Ein Auto für Svensson – (k)ein Auto für Sjögran


Der schwedische Nationalspieler Anders Svensson ist ein netter Kerl. Zumindest vermittelt er diesen Eindruck im Fernsehen. Am 10. September 2013 bestritt der 37-Jährige nach Rechnung des schwedischen Fußballverbands SvFF sein 144. Länderspiel und zog damit an Thomas Ravelli vorbei. Die FIFA führt ihn jedoch mit 139 Länderspielen, aber seis drum. Nehmen wir mal an, SvFF hat Recht. Ziemlich genau zwei Monate, nachdem er Rekordnationalspieler wurde, fand gestern Abend im Stockholmer Ericsson Globe die jährliche Fußballgala statt. Svensson saß im Publikum und mitten in der Sendung wurde er von einem der beiden Moderatoren aufgesucht, der dem verdutzten Mann zuerst ein Auto zeigte und danach von SvFF:s Generalsekretär Mikael Santoft die Schlüssel dazu überreichen ließ. Ein VOLVO-Kombi im Wert von 345.000 schwedischen Kronen (ca. 39.140 €). Das sei dank des Sponsors VOLVO möglich, murmelte Santoft. Schnitt, Blende, Werbung, nächstes Thema.

Die schwedische Nationalspielerin Therese Sjögran hat 182 Länderspiele und überholte Victoria Sandell Svensson bereits vor zwei Jahren als Rekordnationalspielerin. Es war während des Turniers an der Algarve im März. Sjögran bekam einen Blumenstrauß. Gestern Abend saß die 36-Jährige im Publikum im Ericsson Globe und retweetete fleißig den allmählich entstehenden Shitstorm, der sich über den schwedischen Fußballverband ergoß. „Wenn er ein Auto kriegt, müsste sie eigentlich zwei kriegen,“ sagte Mannschaftskameradin Nilla Fischer.

Das ist natürlich Quatsch. Gestern Abend offenbarte sich in der Tat die unterschiedliche Sichtweise innerhalb des Verbandes. Männerfußball vs. Frauenfußball. Ein 345.000 Kronen-Auto für einen Mittelfeldspieler und vor zwei Jahren ein Blumenstrauß für vielleicht 400 Kronen für die Mittelfeldspielerin.

Alle Zeitungen, alle Radiostationen, jeder, der etwas in Schweden mit Frauenfußball zu tun hat und ein Twitterkonto hat, schrie es raus. Das darf doch nicht wahr sein. Was kriegt Sjögran? Sie hatte ja schon was bekommen. Während der Anlass bei Anders Svensson gerade mal zwei Monate her war, lag Sjögrans Errungenschaft, Rekordnationalspielerin zu werden, schon zweieinhalb Jahre zurück. Aber die Frau wurde vor zweieinhalb Jahren eben mit einem Blumenstrauß abgespeist. Und das schlug dem Fass den Boden aus.

Am späten Nachmittag heute verkündete der Präsident von SvFF, Karl Erik Nilsson, dass man von Anfang an vorgehabt hatte, Sjögran auch zu ehren, aber nicht gestern Abend. Später halt. Und eine knappe Stunde später sagte dann Schlüsselüberreicher Mikael Santoft, der Generalsekretär, dass man von Anfang an vorgehabt hatte, Sjögran exakt dasselbe Auto zu geben. Später halt. Findige Journalisten riefen daraufhin bei Volvo an und fragten, ob SvFF einen Volvo für Sjögran geordert hätte. Nein, davon ist mir nichts bekannt, sagte der Pressesprecher der inzwischen im chinesischen Besitz befindlichen schwedischen Automarke. Und aus irgendeinem Grund glaubt die Öffentlichkeit weder Nilsson noch Santoft. Von Anfang an vorgehabt. Später halt. Nicht gestern.

Und der arme Svensson musste am Abend auch noch von SvFF interviewt Stellung nehmen: „Sicher, ich bin der Meinung, dass Therese Sjögran für ihre außerordentliche Karriere auch ein Auto verdient hätte,“ sagte der 37-Jährige. Und das glaubt man ihm auch. Jetzt warten wir. Auf den Fototermin an dem Tag, an dem Therese Sjögran die Schlüssel medienwirksam überreicht bekommt. Was für ein Eigentor, SvFF.

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4 Gedanken zu „Ein Auto für Svensson – (k)ein Auto für Sjögran

  1. ja, schweden hat schon manchmal echt tolle fettnaepfchen zu bieten. das macht dem dt. kaffee-service deutlich konkurrenz. und zwar >20jahre spaeter, in einem land das als eines der fortschrittlichsten gilt, was gender equality betrifft (und es an vielen stellen auch ist!). herzlichsten glueckwunsch, svff, zum drops des jahres!

  2. Hätte der Kollege Svensson einen Arsch in der Hose, dann hätter er ihr einfach die Schlüssel für das Auto gegeben und so dagegen protestiert. Aber da fällt ja einem Fußballer gleich der Dödel ab, wenn er sich öffentlich so „bloßstellt“.

    gez. ein Mann

    • Naja, Svensson ist nicht der Böse in der Geschichte, er war völlig überrascht, die Szene dauerte 1 Minute in der Live-Sendung. Und Sjögran hat ihn und seine Karriere auch gestern noch mal gewürdigt, er hatte schon vorgestern gesagt, dass Sjögran eine einzigartige Karriere gehabt hat und noch hat.

  3. Pingback: Zlatan und die Frauen | Frauenfussball Schweden

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