Spielerin der Woche: Pernille Harder (Interview)


 

Pernille Harder (Foto: Mirko Kappes)

Pernille Harder (Foto: Mirko Kappes)

Ich komme derzeit nicht ganz nach. Denn der 18. Spieltag läuft schon, vier von sechs Spielen sind absolviert (später dazu) und ich küre in diesem Post meine Spielerin der Runde 17.

Das ist etwas Neues und doch nicht, denn diese amerikanische „EInrichtung“ ist etwas Schönes, lenkt sie doch die Aufmerksamkeit auf eine konkrete Spielerin und trägt damit dazu bei, die Atrraktionskraft und das Interesse für den Frauenfußball zu erhöhen. Ich verstehe nicht, dass man so etwas Einfaches nicht auch offiziell in der Damallsvenskan einführt.

In Runde 17 schoss sie alle vier Tore für Linköpings FC beim Tabellenletzten Sunnanå. Damit erhöhte sie ihre Trefferquote auf 13 und zog an Anja Mittag vorbei auf Platz 2 der Torschützenliste.

Vor 2-3 Jahren habe ich Pernille Harder erstmals gesehen, damals im Dress der dänischen Nationalmannschaft und auf irgendeinem illegalen Live-Stream. Ich war tief beeindruckt von der jungen, hellblonden Stürmerin und erfreut, als sie dann vor gut einem Jahr auf einmal in die Damallsvenskan geworben wurde. Am Freitag habe ich mich mit Pernille unterhalten.

Warum bist du ausgerechnet nach Schweden und nach Linköping gegangen?

„Ich wollte im Ausland spielen, um neue Herausforderungen zu finden. Ich wusste natürlich, dass die schwedische Liga einen sehr guten Standard hat und gleichzeitig war ich mir darüber im Klaren, dass der Umzug nach Schweden als einem anderen skandinavischen Land, kein so großer Schritt sein würde. Natürlich gibt es Unterschiede, aber keine sehr großen und ich dachte, dass es nicht so schwer sein würde, mich gerade hier zu akklimatisieren.“

Wenn du die dänische 3F-Liga mit der Damallsvenskan vergleichen sollst?

„Die schwedische Liga ist ausgeglichener, in Dänemark gibt es zwei Mannschaften, die allen anderen überlegen sind und jedes Spiel mit vier, fünf Toren gewinnen. Es ist mehr Konkurrenz hier, auch wenn wir Malmö und Tyresö haben, aber in Schweden musst du wirklich in jedem Spiel hart arbeiten und das entwickelt dich als Spielerin. Und wir haben auch mehr Zuschauer in Schweden. In Dänemark liegen wir oft um die 100 Zuschauer und selbst während der EM, wo wir ja immerhin das Halbfinale erreicht haben, war anfangs das Interesse der Medien sehr gering. Das änderte sich aber dann, als wir ins Viertel- und dann ins Halbfinale eingezogen sind. Ich hoffe, dass wir eine gute Quali für die WM in Kanada spielen werden und damit dann mehr Leute für den dänischen Frauenfußball interessieren.“

Obwohl es mehr Konkurrenz in Schweden gibt, schien mir doch das Leistungsvermögen beider Nationalmannschaften relativ gleich stark zu sein. Ihr habt ein tolles 1:1 bei der EM gegen Schweden in Göteborg holt?

„Das war eine fantastische Erfahrung. Mit 17 000 Zuschauern die schreien und brüllen. Es war eine tolle Atmosphäre und ja, wir haben ein gutes Turnier gespielt, das natürlich noch besser gewesen wäre, wenn ich ein Tor geschossen hätte.

Ja und dann gab es nach der Gruppenphase die Auslosung zwischen Dänemark und Russland. Wie hast du das erlebt?

„Das war wirklich unglaublich, wir waren alle so nervös. Wir waren in Göteborg und hatten uns das Spiel England – Frankreich im Fernsehen angeschaut und dann vom Ergebnis Spanien – Russland gehört. Es dauerte unglaublich lange, bestimmt zwei Stunden, bevor ausgelost wurde. Die Auslosung fand in Linköping statt und die einzige Verbindung, die wir hatten, war eine Telefonleitung.“

Pernille, viele sehen dich als das größte Talent des dänischen Fußballa seit vielen Jahren und einige glauben, dass du eine der besten Spielerinnen der Welt werden kannst. Wie kommst du damit zu Recht?

„Naja, ich versuche immer so hart wie möglich zu arbeiten. Ich suche immer neue Herausforderungen und mein Ehrgeiz ist es, jeden Tag eine bessere Fußballspielerin zu werden. Wenn Leute so etwas über mich sagen, dann ist das natürlich ein tolles Kompliment und natürlich gefällt mir das. Aber Talent alleine reicht nicht aus, wenn du nicht hart arbeitest und das ist es, was ich versuche, zu tun. Alles, was ich tun kann, ist weitermachen und arbeiten.“

Ihr Trainer in Linköping, Martin Sjögren, der mit Malmö zwei Meistertitel gewonnen hat, sagt über sie: „Sie hat das meiste, was eine Spielerin braucht. Sie hat den Speed, sie kann mit beiden Füßen schießen und sie hat ein gutes Spielverständnis.“

Die schwedische Nachrichtenagentur TT schrieb nach Pernille Harders „Quattrick“ in Sunnanå, di 20-Jährige Dänin habe ein Feuerwerk abgebrannt.

Mit noch einem Jahr Vertrag in Linköping, wie siehst du die Entwicklung deiner Mannschaft, Pernille?

„Es ist sehr schwer, mit Malmö oder Tyresö zu konkurrieren, die haben beide einfach viel mehr Geld. Schau die einfach nur mal Malmös Offensive an mit Anja Mittag, Ramona Bachmann und Manon Melis. Aber wir haben eine junge Mannschaft mit vielen Talenten und wenn die alle beim Verein bleiben, dann kann das richtig gut werden.“

Was sie denn außer ihrem Freund, der Familie und den Freunden am meisten vermisse in Dänemark, will ich wissen. Die Antwort braucht einen Moment und dann sagt Pernille Harder: „Frisch gebackenes Roggenbrot. Das ist so gut und das gibt es hier einfach nicht.“

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