Christen Press: „Gewinnen oder nach Hause“


TFF_JitexEs ist derzeit wenig los im Frauenfußballschweden. Der dicke Rauch nach Zlatan Ibrahimovics Äußerung und vermeintlichen Geringschätzung des Frauenfußballs, den er selbst einige Tage später als unglücklichen Scherz bezeichnete, hat sich erst einmal gelegt. Wir werden sehen, ob die Diskussion beendet ist oder weitergehen wird. Wenn ich beim schwedischen Fußballverband arbeiten würde, würde ich alles daran setzen, im neuen Jahr irgendwann einen Termin hinzubekommen, an dem Ibrahimovic der Frauennationalmannschaft bei einem Training einen Besuch abstattet. Schöne Fotos, ein paar nette Gespräche, Friede, Freude, Eierkuchen, das wäre es. Denn die jetzige Lage nützt keinem. Und ein Besuch mit viel Medienecho wäre eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Wenn kaum etwas passiert, dann ist es schön, wenn Spielerinnen wie Christen Press sich mal in aller Ruhe vor das Laptop setzen und in ihrem Blog schreiben. In ihrem Post „Win Or Go Home!“ hat sie viele Fragen beantwortet, die im letzten Quartal gestellt worden sind. Wer das Original lesen möchte, der findet es hier.

Einen Tag nach ihrem 25. Geburtstag enthüllt Press nun, dass sie Anfang Oktober einen Anruf vom amerikanischen Verband US Soccer bekommen hat. Die Botschaft war, dass sie nach Hause kommen solle. Schließlich hat man aber verhandeln können, dass Press (und andere Amerikanerinnen, also Meghan Klingenberg und Whitney Engen) so lange bleiben dürfen, wie Tyresö FF noch in der Champions League 2013/14 aktiv ist.

Denn man will die Amerikanerinnen in der NWSL haben, der neuen einheimischen Liga, die nur dann bestehen bleiben kann, wenn auch die Spielerinnen der amerikanischen Nationalmannschaft daheim aktiv sind.

Die Quintessenz der Vereinbarung zwischen US Soccer, den Amerikanerinnen und Tyresö FF lautet also nun: „Gewinnt oder kommt nach Hause!“

Da spielt die vermeintlich günstige Auslosung jetzt sicher eine gute Rolle für Press, die betont, wie viel sie in Europa gelernt hat und wie schwer es ihr fallen wird, sich von all den neu gewonnenen Freunden zu verabschieden. Neulengbach im Viertelfinale und möglicherweise Arsenal London, das seit Ende der FA WSL Saison Spielerinnen wie Kim Little und Stephanie Houghton verloren hat, eröffnen Tyresö und Christen Press die große Möglichkeit, tatsächlich am 22. Mai 2014 in Lissabon in dem Finale zu stehen, das Zampano Hans Löfgren 2006 als Ziel seines Projektes ausgegeben hat.

Wobei ich mich eben frage, welche Ziele nach dem 22. Mai 2014 definiert sind, falls der Sieg in der Champions League dann tatsächlich eingefahren sein sollte. Was macht Löfgren, sollte er sein Ziel erreichen?

Tyresö hat die finnische Torhüterin Tinja Riikka Korpela für die nächsten beiden Jahre präsentiert. Aber auch auf den Positionen von Press, Klingenberg und Engen muss es gleichwertigen Ersatz geben, der nach dem 22.05. garantiert, dass Tyresö eine Spitzenmannschaft mit Potential für die Champions League bleibt. Sicher, Madelaine Edlund, die 2012 das Team in Malmö zur Meisterschaft schoss, kehrt zurück nach ihrer Babypause. Aber seien wir ehrlich: Da, wo Weltklassestürmerin Christen Press eine Chance braucht, um ein Tor zu erzielen, braucht Madde Edlund 2,5 Chancen. Gleichwertiger Ersatz ist die 28-Jährige Schwedin nicht.

Whitney Engen ist eine Luxusverstärkung. Für sie muss derzeit eine internationale Klassespielerin wie die Kapitänin der dänischen Nationalmannschaft, Line Røddik Hansen, auf der Bank sitzen. Aber es verschwinden auch Ali Krieger (deren Freundin Ash Harris schon offiziell verabschiedet wurde; sie aber noch nicht) und eben Klingenberg, zwei offensiv extrem starke Defensivspielerinnen. Sara Thunebro hat bereits in Eskilstuna unterschrieben.

Eine mögliche Verstärkung für die Abwehr des schwedischen Vizemeisters wird im Januar in Schweden sein und Tests absolvieren. Die 25-Jährige Kapitänin der Nationalmannschaft Kameruns, Ejangue Siliki, kommt vom russischen Meister Rossiyanka. Aber auch sie ist nicht in der Champions League spielberechtigt, aber da wird ja Klingenberg sein und vielleicht auch Krieger. Siliki hat nicht nur bei Rossiyanka, sondern auch bei Energya Woronezh gespielt und ist seitdem mit Mittelfeldstar Vero Boquete bekannt.

Dennoch: Mit Marta, Caroline Seger, Lisa Dahlkvist und Vero Boquete behält Tyresö sein enorm starkes Mittelfeld. Verlassen hat Kirsten van de Ven den Verein, sie ist aber schon quasi durch Caroline Graham Hansen ersetzt worden. Gerüchte besagen, dass auch Jennifer Hermoso Fuentes Tyresö Richtung Spanien verlassen könnte, ihr Vertrag ist auch noch nicht verlängert worden.

Das Karussell dreht sich in der kleinen Vorortgemeinde von Stockholm.

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