ffschweden im Gespräch mit Weltmeisterin Manjou Wilde


Manjou Wilde (Foto: Nora Kruse)

Manjou Wilde (Foto: Nora Kruse)

Deutschland fährt seit dem letzten Jahr auf einer großen Erfolgsspur. Die deutschen Frauen gewannen die Europameisterschaft in Schweden, die deutschen Männer wurden Weltmeister in Brasilien, die U19-Männer gewannen die EM in Budapest und auch die deutschen U20-Frauen kehrten kürzlich aus Kanada als Weltmeisterinnen zurück.

Für die schwedische Seite damfotboll.com habe ich mich vor ein paar Wochen mit der frisch gebackenen Weltmeisterin Manjou Wilde unterhalten. Da das sicher auch für deutschsprachige Leser interessant ist, kommt das Interview hier ungekürzt.

„Es dauert wirklich etwas, bis man sich an den Gedanken gewöhnt hat, dass wir Weltmeister geworden sind,“ sagt Manjou, als ich sie in ihrer neuen Heimatstadt Freiburg in Süddeutschland erreiche.

Die 19-Jährige hat in allen sechs Spielen der deutschen Mannschaft jeweils von Anstoß bis zum Schlusspfiff auf dem Platz gestanden und somit einen deutlichen Beitrag zum WM-Titel geleistet. Zur vor kurzem begonnenen neuen Saison in Deutschland wechselte sie von Werder Bremen in der zweiten Liga nach Süddeutschland und zum SC Freiburg in die Bundesliga.

Warst du eigentlich vor dem Finale besonders angespannt?

„Ich war wirklich sehr nervös. Beim Aufwärmen war das noch so, aber als wir dann auf dem Platz standen und das Spiel losging, war das weg. Da hieß es nur noch durchatmen und spielen. Das Spiel gegen Nigeria war dann eigentlich genauso schwer wie wir das auch erwartet haben. Die Nigerianerinnen sind sehr athletisch und es gab im Turnier keine vergleichbare Mannschaft.“

Deutschland hat in letzter Zeit so viele Titel gewonnen, sowohl bei den Männern wie bei den Frauen. Ist das etwas, das euch beflügelt hat?

„Wir sind sicher alle sehr stolz, dass Deutschland so erfolgreich ist und natürlich hat auch unsere Mannschaft darüber gesprochen, aber wir haben unser eigenes Turnier in Kanada gespielt.“

Trainerin Maren Meinert hat mir einmal gegenüber den Erfolg der deutschen Teams gerade auch damit erklärt, dass die Mannschaften sich gegenseitig stimulieren und wenn eine Auswahl gewinnt, dann will die andere in nichts nachstehen. Erfolg generiert sozusagen Erfolg

Gegen Frankreich im Halbfinale (2:1) und gegen Nigeria im Endspiel (1:0 n.V.) war es dann ja auch sehr eng. Maren Meinert hat besonders auch die Französinnen nach dem Spiel sehr gelobt, war aber auch ungemein stolz auf euch. Warum gewinnt ihr diese engen Spiele am Ende doch?

„Naja, man muss sagen, dass wir in diesen knappen Partien sicher das nötige Quentchen Glück gehabt haben, um am Ende zu gewinnen. Aber da gehört siche auch viel mehr dazu und ich glaube, es ist unter anderem der Teamgeist, dass wir einfach niemals aufgeben und dass wir bereit sind, für jede andere Spielerin um jeden Meter auf dem Platz zu kämpfen, dass wir uns gegenseitig immer helfen.“

Wenn man den Namen Manjou Wilde googelt, findet man ziemlich schnell zu ihrer Facebook-Seite, die unglaubliche 10 003 „likes“ hat, mehr als doppelt so viel wie Europameisterin Anja Mittags Seite (4892). Dem Gästebuch kann man entnehmen, dass Manjou Wilde auch schon lange vor der WM in Kanada viele Fans in allen Erdteilen hatte. Wie erklärst du dir das?

„Ich kann das wirklich nicht erklären,“ antwortet sie. „Natürlich freue ich mich darüber, das auf meiner Seite zu lesen Ich bin glücklich und stolz, dass ich so viele Fans habe, aber warum das so ist, ich weiß es nicht.“

In der Ukraine gibt es einen Manjou-Wilde-Fanclub mit mehr als 400 Mitgliedern. Sollte die 19-Jährige auch den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffen und sich in der Bundesiga etablieren, hat sie das Potential eines der neuen Gesichter des deutschen Frauenfußballs zu werden.

Was machst du außer Fußball, wie sieht so ein normaler Tag in Freiburg in deinem Leben aus?

„Ich denke darüber nach, zu studieren, aber im Moment ist es nur Fußball. Aber ich bin auch dabei meine Wohnung hier in Freiburg einzurichten, bin noch dabei Möbel auszupacken und aufzubauen. Wir trainieren hier 6-7 mal die Woche.“

Und warum der Wechsel nach Freiburg?

„Ich musste jetzt einfach von der zweiten in die erste Liga wechseln, um mich weiterzuentwickeln. Mein Ziel ist jetzt erst einmal, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen und mich dort auch zu etablieren. Die Konkurrenz auch in Freiburg ist groß. Aber ich habe mich für die Stadt Freiburg und für den SC entschieden, weil mir die Stadt sehr gefällt, sie passt zu mir und ich fühle mich hier wohl. Außerdem hat Freiburg eine sehr junge Mannschaft und hat immer wieder gut mit jungen Spielerinnen gearbeitet. Das hat man ja mit Melanie Leupolz gesehen, die jetzt nach vier Jahren in Freiburg nach München gegangen ist oder auch mit Sara Däbritz, die noch immer hier ist.“

An große, entfernte Ziele die die Olympischen Spiele in Brasilien 2016 oder die EM 2017 und die A-Nationalmannschaft denkt Manjou Wilde noch nicht. Sie sagt, dass sie jetzt erst einmal einen großen Traum verwirklicht hat und dass sie so weit noch nicht gedacht hat.

Was macht sie gerne in der Freizeit?

„Ich bin schon etwas modeverrückt und interessiere mich für schöne Klamotten, gehe gern mit Freunden aus, bin aber sicher kein Feiertyp. Als Profifußballerin muss man sich da sowieso etwas einschränken,“ stimmt sie mir auf meine Frage zu, ob die notwendige Disziplin nicht manchmal schwierig ist. „Man denkt vielleicht ab und zu daran, dass man eben nicht alles machen kann und dass das schade ist, aber bei mir überwiegt der Spaß am Fußball so sehr, dass ich damit überhaupt kein Problem habe.“

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