Stabæk will nächste Woche eine Entscheidung treffen


Da ich die „Stabæk-Affäre“ eingehend geschildert habe, fühle ich mich nun auch verpflichtet, den weiteren Entwicklungen zu folgen und sie hier darzustellen und gegebenenfalls zu kommentieren.

Gestern trafen sich Vereinsboss Espen Moe und Sportchef Richard Jansen im Clubhaus zu einer Besprechung, in der sie nach eigenen Aussagen die Lage zusammenfassen wollten. Es habe sich hierbei nicht um eine Krisensitzung gehandelt, sagte Moe der norwegischen Presse.

„Es war ein Treffen, in dem wir zusammengefasst haben, was vorliegt und wir werden die nächste Woche noch dazu benutzen, zu einer Schlussfolgerung zu kommen. Darüber hinaus wollen wir die Angelegenheit nicht weiter kommentieren,“ so Moe gegenüber der Lokalzeitung Budstikka, deren Interview mit Leni Larsen Kaurin am Donnerstag die Entwicklung enorm beschleunigt hatte. Moe berief sich darauf, dass man die Sache als eine Personalangelegenheit betrachte und deshalb gerne ohne Öffentlichkeit geblieben wäre.

Øyvind Eide hat es schwer gehabt in den letzten Tagen,“ sagte Moe noch. Und über Kaurin und ob es richtig gewesen wäre, an die Öffentlichkeit zu gehen: „Sie muss für das stehen, was sie gesagt hat und wie sie es gesagt hat.“

Sportchef Richard Jansen, dem Kaurin laut Aussage Jansens sich am 3. Dezember 2013 anvertraut hat, räumte ein, einen großen Fehler gemacht zu haben. Er hatte nämlich nach dem Vieraugengespräch mit der Spielerin nicht seinen Vorstand informiert und die Angelegenheit für sich behalten.

Moe sagte kurz nach 17 Uhr am Freitag, dass er die Spielerinnen über die Situation informiert habe und wiederholte, dass man die nächste Woche benötigen werde, um sich klar darüber zu werden, wie es weitergehe.

„Wir müssen daraus lernen und dafür Sorge tragen, dass so etwas nicht mehr vorkommt,“ so Espen Moe. „Wir sind der Meinung, dass wir ganz gut mit der Sache umgegangen sind und wir nähern uns dem Ende der internen Behandlung.

Wenn man die Kommentare in Lisa Marie Woods Blog liest, befindet sich dort auch der Kommentar einer Malin: „Ich bin leider nicht überrascht, wenn ich daran denke, wie er sich benommen hat, als er noch in Kongsvinger wohnte. So unglaublich trist und tragisch, dass er sowas so lange machen durfte. Ein überdimensionaler Missbrauch von Macht.“ (16.01.2014, 22.11 Uhr)

Unterdessen arbeitet die ehemalige norwegische Nationalspielerin Ragnhild Gulbrandsen weiter am Thema. In Budstikka ist sie heute abermals mit einem Interview vertreten, dieses Mal mit der Sportprofessorin Jorunn-Sundgot Borgen.

Borgen, so schreibt Gulbrandsen, zeigte sich beinahe wütend darüber, dass es Menschen gibt, die sexuelle Belästigung im Frauensport herunterspielen oder nicht ernst nehmen.

„Ich habe die größte Untersuchung zu diesem Thema in Europa gemacht,“ so Jorunn-Sundgot Borgen zu Budstikka.

„Über 500 Mädchen wurden interviewt und über 50% von ihnen berichteten über Belästigungen von Autoritätspersonen, es waren Trainer, Leiter, Vorstandsmitglieder, im Großen und Ganzen Leute, die ihre sportliche Entwicklung kontrollieren. Ich habe keinen Zweifel, dass dies ein Problem im Sport ist,“ sagt Borgen.

In der Untersuchung hatte man auch eine Kontrollgruppe, die nichts mit Sport zu tun hat. Hier wurde nach Belästigungen durch Lehrer, Vorgesetzte oder andere Autoritätspersonen gefragt. Nach Borgens Erfahrungen ist die Zahl der Belästigungen außerhalb der Sportwelt deutlich niedriger.

Die Dunkelziffer im Sport, so glaubt die Forscherin, sei hoch, da sich viele Mädchen und jungen Frauen gar nicht erst trauen würden, an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie hätten Angst, man würde ihnen sowieso nicht glauben oder dass dies ihrer sportlichen Entwicklung schaden könne. Sehr oft, so Borgen, würden Vereine dann auch dazu tendieren, Vorfälle abzuschwächen oder nicht zu kommentieren. Die Trainer könnten dann in einem anderen Verein genauso weitermachen, so Borge und das dürfe nicht sein.

Den aktuellen Fall kommentierte die Wissenschaftlerin so gegenüber Ragnhild Gulbrandsen und Budstikka: „Dass hier nichts geschah, als die Spielerin den Sportchef der Mannschaft informierte, ist eine Katastrophe. Glücklicherweise hat der Club sich jetzt der Sache angenommen, nachdem sie in die Medien kam und jetzt müssen sie Handlungen zeigen. Für so etwas muss es im Sport Null-Toleranz geben und ein solcher Trainer darf auch nicht mehr im Sport arbeiten. Dass die Spielerin 32 Jahre alt ist, ist in keinster Weise ein mildernder Umstand. Es hilft nicht, dass sie das Problem sehen, sie müssen jetzt handeln,“ so Jorunn-Sundgot Borgen.

Wie Heidi Støre vom norwegischen Fußballverband findet Borgen, dass das Thema in die Trainerausbildung gehört. Es müsse gelehrt und gelernt werden, wie man sich verhalten muss. Man sei oft auf gemeinsamen Reisen und Lehrgängen, auch Trainer könnten sich unter Druck gesetzt fühlen und es müsse ganz klar vermittelt werden, wie man solche Situationen hantieren muss.

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