Stimmen aus Schweden


Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, aber in Schweden gibt es im Internet und vor allem in den sozialen Medien, in Foren, auf Facebook und Twitter eine ausgebreitete Abneigung, ja Hass gegen Frauenfußball. Er wird nahezu ausschließlich von Männern artikuliert.

Ein großes mediales Ereignis wie die EM schafft mehr Aufmerksamkeit, manche beginnen sich für unseren Sport zu interessieren und bleiben dabei, einige schauen EM und WM und schenken der Bundesliga oder der Damallsvenskan dann kaum Beachtung. Das ist alles in Ordnung.

Aber was sich gestern Abend und heute Nacht zum Beispiel auf Twitter abspielte, spottet jeder Beschreibung. Nach den zwei verschossenen Elfmetern im Spiel gegen Dänemark gestern Abend, hagelte es Kommentare auf Twitter. Kinder sollten jetzt nicht weiterlesen.

Ein paar aktuelle Beispiele (die Originale waren jeweils auf Schwedisch):

Wenn die schwedische Frauenfußballnationalmannschaft Abendessen mit ihren Partnern hat, sitzen da 40 Frauen und 4 Männer

Warum tut man sich das an, 22 Lesben anzuschauen, die so tun als ob sie Fußballspielerinnen wären…

Also Schwedens Huren wie können die solche Elfmeter schießen hahah was für verdammte Nullen das sins

Frauennationalmannschaft… Lesbische Huren, das seid ihr

Frauenfußball, das bedeutet kleine Brüste, lesbisch und kurze Haare

„Damen“ sollen nicht Fußball spielen. Die sehn ja aus wie Männer. Lesben alle zusammen

69% der Frauennationalmannschaft sind Lesben. 72% der Frauennationalmannschaft hatten Sex auf Lehrgängen, miteinander. 0% der Frauennationalmannschaft kann Fußball spielen

Bald an der Zeit für alle faulen Kühe auf den Acker zu gehen und ein bisschen Fußball zu spielen #frauenfußball

Ihr vergewaltigt das Stadion Gamla Ullevi, ihr Lesben!

Der Journalist Jack Werner hat diese Tweets gestern Abend und heute Nacht gesammelt und auf Twitter anonymisiert veröffentlicht, um auf das Phänomen aufmerksam zu machen.

„Da gibt es viel Sexualisierendes, wenn es um Frauen geht. Männer drohen nicht homosexuellen Männern mit Vergewaltigung, aber man macht das bei Frauen, vielleicht nachdem man sie lesbisch genannt hat. Meine Hoffnung ist, dass man auf diese Leute aufmerksam wird, dass Leute, die diese Leute kennen, sich bei denen melden und sagen, dass das nicht akzeptabel ist. Und ich weiß, dass das teilweise auch schon geschehen ist. Aber ich bin keine Spur überrascht über diese Äußerungen. Das ist einfach die bittere Wahrheit da draußen.

Die Männer oder soll man nicht besser die Täter sagen stehen dabei mit ihren vollständigen Namen im Netz, ohne Probleme kann man ihre Identität entschlüsseln. Das zeigt, dass man selbst hier, im angeblich so gleichgestellten Schweden noch weit davon entfernt ist, dass Frauen wirklich dieselben Rechte haben. Sie werden sexualisiert, gedemütigt und sollen möglichst klein gehalten werden. Und zur Verfügung stehen müssen sie auch noch. Und nicht miteinander ins Bett steigen. Manchmal könnte man kotzen.

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3 Gedanken zu „Stimmen aus Schweden

    • Ja, das ist es, ich las gestern Abend auch auf Spiegel Online gehässige Kommentare über Frauenfußball, auch auf Twitter, aber bei weitem nicht so unter der Gürtellinie wie das. Ich denke, dass die weitgehende (aber natürlich noch immer nicht völlige) Gleichberechtigung, die allgemeiner Konsens ist, eben bei einer Menge Männern solche widerlichen Reaktionen auslöst und sie dann gerne draufhauen, weil sie mit dem Leben in der Gesellschaft nicht klarkommen. Aber das entschuldigt nichts, das ist einfach ekelhaft.

  1. Pingback: In eigener Sache | Frauenfussball Schweden

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