Vittsjö (Sprich: Wittschö)


Sofie Andersson

Sofie Andersson

Ich wusste auch nicht, wo Vittsjö liegt, obwohl ich schon seit beinahe 20 Jahren in Schweden lebe. Es kam mir ins Bewusstsein, als auf einmal Vittsjö GIK in die Damallsvenskan kam, in der Saison, in der ein anderer, ehemaliger Aufsteiger seinen ersten Meistertitel gewann. Tyresö FF.

Vittsjö liegt in Skåne, in Schonen, wie man früher in deutschen Büchern über Schweden zu schreiben pflegte. Es liegt in der Nähe des Eisenbahnknotenpunkts Hässleholm, gut 45 Minuten von Malmö entfernt. In Hässleholm muss man umsteigen, wenn man z.B. von Stockholm kommend, nach Kristianstad fahren will.

Es gibt Orte auf den Landkarten Europas, die sind tatsächlich aufgrund der Existenz einer Fußballmannschaft einem größeren Kreis bekannt geworden, die sonst die Existenz des Ortes zeitlebens kaum zur Kenntnis genommen hätten.

Meine Heimatstadt Mönchengladbach ist so ein Ort. Es ist immer noch so. Wohin man auch kommt, die Assoziation zu Mönchengladbach ist Borussia. Auch wenn dann viele Ausländer glauben, dass müsse in unmittelbarer Nähe zu München sein. Neiiiiiin, ist es nicht.

Vittsjö spielte eine sensationelle erste Saison in der Damallsvenskan. Von mir und nahezu allen anderen „Experten“ als klarer Absteiger getippt, stand das Team sogar mal an der Tabellenspitze und brach erst dann ein, als Verletzungen das solide Innenverteidigerinnenpaar Ifeoma Dieke (Schottland) und Kendall Fletcher (USA) auseinander brachte.

Sofie Andersson schoss in jedem Spiel ein Tor, zumindest anfangs. Die heute 28-Jährige war vorher von der charismatischen, aber nicht immer einfachen Elisabet Gunnarsdottir in Kristianstad ausgemustert worden. Der kluge Thomas Mårtensson hatte nicht nur Andersson, sondern auch weitere Spielerinnen geholt, die Gunnarsdottir nicht haben wollte oder mit denen sie nicht zu Recht kam.

Am Dienstag habe ich mich mit Sofie Andersson unterhalten.

„Die letzte Saison war wirklich eine Enttäuschung, wir landeten auf einem achten Platz,“ berichtet Sofie Andersson, deren Team beim Auftakttreffen der Medien mit der Liga am Dienstag als solide Mittelfeldmannschaft getippt wurde.

„Wir wollen uns definitiv verbessern gegenüber dem Vorjahr, am Ende liegen wir vielleicht wirklich im Mittelfeld, aber wenn wir ein bisschen Glück haben, dann können wir einige Teams sicher gefährden.“

In der Tat, das Mittelfeld der Liga könnte so groß sein wie lange nicht. Mein Tipp kommt noch, bevor am Sonntag die Saison beginnt.

„Letztes Jahr hatten wir einige Verletzungen, nach der Sommerpause wurde es dann besser und der Herbst war ganz ordentlich, ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können,“ so Andersson.

Schwedens einziger ernstzunehmender Gegner in der WM-Qualifikation ist Schottland, das bisher verlustpunktfrei die Tabelle anführt und übrigens von den Schwedinnen Anna Signeul und Ann-Helen Grahm (Ex-Assistentin von Thomas Dennerby) trainiert wird. Im September spielen Schwedinnen und Schottinnen die entscheidenden Begegnungen. Wenn sich Pia Sundhage mehr Wissen über Schottland verschaffen will, lohnt sich ein Trip in die Provinz von Skåne.

In Vittsjö verdienen vier Schottinnen ihr Brot: Ifeoma Dieke, Jane Ross, Hayley Lauder und ganz neu Shannon Lynn, die Torhüterin, die man verpflichtet hat, weil sich Finnlands Minna Meriluoto bei einem Fall auf die Schulter im Pokalkrimi in Örebro (Vittsjö verlor im Elfmeterschießen) verletzt hat und für vier bis sechs Wochen ausfällt.

„Wir sprechen meist Englisch in Vittsjö,“ berichtet Sofie Andersson. „Manchmal fällt es mir echt schwer, Jane Ross und ihren Akzent zu verstehen, ich muss ihr dann sagen, langsamer zu sprechen und deutlicher Englisch. Oft ist es ja so, dass man eine Spielerin hat, die erzählt dann Gutes über den Verein und dann kommen mehr,“ erklärt mir Sofie die möglicherweise höchste schottische Präsenz außerhalb Großbritanniens.

In Vittsjö übrigens, wohne keine Spielerin, erklärt mir Sofie. Entweder lebt man in Hässleholm oder auch in Kristianstad, in der Stadt des Ligakonkurrenten also. Ich weiß, dass die Amerikanerin Danesha Adams 2012 in Vittsjö wohnte und viele ruhige Stunden mit Bücher lesen am Strand des örtlichen Sees verbracht hat.

„Die Stimmung ist immer noch toll in Vittsjö. Man kann sich da kaum im ICA (Supermarkt) sehen lassen, weil das schon sehr auffällt. Vielleicht ist der erste große Enthusiasmus weg, als wir 2012 aufgestiegen waren und auch noch sehr erfolgreich spielten. Das war was ganz Neues, aber man unterstützt uns noch immer sehr.“

Am Sonntag kommt Kopparberg/Göteborgs FC zu Besuch. „Gegen die haben wir eine positive Bilanz und das nehmen wir natürlich mit in das Spiel. Ich denke, dass es für alle schwer sein wird, bei uns zu spielen, weil wir Naturgras haben,“ so Andersson weiter.

Gegen den namhaften Gegner hat man in der noch jungen Vittsjöer Geschichte in der Damallsvenskan vier Mal gespielt. Zwei Auswärtssiege, ein Unentschieden und eine Niederlage. Aufpassen muss Göteborg vor allem auf Jane Ross und Sofie Andersson.

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