Norwegen: Sexuelle Belästigungen im Frauenfußball


Am Donnerstag hat die norwegische Spielerin Lisa Marie Woods in ihrem Blog einen aufsehenerregenden Post geschrieben. Woods hat früher auch mal zwei Monate bei Turbine Potsdam gespielt und ist derzeit in der australischen Liga.

In ihrem Blog schreibt Lisa Marie aber über Norwegen. Monatelang hat ein Trainer eine mit Woods befreundete Spielerin sexuell trakassiert und ihr in SMS, Mails, Anrufen deutlich gemacht, dass er eine sexuelle Beziehung mit ihr haben will. Als die Spielerin endlich deutlich machte, dass die Verfolgungen aufzuhören haben und sie sonst Konsequenzen ergreifen würde, wurde sie plötzlich auf die Bank gesetzt, bekam kaum noch Spielzeit, obwohl sie auch Spiele für die Nationalmannschaft gemacht hatte und, so Woods, beim letzten großen Event ihr Land vertreten hatte.

Während mehrerer Monate besuchte die Spielerin einen Psychotherapeuten, um mit der Sache emotional klar zu kommen. Erst am Ende der Saison ging die Spielerin zur Vereinsführung und teilte mit, was geschehen war. Während der Saison wollte sie nicht die Stabilität in der Mannschaft gefährden, zumal man Erfolg hatte. Der Club reagierte – gar nicht. Es gab keine Antwort und der Trainer hat immer noch seinen Arbeitsplatz.

„Es geht um einen Mann, der das schon früher gemacht hat und es auch wieder tun wird, da er gezeigt hat, dass er die Grenzen zwischen persönlichem und professionellem Handeln nicht kennt. Was mich erschreckt ist, dass ich weiß, dass dieser Trainer eine 16-Jährige Spielerin entjungfert hat und nach wie vor die Macht ausnutzt, die er als Trainer hat,“ schreibt Lisa Marie Woods.

Und: „Nachdem ich von der Situationen meiner Freundin erfahren hatte, sprach ich mit Mannschaftskameradinnen in der ganzen Welt über das Thema sexuelle Belästigung im Frauensport und zu meiner ignoranten Überraschung gibt es viele Geschichten da draußen. Es ist ein globales Thema, ein Thema, das diskutiert werden muss.“

In Norwegen ist das Thema sofort von allen Medien aufgegriffen worden. Der Chef des norwegischen Fußballverbands hat sich gemeldet. Kjetil Siem: „Das ist völlig unakzeptabel. Wir haben mit Woods geredet, die jetzt mit der betroffenen Spielerin reden wird, damit sie mit uns redet. Es ist wichtig, dass diese Spielerin so schnell wie möglich Hilfe bekommt.“

Die norwegische Zeitung VG berichtet heute, dass der Club angeblich heute eine außerordentliche Sitzung einberufen hat, um über die Angelegenheit zu reden. Zur Zeitung Dagbladet sagte die Sportchefin des norwegischen Fußballverbands, Heidi Støre, dass man sich in der kommenden Woche mit der betroffenen Spielerin treffen wird. Den Trainer habe man nicht kontaktiert: „Nein, das haben wir nicht gemacht, aber wir werden den Club kontakieren und um ein Treffen in der Angelegenheit bitten.“

Solveig Gulbrandsen kommentierte die Angelegenheit für das norwegische Fernsehen: „Das ist sehr traurig. Ich weiß nur wenig darüber, aber es ist traurig für alle Seiten. Eine Sache, die am besten gar nicht entstanden wäre. Es ist wichtig, die Sache von allen Seiten zu beleuchten, um herauszufinden, was am Ende geschehen ist. In der Angelegenheit hat sich ja eine dritte Partei geäußert, man weiß also noch gar nicht, worauf das alles fußt.“

Auch in Schweden ist das Thema aktuell. Das berichtet die Zeitung Aftonbladet in einem Artikel, der sich mit Lisa Marie Woods Blogpost befasst. Magnus Erlingmark, Sprecher des Spieler/Spielerinnenvereins in Schweden berichtet von einem Fall in Schweden, in dem ein Trainer sich an eine Topspielerin herangemacht habe. „Ich habe von mehreren Fällen gehört,“ sagte Erlingmark, „und weiß von wenigstens einem Fall, in dem sich eine Spielerin von ihrem Trainer sexuell belästigt fühlte. In diesem Fall haben wir mit dem Club und der Spielerin geredet. Das Problem hat sich dann gelöst, auf eine gute Weise für alle Parteien.“

Wie sich das gelöst habe, will Aftonbladet wissen? „Es löste sich. Ich will nicht mehr sagen.“

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