Tyresö schlägt Paris


Christen Press schoss beide Tore für Tyresö und ist derzeit eine der besten Stürmerinnen der Welt

Christen Press schoss beide Tore für Tyresö und ist derzeit eine der besten Stürmerinnen der Welt

Es sollte das größte Spektakel sein, das der Frauenfußball auf Vereinsebene bislang gesehen hat und neue Maßstäbe setzen. So hatte Tyresö das Spiel gegen paris Saint-Germains angekündigt. Und blieb wie immer hinter den selbst geweckten Erwartungen zurück.

Das ist schade, denn eigentlich braucht man sich mit 3300 Zuschauern, neuem Publikumsrekord und einem durchaus verdienten 2:1 Sieg über PSG nicht zu verstecken. Aber Hans Löfgren steckt die Ziele gerne noch höher, etwa als er vor dieser Saison ankündigte, man werde sein erstes Spiel in der Friends Arena vor 25.000 Zuschauern machen. Auch daraus wurde nichts.

So lässt sich am späten Abend konstatieren, dass unheimlich viele freiwilligen Helfer in Tyresö ganz toll gearbeitet haben. Man hat alles getan, um ein guter Gastgeber zu sein. Alle Ansagen wurden zuerst immer auf Französisch gemacht. All das ist doch schon was.

Zwar wusste man um die anderen Regeln bei UEFA-Spielen noch nicht so viel, aber das ist verzeihlich und die Journalisten und Fotografen übten sich auch in Geduld. Man darf vorher auf den Platz. Man darf nicht auf den Platz. Man darf an der Seite stehen, man darf nicht an der Seite stehen. Solche Unsicherheiten sind normal, wenn man es mit dem dichten Regelwerk des europäischen Verbands zu tun bekommt.

Tyresö machte zunächst das Spiel, aber PSG fand langsam zu seiner Sicherheit. Und mitten darin die Führung. Ein Ball auf die linke Seite und Marta startete zu einem dieser Läufe, die nach wie vor nur sie beherrscht. Sabrina Delannoy wird einmal versetzt, bei der nächsten Drehung Martas fällt sie hin und mit ihrer tollen Spielübersicht passt die Brasilianerin nach innen zu der heraneilenden Christen Press, die den Ball zum 1:0 versenkt.

Aber PSG ließ sich nicht lange schocken. Man arbeitete sich nach vorn und als ausgerechnet die Schwedin Kosovare Asllani in den Strafraum Tyresös eindringt, auf der rechten Außenseite, da kommt Christen Press heran und will verteidigen und die Stürmerin ist so eifrig, dass sie Asllani sechs Meter unmittelbar vor mir von den Beinen holt. Klarer Fall: Elfmeter.

Sabrina Delannoy legt den Ball auf den Punkt, schießt ihn an den rechten Pfosten, von da springt er ins Tor. 1:1, das Auswärtstor, von dem Delannoy gestern mir gegenüber noch gesprochen hatte, hatte sie nun selber geschossen.

Nach der Halbzeitpause ein ungewohntes Bild am Tyresövallen. Der Gegner übt sich in Ballbesitz. PSG lässt den Ball hin und herlaufen, Tyresö jagt hinterher, kommt kaum heran. Das Spiel scheint sich zu drehen, aber bei einem schnellen Konter in der 66. Minute ist es wieder Delannoy, die Pech hat, sich im Rasen vertritt und dazwischen spritzt Meghan Klingenberg, legt auf für Press, die zum zweiten Mal die Kugel ins Tor befördert.

Am Ende bleibt es dabei. Marta trifft einmal den Pfosten und in der 94. und letzten Minute touchiert ein Schuss von Tobin Heath auf der anderen Seite die Querlatte.

Ein knapper Sieg Tyresös in einem Spiel zweier in etwa gleich starker Mannschaften, bei denen jedoch PSG die bessere Mannschaft zu sein scheint. Tyresö aber hat Marta und ihre Bedeutung ist nach wie vor immens. Und Press ist eine der derzeit besten Goalgetterinnen im Weltfußball. Aber da ist mehr Individualität als ein eingespieltes Team. Aber wie soll das auch anders sein bei einer Mannschaft, die man jetzt gerade zum Champions-League-Herbst auf wichtigen Positionen neu aufgestellt hat. Kurzverträge mit drei Amerikanerinnen. Eine neue Norwegerin im Team, all das braucht Zeit und könnte in Paris bitter bestraft werden. Denn gewinnt PSG das Rückspiel mit 1:0 ist Tyresö draußen und steht mit ganz leeren Händen da.

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