ffschweden trifft (2): Fridolina Rolfö


FridolinaAm Sonntag trifft die schwedische Nationalmannschaft in Hartlepool auf England. Vorbereitungsspiel für die im Herbst anstehenden WM-Qualispiele gegen u.a. Polen und Schottland.

Zwei Debütanten hat Pia Sundhage im Aufgebot: Elin Wahlström und Fridolina Rolfö. Da ich das Wochenende in Linköping war, habe ich mich mit der 20-Jährigen U19-Europameisterin von 2012, Fridolina Rolfö getroffen.

In Schweden ist es dieser Tage wesentlich wärmer als normal. Die Temperaturen im östlichen Landesteil stiegen Ende letzter Woche auf über 30 Grad und das staatliche metereologische Institut SMHI gab sogar erstmals eine Hitzewarnung heraus.

Am letzten Freitag nahm Champions-League-Teilnehmer und Pokalfinalist Linkpings FC das Training wieder auf und Fridolina kam pünktlich von zwei Woche Urlaub in Griechenland zurück. Als wir uns Samstagmittag in einem ihrer Lieblingscafés in der Mitte Linköpings trafen, lag bereits eine Traningseinheit hinter ihr, eine weitere Laufeinheit stand bevor.

Wie trainiert man bei diesen fast schon tropischen Temperaturen, wollte ich wissen?

„Naja, eigentlich nicht anders als sonst. Es kann ja sein, dass wir bei der Hitze auch mal spielen müssen,“ sagt Fridolina. Natürlich mache man häufiger Trinkpausen als sonst. So richtig sagt ihr das heisse Wetter aber für das Training nicht zu. „Die Füsse werden sehr heiss und man kriegt auch Blasen.“

Dass die Westschwedin jetzt im Kader von Sundhage dabei ist, war für einige überraschend, für andere überfällig. Rolfö hat alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen und mit dem Wechsel vom Abstiegskandidaten Jitex zum Topclub Linköping einen klugen und wichtigen Schritt getan.

Es gab mehrere Angebote, verrät sie mir, aber sie habe gesagt, wenn Linköping dabei sein sollte, dann „nehmen wir das“ und so gab es keine weiteren Verhandlungen, zumal Fridolina in Schweden bleiben wollte.

2012 war ein sehr guter U19-Jahrgang für Schweden. Die nicht erfolgsverwöhnten Blaugelben unter der Leitung von Calle Barrling holten sich ausnahmsweise den Titel in der Türkei mit einem 1:0 Sieg über Spanien. Einige der Europameisterinnen von vor zwei Jahren haben inzwischen den Weg nach Linköping gefunden. Die Abwehrspielerinnen Jennie Nordin und Magdalena Ericsson etwa, aber auch Torhüterin Lina Ringshamre (die allerdings gerade zu Hammarby in die zweite Liga gewechselt ist). Junge, entwicklungsfähige Spielerinnen sind überhaupt das tragende Konzept in Linköping geworden. Die „Chaos“-Saison vor zwei Jahren als man mit viel Geld und teuren Spielerinnen wie Manon Melis, Nilla Fischer und Lisa DeVanna ganz nach oben strebte, die individuellen Charaktere aber nicht geordnet bekam, wurde abgelöst von einer anderen Strategie, kombiniert mit (Malmös) Meistertrainer Martin Sjögren, der an einem tollen Team bastelt, in dem vergangenes Jahr die Dänin Pernille Harder die beste Torschützin war, in der aber vor allem die Niederländerin Renée Slegers im zentralen Mittelfeld in den Olymp der besten Spielerinnen der Liga aufstieg.

Mit Spielerinnen wie Nordin, Ericsson und nicht zuletzt auch Rolfö versucht man eine langfristige Topmannschaft aufzubauen. In diesem Jahr lief nicht alles so rund, Linda Sällströms Kreuzband riss zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Jahren und auch Star Pernille Harder hatte mit einem Ermüdungsbruch zu laborieren. Aber dank Tyresös Rückzug aus allen Wettbewerben steht Linköping nun in der Champions League und wird dort sogar gesetzt. Am 7. August gibt es überdies daheim das Pokalfinale gegen Kristianstad. Für Fridolina läuft es rund.

Und so ist die 20-Jährige auch guter Dinge. Der Salat, den sie sich in der Trainingspause gönnt, zeugt davon, dass man ihr von guter Ernährung nichts mehr erzählen muss.

„Ich hatte eine gute Frühjahrssaison,“ sagt Fridolina. „Ich fühle mich bereit für die Nationalmannschaft, ich denke das wird sehr viel Spass machen. Aber es war auch eine Riesenüberraschung, als ich erfuhr, dass ich dabei bin. Pia Sundhage hatte versucht mich anzurufen, aber ich war in Urlaub in Griechenland und ihre Nachricht landete auf meiner Mailbox. Direkt erfahren habe ich es deshalb von Amanda Ilestedt, die mich anrief und mir eine SMS schickte.“

Pia Sundhage verbindet Nominierungen neuer Spielerinnen oft mit einer Reihe von Kommentaren für die Medien. In Rolfös Fall hiess es, dass sie einen exzellenten linken Fuss habe, sehr oft für Überraschungen gut sei, dass sie aber ihr Tempo erhöhen müsste

„Ich finde es gut, dass sie sehr klar und deutlich sagt, was sie denkt,“ meint Fridolina. „Mir hat sie das bisher noch nicht gesagt, ich kenne das nur aus den Medien, aber sie hat Recht. Ich muss an meiner Physis arbeiten. 60 Minuten schaffe ich ohne Problem, aber auch in den restlichen 30 Minuten muss ich hohes Tempo gehen können. Auch am ersten Touch kann ich noch arbeiten. Das will ich auch tun.“

Fridolina Rolfö macht einen gesetzten, reifen Eindruck, sie hat das System viele Jahre lang durchlaufen und bringt eine gehörige Portion Disziplin mit. Als sie in den vergangenen Jahren bei Jitex in Göteborg spielte, hatte sie bei dem stets in der unteren Tabellenregion spielenden Club am Ende eine tragende Rolle. Das hat sich in Linköping geändert, wo sie nun mit Stars wie Charlotte Rohlin oder Pernille Harder zusammenspielt. Aber Rolfö bleibt auf dem Teppich und ist sich ihrer Rolle bewusst.

„Sicher hatte ich eine grössere Rolle bei Jitex, aber das das anders sein kann, wusste ich schon aus den verschiedenen Nationalmannschaften. Ich habe sowohl Verantwortung übernehmen dürfen wie auch eine von allen anderen sein können. Ich finde es eigentlich nur gut, wenn andere mehr Raum bekommen, dann kann ich ohne Druck spielen und vielleicht überraschen.“

In einem zwei Jahre alten Interview, da war sie 18, hat Fridolina gesagt, dass sie sich in der Freizeit eigentlich nicht für Fussball interessiere.

„Das ist irgendwie falsch rüber gekommen damals. Aber alle Leute, die über mich recherchieren, lesen das jetzt. Ich schaue mir sicher nicht jedes Fussballspiel an, aber die schwedische Nationalmannschaft Männer wie Frauen immer und auch von der WM jetzt habe ich einiges gesehen Wir hatten in der Mannschaft auch einen grossen Tippwettbewerb, haben alle Spiele getippt, da musste man schon den Durchblick haben.“

Mit Deutschland habe wirklich die beste Mannschaft gewonnen, sie hatte auch auf Deutschland getippt, sagt sie. „Mir hat der moderne Fussball bei dem Turnier sehr gefallen. Viele Mannschaften spielen sehr schnell und sind voll auf die Zuückeroberung des Balles eingestellt

Kann man beim Frauenfussball etwas lernen vom Männerfussball ider ist das völlig tabu?

„Ja natürlich kann man was lernen. Wenn man die Ganzheitsperspektive hat, sich die Lösungen und die Systeme anschaut. Ich erinnere mich daran, dass Martin [Sjögren; LInköpings Trainer] uns vor einem Spiel gesagt hat, wir sollten uns ganz besonders anschauen, wie die Kolumbianer sich den Ball zurückholen.“

Die anderen in der A-Nationalmannschaft kennt sie nicht alle, zunächst sollte sie sogar die einzige aus Linköping sein, aber da Elin Rubensson absagen musste, kam Magdalena Ericsson ins Team. Gemeinsam mit Lotta Schelin zu tranieren, das wird schon was, sagte sie mir, schliesslich habe man ja gerade Lotta schon seit vielen Jahren verfolgt.

Fridolina Rolfö ist schon die nächste Generation hinter Lotta Schelin, die dieses Jahr 30 Jahre alt wurde. Therese Sjögran ist 37 und denkt nicht ans Aufhören. Sara Thunebro hat ihre Rücktrittspläne vergangenes Jahr verschrottet und will mit nun 35 um einen WM-Platz kämpfen. Aber mit Rubensson und Ericsson, Diaz, Hurtig, Marija Banusic und eben Fridolina Rolfö klopft die nächste Generation schon an die Tür.

 

 

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