ffschweden im Gespräch mit: Maria Bergkvist


Umeå IK setzt vorwiegend auf regionale Talente (Archivbild)

Umeå IK setzt vorwiegend auf regionale Talente (Archivbild)

Vor der neuen Saison 2015 hat Umeå IK drei wichtige Leistungsträgerinnen verloren. Hanna Folkesson wechselte zu Vizemeister KIF Örebro, Kapitänin Emma Berglund zu Meister Rosengård und mit Emmelie Konradsson, unter Pia Sundhage immerhin noch Nationalspielerin, beendete eine 25-Jährige einfach ihre Karriere.

Schwer zu ersetzende Abgänge stehen der Philosophie des Vereins gegenüber, seinen Bedarf an Spielerinnen vorwiegend aus dem dünn besiedelten Nordschweden zu decken. Und dennoch 2017 wieder an der Spitze der Liga stehen zu wollen.

Auf der Trainerbank hat die ehemalige Spielerin Maria Bergkvist schon vor ein paar Jahren Platz genommen. Seit Beginn des Jahres aber ist „Berka“, wie die 37-Jährige genannt wird, Cheftrainerin. Die erste Schwedin in der ersten Liga seit Pia Sundhage 2006 KIF Örebro betreute. Sieht man von ein paar Monaten von Annelie Norén bei Hammarby ab, als der Stockholmer Verein 2011 seinen Trainer Daniel Kalles Pettersson im Sommer vor die Tür setzte.

Sechsmal wurde Bergkvist schwedische Meisterin, zweimal gewann sie mit Umeå den Women’s Cup der UEFA. Sie spielte mit Marta, Anne Mäkinen, Malin Moström, Sanna Valkonen, Hanna Ljungberg und all den anderen Größen, die Umeå im letzten Jahrzehnt einen Platz auf der Weltkarte des Frauenfußballs verschafften.

Ein paar Wochen vor dem Beginn der neuen Saison habe ich mich mit Maria Bergkvist unterhalten. Und eine Vorbemerkung: Da wir in Schweden nur extrem selten die Sie-Form benutzen, duze ich meine Gesprächspartner auch in der deutschen Übersetzung.

Nachdem du schon ein paar Jahre im Trainerstab dabei bist, übernimmst du jetzt die volle Verantwortung. Wie fühlt sich das an?

„Das ist einfach nur klasse. Jetzt kann ich das, was mit der Mannschaft passiert, vollständig beeinflussen. Ich muss allerdings sagen, dass ich schon unter meiner Zeit als Assistenztrainer mit Jocke Blomqvist viel Verantwortung hatte und als ich nun übernommen habe, merkte ich, dass der Schritt nicht so groß war, wie ich vermutet hatte.“

Eine deiner wichtigen Aufgaben wird es sein, den Verlust von Berglund, Konradsson und Folkesson zu kompensieren. Wie soll das gehen?

„Innerhalb des Vereins und des Vorstands haben wir eine gemeinsame Philosophie und das ist, dass wir darauf setzen, junge Spielerinnen auszubilden. In meinem Kader sind so viele Mädchen, die ganz viel Fußball in sich haben. Und ich bin sicher, dass viele von denen in der Zukunft große Schritte machen werden. Was Emma (Berglund) angeht, sie ist nicht leicht zu ersetzen, aber ich habe bereits Veränderungen im Spiel der Abwehr vorgenommen und mit heutigem Stand finde ich, dass wir fünf richtig gute Abwehrspielerinnen haben.“

Sicher, obwohl ihr drei A-Nationalspielerinnen verloren habt, habt ihr immer noch drei, die schon in einem Sundhage-Kader waren: Malin Reuterwall, Lina Hurtig und Jenny Hjohlman.

Ja, das stimmt. Und dazu kannst du noch Emmi Alanen und Tuija Hyyrynen rechnen, unsere beiden finnischen Nationalspielerinnen und natürlich Rita Chikwelu (Nigeria), dann hast du schon sechs A-nationalspielerinnen. Plus U23-Nationalspielerinnen aus Schweden wie Tove Enblom, Hanna Glas und Elin Landström. Das ist eine hochtalentierte Truppe und ich bin sehr zufrieden.“

Wer wird denn eure nächste A-Nationalspielerin? „Ganz klar Elin Landström. Sie hat enorme Fortschritte gemacht und spielt eine ganz tolle Vorsaison.“

In einem Interview im Internet habe ich gelesen, dass du gesagt hast, ihr wollt unter die ersten 3-4 Teams schon dieses Jahr kommen. Hältst du daran fest?

„Wir haben bislang eigentlich noch keine internen Zielsetzungen festgelegt. Wir werden noch mit den Mädels darüber sprechen. Ich denke, dass wir uns entwickeln sollen, dass wir versuchen werden, so gut wie möglich zu sein, dass wir unsere Spielidee sowohl in der Defensive wie in der Offensive entwickeln. Wir haben eine sehr gute Abwehr und nach vorn haben wir Lina Hurtig, Jenny Hjohlman und auch Hanna Sandström, eine unheimlich schnelle Spielerin. Schaffen alle, das zu tun, was sie können, dann können wir richtig erfolgreich sein.“

Umeå IK war in Schweden berühmt für seinen enormen Siegeswillen. „Vinnarskallar“ – Siegerschädel nennt man das hierzulande. Und wenn man mit Maria Bergkvist redet, dann versteht man, dass sie eine von ihnen war und dass das Feuer noch brennt.

„Ich finde, man muss nicht um Entschuldigung bitten, weil man auf dem Platz steht. Ich glaube an meine Mannschaft. Das ist ein Teil meiner Führungskultur und ich denke, dass es gut ist, wenn man ein bisschen frech ist. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu ehrgeizig,“ sagt Maria, aber ich finde das gar nicht. Mir wird allmählich klar, dass die Damallsvenskan eine äußerst interessante Traierpersönlichkeit hinzugewonnen hat in diesem Jahr.

Aufgewachsen in Ågermanland in Nordschweden, mit einer Fußballkarriere in Västerbotten erfüllet sie bereits als ehemalige Spielerin die Zukunftsphilosophie des Vereinsm, auf die Entwicklung regionaler Talente zu setzen.

Kann man denn in diesen dünn besiedelten Gebieten genügend Talente finden, um eine Mannschaft der ersten Liga zu bilden, frage ich Maria Bergkvist.

„Wir sind ja schon seit ein paar Jahren dabei, jeweils unser U19-Team zu entwickeln. Und ich denke, das funktioniert immer besser. Es gibt dann auch immer eine Anzahl großer Talente in der neunten Klasse der Schule in Umeå, mit der wir zusammenarbeiten. Gleichzeitig ist natürlich klar, dass man auch immer ein paar Spitzenkräfte von außen holen muss, wie zum Beispiel Rita und Tuija.“

Wie bringst du deine Mannschaft dazu, Leistung zu bringen und was siehst du als deine Hauptaufgabe?

„Ich glaube, ich muss vor allem deutlich sein. Ich muss unser Spielidee vermitteln sowohl defensiv wie offensiv. Wir müssen enorm am Spielverständnis arbeiten.“

Maria Bergkvist sagt, dass es wichtig ist, dass Spielerinnen sich herausfordern, dass sie Dinge testen müssen und auch dabei Erfolg haben müssen, um zu wachsen und in ihrer Rolle sicherer zu werden.

„Das Wichtigste für eine Trainerin ist dann, dass sie zuhört und vermittelt,“ sagt Berkgkvist. „Und dass sie es schafft, dass alle dasselbe Ziel haben und an einem Strang ziehen.“

Da sie bereits mehrere Jahre als Assistenztrainerin gearbeitet hat, frage ich mich, ob es einen speziellen „Bergkvist-Stempel“ geben wird, etwas, dass wir vielleicht so noch nicht bei Umeå gesehen haben.

„Ich werde weiter an dem arbeiten, mit dem Jocke und ich schon gearbeitet haben. Ich möchte, dass wir sehr aggressiv in der Abwehr spielen und dass wir eine gute pressende Mannschaft sind, dass wir viel Ballbesitz haben und ein Spiel bestimmen können.“

Maria ist die erste weibliche Trainerin seitdemPia Sundhage 2006 KIF Örebro und die Liga verlassen hat. Seitdem haben wir die Finnin Marianne Miettinen bein Auf- und Absteiger Stattena IF gesehen und uns daran gewöhnt, dass die Isländerin Elisabet Gunnarsdottir die einzige Frau auf dem jährlichen Presseauftakt der Liga ist.

Warum gibt es so wenig schwedische Frauen, die einen dieser 12 Trainerjobs in der ersten Liga ergattern?

„Erstens gibt es leider nicht so viele Mädels hier, die Trainerin werden. Wenn man sich die Teams anschaut, für die ich gespielt habe, bin ich wohl die einzige, die diesen Weg gegangen ist. Aber ich finde, man sieht etwas Licht am Ende des Tunnels, denk nur an Stina Segerström und Johanna Almgren, die jetzt den Zweitligisten Kungsbacka trainieren werden oder an Alex Nilsson, die unter anderem in Umeå gespielt hat und jetzt Assistenztrainerin bei Sunnanå ist. Und auf eine gewisse Art und Weise zähle ich unter meinen früheren Mannschaftskameradinnen auch Hanna Marklund und Frida Östberg dazu, die jetzt TV-Expertinnen sind und somit eine wichtige Rolle im Frauenfußball haben. Es sind wenige, aber es werden mehr.“

Ich habe ein Interview mit dir gelesen, in dem du die Geschlechterfrage bei Trainern und Schiedsrichtern angesprochen hast und wo du dich dafür aussprichst, dass es nicht da Geschlecht sein soll, das den Ausschlag gibt, sondern nur und einzig und allein die Qualifikation. Hast du Kritik dafür bekommen?

„Nein, eigentlich nicht. Aber ich habe keine Angst zu sagen, was ich denke. Ich bleibe dabei, dass die Besten Chefs und Trainer werden sollten und ich hoffe, dass ich meinen Job nicht bekommen habe, weil ich eine Frau bin, sondern weil man geglaubt hat, dass ich einfach die Beste für den Job bin. Ich finde darüberhinaus auch, dass die Besten Schiedsrichter sein sollen, unabhängig vom Geschlecht. Damit sage ich nicht, dass wir keine guten Schiedsrichterinnen hätten, die gibt es absolut.“

Zum Schluss, drei Tipps Maria. Wer wird schwedischer Meister, wer holt die Champions League und wer wird Weltmeister, bzw. kann Schweden es schaffen?

Maria Bergkvist denkt sorgfältig nach, es gibt eine Pause am Telefon, bis sie dann sagt, dass sie doch glaubt, dass der FC Rosengård seinen Titel verteidigen wird. Die Champions League wird eine Sache zwischen Rosengård (wir haben vor den Spielen gesprochen), dem VfL Wolfsburg und PSG.

Und Schweden könnte Weltmeister werden: „Pia hat eine sehr gute Mannschaft und wenn es ihnen gelingt, das Maximum aus dem Kader rauszuholen, kann man es wohl tatsächlich bis zum Ende schaffen. Ein Platz auf dem Podest müsste möglich sein, auch wenn man beim Fußball vielleicht nicht von Podesplätzen spricht,“ sagt Maria Bergkvist.

 

 

 

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