Schweden – der Traum von der Friends Arena


Hohe Erwartungen an das eigene Team (Foto: Mirko Kappes)

Hohe Erwartungen an das eigene Team (Foto: Mirko Kappes)

Schweden stand irgendwie ein gutes halbes Jahr im Finale. Die Platzierung der Mannschaft als Kopf von Gruppe A und die Auslosung im Dezember 2012 verhiess einen Spaziergang ins Finale, „schlimmstenfalls“ Norwegen im Halbfinale hätte der Gegner sein können, so rechneten Journalisten und andere Experten aus. Und dem Erzrivalen aus dem kleineren westlichen Nachbarland war man doch so überlegen mittlerweile.

Doch das erste Spiel vor einem frenetisch begeisterten Publikum im Gamla Ullevi in Göteborg setzte ein paar Fragezeichen. Ein spielerisch erstaunlich starkes Dänemark kombinierte geschickt und deckte die Schwäche des schwedischen Teams schonungslos auf: die Aussenverteidigerpositionen waren mit Jessica Samuelsson (Linköping) und Sara Thunebro (vereinslos) bestenfalls durchschnittlich besetzt.

Die Däninnen aber können keine Tore schiessen, was ihnen weit später, im Halbfinale von Norrköping, dann auch zum Verhängnis werden sollte.

Und eine von Pia Sundhage geschärfte Waffe stach: Nilla Fischer sollte bei Standardsituationen ihre Physis nutzen. Sundhage ist der Meinung, dass im Frauenfussball viel zu wenig geköpft wird und damit hat sie Recht. Gerade bei Standards kann man hier entscheidend punkten. So verwendete sie die wohl beste Kopfballspielerin der Welt, Abby Wambach, in der amerikanischen Nationalmannschaft und das bleute sie Fischer in den knapp acht Monaten ihrer Amtszeit immer wieder ein.

Die bald-Wolfsburgerin Fischer köpfte den Ausgleich gegen Dänemark, es blieb beim 1:1 und damit war man eigentlich schon weiter. Denn das berauschende 5:0 gegen schwache Finninnen hatte man allenthalben erwartet. Dennoch weckten die fünf Tore gegen Andrée Jeglertz’ Team und weitere drei gegen eine italienische B-Auswahl endgültig Hoffnungen auf den Titel.

Dass der Gegner im Viertelfinale das sensationell weitergekommene Island war, unterfütterte nur die immensen Erwartungen. 3:0 stand es schon nach 18 Minuten, trotz einer überragenden Gudbjörg Gunnarsdottir zwischen den isländischen Pfosten wurden die Insulanerinnen geradezu überrollt von der schwedischen Offensive.

Da war es scheinbar nur ein Schönheitsfehler, dass der Gegner im Halbfinale nicht Norwegen hiess, sondern Deutschland. Die Deutschen hatten sich anders als Schweden ins Halbfinale gerumpelt. Und schienen so besiegbar wie lange nicht mehr. Alle sprachen davon, dass man jetzt, jetzt die Chance hätte, sich für alle schmachvollen Niederlagen der vergangenen 20 Jahre zu revanchieren. An die Wand spielen wollte man Deutschland und es kam ganz anders. Dszenifer Maroszan nutzte die fehlende Schnelligkeit von Charlotte Rohlin nach ihrer Kreuzband-OP und das mangelhafte Kommunikationsverhalten mit Keeperin Kristin Hammarström gnadenlos aus und aus war der Traum vom Finale in der Friends Arena. Deutschland spielte grandios, fightete und präsentierte sich erstmals in diesem Turnier als ein Team. Simone Laudehr spielte nichts weniger als Weltklasse und am Ende flossen bächeweise schwedische Tränen.

Dennoch: der schwedische Fussball hatte sich verändert. In nur acht Monaten hatte Pia Sundhage der Mannschaft ihren Stempel aufgedrückt und teilweise begeisternden Offensivfussball gespielt – auch gegen Deutschland, das bisweilen Glück hatte, etwa, dass die Schiedsrichterin das leichte Stossen von Lotta Schelin gegen Annike Krahn pfiff und den Ausgleichstreffer zu Recht nicht anerkannte.

Wenn man vielleicht etwas kritisch anmerken kann bei der schwedischen Nationalmannschaft: Pia Sundhage hat das Team offensiv sehr einseitig ausgerichtet – fast alle Spielertypen wurden gedoppelt. Lotta Schelin und Kosovare Asllani ganz vorne waren gesetzt, dahinter auf den Mittelfeldaussenpositionen spielten Josefine Öqvist oder Sofia Jakobsson und auf der anderen Seite Antonia Göransson, allesamt schnelle Konterspielerinnen. Was fehlte, war die sogenannte Target-Stürmerin. So etwas hat Schweden seit den Tagen einer Hanna Ljungberg oder Victoria Svensson nicht mehr in dieser Klasse. Thomas Dennerby versuchte es immer wieder mit Jessica Landström, die zwar die Athletik, aber bei weitem nicht die Technik hat, um diese Rolle auszufüllen. Eine, die es wirklich werden könnte, ist die hier schon so oft erwähnte Marija Banusic. Aber die wollte Sundhage noch nicht mitnehmen. Banusic soll auch auf die älteren Spielerinnen arrogant gewirkt haben, als sie beim Brasilienspiel doch noch in den Kader kam, aber nicht spielen durfte. Aber die 17-Jährige kann den Ball annehmen, er verspringt nicht wie bei Landström und sie hat eine schon hoch entwickelte Schusstechnik. Sie und Lina Hurtig werden wir in den kommenden beiden Jahren Richtung WM sicherlich sehen.

Die dritte Spielerin, die ich mir wünschen würde, heisst Elin Rubensson. Unverständlich, warum sie jetzt nicht dabei war, die quirlige, lernbegierige kleine Offensivspielerin aus Malmö ist für mich schon jetzt A-Klasse.

Wird jemand aufhören? Es sieht nicht so aus. Selbst Therese Sjögran, die 36-Jährige Mittelfeldveteranin, die wie durch ein Wunder noch in den Kader gerückt wa rund immerhin eine Italienerin zu einem Eigentor provozierte, schloss in einem Interview mit Dagens Nyheter nicht aus, bis zur WM in Kanada weiter zu machen.

Sara Thunebro hat gerade einen Vertrag bis zum Ende der Saison in Tyresö bekommen, die 34-Jährige sieht das Karriereende noch nicht, obwohl es lohnenswerte Alternativen gibt, die man testen sollte, etwa Linköpings Magdalena Ericsson, die dereinst von Djurgården bzw. Hammarby kam.

Fazit: Schweden war, wieder einmal, nah dran am Finale, an den Medaillen und gemeinsam mit Dänemark gab es am Ende Bronze. Aber die feinen, kleinen Unterschiede machen der Mannschaft von Pia Sundhage immer noch zu schaffen. Am gefährlichsten sind die Schwedinnen sowieso immer dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Dieses Mal rechnete das ganze Land mit ihnen. Spannend wird sein, Pia Sundhage nun durch die kommenden zwei Jahre auf dem Weg nach Kanada zu folgen, denn die richtigen Veränderungen könnten jetzt kommen.

Was sich ändern muss: Sundhage sollte sich von einer der drei Torhüterinnen Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Hedvig Lindahl trennen. Alle drei haben die 30 überschritten und sind nur mittelfristig zukunftsfähig. Am ehesten fällt jetzt wohl Lindahl heraus, die aber stark ist, ihre Position zu behaupten.

In der Abwehr muss ein Ersatz für Sara Thunebro gefunden werden. Auch sie sollte ihre Nationalmannschaftskarriere beenden. Im nächsten Jahr wird der Kampf um die Innenverteidigerposition spannend. Linda Sembrandt und Emma Berglund sollten dann wieder da sein. Auch Charlotte Rohlin wird 2015 vielleicht nicht mehr dabei sein. Stina Segerström dürfte ebenfalls wegfallen.

In Mittelfeld und Angriff wird es wohl erst einmal so weitergehen. Caroline Segen, Lisa Dahlkvist, auch wenn letztere offenbar nicht die Favoritin Sundhages ist. Marie Hammarström und die schon genannten schnellen Aussen. Olivia Schough, die in den Vorbereitungsspielen überzeugte, bekam beim Turnier in Schweden keine zwanzig Minuten. Auch ihre weitere Entwicklung wird interessant sein, Hier, in diesem Blog, könnt ihr das verfolgen.

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2 Gedanken zu „Schweden – der Traum von der Friends Arena

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