Was sagt das 10:0 über den Frauenfußball aus?


Ich habe mich ein klein wenig vor dem Sonntag gefürchtet. Norwegen – Thailand und Deutschland – Elfenbeinküste. In der wohl leichtesten Gruppe dieses Turniers trafen zwei der weltbesten Mannschaften auf die vermeintlich zwei schlechtesten WM-Teilnehmer. Und ehrlich gesagt hatte ich durchaus mit mehr als 14 Toren gerechnet, aber die Norwegerinnen begnügten sich mit einem 4:0-Spaziergang, während die Deutschen aus allen Rohren schossen. Sportlich gesehen ist das sicher richtig. Die eigene Mannschaft 90 Minuten lang durchspielen zu lassen. Politisch und für das Ansehen des Frauenfußballs ist es eine Katastrophe, wie die von Hass und Hohn triefenden Kommentare in vielen Internet-Foren und auf Twitter zeigen.

Aber den Personenkreis der Männer, die sich durch kaum etwas so herausgefordert sehen, als durch Frauen, die Fußball spielen, würden wir auch nicht durch 52 hochklassige Spiele gleichwertiger Mannschaften bekehren. Diesen Neandertalern geht es darum, dass Frauen bestenfalls als Accessoires mit ins Stadion kommen, als Spielerfrau eben und nicht als Frauenspielerinnen.

Die Elfenbeinküste gab eine betrüblich schwache Vorstellung ab. Da gab es nicht den geringsten Anflug von Organisation, weshalb ich trotz aller Gegenreden von „bei Weltmeisterschaften nehmen halt Teams aus der ganzen Welt teil“ eine andere Auffassung vertrete: Für Teams wie die Elfenbeinküste kommt eine WM-Teilnahme um 8-12 Jahre zu früh. Vermutlich gilt dasselbe für Thailand und Ecuador. Alle drei Teams sind übrigens dabei, weil sie in der Quali auch sehr viel Dusel gehabt haben. Ecuador gelang erst in der Nachspielzeit im Auswärtsplayoffspiel bei Trinidad & Tobago das einzige Tor beider Begegnungen. Thailand sollte Danktelegramme nach Pjöngjang schicken und die Elfenbeinküste setzte sich mit Ach und Krach gegen ein schwächelndes Südafrika durch.

Nein, lasst diese Teams besser 8-12 Jahre sich entwickeln und nehmt sie dann mit ins Turnier. Gebt lieber Europa weitere drei Plätze. Wäre man da nach der Rangliste gegangen, hätte Deutschland gestern gegen Island und Norwegen gegen Italien gespielt. Vermutlich hätten beide Favoriten gewonnen, aber mit Sicherheit nicht zusammen 14 Tore erzielt. Statt auf Ecuador würde Kamerun heute Nacht übrigens auf Dänemark treffen.

Gebt Europa drei weitere Plätze, nicht weil ich Europäer bin, aber weil der Frauenfußball in Europa am weitesten entwickelt ist. Manchmal muss man Tatsachen einfach anerkennen. Und liebe FIFA, lasst die Elfenbeinküste, Thailand und Ecuador dann aber nicht alleine, sondern schickt ihnen immer wieder Fußballehrer, die den Fußball gerne auf die Kosten der reichen Verbände fördern. Ladet die Trainer dieser Länder auch zu Lehrgängen nach Deutschland, Schweden, die USA oder Frankreich ein und bringt ihnen Fußballwissen und Rund-um-den-Fußball-Wissen bei. Damit fördert man den Frauenfußball perspektivisch mehr, als dass man die Welt scheindemokratisch und proportional an solchen Turnieren teilnehmen lässt.

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6 Gedanken zu „Was sagt das 10:0 über den Frauenfußball aus?

  1. Das es eine Katastrophe für den Frauenfussball ist finde ich nicht. Das es große Leistungsunterschiede gibt ist schon lange bekannt. In der Frauenbundesliga gibt es hin und wieder auch zweistellige Resultate, z.B. WOB – Herford 10:0. Dort spricht niemand von Kastastrophe, ebenso wenig wenn es bei den Männer WM Ergebnisse wie GER -Brasilien 7:1 gab, oder in der CL Bayern München gegen Porto 6:1 gewinnt

  2. die thais waren auch sehr schwach nur konnte norwegen anders als deutschland keine tore mehr schiessen.
    die deutsche mannschaft hat es richtig gemacht, denn in deutschland wird nie auf kunstrasen gespielt.
    dies war das zweite spiel der deutschen mannschaft auf kunstrasen und zum glück haben sie sich mich vielen toren eingespielt.
    deutschland war gut und die elfenbeinküste war nicht schlecht, sie zwei konter, sondern deutschland so gut.

    ist es dem frauenfussball nicht abträglicher wie norwegen seine tore gefeiert hat, dieser selfie jubel muss für die thais beschämend sein.

  3. ja, schweden, besser 100% geben und seinen gegner beherrschen, ger-civ, als sich wie die schwedische mannschaft zu blamieren.
    geiles spiel von nigeria, schweden zu langsam und ich vermute mal zu arrogant.

  4. Man hätte noch wenigstens 8 Jahre mit 16 Teams spielen sollen. Man kann ja gern diese Länder unterstützen, auch dadurch das Talente in anderen Ländern spielen.

    • 24 finde ich ok, aber nicht mit dieser kontinentalen Verteilung. Wie gesagt, Dänemark, Schottland, Island rein und Ecuador, Thailand und Elfenbeinküste raus wär schon besser gewesen.

      • mal provokant nachgefragt: und die kontinentale verteilung macht mensch dann abhaengig davon, wer sich so auf welchem regionalen platz qualifiziert? wenn nordkorea sich nicht selbst rausgekickt haette, waeren die statt thailand dabei. dann haette das alles anders ausgesehen und 4 plaetze fuer asin waeren ok?

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