Im Gespräch mit Marija Banusic


Marija Banusic

Marija Banusic

Ihre Trainerin Elisabet Gunnarsdottir in Kristianstad sagt, dass sie das größte Talent in der Geschichte des schwedischen Frauenfußballs sei und das ist schon was in einem Land, aus dem Weltstars wie Pia Sundhage, Malin Moström, Hanna Ljungberg, Victoria Svensson oder zuletzt Lotta Schelin kommen.

Josefine Öqvist sagte mir im April, dass ihr nur noch das Feingefühl fehle, wann sie besser abspielen soll oder wann sie den Ball halten soll. „Wenn sie das drauf hat und das wird kommen, dann haben wir einen Weltstar,“ sagte Öqvist.

Die Rede ist von der 17 Jahre und neun Monate alten Marija Banusic. Ich habe sie im Januar 2012 zum ersten Mal in der Vinnarhallen auf Bosön spielen sehen, im Cup Kommunal, einem Turnier für 16-Jährige, das von der Gewerkschaft der Kommunalangestellten gesponsort wird und in dem die Mädchen für ihre Landschaften spielen. Marija war für Uppland aktiv und sie war um Klassen besser als ihre Altersgenossinnen. Physisch, technisch, grandiose Ballannahme, Links- wie Rechtsfüßlerin mit bereits ungewöhnlich großem Spielverständnis. Damals spielte sie für Uppland und hatte noch einen Verein in der dritten Liga in Uppsala. Marija wechselte wenig später zum Zweitligisten IK Sirius, der um den Aufstieg mitspielen sollte und knapp scheiterte. In nur acht Spielen schoss die 16-Jährige 16 Tore in der zweiten Liga. In den Jugendauswahlmannschaften Schwedens gab es ebenfalls viele Banusic-Tore.

Keine Frage, dass sie dann 2013 zu einem Verein der Damallsvenskan wechseln würde. Am Ende wurde es Kristianstads DFF, gut 650 km von der Heimat und der Familie entfernt. Am ersten Spieltag durfte sie von Anfang an gegen Piteå spielen und schoss gleich ihr erstes Tor in der Liga. Vier sind es bis heute, am Sonntag in Tyresö war Banusic gesperrt. Sie hatte im Spiel gegen Sunnanå am letzten Mittwoch verbotenerweise Wasser auf dem Spielfeld getrunken und dafür die dritte gelbe Karte gesehen. Kein Kommentar. Außerdem hat sie eine komplizierte Verletzung an der linken Hand, einen Riss in einem Knochen, aber dafür hat sie in Malmö eine blaue Spezialmanschette bekommen. Einen Monat vor der EM hat Pia Sundhage sie jetzt doch noch überrraschend erstmals in den Kader der A-Nationalmannschaft für das Spiel gegen Brasilien berufen.

Nach dem Spiel gegen Tyresö, das Kristianstad 1:5 verlor, hatte ich Gelegenheit, mit Marija Banusic zu sprechen.

Wieso bist du eigentlich nach Kristianstad gegangen, das ist doch ziemlich weit weg von zu Hause?

Es gab tatsächlich mehrere Angebote, aber mir gefällt die Art, wie man hier Fußball spielt, aber du hast Recht, es ist ganz schön weit weg. Ich wollte mein Glück einfach hier versuchen. Aber es spielt eigentlich keine Rolle wie weit weg das von zu Hause ist. Ich hätte auch ins Ausland gehen können. Bis jetzt bin ich zufrieden und meine Erwartungen sind erfüllt worden.

Erst vor einem Jahr hast du erstmals in der zweiten Liga gespielt, nun gleich der Sprung in die Damallsvenskan.

Ja, das ist ein großer Unterschied, vor allen Dingen im Tempo. Du mujsst dich daran anpassen, aber letztlich geht es darum, Fußball zu spielen und nichts anderes.

Viele Trainer loben dich, die Journalisten (auch ich) schreiben tolle Dinge über dich. Wie steckst du das weg und wie gehst du mit dem Druck um?

Also, ich lese die Artikel nicht, die über mich geschrieben werden. Aber der Druck, der ist schon da, aber das ist auch etwas, das mir gefällt. Druck sehe ich nicht als Hindernis für mich an, ich bemühe mich, die Möglichkeiten zu sehen.

Wie lebt eine 17-Jährige in Kristianstad, eigene Wohnung?

Ich lebe im Zentrum von Kristianstad und gehe da auch zur Schule. Ich habe noch ein Jahr bis zum Abitur, ich habe einen sportlichen Zweig gewählt, bei dem Leistungsfußball im Vordergrund steht. Das bringt mit sich, das ich auch vormittags schon trainieren kann. Klar ist das eine andere Situation, wenn deine Familie ein paar hundert Kilometer entfernt ist, aber ich habe mich daran gewöhnt. Am Anfang hatte ich etwas Probleme mit dem Dialekt hier unten, der doch völlig anders ist als zu Hause, aber inzwischen verstehe ich auch den immer besser. In meiner Freizeit spiele ich sehr gern FIFA, also Fußball sowohl auf dem Platz wie neben dem Platz. Da spiele ich mit und gegen meine Freunde zu Hause in Uppsala übers Internet.

Deine Lieblingmannschaft?

Barca natürlich, aber ich muss auch sagen, dass der Sieg von Bayern München in der Champions League für mich nicht überraschend kam. Die haben ganz einfach ein ganz tolles Team, ich hab damit gerechnet, dass sie den Pokal holen.

Ein Wort zum Schluss zur Berufung in die A-Nationalmannschaft. Hat Pia Sundhage dich angerufen?

(lacht) Nein, nein, das war meine Trainerin in Kristianstad, die mir gesagt hat, dass ich im Kader bin. >Das hat mich natürlich sehr gefreut und ich werde mein Bestes geben. Aber ich habe keine übergroßen Erwartungen, dass ich bei der EM dabei sein werde. Ich will eine bessere Fußballspielerin werden, das ist mein primäres Ziel.

Aufgrund einer UEFA-Regel darf man nicht sowohl die EURO 2013 als auch die U19-EM spielen, die etwas später stattfindet. Pia Sundhage sagte am Sonntag, dass Banusic eben ein anderer Spielertyp sei. „Sie ist sehr unkonventionell, anders als alle anderen Offensivspielerinnen, die wir im Kader haben. Ob sie oder Lina Hurtig es schaffen werden, sich gegen die Elite zu behaupten, werden wir bald sehen. Aber beide sind noch so jung und wenn sie nicht bei der EM dabei sein sollten, bin ich sicher, dass wir sie wiedersehen werden. Eher früher als später.“

 

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Ein Gedanke zu „Im Gespräch mit Marija Banusic

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