Hope Solo und ihre Vorbildfunktion


Pia Sundhage erklärte gestern, dass alle Spielerinnen, über die sie gesprochen habe Vorbilder als Spielerinnen und allgemein als Frauen wären. Im Fall Hope Solo habe ich da meine Zweifel.

Sicher, auch ich halte sie für die beste Torhüterin der Welt und sie ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Sports und ich warte noch immer auf die Gelegenheit zu einem längeren Interview mit ihr. Aber der amerikanische Sportsender ESPN hat erst vor wenigen Tagen einen längeren Artikel über die Ereignisse im Juni 2014 veröffentlicht.

Solo wurde demnach am 21.06.2014 nach einem Anruf wegen angeblich häuslicher Gewalt von Polizeibeamten in Seattle festgenommen und, weil sie erheblichen Widerstand leistete, zu Boden gedrückt und mit Handschellen versehen. Laut Polizeiprotokoll schrie sie: „Du bist solch eine Hure. Du hast Angst vor mir, denn du weißt genau, wenn die Handschellen nicht da wären, würde ich dich fertigmachen.“

Gebeten eine Halskette zu entfernen, rief sie einem anderen Polizisten zu, die Kette sei mehr wert, als was der Polizist im ganzen Jahr verdienen würde. Solo hat in einem Fernsehauftritt in der Sendung „Good Morning, America“ erklärt, sie sei keine Täterin, sondern ein Opfer, eine fälschlicherweise angeklagte Athletin, die jetzt von der Wahrheit befreit worden sei.

Die Staatsanwaltschaft soll bis zum 13.07. ihre Darstellung des Falles vorlegen und Solos Anwälte können dann bis zum 10.08. darauf antworten. Am 11.09.soll eine mündliche Vorverhandlung stattfinden.

Bei der WM haben die Presseverantwortlichen des amerikanischen Teams alle Journalisten deutlich bis scharf darauf hingewiesen, dass man Hope Solo keine Fragen hierzu stellen darf und dass Journalisten, die das doch tun von den Teampressekonferenzen und Spielerinnengesprächen ausgeschlossen würden.

Im Juni 2014 soll Hope Solo in angetrunkenem Zustand ihre Halbschwester Teresa Obert und deren damals 17-Jährigen Sohn misshandelt haben. In Good Morning, America schob Solo die Schuld auf ihren Neffen. Der sei 2,03 Meter groß und Solo (1,75 m) stellte die Sache so dar, dass man einen so großen männlichen Jugendlichen als Frau gar nicht misshandeln könnte. Diese öffentlichen Äußerungen brachten nun wiederum Teresa Obert auf die Palme.

Laut ESPN, dass Zugang zu Polizeiakten hatte, hatte Hope Solo am Ärger mit ihrem Mann Jeremy Stevens am Abend des 20.06. Sie kündigte sich bei ihrer Halbschwester an und wartete in ihrem Auto auf Obert und deren Sohn. Die beiden Frauen tranken mehrere Gläser Wein. Danach kam es zu einem sich steigernden Streit. Solo soll Oberts Sohn beschimpft haben, sich auf ihn gestürzt haben und seinen Kopf mehrfach auf den Zementboden geschlagen haben. Solo sagte selber beim Eintreffen der Polizei, dass ihr Neffe sie attackiert habe. Die Polizei hörte sich die Aussagen vor Ort an und da Solos Neffe mehrere Verletzungen aufwies, Hope Solo aber nur sehr lindrige, dass es genügend Anlass gebe, die amerikanische Nationaltorhüterin festzunehmen. Im Untersuchungsgefängnis kam es dann zu Solos Bemerkung zu einer Wächterin, sie würde sie fertigmachen, wenn sie keine Handschellen hätte. Hopes Anwalt Maybrown erklärte hierzu, seine Mandantin sei wütend gewesen, wir alle wären wütend, wenn wir unschuldig festgenommen würden. Das Verhalten Solos, ihr unsteter Gang, das sie Polizeibeamten auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückführten (auch ihre angebliche Alkoholfahne wurde von zwei Beamten notiert) führte der Anwalt auf eine Gehirnerschütterung zurück, die Solo durch einen Schlag ihres Neffen zugefügt worden sei.)

Eine Woche nach dem Vorfall in Seattle wurde Hopes Ehemann Jeremy Stevens an der Ostküste der USA festgenommen, weil er mit Alkohol am Steuer gesessen hatte. Dummerweise fuhr er einen Minibus, der dem amerikanischen Fußballverband gehörte und dummerweise saß Hope Solo auf dem Beifahrersitz. Wenn sie in „Good Morning, America“ sagt, dass wir alle Fehler machen würden und wir alle ein recht auf Wiedergutmachung hätten, dann stimme ich dem zu. Allerdings fällt gerade im Fall der vielleicht besten Torhüterin der Welt die Häufigkeit von ernsten Fehlern auf.

Wenn man jedoch ihre Autobiographie „A Memoir of Hope“ gelesen hat, dann weiß man, dass Solo es niemals leicht im Leben hatte. Ihr Vater war während ihrer Kindheit und Jugend meist obdachlos, mit ihrem Bruder hatte sie eine jahrelange destruktive Beziehung, in der sie ständig geschlagen und getreten wurde.

Hier sind möglicherweise viele der aktuellen Ereignisse um die weltberühmte Spielerin verwurzelt. Diese Woche gab es wieder Schlagzeilen, nachdem der prominente ESPN-Moderator Keith Olbermann gefordert hatte, dass Hope Solo von der WM ausgeschlossen werden müsste. Wäre dies im amerikanischen Football passiert, so ist sich Olbermann sicher, hätte es eine sofortige Suspendierung gegeben.

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