ffschweden im Gespräch mit Elisabet Gunnarsdottir


Die Isländerin Elisabet Gunnarsdottir ist mit ihren gerade mal 39 Jahren nicht nur die dienstälteste Trainerin der Damallsvenskan, sie hat auch schon vorher bereits vier Meistertitel mit Valúr auf Island gewonnen. In ihrer siebten Saison trainiert sie nun den Ers19244974684_4b5db9279e_kDer schwedische Fussballverband hat eine Tradition daraus gemacht, die Trainer der Damallsvenskan zu einem Lehrgang einzuladen, der jeweils während der Fussball-W stattfindet. Zusammen mit ihren elf Kolleginnen und Kollegen war Elisabet Gunnarsdottir diesen Sommer insgesamt elf Tage in Winnipeg und Edmonton und hat sich die WM teilweise vor Ort angeschaut.

Anlässlich des Auswärtsspiels bei Hammarby DFF vor gut zwei Wochen habe ich mich mit Elisabet im traditonellen Stockholmer Hotel des Teams getroffen, um die WM noch einmal mit einer Expertin Revue passieren zu lassen.

„Das war die beste Konferenz seit ich Trainerin in der Damallsvenskan bin,“ berichtet Elisabet Gunnarsdottir und sagt, dass sie sehr viel dazu gelernt hat. Auch die gemeinschaftliche Matchanalyse nach den Spielen der Schwedinnen und den anderen Begegnungen, die man gemeinsam am TV verfolgt hat, bringt nach Meinung der Isländerin sehr viel.

Wie hast du die Stimmung vor Ort empfunden, ich habe gehört, dass es nicht so toll war, auch weil die Spielorte weit auseinander klagen, aber eben auch, weil viele Städte kaum Werbung für das Turnier gemacht haben,

„Wir hatten Glück, weil wir diue Gruppe der USA verfolgt haben und um deren Team war ja eine grossartige Stimmung. Auch bei den Spielen Chinas waren ziemlich viele Fans.“

 

Schon nach dem 10:0 Deutschlands gegen die Elfenbeinküste kam die erste Kritik an der Ausweitung des Teilnehmerfelds von 16 auf 24 Nationen. Was sagst du dazu?

„Nein, ich denke, das ist nur fantastisch,“ sagt Elisabet Gunnarsdottir. „Es ist doch gerade das, was den Fussball in der ganzen Welt weiterbringt. Am Anfang hat man ein wenig darüber gesprochen, aber wenn man sich die Spiele angeschaut hat, gab es doch nicht so viele Mannschaften, die schlecht waren, wenn man das so sagen darf. Wenn man bedenkt, dass dies die erste WM mit so vielen Teams war, finde ich es toll, dass sich eigentlich statistisch nichts verändert hat, wenn man sich die Zahlen von geschossenen und kassierten Toren anschaut. Wir dachten in der Zeit, in der wir da waren und wirklich jedes Soiuel gesehen haben, dass es da unheimlich viele Teams gab, die taktisch sehr geschickt aufgetreten sind und dass es bedeutend mehr Einzelzpielerinnen gab, die richtig gut waren.“

Die Schlussfolgerungen sind also positiv und natürlich hat Gunnarsdottir Recht, wenn sie die Entwicklung des Fussballs anspricht,. Die Teilnahme an grossen Turnieren ist wichtiger als viele glauben für die fussballerische Entwicklung eines Landes. Sie inspiriert und entwickelt die Spielerinnen, die dabei sind, aber hinterlässt Spuren auch in grösseren Kreisen in den Teilnehmerländern.

Aber die Elfenbeinküste und Equador waren wohl nicht so gut? Elisabet stimmt mir zu, sagt aber auch: „Gleichzeitig hat man vielleicht eher nicht erwartet, dass Costa Rica und Kolumbien so gut soielen würden.“

Ich habe selber sehr viel Potential in den afrikanischen Teams gesehen und man fragt sich doch, was Nigeria hätte erreichen können, wenn es zum Beispiel die Spielerinnen aus der Damallsvenskan dabei gehabt hätte, mit Abwehrgigantin Faith Ikidi an der Spitze?

„Vielleicht hätte dieser spontane Fussball dann gar nicht so funktioniert,“ überlegt Gunnarsdottir. „Nigeria war eine Supermannschaft und hat extrem viele Individuen,m die sehr gut sind. Starke Einzelspielerinnen, aber keine ausreichend gute Struktur.“

Speziell hier bei uns in Europa hörte man Spielerinnen sagen, dass Europa mehr Plätze haben sollte, z.B,. wenn Dänemark und Schottland dabein gewesen wären, hätte es doch diese Ausfälle von Ecuador und der Elfenbeinküste nicht gegeben?

„Das ist doch bei den Männern genauso. Es ist schon, diese Länder zu sehen, die spielen einen anderen Fussball, du weisst nie, was du erwarten kannst. Ich finde nicht, dass Europa mehr Plätze haben sollte und denke, dass dieses Modell hier den Fussball auf breiter Front entwickelt.“

Auch wenn du sagst, dass sich der Fussball seit 2011 auf breiter Front weiterentwickelt hat, Elisabet, gewann am Ende verdient die USA, die im Wesentlichen ihre altbekannten Tugenden verwendete: starke Physis, Schnelligkeit und eine einzigartige Einstellung. Da hat sich wenig verändert.

„Was die USA betrifft, muss man auch immer über die Ressourcen reden. Die haben sicher alles vom meisten Geld, der längsten Zeit mit ihren Spielerinnen. Sie haben 260 Millionen Einwohner und können unter einer Menge Spielerinnen wählen. Dennoch finde ich, dass der Rest der Welt den USA näher auf den Pelz gerückt ist. Auch wenn die USA seit 1999 nicht mehr gewonnen hatten, waren sie doch immer eines der überragenden Länder.
Früher war es so, dass du auf dem Spielerinnenmarkt leicht amerikanische Spielerinnen finden konntest, die in praktisch jeder Mannschaft sofort in die Startelf gekommen wären. Das ist deutlich schwieriger heute. Die Ligen sind stärker geworden, es ist schwer die amerikanische Spielerin zu finden, die nicht in der Nationalmannschaft spielt, aber sofort einen Platz in unseren Ligen kriegen könnte. Das sieht man überall in Finnland, Norwegen, Island, Dänemark und Schweden. Da merkt man, dass sich in der Entwicklung etwas getan hat.“

Welche Mannschaften haben dich enttäuscht in diesem Turnier?

„Schweden!“ sagt Elisabet nach zwei Sekunden Pause. Ohne weiteren Kommentar.

„Ich war auch nicht sonderlich beeindruckt von Deutschland, nicht nur was die Platzierung anging. Das dachte ich schon während des ganzen Turniers. Wir haben Deutschland gegen Thailand im Stadion gesehen. In so einem Spiel ist es wichtig, dass du eine gute Leistung bringst und Tore machst, aber die Deutschen waren sehr ineffektiv und wirkten auch desinteressiert. Es gab nicht die Stars im deutschen Team, die man sonst immer gehabt hat. Dann war ich enttäuscht, dass Frankreich so früh ausgeschieden ist. Die Französinnen spielten instabil. Die spielen immer 50-60 Minuten lang einen fantastischen Fuissball, halten aber keine 90 Minuten durch. Das war eine Riesenenttäuschung und das kann man der französischen Liga anhängen. Da hast du vielleicht acht Spiele im Jahr, die richtige Fussballspiele sind mit einem guten Tempo und engem Spielverlauf. Ich glaube, dass die Liga Frankreich nicht dabei hilft, Erfolge mit der Nationalmannschaft einzufahren. Die waren in der ersten Halbzeit immer gut, unglaublich überlegen gegen Deutschland und dann hält man das nicht über das ganze Spiel durch.“

Die Überraschung im positiven Sinn war dann wohl dich England?

„Der Trainer der Engländerinnen, Mark Sampson, hat einfach Sachen riuskiert und England hat überrascht. Dann sind sie natürlich in der Hälfte des Turniers gewesen, die einfach leichter aussah. Ich finde aber auch, dass Australien überrascht hat. Die waren richtig, richtig gut, aber dasselbe da, es reichte für 60 Minuten und danach nicht mehr. Aber sie haben guten Fussball gespielt. China hat auch überrascht.“

„Aber weisst du, welches Team am meisten überrascht hat? Japan. Die sind als Weltmeisterinnen und trotzdem Aussenseiterinnen gekommen, was ich total komisch fand. Niemand hat doch vor derm Turnier ernsthaft gesagt, dass Japan das Finale erreichen würde. Erst während des Turniers hat man dann hier und da von ihnen gesprochen. Insofern haben sie praktisch ständig bis zum Finale überrascht. Und du musst erst mal sechs Spiele nacheinander gewinnen.“

Nachdem Schweden gegen Deutschland nach einer indiskutabel schlechten Leistung mit 1:4 im Achtelfinale verloren hatte, gaben Pia Sundhage und Lillie Persson den Clubs der Damallsvenskan die Schuld. Ihr hättet die Spielerinnen nicht oft genug freigestellt. Das muss doch mindestens zu erhobenen Augenbrauen bei euch geführt haben?

„Diese Diskussion war von Anfang bis Ende falsch,“ sagt Elisabet Gunnarsdottir.

„Ich habe mit Pia erst vor ein paar Tagen zusammengesessen und wir haben darüber geredet. Schon in Kanada haben wir mit Teilen der Mannschaftsführung zusammengesessen und sie meinten, dass sie die Spielerinnen nicht oft genug bekommen hätten. Es ist doch nicht in Ordnung, dass wir da mit 12 Trainern sitzen und das Gefühl vermittelt bekommen, wir hätten das schlechte Ergebnis verursacht. Sicher haben wir beim einen oder anderen Lehrgang Probleme gemacht, aber ich finde das alles sehr unglücklich. Die Nationalmannschaft ist nach der WM natürlich unter Druck und sie geben Interviews, in denen sie die falschen Dinge sagen und dann wird man deshalb angeklagt. Das geht sehr schnell. Ich glaube, dass sie selber wissen, dass es nicht daran lag. Natürlich ist eine bessere Zusammenarbeit wichtig, da sind wir uns alle einig. Und füyr uns gilt es, die Nationalmannschaft und die Nationaltrainerin zu unterstützen. Ich finde es gut, dass Pia ihre angekündigte Schwedenreise begonnen hat und wir sind alle der Meinung, dass wir das Markenzeichen des schwedischen Frauenfussballs fördern müssen.“

Grundlage für eine gute Nationalmannschaft ist auch eine gute Liga. In letzter Zeit höre ich zum Beispiel aus Norwegen, dass die Liga dort eigentlich gleich gut sei, dass man sehr aufgeholt habe. Ist die Damallsvenskan noch einbe der weltbesten Ligen?

„Also ich schaue mir so viele Spiele wie möglich auch in anderen Ligen an. Erst mal muss man natürlich überlegen, welche Kriterien man anlegt? Meiner Meinung nach ist eiun gleichmässiges Tempo von Woche zu Woche wichtig. Da ist die Damallsvenskan vielleicht am besten. Schau dir die deutsche, die französische, die norwegische und die englische Liga. Spielt keine Rolle, welches Beispiel du nimmst, dort wirst du nicht so gleichmässig gute Spiele sehen von Woche zu Woche. Als Topteam in Frankreich oder Deutschland kommst du nicht jede Woche zu einem Spiel, in dem du selbst gegen Teams aus den unteren Tabellenregionen Punkte lassen kannst. Hier ist. das so. Rosengård war total überlegen. Dann kamen sie zum Tabellenvorletzten und haben da zwei Punkte gelassen. Letztes Jahr hat Jitex jedes einzelne Spiel in der Damallsvenskan verloren,m aber wie viele Spiele waren dabei, wo es mit einem Tor Unterschied war? So gesehen finde ich, dass die Damallsvenskan die spannendste Liga ist.“

Trotzdem gewinnen deutsche oder französische Teams die Champions League und sind, nicht zuletzt aufgrund der Breite ihrer Kader an der Spitze überlegen. Der deutsche Meister FC Bayern München etwa geht in die Saison 2015/16 mit sage und schreibe 27 Spielerinnen.

„Der Unterschied besteht natürlich in den Ressourcen. Die besten Teams in der Damallsvenskan sind nicht so gut wie die besten Teams in Deutschland oder Frankreich. Ich glaube trotzdem, dass man alle Möglichkeiten hier hat, die beste Liga der Welt zu sein., Solange es in Deutschland nicht 12 Clubs gibt, die dieselben Ressourcen haben, wird es schwer, die beste Liga der Welt zu sein. Schau dir die Zuschauerzahlen an, da hat der deutsche Meister einen Schnitt von 870. Vergleichst du das mit Schweden, haben die schwedischen Meister einen höheren Schnitt. In Deutschland wohnen 80 Millionen und in Schweden nur 9 Millionen. Auch das muss man berücksichtigen, eine gute Liga muss auch Zuschauer haben. Da glaube ich übrigens, dass England einen grossen Schritt machen kann.“

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4 Gedanken zu „ffschweden im Gespräch mit Elisabet Gunnarsdottir

  1. mittag, marozsan, gössling, angerer, keine stars? das sind champions league sieger, das was scheden seit 10 jahren nicht mehr hinbekommen hat.
    deutschland hat die elfenbeinküste mit 10-0 und thailand mit 4-0 nach hause geschickt.
    deutschlands weg ins finale. schweden, frankreich und usa, noch schwerer gehts jawohl nicht.
    also bitte nicht deutschland beleidigen und vor der eigenen loser haustür kehren.

    • Nun ist ja Elisabet nicht Schwedin und gerade deswegen habe ich auch mit ihr gesprochen. Dass Deutschland bei dieser WM enttäuscht hat, darüber waren sich auch die meisten Journalisten in Deutschland einig. Es gab in der deutschen Mannschaft nuemanden, die das Spiel gegen Frankreich oder gegen die USA herumgerissen hätte. Wie sehr da Nadine Kessler fehlte, wurde schmerzlich deutlich. Da setzte es am Ende sogar die erste Niederlage der Länderspielgeschichte gegen England. Goessling war gegen die Elfenbeinküste und Thailand gut, als es dann gegen Frankreich, USA und England darauf angekommen wäre, hat man von ihr nicht viel gesehen. Angerer kann das nicht von hinten machen. Marosan ist wieder mal angeschlagen gewesen, ist aber für mich schon so etwas wie das ewige Versprechen, die beste Spielerin der Welt zu sein. Mittag ist nicht der Typ, der ein Team anführt. Und gut, dass Sasic hier nicht erwähnt wurde, sie hat auch in den entscheidenden Partien nichts mehr gebracht. Respekt vor Elisabet Gunnarsdottir, die das sehr neutral sieht ujnd übrigens normalerweise den deutschen Fussball sehr schätzt..

  2. guten morgen, bitte besser die deutsche liga beobachten, denn wolfsburg, frankfurt und turbine potsdam haben einen höheren zuschauerschnitt als alle anderen schwedischen mannschaften.
    bayern münchen ist zum erstenmal seit 40 jahren meister geworden, da kommen die zuschauer auch erst noch.

    bayern münchen hatte in der saison 2014/15 einen zuschauerschnitt von 1227 zuschauern, quelle, http://www.framba.de, was für eine expertin, armes schweden.
    die schwedischen liga spiele als schnell und athletisch zu bezeichnen ist natürlich nur wunschdencken.

  3. noch was, bayern münchen hat mit 27 spielern einen grossen kader, wenn man sich aber aushennen würde, dann wüsste man das einige spielerinnen aus der 2 mannschaft und aus der u-17 mannschaft dabei sind.
    diese sollen nämlich erfahrung sammeln.

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