Wolfsburg vor dem Aus


PSG vor dem Sechzehntelfinalspiel bei Tyresö FF im Herbst 2013.

PSG vor dem Sechzehntelfinalspiel bei Tyresö FF im Herbst 2013.

Das 0:2 des VfL Wolfsburg gestern Abend gegen die aufstrebende Mannschaft von Paris Saint Germains kam in mehrerer Hinsicht unerwartet. Erstens hatten viele das Viertelfinalspiel gegen den schwedischen Meister FC Rosengård zum vorweggenommenen Finale hochstilisiert und danach vom rein deutschen Finale in Berlin geredet und zweitens war die Art, wie der Sieg der Mannschaft von Farid Benstiti zustande kam bemerkenswert: Wolfsburg hatte nur eine einzige Torchance, Paris war die klar bessere Mannschaft und das Mittelfeld war eindeutig in Gästehand.

Die Ausfälle von Nadine Keßler (kommt sie noch mal zurück nach der achten Knieoperation?) und Lena Goeßling waren dieses Mal nicht zu kompensieren. In Malmö gelang das noch, da spielte vor allem Vanessa Bernauer glänzend. Und vorne war Alexandra Popp eine wuchtige, eiskalt verwandelnde Targetstürmerin.

Popp ins Mittelfeld zu stecken sollte ein genialer Schachzug von Ralf Kellermann werden, erwies sich aber als Flop. Zwar war die Nationalsspielerin gewohnt bemüht, bekam aber gegen die wesentlich stärker agierenden Caroline Seger und vor allem Shirley Cruz Traña keine Deutungshoheit über das zentrale Mittelfeld. Vorne zeigte die von mir sehr geschätzte Japanerin Yuki Ogimi einmal mehr, dass sie in Wolfsburg ein Fehleinkauf ist. Denn Ogimi kann wesentlich mehr. Die Norwegerin Caroline Graham Hansen spielte, wie schon früher in Tyresö, gewohnt eigensinnig und vertändelte des öfteren.

Nilla Fischer bekam ihre Abwehr nicht in den Griff und der früh gegebene Elfmeter (zweifelhaft) durch die schwache schwedische Schiedsrichterin Pernilla Larsson, die leider bei der WM pfeifen darf, tat sein Übriges.

Aber: Alle Serien reißen und alle Imperien fallen früher oder später. So wie der VfL Wolfsburg selber mit einer großartigen taktischen Leistung seinerzeit den französischen Meister Olympique Lyonnais an der Londoner Stamford Bridge vom Europathron gestoßen hatte, so gelang dies gestern dem französssischen Vizemeister in der AOK Arena in Wolfsburg. Dem europäischen Fußball dürfte das letztlich gut tun, wenn in Deutschland am 14. Mai nicht zwei deutsche Mannschaften den UWCL-Titel unter sich ausmachen.

Farid Benstiti, so sagte seine Spielerin Shirley Cruz Traña nach der Partie, trüge großen Anteil an diesem Sieg, da er das Spiel Wolfsburgs bestens analysiert habe und somit die Grundlage für sein Team geliefert habe. Im Rückspiel, so sagten sowohl Benstiti wie auch Cruz Trañna, werde man aber vorsichtig sein. Der Respekt vor Wolfsburg ist nach wie vor groß, aber wenn Kellermanns medizinische Abteilung nicht wenigstens Lena Goeßling aus dem Hut zaubern kann, dann wird die Vorherrschaft um das Mittelfeld tendenziell wieder bei PSG landen. Oder?

Übrigens fehlten auch bei den Französinnen Leistungsträgerinnen: Die Abwehrspielerinnen Laura Georges und Josephine Henning etwa und natürlich Lira Alushi.

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9 Gedanken zu „Wolfsburg vor dem Aus

  1. Hallo Rainer. Sehe ich alles genauso und hoffe, dass Paris weiterkommt! 🙂 Aber Paris wird es im Rückspiel schwerer haben. Falls es Wolfsburg doch noch schafft, haben Sie es natürlich auch verdient!

    • Wenn Wolfsburg das noch dreht, dann sind sie die Größten! Aber das wird enorm schwer, zumal PSG das Rezept hat und auch Spielerinnen, die es umsetzen können. Bei WOB sind auch zu viele verletzt, mit Keßler und Goeßling sähe das anders aus.

    • das ist das problem von uns deutschen, aus politischer korrektheit sind wir oftmals gegen unsere eigenen deutschen mannschaften.
      aber das dreht sich langsam wieder.
      was wolfsburg leistet, alle 3 tage ein spiel und bei der verletzten liste, das schaffen nicht viele mannschaften.
      ich gehen davon aus das kellermann die richtige antwort finden wird und wenn dann das 3-0 gefallen ist, dann haben wir ein deutsches finale.

      • Du sprichst mir aus der Seele. Die VfL-Mädels haben als Rudel schon so manches Team „niedergekämpft“. Und wenn in Paris diese Bissigkeit, etwas
        Glück und eine „korrekte Leitung“ auf dem Platz gezeigt wird, warum nicht VfL vs Frankfurt im Finale ? Alles Gute, wir feuern euch an !!!!!!!!!!
        Achim, el oso

  2. Ich bin nicht gegen deutsche Mannschaften, auch wenn ich im Viertelfinale natürlich bei Rosengård war, weil ich halt Anja, Anita, Marta, Kirsten, Line, Ramona und Ali aus Interviews persönlich kenne. Aber PSG ist mir fremd, trotzdem zweifle ich daran, dass WOB es schafft, weil die Französinnen doch eben nicht glücklich oder zufällig gewonnen haben. Ich bin ein Anhänger von Bernd Schröders Satz „Fußball ist keine Naturwissenschaft“, also wenn in der vierten Minute in Paris ein Ball von wem auch immer ins PSG-Tor segelt, dann ist alles drin. Es ist aber nicht gerade sehr wahrscheinlich.

    • das hat man auch in den spielen, lyon-wolfsburg, tyresö-wolfsburg, tyresö hat 2-0 geführt, und rosengard-wolfsburg gedacht, und wolfsburg hat die spiele gedreht und gewonnen.
      wenn man die interviews liest und weis wie die französinnen mental drauf sind , dann werden sie wolfsburg im rückspiel unterschätzen.
      aber wie sagt der kaiser, schaun wer mal.

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