Norwegen folgt Deutschland ins Finale


Ingrid Hjelmseth gegen Mitternacht in der Mixed Zone - Überstunden

Ingrid Hjelmseth gegen Mitternacht in der Mixed Zone – Überstunden

Es war ein Krimi in Norrköping. Dabei schien schon nach drei Minuten der Favorit auf dem Weg in die Friends Arena zu sein. Nach einer Ecke von Ingvild Stensland beförderte Innenverteidigerin Marit Christensen den Ball mit dem Bauch ins Tor, nachdem Stina Pedersen wieder einmal zeigte, dass sie zwar hervorragend Elfmeter abwehren kann, aber dann im „normalen“ Spiel immer wieder Unsicherheiten zeigt – sie war am Ball vorbei gesprungen.

Dänemark hatte mehr Ballbesitz, man kombinierte gefällig, aber vorne fehlte das letzte Quentchen, nicht Glück, sondern eher Kaltschnäuzigkeit und Klasse. Und Norwegens Abwehrkette ist wahrlich die beste des Turniers: Maren Mjelde, Toril Akerhaugen, Marit Christensen und Trine Rönning haben Massstäbe gesetzt. Das mag nicht immer schön aussehen, da aber Fussball auch Defensivarbeit bedeutet, kann man durchaus Gefallen an dieser Art Fusball empfinden. Im Mittelfeld stehen da mit Ingvild Stensland und der überragenden Solveig Gulbrandsen  zwei weitere Routiniers – jedes Mal, wenn Gulbrandsen den Ball bekommt, ist es ein Genuss ihr zuzusehen. Eine Spielerin, die den Ball liebt, die es geniesst, ihn zu haben und die über ein wunderbares Spielverständnis verfugt. Immer für einen öffnenden Pass oder einen eigenen Angriff aufs gegnerische Tor gut.

Dänemark hatte mehr vom Spiel, in der zweiten Halbzeit setzte Trainer Kenneth Heiner Möller ALLES auf eine Karte und verdient Respekt für seine Auswechslungen. Nadia Nadim kam rein für Janni Arnth und für Christina Örntoft brachte er Emma Madsen. Zwei Stürmerinnen für zwei Abwehrspielerinnen und als ich schon glaubte, dass Norwegen trotz Unterlegenheit, ähnlich wie Deutschland am Mittwoch das Ding nach Hause schaukeln würde, da kam doch noch der Ausgleich. Freistoss Rasmussen und Kopfball von Marianne Knudsen aus Linköping. 86. Minute. Ausgleich, Verlängerung und Elfmeterschiessen.

Das wurde dann nicht ganz soo richtig spannend, denn wie ein Panther warf sich Ingrid Hjelmseth in die Ecken und hielt die beiden ersten dänischen Elfmeter, bevor dann Trine Rönning Norwegen doch noch ins Finale schoss.

Nach dem Spiel in die Mixed Zone, wo sich norwegische Journalisten schon die besten Plätze gesichert hatten, da ich mich im Umfeld des alten Stadions verlaufen hatte. Aber wer wartet, der wird auch belohnt. Das letzte Interview mit einer enttäuschten, traurigen Line Röddik führte ich tatsächlich um 00.25 Uhr!

Christina Örntoft: „Die stellen sich ja nur hinten rein. Wir haben aber nicht so viele Chancen. Auch in der Verlängerung haben wir das Spiel dominiert, denke ich. Und auch Möglichkeiten, das 2:1 zu machen.“

War das Dänemarks bestes Spiel im Turnier?

„Nein, ich denke auch gegen Frankreich haben wir sehr gut gespielt, aber eben auf eine andere Weise. Ich denke, auch gegen Finnland und Schweden haben wir gut gespielt. Generell gesehen haben wir ein gutes Turnier gespielt. Ich habe wirklich gehofft, dass wir das in der Verlängerung entscheiden, denn Norwegen sah sehr, sehr müde aus. Wir waren total überlegen, aber leider ging es nicht und dann hatte Ingrid Hjelmseth unsere Elfmeterschützen studiert, so schien es mir. Das waren sicher keine schlechten Elfmeter, aber die schossen genauso wie zuletzt gegen Frankreich. Schade, so nah am Finale.

Ingrid Hjelmseth: „Das Gefühl, als ich die beiden Elfer gehalten habe, lässt sich kaum beschreiben. Das ist einfach nur fantastisch. Ein wahnsinniges Glücksgefühl darüber, dass man es geschafft hat, eine gute Leistung zu bringen und dass die anderen Mädels ihre Elfer verwandeln. Wir haben als Mannschaft die Leistung gebracht und deshalb auch gewonnen“

Solveig Gulbrandsen: „Dänemark griff mit so vielen Leuten an, die haben so viel kombiniert, es war echt schwer. Das führte dazu, dass wir einfach dahinten nicht raus kamen. Wir wollten eigentlich den Ball halten, wenn wir ihn hatten und uns nach vorn bewegen, aber Dänemark ist eine richtig gute Mannschaft.“

Ihr hattet das Spiel unter Kontrolle, aber dann habt ihr das Heft aus der Hand gegeben.

„Ja, die haben ein paar Änderungen vorgenommen, die dazu führten, dass sie noch mehr Druck gemacht haben. Und natürlich, nachdem sie das Tor gemacht haben, wurde es stressiger für uns, wir wurden nervös, die machten noch mehr Druck und wir wurden noch müder. Das ist wohl eine natürliche Entwicklung, wenn du 1:0 führst.“

Wie wollt ihr jetzt Deutschland packen?

„Die Deutschen haben natürlich einen Tag mehr Zeit, um sich auszuruhen. Das ist ein Vorteil. Deutschland ist eine Turniermannschaft, die immer zurück kommt. Ich hab noch nicht so viel an Deutschland gedacht, das kommt noch.“

Ada Hegerberg: „Das war Wahnsinn, das war so viel Kampf da. Und am Schluss hauen die uns einen rein, Das war ganz schön aufregend, das von der Seitenlinie zu sehen. Aber die Mannschaft war unglaublich cool im Elfmeterschiessen. Es war furchtbar, das von der Bank zu sehen.“

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