch unserem Trainer Martin Sjögren die Frage, wen er aufstellen will, ganz schön schwer macht.“

Martin Sjögren hat uns Journalisten nach dem Pokalfinale gegen Rosengård (2:0) vor ein paar Wochen gesagt, dass gerade das für ihn reiner Luxus sei und dass er jetzt vorhabe, zu rotieren, da ihr viele Spiele in kurzer Zeit haben werdet.

„Gleichzeitig ist es aber natürlich so, dass jede spielen will und zwar ständig. Keine will sich ausruhen. Wir haben eine breite und starke Truppe und wenn sich jemand verletzt, können wir auf jede Position einen guten Ersatz stellen.“

Im Pokalfinale gegen Rosengård habt ihr ein wirklich tolles Spiel gemacht und hochverdient gewonnen. Aber dann gibt es auch immer wieder unerklärlich schlechte Spiele wie zB gegen Piteå (0:2), Göteborg (0:1) und am schlimmsten vielleicht zu Hause gegen Umeå (0:2) kürzlich, wo ihr zusammen genommen sehr wichtige Punkte verloren habt. Wie erklärst du diese Hochs und Tiefs?

„Das ist sehr schwer zu erklären und wenn wir es genau wüssten, dann hätten wir es sicher schon abgestellt. Aber ich persönlich glaube, dass gerade weil wir im Grossen und Ganzen eigentlich ein sehr junges Team sind mit vielen die Anfang oder sogar Mitte der 90er Jahre geboren sind, dass wir gerade deswegen so wechselhaft spielen. Wenn vier in unserer Startelf mal einen etwas schlechteren Tag haben, wirkt sich das enorm aus.“

Ich finde, dass ihr trotz des breiten Kaders sehr abhängig seid von Pernille Harder, für mich die wertvollste Spielerin der Liga in dieser Saison. Gegen Umeå hatte sie schon sehr früh einen Zusammenstoss mit Sarah Mellouk und war dann zwar noch auf dem Platz für eine halbe Stunde, wirkte aber benommen und musste dann auch ausgewechselt werden. 

„Vor dem Spiel gegen Umeå hatten wir uns eine Taktik überlegt, in der Pernille eine sehr zentrale Rolle hatte und als sie dann ausfiel, schafften wir es nicht, das Spiel so wie geplant fortzusetzen.“

Dennoch – obwohl Eskilstuna mit vier Punkten Vorsprung auf Rosengård und sechs auf euch in die letzten vier Spiele geht, könnt ihr tatsächlich noch Meister werden, zumal ihr sowohl Rosengård wie auch Eskilstuna noch auf dem Programm habt. Sprecht ihr viel darüber?

„Wir reden darüber, dass wir alles geben wollen, 90, wenn nötig 93 Minuten in jedem Spiel, so wie zuletzt gegen AIK, wo wir gegen Ende noch zwei Tore gemacht haben. Jedes Tor kann wichtig sein. Wir wollen jetzt volle Pulle gehen und dann müssen wir ein wenig drauf hoffen, dass die anderen noch einen Rückschlag kriegen. Aber es ist toll, dass wir zumindest den zweiten Platz (Champions League) in eigener Hand haben.“

Magdalena Ericsson im Spiel gegen AIK

Magdalena Ericsson im Spiel gegen AIK

Auf der Homepage des Vereins wirst du Linksverteidigerin genannt, da wird dich wohl auch Pia Sundhage sehen. aber du hast auch viel zentral gespielt. Wo siehst du dich am liebsten?

„Ich habe ja in fast allen Spielen in diesem Jahr zentral gespielt mit vielleicht 2-3 Ausnahmen. Das ist eine Position, in die ich reingewachsen bin und die mir mehr und mehr zusagt. Nun ist es natürlich an Martin zu entscheiden, wo ich spielen soll, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich beide Rollen mag. Und dass ich glaube, dass ich wohl am meisten zentral von meiner Spielanlage beitragen kann.“

2016 wird das erste Jahr ohne Charlotte Rohlin bei Linköping sein. Sie tritt demnächst bekanntlich zurück. Und damit wird ja die Position zentral bei Linköping frei? Was bedeutet Charlotte Rolhin für dich?

„Es ist schon unglaublich, denn Lotta hat ja fast 20 Jahre im Verein gespielt und dass auf diesem Niveau, das ist weltweit sicher nicht so oft zu finden. Dann ist sie unsere Kapitänin, eine echte Führungsspielerin, mit der ich sehr gerne zusammenspiele. Das wird ein grosser Verlust. Gleichzeitig kann man sagen, dass schon viele die Verträge verlängert haben (auch Magdalena Ericsson bis einschliesslich 2017) und wir mit Sicherheit auch im nächsten Jahr ein gutes Team auf den Platz schicken können.“

Und jetzt bei der Nationalmannschaft seid ihr sage und schreibe sieben Spielerinnen aus der U19 von 2012, die jetzt in der A-Mannschaft angekommen sind. 

„Ja, das ist fantastisch. Dass so viele von uns weitergemacht haben und sich voll eingesetzt haben, mit dem Fussball auf höchstem Niveau weitermachen wollten und sich nicht mit der zweiten Liga zufrieden gegeben haben. Man hat das schon 2012 gespürt, welches Potential in unserem Team war, welche Topqualitäten da waren und welch gute Stimmung wir hatten.“

Was ist denn dein eigenes Ziel in der EM-Qualifikation, die jetzt beginnt und darüber hinaus?

„Ich will jetzt wirklich die Chance, die ich bekommen habe, nutzen. Ich war ab und an schon bei Lehrgängen dabei, aber jetzt will ich meinen Platz in der Nationalmannschaft sichern. Natürlich will ich auch spielen, aber eins nach dem andern. Es ist toll, dabei zu sein und mit den anderen zu trainieren, aber ich will nicht die 20.Spielerin im Kader sein.“

Hattest du eigentlich weibliche Vorbilder als du jünger warst?

„Ich kann mich tatsächlich noch gut an die WM 2003 erinnern, wo Schweden ins Finale kam. Damals war ich neun Jahre alt. Meine Eltern und ich haben das im Fernsehen gesehen und dann sind wir in den Kungstrådgården gefahren, als die Mannschaft da gefeiert wurde. Malin Moström und all die anderen, die wurden meine Vorbilder.“

Zwar spielte Malin Moström im Mittelfeld und Magdalena ist Abwehrspielerin, aber als ich bei den Spielen in Moldawien und gegen Polen Magdalena zwei gute Spiele abliefern sah, fiel mir dann auf, dass die 22-Jährige die Nummer 6 im gelbblauen Dress trägt – Malin Moströms alte Rückennummer…

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