Bronze verloren


Der vierte Platz bei der WM in Kanada könnte ein Erfolg für die meisten Teams der Welt sein. Für die (Noch)Nummer 1 der Weltrangliste sollte das zu wenig sein. Das Spiel gegen England gestern Abend wurde verdient verloren, auch wenn der Foulelfmeter, den sogar Silvia Neid als berechtigt ansah, ein grotesker Witz in der Fortsetzungsreihe „Die schlechtesten Schiedsrichterinnen der Welt treffen sich Kanada“ war. Sorry für die Polemik. Denn Tabea Kemme hat Lianne Sanderson nicht umgerissen. Aber das ist eigentlich auch wurscht, denn wenn m,an in 120 Minuten gegen spielerisch eher begrenzte Engländerinnen kein Tor machen kann,. dann hat man nun mal keine Bronzemedaille verdient.

Vom Einsatz und Willen her waren die Inselbewohnerinnen den deutschen Spielerinnen ohnehin deutlich überlegen. In der ersten Halbzeit war Deutschland noch klar spielbestimmend, aber man setzt solche Überlegenheiten halt nicht mehr um. Als dann Eniola Aluko reinkam, brachte sie mit ihrer Geschwindigkeit ein ums andere Mal die deutsche Abwehr ins Schleudern und das Spiel wurde ebenbürtig. Auch die Einwechslung von Sanderson trug dazu bei.

Aber es gab einige Lichtblicke. Neid ließ einige der Jungen ran. Auch wenn Lena Petermanns Pulver schnell verschossen war, so war Sara Däbritz für mich die beste DFB-Spielerin auf dem Platz. Auch Tabea Kemme überzeugte und das sind positive Signale für die Zukunft.

Nadine Angerer trat mit zwei Niederlagen in Folge ab, aber sie wird das sicher schnell abschütteln. Die Frage jedoch ist, ob Almuth Schult ihre Fußstapfen wird ausfüllen können. In der Abwehr sollte sich Neid allmählich von Annike Krahn und Saskia Bartusiak verabschieden, so schwer ihr das menschlich auch fallen dürfte. Deutschland braucht eine schnelle und spielerisch starke Innenverteidigung. Vielleicht sollte eine der beiden Positionen durch Lena Goessling besetzt werden, die im Übrigen eine erschreckend schwache Vorstellung in den letzten Spielen bot. Melanie Leupolz konnte auf dem höchsten Niveau die ihr zugedachte Rolle noch nicht schultern, aber sie braucht noch ein wenig Zeit und wir können hoffen.

Insgesamt schien mir die deutsche Mannschaft nach dem Schlusspfiff auch keine Einheit zu sein. Da saßen fast alle Spielerinnen alleine auf dem Rasen oder der Bank und gaben sich ihren Gedanken hin. Die Trainerin war auf den Fernsehbildern nur wenig zu sehen. Da erinnere ich mich an die Bilder der Engländerinnen nach dem verlorenen Halbfinale gegen Japan, wo alle sich gegenseitig und alle zusammen Laura Bassett trösteten. Das mag ein Kulturunterschied sein, der mir entgangen ist, aber England war zumindest in diesem Fernsehbildern aus Nordamerika viel mehr eine EInheit als das deutsche Team. Doris Fitschen lief umher und verteilte schnelle, oberflächliche Deep-Fives, aber herzliche, tröstende Umarmungen hat man da nicht gesehen.

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4 Gedanken zu „Bronze verloren

  1. Hallo Rainer, den Artikel kann ich nur unterschreiben. Für mich war auch unverständlich warum man Leonie Maier draußen liess.Für mich gehörte auch Sara Däbritz zu den besten Spielerinnen. Deutschland wäre besser gegen Frankreich ausgeschieden, denn die haben die bessere Spielweise gezeigt.

  2. Hi Rainer, Artikel enspricht ziemlich genau meiner Meinung. Neben der schlechtesten Schrileistung des Turniers (über 90/120 Minuten) ist mir aber auch noch die krasse Unsportlichkeit der englischen Mannschaft aufgefallen. Massenhaft Schwalben, grobe Fouls, ständiges Ankreischen der Schiedsrichterin und Zeitspiel von der ersten Minute an. Das war wirklich an der Schmerzgrenze des guten Geschmacks.

  3. es gibt da das Märchen „Königs neue Kleider“ und keiner der Verantwortlichen im DFB mag erkennen wollen, dass wir wie in dem Märchen in übertragenen Sinne „nackt“ dastanden.
    Und das als Nummer eins in der Weltrangliste – da sehe ein großes Fragezeichen.
    Frauenteams brauchen nicht“ per se “ einen weiblichen Trainer – sie brauchen für das Team den Besten egal ob weiblich/männlich.
    Das Verteilen vorn Posten nach „Geschlecht“ ist nicht mehr zeitgemäß – siehe England ein Glücksgriff an Trainer.

    • Da stimme ich völlig zu. Ich habe im März mit Maria Bergkvist, der neuen Trainerin von Umeå, gesprochen. Sie ist für die besten Schiedsrichter und meint, da müsse man auch daran denken, Männer einzusetzen, wenn es noch nicht genügend gute Frauen gäbe (was im Moment der Fall ist) und selbstverständlich sollte der/die Beste Trainerin sein. Leider ist das beim DFB und auch beim schwedischen Pendant SvFF im Moment ziemlich frauenlastig. Gerade beim DFB müsste man das komplizierte Geflecht auch der Beziehungen der verantwortlichen Damen untereinander durchbrechen und auf Kompetenz und Leistung setzen und nicht auf ehemalige und jetzige Beziehungsgeflechte.

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