Artikel 2013: ANJA MITTAG


Lira Alushi (damals noch Bajramaj) und Anja Mittag beim Training vor dem EM-Finale

Lira Alushi (damals noch Bajramaj) und Anja Mittag beim Training vor dem EM-Finale

Ich schreibe nicht nur in diesem Blog, sondern regelmäßig Spielberichte auf www.damfotboll.com, der wohl wichtigsten Seite über Frauenfußball hier in Schweden und seit nunmehr zwei Jahren (?) auch für die amerikanische Seite www.ourgamemagazine.com. In Schweden kam vor kurzem die letzte Printausgabe von Marta Fotbollsmagasin heraus. Die Zeitschrift wird es weiter geben, aber dann nur noch elektronisch. Frauenfußball ist nicht immer wirtschaftlich, alle, die sich für ihn interessieren, wissen das. Rachel Brown hat mal (2009) gesagt, dass die Fans der englischen Mannschaft im Frauenfußball Easy Jet fliegen und in Jugendherbergen wohnen. Ich bin nicht Easy Jet geflogen, aber habe zum Beispiel 2009 in der Jugendherberge in Helsinki auch noch andere Fans getroffen.

Schwedisch geht mittlerweile, nach fast 19 Jahren in Stockholm, sehr leicht von der Hand und aus dem Kopf, bei Englisch hatte ich zunächst etwas Bedenken, obwohl ich die Sprache mal studiert habe, aber OurGameMagazines Herausgeberin und Chefredakteurin, die in diesem Jahr frischgebackene amerikanische Meisterin Tiffany Weimer (sie holte den Titel mit den Portland Thorns und schoss sogar noch ein Tor im Finale) hat mich immer wieder ermutigt und motiviert, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Bald werde ich für den dritten größeren Artikel für die Printausgabe von OurGame recherchieren.

Heute, am völlig verregneten ersten Weihnachtstag hier in Stockholm, möchte ich euch den ersten von mehreren Artikeln liefern, die ich dieses Jahr geschrieben habe, die es aber noch nicht auf Deutsch gibt.

Beginnen will ich mit einer Cover Story für Marta fotbollsmagasin, die im Spätsommer diesen Jahres erschienen ist. Es sollte eigentlich eine Story über die deutsche Nationalmannschaft werden, von der Herausgeberin Anette Börjesson vor der EM annahm, dass sie deutlich besser abschneiden würde, als man das gemeinhin erwartete. Anette hatte Recht, aber die Frau ist auch selber zweifache Europameisterin. Im Fußball mit Schweden 1984 und auch im Badminton.

Silvia Neid sollte ich interviewen und nahm mir auch vor, den Marathonlauf durch die Instanzen zu versuchen, um vielleicht während der EM die Gelegenheit zu einem Gespräch zu bekommen. Ich hatte aber in Kalmar mit unserem Fußballcamp selber so viel zu tun, dass es nicht dazu kam.

Und dann schoss Anja Mittag das goldene Tor im EM-Finale. Ausgerechnet Anja, die geniale Stürmerin aus Chemnitz, die in Malmö eine der besten Spielzeiten ihrer Karriere hingelegt hatte. Anja, die es nicht immer leicht gehabt hat, um es mal diplomatisch auszudrücken. Vor der EM wurde ich gefragt, ob ich denn zu Deutschland oder Schweden halten würde, von Spielerinnen, von Interessierten.

Ein paar von ihnen habe ich geantwortet: „Welches Team im Finale gewinnt, ist mir eigentlich egal. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn Schweden gelingt und Lotta Schelin das entscheidende Tor schießt und ich würde mich genauso freuen, wenn Deutschland gewinnt und Anja Mittag das entscheidende Tor schießt.“

Es ist so gekommen und ich habe mich sehr für Anja gefreut, obwohl ich in Kalmar mein Herz an die Norwegerinnen verloren hatte. Zehn fantastische Sonnentage haben wir dort gewohnt im Juli. Wir im Hotell Brofästet, keine fünf Fußminuten von Gröndals IP entfernt, wo die Norwegerinnen täglich von 10.00 – 11.30 trainierten. Das war Familienfeststimmung da, immer wieder auch deutsche Fans, die nicht beim deutschen Team auf Öland waren, das doch wie beim DFB üblich abgeschirmt wurde. Sondern hier unter gut gelaunten und freundlichen Norwegern. Ich konnte viele Spielerinnen interviewen, lernte die wunderbare Ada Hegerberg aus Potsdam kennen und sie gab uns tatsächlich ihr allererstes Filminterview auf Deutsch. Nora Holstad Berge sprach bestes Schwedisch mit mir und es gelang mir Ingrid Hjelmseth völlig zu verwirren, als ich sie fragte, was eigentlich nach ihrem Comeback so alles passiert sei. Ich hatte da meine Hausaufgaben nicht gemacht und sie doch wirklich mit Solveig Gulbrandsen verwechselt. Leni Kaurin trampelte auf dem Spinningrad und gab Jennifer Meier ein herrlich entspanntes Interview. Nach Kalmar fuhr ich nach Norrköping und erlebte das Elfmeterdrama mit einer langen Mixed Zone, an deren Ende mir keine Worte des Trostes für eine verweinte Line Røddik Hansen einfielen, die als Letzte zu mir kam, bevor es in den Bus ging. Es war 00.30 Uhr und Line hatte einen Elfmeter verschossen.

Nein, ich halte es nicht mit Vereinswappen oder Länderflaggen, meine Sympathien wechseln. Anja hat mich mal gefragt, ob ich denn für Malmö oder Tyresö bin. Weder noch habe ich gesagt, aber es gibt eine Reihe von Spielerinnen, die ich mag und mit denen ich mich freuen kann. Sie ist eine davon, seit zwei Jahren in Schweden und es wird noch länger dauern, aber irgendwie wird sie auch immer Turbine Potsdam sein.

Eine lange Vorrede, nun endlich der Artikel:

Vor der EM-Endrunde  gab es eine Reihe von Experten, die glaubten, dass die Zeit reif sein könne für Schweden oder Frankreich, Deutschland zu stoppen. Ein Deutschland, das zwar alle Europameisterschaftstitel seit 1993 gewonnen hatte, aber auch ein Deutschland, das in seinem angedachten EM-Kader auf sechs verletzte Spielerinnen verzichten musste.

Obwohl Silvia Neids Mannschaft und auch ihr Stuhl zu Beginn des Turniers bedenklich wackelte, war es am Ende ihre Mannschaftskapitänin Nadine Angerer, die den EM-Pokal von UEFA-Präsident Michel Platini am 28. Juli in der Friends Arena in Empfang nehmen durfte. Angerer, die auch die Heldin des Finals wurde, nachdem sie Trine Rønnings und Solveig Gulbrandsens Elfmeter gehalten hatte.

MARTA fotbollsmagasin hat sich mit Deutschlands zweiter EM-Heldin unterhalten: der 28-Jährigen Stürmerin des LdB FC Malmö, Anja Mittag. Anja Mittag, die im Endspiel nicht von Beginn an spielen durfte. Anja Mittag wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt und hatte ihren ersten Ballkontakt in der 49. Minute. Ein Ballkontakt nach einem schnellen Konter, und einer Flanke von Celia Okoyino da Mbabi (heute Celia Sasic). Ein Schuss, bei dem die exzellente Ingrid Hjelmseth im norwegischen Tor keine Chance hatte. Es war das 1:0 für Deutschland und auch das Endergebnis.

Die Reise nach Hause, von Solna nach Malmö, führte sie zu einem Abstecher nach Frankfurt, wo die deutsche Mannschaft von 16.000 Fans gefeiert wurde. Irgendwie typisch ist es, dass Anja Mittag das entscheidende Tor in einem EM-Finale schießt, dass aber eine andere im Mittelpunkt steht: die Torhüterin Nadine „Natze“ Angerer, die zwei Elfmeter gehalten hat. Das Scheinwerferlicht fällt nicht oft auf Anja Mittag, das Mädchen aus Karl-Marx-Stadt, dessen Geburtsstadt nach Deutschlands Wiedervereinigung wieder Chemnitz hieß.

„Sie kann andere Spielerinnen glänzen lassen,“ lobte die ehemalige Nationalspielerin und nunmehr Schwedens beste TV-Expertin Hanna Marklund sie mir gegenüber, als ich wissen wollte, was sie von der Malmöer Stürmerin hielt.

Anja Mittag wurde als Fußballspielerin in Potsdam ausgebildet, der Stadt vor den Toren Berlins, in der die Mannschaft Turbine ihre Heimspiele im Karl-Liebknecht-Stadion austrägt. „Kali“ für die treuen Fans, von denen der Club eine ganze Menge in Deutschland hat.

Anja Mittag in ihrem letzten Spiel für Turbine Potsdam (gegen Duisburg)

Anja Mittag in ihrem letzten Spiel für Turbine Potsdam (gegen Duisburg)

Ende November 2011 saß ich in der S-Bahn auf dem Weg von Berlin nach Potsdam und zum Bundesligaspiel gegen den FCR 2001 Duisburg. Das war zu dieser Zeit noch ein Topspiel und auf den letzten Bahnhöfen vor Potsdam stiegen allerhand Fans zu.

„Niemand anders in der heutigen Mannschaft symbolsiert so sehr den speziellen Geist von Potsdam wie Anja Mittag. Bescheiden, freundlich, sehr fleißig und ehrgeizig, jemand, der immer das Beste für die Mannschaft gibt,“ so wurde sie mir von den Fans beschrieben.

Damals wusste ich schon, dass Anja über einen Wechsel zu LdB FC Malmö in Verhandlungen stand und dass es fast entschieden war. Weshalb wurde es Schweden?

Ich hatte Angebote von Malmö und anderen deutschen Clubs zu dieser Zeit. Malmö schien mir die beste Alternative zu sein und in meinem Vertrag mit Potsdam stand auch drin, dass ich gehen durfte, wenn ich zu einem ausländischen Verein gehen wollte,“ berichtet Anja jetzt, wo sie abermals um eine Vertragsverlängerung nach zwei Spielzeiten in Malmö verhandelt.

Noch sind ein paar Details zu klären, aber ich habe das Gefühl, dass die Fragen geklärt werden und dass Anja Mittag in Schweden bleiben wird.

Schweden hat ihrer Karriere einen neuen Aufschwung gegeben. Ein Aufschwung, der notwendig war. 2011 war ein Albtraumjahr. Die WM in Deutschland sollte ein Höhepunkt in der Karriere aller Nationalspielerinnen werden. Anja Mittag war seit der EM 2005 ein Teil der Nationalmannschaft gewesen, als sie ihren ersten EM-Titel geholt hatte. Aber als Trainerin Silvia Neid einige Spielerinnen vor der Bekanntgabe ihres WM-Kaders 2011 streichen musste, wurde Anja eine von ihnen. Die WM 2011 wurde ein Fernsehereignis für Anja Mittag.

Neids Entscheidung muss Anja ein paar schwere, traurige Tage gebracht haben.

„Anja hatte ganz einfach nicht die Form zu der Zeit, aber sie ist in bedeutend besserer Verfassung seit ihrrem Wechsel nach Schweden,“ sagte Silvia Neid bei einer Pressekonferenz der Mannschaft während der EM als Anja Mittag daneben saß.

Silvia Neid hat den Ruf, bisweilen schonungslos zu sein, sie duldet keinen Widerspruch und sie hat ihre Favoritinnen. Eine der wenigen, die sich etwas zu sagen trauen, ist Nadine Angerer. Auf einer anderen Pressekonferenz während der EM, als Angerer neben ihrer Trainerin saß, erzählte die Trainerin von einem Gespräch mit Angerer, dass sie vor gut einem Jahr gehabt hatte. Da habe sie der Torhüterin verordnet, 6-7 Kilogramm abzunehmen, damit sie die Beweglichkeit zurückbekommen solle.

„Ist das jetzt wirklich nötig, das hier und jetzt zu sagen,“ lächelte Angerer ihre Trainerin etwas irritiert an. Alle lachten, aber die Botschaft war deutlich.

Nach Anjas Erfolgen in Malmö holte Silvia Neid sie zurück zur EM-Qualifikation. Das Zusammenspiel mit Celia Okoyino da Mbabi verlief glänzend. Auch hier machte Anja wieder einmal eine andere Spielerin besser. Okoyino da Mbabi schoss serienweise Tore in der Quali.

Während der EM hofften dann doch viele, dass der Tag kommen solle, dass Deutschland erstmals seit 20 Jahren ein EM-Endrundenspiel verlieren würde. Die Einleitung gegen Holland war sehr wacklig, 0:0 gegen eine Mannschaft, die Deutschland normalerweise deklassierte. Island wurde geschlagen und die Niederlage kam – gegen Norwegen im letzten Gruppenspiel, ein Ergebnis, dass auf Schwedens Spur in der oberen Turnierhälfte führte.

„Ich glaube, dass sich alles für uns nach dem Italien-Spiel änderte, das wir mit 1:0 gewannen. Es war ein kämpferischer Sieg, bei dem alle füreinander arbeiteten und durch den wir unser Selbstvertrauen wiedergewannen. Als wir dann das Halbfinale gegen Schweden in Göteborg spielten, war das etwas Besonderes. Besonders für mich, weil ich ja hier wohne. Und dann gingen wir raus in dieses Stadion vor 16.000 Zuschauern, die alle gegen uns waren. Natürlich wollten wir dieses Spiel gewinnen, man geht doch in jedes Spiel und will gewinnen und nach Maroszans Tor hatten wir sicher eine Menge Glück, aber ich glaube, wenn man sich das ganze Spiel anschaut, hätten wir noch mehr Tore machen können, wir hatten richtig gute Chancen,“ erzählt Anja.

Wieder einmal gab es eine knappe Niederlage für eine schwedische Mannschaft gegen eine deutsche in einem sehr wichtigen Spiel und das Gespenst bleibt bestehen. Aber wie immer ist Anja Mittag sehr bescheiden. Eine Frau, die immer sehr viel Respekt für ihrer Gegnerinnen hat, nicht zuletzt, wenn es Mannschaftskameradinnen wie Lina Nilsson und Therese Sjögran auf der anderen Seite gibt, mit denen sie im Alltag die Umkleide teilt.

Wie gesagt wurde Anja Mittag in Potsdam ausgebildet und ist wie so viele andere von dem legendären Trainer Bernd Schröder, der die Mannschaft seit mehr als 40 Jahren führt, geprägt worden. 12 Meistertitel hat Schröder geholt und hat eine stark entwickelte Fußballphilosophie. Es ist immer die Mannschaft, die Erfolge ermöglicht und man soll nie vergessen, wo man herkommt.

Beim 0:1 gegen Tyresö im November 2012

Beim 0:1 gegen Tyresö im November 2012

Ach hallo, wie schön, dass ihr gekommen seid, um das Spiel zu sehen. Danke.“ Anja Mittag begrüßt ein paar treue Turbine-Fans. Es ist Anfang November 2012 und gerade hat sie ihre bis dato bitterste Niederlage in Schweden einstecken müssen. 0:1 gegen Tyresö. Die schwedische Meisterschaft ist in Schall und Rauch aufgegangen und sie hat einen Elfmeter verschossen, der dem Spiel einen ganz anderen Verlauf hätte geben können. Anja ist nicht nur eine Spielerin mit Respekt vor dem Gegner, sie hat auch viel Respekt vor den Fans, die kommen, um ihr oder ihrer Mannschaft zuzuschauen.

Wenn man im Fußball eine Karriere wie sie macht, dann reist man regelmäßig in mehr oder weniger alle Weltteile, nach China, in die USA, nach Thailand, aber auch Städte in Schweden, die weiter entfernt sind. Da ist es nicht unbedingt von Vorteil, wenn man Flugangst hat, eine Angst, die Anja mit ungefähr 10% der schwedischen Bevölkerung teilt, wenn man einer Untersuchung aus dem Jahr 2010 glauben darf.

Mit der Zeit ist das besser geworden,“ sagt Anja Mittag, die aber zugibt, dass sie gute Reisen hat, wenn es ihr gelingt, die Angst zu verdrängen und weniger gute, wenn es ihr nicht gelingt.

Am einfachsten ist es, wenn sie mit der Mannschaft reist, dann gibt es viele, mit denen man sich ablenken kann.

Wir reden über eine Reise nach Afrika, die Anja Mittag sicher nicht vergessen wird. Seit einigen Jahren hat sie die Patenschaft für ein Kind in Tansania. Bakari ist ein kleiner Junge, der in einem Dorf fünfeinhalb Autostunden von Dar es-Salaam wohnt. Zusammen mit ihrer Freundin und Nationalmannschaftskollegin Lira Bajramaj reiste Anja nach Tansania als Botschafterin der Organisation World Vision.

„Wir sind gut fünf Stunden gefahren mit dem Bus vom Flughafen zu dem kleinen Dorf. Das war wirklich unglaublich und wir haben schnell begriffen, wie gut wir es haben. Wir hatten Geschenke mitgebracht für unsere Patenkinder, aber auch etwas für die anderen. Unter anderem hatten wir Süßigkeiten aus Deutschland und weil da so viele Kinder waren und es nicht für alle reichte, haben sie die Süßigkeiten im Mund geschmeckt und dann weitergegeben. Da weiß man echt nicht mehr, was man sagen soll.“

Ihre Bekanntheit zu nutzen, um in gewissem Maß anderen zu helfen, ist für Anja selbstverständlich. So ist sie einfach erzogen worden.

Eine andere Spezialität ist ihre Vorliebe für Tätowierungen. Als ich im September 2012 nach einem Interview mit Anja einen Spaziergang durch Malmö machte, wurde mir plötzlich klar, dass ich den Leuchtturm im inneren Hafen von Malmö schon in einer kleineren Version auf Anjas Unterarm gesehen hatte. Dieselbe Tätowierung hat Anjas Zwillingsbruder Peter und für sie symbolisiert er Leuchtturm, dass man immer nach Hause zurückfindet.

Es gibt mehr Bilder, beispielsweise die Musikkassette, die sie mit ihrer guten Freundin, der ehemaligen QBIK- und Djurgårdenspielerin Jennifer Meier teilt. Sie erzählt von der Liebe beider zur Musik.

Als Fußballprofi hat man sehr viel Training, aber hoffentlich auch viel Freizeit, die man unter anderem für die Regeneration braucht. Diese Zeit verbringt Anja meist mit Mannschaftskameradinnen und Freunden in Malmö.

„Es kommt auch ne Menge Besuch aus Deutschland,“ erzählt sie. „Eigentlich mache ich aber nichts Besonderes. Ich bin gern mit Freunden zusammen, wir kochen, schauen uns Filme oder Fußball an oder gehen auf Konzerte wie kürzlich beim Malmö-Festival.“

Anja empfiehlt mir eine Band aus Ystad, die elektronische Tanzmusik macht und Panda da Panda heißt. Sie gefiel ihr beim Festival. Eine andere Favoritin ist die Stockholmer Singer/Songwriterin Melissa Horn.

Anja Mittag hat so viele Titel gewonnen, dass es viel zu viel Platz einnehmen würde, sie alle aufzulisten. Mittlerweile gibt es drei EM-Goldmedaillen und während wir uns unterhalten sage ich, dass sie ja die einzige Spielerin aus der damaligen Startformation ist, die 2005 Norwegen mit 3:1 schlug. Damals spielte Anja Mittag in einem Team mit Legenden wie Silke Rottenberg, Ariane Hingst, Birgit Prinz und Inka Grings während die jetzt in der jüngsten Mannschaft des Turniers war mit 12 Spielerinnen die 1990 oder später geboren sind.

„Oj, das wusste ich nicht. Das zeigt aber auch, dass wir eine Zukunftsperspektive haben mit unserer jungen Mannschaft. Gleichzeztig muss man sehen, dass die spitze in Europa und auch außerhalb immer enger zusammengerückt ist und dass es immer engere Spiele gibt. Wer hätte gedacht, dass Dänemark das Halbfinale erreicht ohne ein einziges Spiel zu gewinnen und dass Frankreich so früh ausscheidet?“

Als Deutschland 2009 in Finnland den EM-Titel holte, schoss man nicht weniger als 21 Tore, in den sechs Begegnungen, die zum Gold führten. In diesem Jahr gelang Deutschland im Schnitt ein Tor pro Spiel.

In Expressen war vor kurzem zu lesen, dass du Verstärkungen verlangst, bevor du deinen Vertrag verlängerst. Ist das wahr?

„Ja, darüber haben wir tatsächlich bei unseren Gesprächen geredet. Wenn man die Champions League gewinnen will, braucht man eine sehr starke Truppe und da brauchen wir einfach mehr Pulver.“

Was für eine Klassespielerin Anja Mittag ist konnte man in dieser Saison nicht zuletzt in den beiden Topspielen gegen die Meistermannschaft aus Tyresö sehen. In Malmö sah es zunächst so aus, dass Tyresö nach zwei Toren von Marta gewinnen würde, aber da blitzte Anja auf und schoss sowohl das 1:2 wie auch das 2:2 für ihren LdB FC. Nach der EM auf dem Tyresövallen hatte Anja großen Anteil am Sieg über die Meister. Mit Weltklassepässen fand sie Ramona Bachmann sowohl zum 1:1 wie auch zum 3:2 Siegtreffer.

Anja, die so gut wie alles, außer dem Olympiasieg vielleicht, gewonnen hat, wird dennoch nicht satt ob aller Erfolge. Vor zwei Jahren interviewte ich die Biathlon-Königin Magdalena Neuner, die mit gerade 26 Jahren ihre Karriere beendete, nachdem sie alles gewonnen hatte und sie sich nicht länger quälen wollte. Anja Mittag will immer alles nochmal gewinnen – wieder und wieder. Auch wenn sie vielleicht nicht ins Scheinwerferlicht passt oder nicht dorthin will, will sie noch ein schönes Weilchen zumindest in der Nähe davon sein.

 

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