Ramona Bachmann im Gespräch


RamonaGestern war ich, wie schon berichtet, auf dem Presseauftakt der Damallsvenskan und hatte Gelegenheit, mit ein paar Spielerinnen etwas länger zu reden.

Ramona Bachmann ist schon sowas wie eine alte Bekannte für mich. Das erste Interview mit der hochtalentierten Schweizerin habe ich tatsächlich schon 2007 gemacht, als Ramona damals gerade 16 Jahre alt war und vom damals besten europäischen Fußballclub Umeå IK geholt wurde.

Inzwischen hat Ramona nach ein paar Jahren in Umeå auch ein Jahr in den USA bei Atlanta Beat verbracht, dann wieder ein brillantes Jahr in Umeå (2011) gespielt, wo sie zur besten Spielerin der Liga gewählt wurde. Seit letztem Jahr ist sie für LdB FC Malmö aktiv.

Die Schweiz hat gerade vor einer Woche mit dem 3:1 gegen ein wiedererstarkendes Norwegen einen sehr wichtigen Sieg vor der bald schon wieder anstehenden WM-Qualifikation errungen.

„Wir haben jetzt endlich mal ein gutes Resultat bekommen“, sagt Ramona Bachmann. „Wir haben in Zypern wirklich schon sehr gut gespielt, haben gegen Finnland auch ein gutes Resultat geholt, bei den anderen Spielen haben wir einfach die Tore nicht erzielt, aber wir haben viele Chancen rausgespielt. Jetzt hat sich wirklich einiges geändert, auch mit Martina Voss als unserer neuen Trainerin.“

Was hat Martina Voss geändert?

„Sie hat einfach etwas Neues mitgebracht. Beatrice [von Siebenthal; ffschweden] war, ich glaube sieben Jahre Trainerin, sie hat einen guten Job gemacht, aber es brauchte halt wirklich etwas Neues. Martina kommt schon mit der deutschen Mentalität, die bei einigen von uns in der Schweiz manchmal fehlt.“

Was meinst du damit? Härteres Training, ist sie strenger?

„Nein, sie ist selbstbewusster. Wir haben auch ein neues Spielsystem, das sehr gut zu uns passt. Dadurch schaffen wir viele Chancen, wir müssen vielleicht defensiv etwas stabiler werden. Schade, dass wir nicht bei der EM dabei sind. Wir haben richtig gute Spielerinnen, Ana-Maria Crnogorcevic, Sandy Maendli, Vanessa Bernauer, Lara Dickenmann sowieso und einige, die noch nicht so bekannt sind, aber ein hohes Niveau haben.“

Die Qualifikation zur WM 2015 in Kanada, die bald ausgelost wird, ist natürlich für die knapp an der EURO gescheiterten Schweizerinnen ein großes Ziel, zumal es bei der nächsten WM und 24 Ländern zwei zusätzliche Plätze für Europa geben wird.

Kommen wir mal zu Malmö, in der Vorbereitung habt ihr nicht nur gegen Lyon die ersten beiden Wettkampfspiele verloren, sondern auch jeweils 1:2 bei Bröndby und dem 1.FFC Frankfurt. Nicht so gut?

„In der Vorbereitung schaut man ja nicht unbedingt nur auf das Resultat, sondern man will auch das Team zusammenbringen. Da kann schon mal ne Niederlage passieren. Wie dann auch gegen Lyon haben wir einfach zu viele individuelle Fehler gemacht. Die werden natürlich gegen so gute Gegner gleich ausgenutzt.“

Vorhin habt ihr (in Stockholm sind auch Trainer Jonas Eidevall und Sara Björk Gunnarsdottir dabei) gesagt, dass Lyon akzentuell besser ist, der Abstand aber nicht riesengroß ist. Ich habe beide Spiele gesehen und finde trotzdem einen Klassenunterschied.

„Lyon ist ein Team, das jetzt schon mehrere Jahre zusammenspielt, das sieht man auch. Die spielen ja auch fast alle in der französischen Nationalmannschaft zusammen. Das fehlt uns sicher auch noch.“

Sowohl bei Tyresö wie auch bei Malmö könnte man sagen, dass die Offensiven hervorragend besetzt sind, es aber in der Abwehr Verbesserungspotential gibt. Was sagst du dazu?

„Es ist auf jeden Fall so, dass wir offensiv sehr gut besetzt sind. Wir haben manchmal zu viele individuelle Fehler in der Defensive, die müssen wir minimieren, sonst kann das auch von Tyresö oder Göteborg ausgenutzt werden.“

Aber: Ziel ist und bleibt die Meisterschaft?

„Ich denke, das ist absolut möglich mit dem Team, das wir haben und mit den Leistungen, die wir letztes Jahr gezeigt haben. Das haben wir uns selber ein bisschen versaut, die letzte Saison zu gewinnen. Wir müssen uns nicht vor Tyresö verstecken.“

Diese Vorlage mit dem „selbst versauen“ muss ich natürlich ausnutzen. Ramona Bachmann hat im vorletzten Spiel der Saison 2012 in Umeå durch zweimaliges absichtliches Handspiel in der ersten und zweiten Halbzeit die gelb-rote Karte gesehen. Hätte Malmö das Spiel gewonnen, hätte man die Meisterschaft vorzeitig gesichert. So endete das Spiel von 10 gegen 11 mit 1:1 und Tyresö konnte im Schlussspurt noch das bereits sicher als Meister geltende Malmö abfangen.

Du hast ja selber diese beiden Handspiele in Umeå gemacht. Denkst du daran noch manchmal zurück, wenn du über 2012 reflektierst?

„Es war natürlich sehr enttäuschend und einfach dumm. Ich konnte mir das ja selber nicht erklären und kann es jetzt auch noch nicht erklären. Das einzige, was mir einfällt, ist, dass ich vielleicht übermotiviert war, das war ein sehr spezielles Spiel und es ging um sehr viel und dass das im Unterbewusstsein Reflexe ausgelöst wurden, aber es bringt ja nichts, sich den Kopf zu zerbrechen über das, was passiert ist. Wir haben das ausdiskutiert und für mich ist das wichtig, das ich was daraus lerne.“

Du giltst schon immer als jemand, der ein heftiges Temperament auf dem Platz haben kann.

„Was mir halt auffällt, ist, dass es in den Spielen, wo es um viel geht, da komme ich manchmal negativ in die Schlagzeilen. Ich hab viel mit dem Mentaltrainer gearbeitet und ich bin halt in manchen Situationen übermotiviert, weil ich zu viel will und dann das Hirn mal ausschaltet und ich schon mal dumme Sachen mache. Aber ich bin schon viel ruhiger geworden, aber es darf natürlich einer Weltspielerin auf diesem Niveau nicht passieren.“

Ramona Bachmann ist trotz der großen Erfahrung, die sie hat, erst 22 Jahre alt und ich bin sicher, dass sie in ihrer mentalen Einstellung noch viel besser werden wird. In ihren besten Momenten und Spielen ist die Schweizerin für mich eine der weltbesten Stürmerinnen.

Am Sonntag geht es am ersten Spieltag der Saison gegen Jitex, ein Team, das als sehr physisch gilt. Was denkst du darüber?

„Jitex ist bekannt dafür, die sind sehr athletisch und spielen einen aggressiven Fußball, das wissen wir und ich denke, gegen solche Teams ist es vor allem wichtig, dass wir den Ball laufen lassen und gar nicht zu sehr in die Zweikämpfe reingehen, dass sie gar nicht spüren, dass sie uns nahe kommen können.“

Zum Schluss noch eine Frage zu Yoreli Rincon, eurem kolumbianischen Neuzugang, der man fantastische Technik nachsagt. Was macht sie für einen Eindruck?

„Rincon ist eine sehr junge Spielerin mit sehr viel Potential, tolle Ballbehandlung. Was bei ihr ganz einfach wichtig ist, denke ich, ist, dass sie sich erst einmal findet. Ich kann mich relativ gut in sie hineinversetzen, weil ich dasselbe durchgemacht habe, als ich mit 15 nach Umeå kam. Das ist eine schwere Zeit, aber es stärkt“

 

 

 

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