ffschweden im Gespräch mit: Zećira Mušović


Zećira Musović nach dem 4:0 bei Djurgården am 21.04.2015 (Foto: Anders Henrikson)

Zećira Musović nach dem 4:0 bei Djurgården am 21.04.2015 (Foto: Anders Henrikson)

Selten, sagt Pia Sundhage, habe sie einen Durchbruch in dieser Geschwindigkeit erlebt. Dass jemand es schafft von der Ersatzbank ins Viertelfinale der Champions League. Und vom blossen Namen in einem Kader zu einem Namen, der bereits als einer von 23 für den schwedischen WM-Kader für Kanada gehandelt wird.

Die Rede ist natürlich von der 18-Jährigen Torhüterin des FC Rosengård, Zećira Mušović. Nach dem Pokalviertelfinale Rosengårds beim Stockholmer Tabellenführer der zweiten Liga, Djurgården, hatte ich die Gelegenheit, mich mit Zećira zu unterhalten.

Die letzten fünf Wochen im Leben eines Teenagers in Malmö waren ziemlich aufregend. 1:0 Sieg gegen Linköping und Gewinn des Supercups und das Vertrauen des Trainers Marcus Tilly, als erste Torhüterin zu spielen. Und auch die Ankündigung, in Wolfsburg gegen den VfL spielen zu dürfen. Aber Mušović fing sich eine Erkältung ein, es sah schlecht aus. Ihr Mutter fütterte die 18-Jährige mit allerlei Hausmitteln,u.a. kleine Berge von Ingwer und als schon klar war, dass Kathrin Längert wohl spielen würde, kam dann doch noch das Klarzeichen. Und die 18-Jährige machte ein Superspiel gegen die Wolfsburger Weltstars.

Wie hast du die vergangenen Wochen selber erlebt?

„Ich habe den Vertrag mit Rosengård ja verlängert, weil ich diese Saison den Startplatz als Torhüterin holen wollte,“ erzählt sie mir. „Das war mein Gedanke und deshalb habe ich unterschrieben. Aber das es so schnell gehen würde und ich schon gegen Wolfsburg spielen darf, das habe ich ehrlich gesagt nicht geglaubt. Aber: ich habe viel trainiert. Ich habe zwei Jahre auf der Bank gesessen, ich habe mich quasi für diesen Augenblick vorbereitet, spielen zu dürfen. Jetzt gehe ich einfach nur raus und genieße.“

Und das macht Zećira Mušović zweifelsohne. Sie spricht mir einem herrlich gesunden Selbstvertrauen ohne auch nur irgendwie arrogant zu klingen. Die jüngste Stammtorhüterin der schwedischen Liga ist eine ehrliche und offene Person, die sich nimmt, was ihr zusteht ohne dabei frech zu wirken.

16960071365_a52506f8df_zEnde März war ich auf dem Malmö IP und fotografierte u.a. als Alexandra Popp und Zsanett Jakabfi sich in die Luft schrauben und mit unbändiger Energie auf das Tor von Mušović zuspringen. Popp köpft das 2:3. Wie hast du das empfunden, an diesem Nachmittag auf einmal gegen eine Alexandra Popp zu spielen?

„Wenn ich ehrlich sein soll,“ lacht Zećira und, „dann wusste ich vorher gar nicht, wer Popp ist. Dann machte sie in zwei Spielen drei Tore gegen mich und ich wusste wer sie ist.“

Die 18-Jährige kann auch über sich selbst lachen und darüber, dass sie noch lernt.

„Natürlich, das war Wolfsburg und Nilla Fischer und all die anderen, aber daran denkt man doch nicht, wenn es losgeht. Es geht nur darum, seinen Job zu machen und das möglichst gut. Ich will normalerweise auch nicht so sehr viel wissen. Klar, es ist gut, wenn du weißt, die ist gut mit dem Kopf und die schießt gute Freistöße, aber ich sitze ich vorher und denke, wooo, jetzt kommt Fischer, das mache ich nicht.“

Das Pokalspiel bei Djurgården waren 90 Minuten in denen du beinahe völlig arbeitslos warst. Wie hast du dieses Spiel gesehen?

„Ich habe das Spiel dazu genutzt, weiter daran zu arbeiten, 90 Minuten lang fokussiert zu bleiben. Denn ich glaube, dass viele Spiele in diesem Jahr so für uns aussehen werden. Dass ich da doch wenig beschäftigt bin und dann kommt auf einmal der hohe Ball in der 93. Minute, den ich haben muss. Mein Ziel heute war, fokussiert zu bleiben und es gut zu machen.“

Die Leute haben nach deinen tollen Leistungen angefangen, über dich und einen Platz für Kanada zu reden. Du bist schon die Mannschaftskapitänin der schwedischen U19, die sich für das Endturnier in Israel qualifiziert hat. Wie siehst du das mit der A-Mannschaft?

„Klar, das ist schon toll, dass viele darüber reden, dass es so schnell gegangen ist, dass auch Pia gesagt hat, dass sie mich im Auge hat. „Das ist natürlich ein Traum, aber man muss viele Spiele hier zu Hause gut spielen, um eine Chance in der A-Mannschaft zu bekommen.“

Wahrscheinlicher also, dass du im Juli bei der U19-EM in Israel sein wirst?

Zećira lächelt und sagt: „Naja, das werden wir ja dann sehen, ob ich da hinfahre.“

Solange die Tür nach Kanada nicht ganz zu ist, kann man noch träumen.

Es ist die Zielstrebigkeit hinter Mušovićs Lächeln, die sie von so vielen anderen Talenten unterscheidet. Ich frage mich, wie sie es geschafft hat, der 27-Jährigen Längert den Stammplatz wegzunehmen.

„Ich habe wirklich sehr viel gearbeitet daran, was ich tun kann, um besser zu werden. Wie ich diesen ersten Platz kriege kann. Mit unserem Mannschaftspsychologen habe ich eine Methode erarbeitet, dass ich nur auf mich selbst schaue, nicht darauf, was die andere Torhüterin macht. Was kann ich ganz persönlich verbessern? Und dann habe ich gedacht, dass ich zwar erst 18 Jahre bin, mich aber nicht mehr als das 18-Jährige Talent sehen will, sondern als jemanden, der in einer A-Mannschaft spielt und dort bei gerechten Bedingungen um einen Platz konkurriert.“

Bist du schon Vollprofi oder was machst du außer Fußball?

„Ich gehe noch zur Schule, Pro civitas, eine richtig gute Schule. Bald mache ich das Abitur, dann will ich weiter studieren an der Universität. Ich engagiere mich auch ziemlich viel für die Schule. Damit beide Richtungen funktionieren, weil es für eine Frauenfußballspielerin wichtig ist, nicht nur Fußball zu spielen.“

Gibt es Dinge als Torhüterin, wo du besser werden musst?

„Ich glaube nicht,dass ich in einer bestimmten Sache besser werden muss, ich kann in allen Dingen besser werden,“ beurteilt Zećira realistisch. „Ich will das Niveau überall erhöhen, um den nächsten Schritt machen zu können.“

Einige Tage nach dem Gespräch mit ihr, lese ich Zećira Mušovićs Blog. Sie hat gerade einen Eintrag über Thora Helgadottir geschrieben, mit der sie sich in Malmö getroffen hat. Die Frau, die eineinhalb Jahre spielte, als sie auf der Bank saß. Zećira schreibt in den höchsten Tönen über Helgadottir und am Ende: „Ich will so wie Thora Helgadottir werden. Nur etwas besser.“

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