Frankreich stärker als Schweden


Eines ist an diesem Champions-League-Mittwochabend deutlich geworden. Zwischen den Spitzenclubs der französischen Liga und der Damallsvenskan gibt es einen deutlichen Unterschied. Zählt man beide Spiele zusammen landen wir bei einem Torverhältnis von 6:0 für Lyon/Juvisy gegen Malmö/Göteborg, aber wenn man sieht, dass die Schussstatistik für Göteborgs Spiel ein deutliches 11:1 für die Gastgeber ausweist, dann ahnt man, dass Kristin Hammarström im Tor ein tolles Spiel gemacht hat (sie boxte einen Elfmeter gegen den Pfosten und hielt mehrere andere Schüsse) und dass die Französinnen insgesamt deutlich überlegen waren.

Selber sah ich lediglich das Spiel Olympique Lyonnais – LdB FC Malmö am Computerbildschirm. Und Lyon war noch deutlicher überlegen, als ich das angenommen hatte. Nach den beiden Toren von Elodie Thomis und der überragenden Lotta Schelin brach der Widerstand Malmös zusammen.

Zu offensiv hatte Neutrainer Jonas Eidevall sein Team gegen die wohl beste Vereinsmannschaft der Welt aufgestellt. Gegen Lyons pfeilschnelle und spielstarke Offensivkräfte offensiv agieren zu wollen und damit seine Defensivkräfte immer wieder 1:1 Situationen auszusetzen, denen sie nicht gewachsen sind, das kam sportlichem Selbstmord gleich. Jonas Eidevall hat nach dem Spiel trotzig behauptet, dass sei schon die richtige Einstellung gewesen. Nein, das war es nicht.

Lara Dickenmann hatte auf der linken Seite sehr leichtes Spiel mit Nationalspielerin Lina Nilsson, das müsste eine Alarmglocke bei Pia Sundhage ausgelöst haben. Symbolisch irgendwie, als Dickenmann Nilsson den Ball zwischen die Beine schob und ganz einfach an ihr vorbeispazierte. Es war nicht die einzige Szene. Als dann Lyon auswechselte und Megan Rapinoe (was für eine Einwechslung!!) für Dickenmann kam, wurde es nicht gerade besser für Schwedens erste Wahl auf der rechten Abwehrposition.

Neuverpflichtung Kathleen „Paula“ Radtke musste von Beginn an ran, weil Jugendeuropameisterin Amanda Ilestedt wegen leichter Verletzung nicht neben Malin Levenstad spielen konnte. Leider stellte sich heraus, dass man vom USV Jena kommend im Viertelfinale der Champions League gegen das weltbeste Team vielleicht doch nicht richtig am Platz war. Radtke war an einigen Toren der Gegnerinnen beteiligt und hatte auch mit Fehlpässen im Aufbauspiel, die zu sofortigen schnellen Angriffen Lyons führten nicht unmaßgeblichen Anteil an der hohen Niederlage.

Aber ihr den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre ungerecht und würde es nicht treffen. Lediglich Sara Björk Gunnarsdottir hat mir an diesem Abend gefallen. Die Isländerin wuchtete sich wie gewohnt mit vollem Einsatz in die Zweikämpfe und stemmte sich gegen die Übermacht an – vergeblich.

Der entscheidende Punkt ist neben der völlig verfehlten Taktik aber auch die Personalpolitik Malmös. Man hat vor der Saison mit Manon Melis und Yoreli Rincon zwei weitere Spielerinnen für die Offensive geholt, die mit Anja Mittag, Ramona Bachmann, Elin Rubensson schon stark besetzt war, in der Abwehr allerdings hat man keine Weltklassespielerin verpflichtet.

Die Viererkette bestehend aus Nilsson, Ilestedt, Levenstad und Ali Riley ist international bei allem Respekt bestenfalls durchschnittlich. Da nützt es wenig, wenn dahinter mit Thora Helgadottir eine der besseren Torhüterinnen der Welt steht. Das haben wir am Mittwoch gesehen, wie selbst das Tor einer Weltklassefrau beinahe zur Schießbude gerät, wenn der Mannschaftsteil vor ihr hoffnungslos überfordert ist.

Nun hat Malmö sich für as Rückspiel vorgenommen, die mehr als 100 Spiele anhaltende Serie ohne Niederlage Lyons zu brechen. Ein sehr ehrgeiziges Vorhaben. Nicht zuletzt auch, weil nämlich die Abwehr der Französinnen Weltklasse ist und seit fast einem Jahr in der Champions League kein Gegentor mehr gefangen hat. Damals war es Bianca Schmidt mit dem 1:5-Ehrentreffer für Turbine Potsdam in Lyon. (In einer ersten Version dieses Artikels hatte ich irrtümlich zwei Jahre geschrieben. Siehe dazu den Kommentar.)

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2 Gedanken zu „Frankreich stärker als Schweden

  1. Ohne die wahrlich beeindruckende Bilanz Lyons schmälern zu wollen, aber das letzte Gegentor in der Champions League gab es vor knapp einem Jahr. Beim 5:1 im Halbfinal-Hinspiel gegen Potsdam.

    • Ja, völlig richtig, sorry. Am 15.04.2012 in Lyon schoss Bianca Schmidt beim Stand von 5:0 für Lyon (wie am Mittwoch!) den Ehrentreffer in der 89. Minute und das war das bis dato letzte Gegentor in der CL. Ich korrigiere das oben im Text,.

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