ffschweden im Gespräch mit: Pauline Hammarlund


Am Donnerstagnachmittag gewannen die Schwedinnen ihr erstes Spiel in der EM-Qualifikation mit 3:0 in Moldawien. Alles andere wäre eine Blamage gewesen. Die Tore schossen Olivia Schough, Lotta Schelin (Elfmeter) und die eingewechselte Debütantin Pauline Hammarlund. 

Hammarlund ist eine von letztlich sieben U19-.Europameisterinnen von 2012, die Pia Sundhage für die beiden Länderspiele in Moldawien und gegen Polen (am 22.09. in Göteborg) nominiert hat.

Am Abend der offiziellen Bekanntgabe des Kaders für diese Runde habe ich mich mit Pauline unterhalten.

Pauline liegt derzeit auf Platz zwei der Torjägerliste der Damallsvenskan und mit zwei Toren Rückstand auf Kameruns Gaelle Engamanouit hat sie mit noch vier Spielen zu spielen, immer noch die Chance die erste schwedische Torschützenkönigin zu werden seit 2009, als Linnéa Liljegärd die erfolgreichste Goalgetterin war. 

14 Tore in 16 Spielen erzielte Pauline, zweifelsohne ein Durchbruch für die 21-Jährige, die für Piteå spielt. Denn in ihren 63 Spielen von 2010-2014 für Tyresö, Linköping und Piteå erzielte sie gerade mal drei Treffer.

Sie kommt aus Skogås, südlich von Stockholm und ist in der schwedischen Hauptstadtr aufgewachsen. Piteå liegt 850 km nördlich, das Team reist zu fast allen (bis auf Umeå) Auswärtsspielen per Flugzeug an. Der Ort hat rund 22 000 Einwohner und man ihn getrost als beschaulich bezeichnen. Mit kalten Wintern und wenig Veranstaltungen.

Wie ist das für dich in Piteå als Stockholmerin zu wohnen?

„Natürlich ist es anders in einer kleinen Stadt,“ erzählt Pauline Hammarlund. „Ich habe jedoch geglaubt dass der Unterschied grösser ist. Es ist echt gut gelaufen, nicht zuletzt, weil ich sehr schnell ein Teil meiner Mannschaft wurde und weil wir uns so gut verstehen. Vielleicht wird das einfach so in einer kleinen Stadt, da hat man am Anfang nur die anderen im Team und wir machen auch vieles zusammen ausserhalb des Fussballs.“

Als ich Pitepå zum ersten Mal 2011 besuchte, erzählte mir die damalige Torfrau Stephanie Labbé, dass sie und die anderen Spielerinnen auf der Strasse wiedererkannt werden. Das geht sicher n icht in Stockholm, wenn man nicht gerade Marta oder Caroline Seger heisst.

„Es gibt wirklich ein grosses Interesse in der ganzen Stadt, alle wissen, wie die Spiele ausgegangen sind, die Leute fragen einen und sind interessiert.“

Warum aber ist es gerade in dieser Saison so gut für Piteå gelaufen. Die Mannschaft hat schon jetzt mit 32 Punkten einen neuen Rekord aufgestellt und ist auf einem sensationellen vierten Platz? Als ich vor der Saison mit June Pedersen sprach, sagte sie mir schon, dass Piteå in diesem Jahr wahrscheinlich besser sein würde als je zuvor und Pedersen ist seit sechs Jahren dabei.

„Es ist schwer, auf die Stelle den Finger drauf zu legen und zu sagen, warum es so gut läuft, aber ich glaube, dass viel darin begründet liegt, dass wir den grössten Teil der Mannschaft behalten haben. Wir konnten weiter arbeiten. Wir haben eine sehr deutliche Methode entwickelt, nach der wir arbeiten, alle kennen unsere Spielphilosophie und folgen ihr zu 100%. Wir sind vielleicht dafür bekannt, eine Maschine zu sein und dass wir als Team sehr stark sind. Während unserer Spiele gibt es vielleicht nicht so viele Spielerinnen, die herausragen, aber es liegt an dem Job, den wir als Team leisten, dass wir die meisten Spiele gewinnen.“

Pitea hat eine ganze Reihe von Spielen souverän gewonnen in diesem Jahr: 3:0 in Vittsjö, 4:0 gegen Göteborg und 4:1 gegen AIK nach einem 0:1 Rückstand.

Pauline Hammarlund schoss 2012 das entscheidende Tor gegen Deutschland, dass ihre U19-Mannschaft erst zur Endrunde in die Türkei brachte, in der man schliesslich im Finale Spanien mit 1:0 besiegte.

„Als ich in Tyresöl war, musste ich sehr oft auf der Bank sitzen und das war sicher nicht besonders komisch, wenn man bedenkt, wen Tyresö damals alles in der Mannschaft hatte. Ich war 17-18 Jahre alt, aber dennoch war die Zeit sehr lehrreich. Denn ich habe mich doch weiterentwickelt und jeden Tag mit Spielerinnen wie Marta, Caroline Seger oder Veronica Boquete trainiert. Aber als ich fühlte, dass ich Spielzeit brauchte, um den nächsten Schritt in meiner Entwicklung zu machen, hoffte ich, dass das in Linköping klappen würde. Aber so wurde es nicht ganz. Ich ging dann nach Piteå, in der Hoffnung einen Club gefunden zu haben, der wirklich an mich glaubte. Piteå hat mir die Chance gegeben und immer an mich geglaubt. Stellan (Carlsson, Trainer) war da sehr gut und ich spürte wirklich das Vertrauen des ganzen Vereins.“

Piteå spielte eine gute Vorsaison und für Pauline Hammarlund lief es besser als je zuvor.

„Ich hab das schon in der Vorsaison gespürt, dass es gut läuft, dass dieser Schwung kam, den man als Stürmerin braucht. Damit bekam ich Selbstvertrauen und ich kam in diese Entwicklung rein, wo du kaum noch nachdenkst und die Dinger einfach reinmachst.“

Auf einmal erinnert mich Piteås Entwicklung an die von Linköping – zwei Vereine, die vor allem auf junge schwedische Spielerinnen setzen. Piteå hat in Sundhages derzeitiger Mannschaft vier Spielerinnen dabei: Neben Hammarlund noch Hilda Carlén, Josefin Johansson und Emilia Appelquist. Und mit Lotta Öqvist und Ronja Aronsson habt ihr auch zwei aktuelle U19-Europameisterinnen. Und wenn man sich Linköping anschaut mit Rolfö, Andersson, Ericsson, Blackstenius, Almqvist ist das doch ähnlich.

„Ja, da stimme ich dir zu,“ sagt Pauline. „Man beginnt vielleicht zu verstehen, dass das ein siegreiches Konzept sein kann, weil es so gut für uns läuft. Wenn man nur Hilda und mich als Beispiel nimmt, sieht man doch, dass wir beide junge Spielerinnen sind, die von grossen Clubs gekommen sind, wo wir nicht so viel spielen durften und beide haben wir grosse Fortschritte gemacht, als wir das Vertrauen bekamen.“

Und jetzt wirst du bald mit Lotta Schelin und Nilla Fischer zusammen traimnieren.

„Ich kenne ja viele von denen aus meiner Zeit in Tyresö oder Linköping oder mit der U19. Aber natürlich ist das ne grosse Sache,. Gleichzeitig darf man auch nicht zu viel Respekt haben, sondern ich muss das tun, was ich gut kann und zeigen, welche Qualitäten ich habe.“

Ganztagsprofi ist Pauline nicht in Piteå.

„Ich arbeite halbtags in einem Unernehmen als Verkäuferin. Das ist schön, mal an was anderes zu denken und auch Leute zu treffen, die nichts mit Fussball zu tun haben.“

Wie weit willst du kommen mit deiner Karriere?

„Ich wäre sicher nicht nach Piteå umgezogen, wenn ich nicht geglaubt hätte, dass mich das zu einer besseren Spielerin macht,“ sagt Pauline.

„Es war immer mein Traum, für die Nationalmannschaft zu spielen und davon leben zu können, was ich tue. Und so gut werden wie es nur irgend geht. Die Hoffnung ist natürlicjh, dass es weitergeht und dass ich mich in der Nationalmannschaft etablieren kann und bei einem grossen internationalen Turnier spielen darf. Ich weiss, dass ich dieses Jahr einen grossen Schritt getan habe und mich weiterentwickelt habe. Ich will das Selbstvertrauen behalten und weiterentwickeln.“

Um mit ihrer früheren Mannschaftskameradin Vero Boquete zu sprechen, es ist wichtig „big dreams“ zu haben. Worin sie noch besser werden kann?

„Man kann sicher in allem besser werden. Ich habe sehr viel an meinem Spiel in falscher Richtung getan. Ich bin ja eine Stürmerin, die in die Tiefe geht, aber um mehr Allround zu werden, muss ich auch besser werden, wenn ich mit dem Rücken zum Tor positioniert bin, auch darin verschiedene Rollen zu spielen. Damit kann ich sicher in der Zukunft arbeiten. Und dann muss eine Stürmerin immer an ihrem Abschluss arbeiten. Ich finde, dass ich da noch besser werden kann und noch mehr Chancen ausnutzen sollte.“

Für mich ist Pauline Hammarlund schon jetzt DIE Kandidatin für den Newcomer des Jahres bei der Fussballgala Anfang November.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s