Nilla Fischer über den Hass gegen Frauen


In Schweden gibt es mit Uppdrag Granskning (Auftrag: Recherche) eine seit vielen Jahren erfolgreiche Sendung im 1.Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, in der die Journalisten um Chefredakteur Janne Josefsson immer wieder gesellschaftliche Missstände aufdecken und manchmal sogar die öffentliche Diskussion zu wichtigen Themen beginnen.

Vor zweieinhalb Wochen war das Thema der sich im Internet verbreitende Hass gegen Frauen und wie Frauen oft von Männern im Netz gemobbt und auf das Übelste beleidigt oder gar bedroht werden.

Die Sendung führte dazu, dass sich alle ernstzunehmenden Zeitungen mit dem Thema befassten und auch andere Fernsehsender immer neue Beispiele fanden und darstellten, was unter dem Schutz der Anonymität im Internet in Sachen Diskriminierung und sogar Verfolgung von Frauen passiert.

Die 28-Jährige schwedische Nationalspielerin Nilla Fischer (Linköpings FC) berichtet am Samstag in einem Interview mit der Malmöer Regionalzeitung Sydsvenska Dagbladet von einer Morddrohung, die sie vor drei Jahren bekommen hat.

Fischer spielte damals noch bei LdB FC Malmö und wurde ins Clubhaus einbestellt. „Ich dachte, was habe ich den jetzt ausgefressen, aber sowas war es dann ja nicht,“ so Nilla Fischer. Ein bis heute unbekannter Mann hatte einen persönlichen Brief an Fischer geschrieben und ihr mit dem Tode gedroht, wenn sie nicht tun würde, was er von ihr wolle.

Die Nationalspielerin sagt, dass dies das einzige Mal gewesen sei, wo sie ernsthaft bedroht wurde und erzählt, dass sie eigentlich von so etwas verschont bleibe. Es göbe andere in der Nationalmannschaft, die viel häufiger Opfer von unflätigen oder gar bedrohlichen Kommentaren würden.

Nilla Fischer spricht darüber, dass es in den Kommentarfeldern bei Artikeln zum Frauenfußball in den großen Zeitungen immer wieder viele Männer geben würde, die grundsätzlich in Frage stellten, dass Frauen Fußball spielen. Fischer sagt, sie lese das nicht mehr, aber sie wisse, dass es da ist. Manchmal träfe man jemanden der einem flüchtig bekannt ist und der spreche dann von kleineren Toren und engeren Kleidungsstücken, die Frauen tragen sollten.

„Unabhängig davon, was wir tun, so ist die Lösung immer, dass man uns sexuelle Gewalt antun soll oder misshandeln soll. Und dass wir dann getötet werden sollen.“

In der Web-TV-Sendung Bollklubben der Zeitung Aftonbladet sprach Nilla Fischer erstmals über das Problem: „Fußball ist ei männlich dominierter Sport und vielleicht glauben einige Männer, dass wir da eindringen. Die Gesellschaft ist nach wie vor männlich dominiert und irgendwo scheint das so zu sein, dass die glauben, dass wir auf ihrem Terrain sind und sie wollen ihr Revier markieren.“

Auch Caroline Seger berichtet in der Sendung über sehr negative Erlebnisse, die ihren Höhepunkt erreichten, als sie während des Sommers 2012 als Studioexpertin bei der Männer-EM in Polen und der Ukraine beim Fernsehsender TV4 arbeitete.

„Naja, da war man ja einige Stunden im Fernsehen und es gab da eine Menge Druck in den sozialen Medien, vor allem bei Twitter,“ erzählt Seger. „Ich bin nicht wie viele andere, die sowas annehmen und einfach an sich abprallen lassen, das geht einem dann schon an die Nieren. Es ist schade, dass man Menschen solchen Dingen aussetzt. Ich glaube, das Schlimmste für mich war, dass man mein Aussehen kommentierte. Das war so persönlich, das wird einem direkt geschickt und das spürt man schon, das war schwer zu hantieren,“ so Caroline Seger.

Lotta Schelin, die Studiogast in der Sendung von Aftonbladet war, sagte, dass sie bisher von solchen Attacken weitgehend verschont geblieben sei. „Ich muss aber auch sagen, dass ich meist einfach nicht lese, was in den Medien über mich geschrieben wird, ich interessiere mich einfach nicht dafür, das ist sicher auch manchmal gut so.“

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2 Gedanken zu „Nilla Fischer über den Hass gegen Frauen

  1. Ich bin erschüttert!
    Eigentlich dachte ich immer, daß die Frauen in Skandinavien (besonders in Schweden und Norwegen) da schon viel emanzipierter sind als im Rest von Europa!
    Bei meinen bisherigen Besuchen bei schwedischen und norwegischen FF-Spielen, ist mir zumindest keine offene Frauenfeindlichkeit begegnet, eher im Gegenteil.

    Aber es ist wohl leider so wie im Artikel beschrieben wurde, daß die Anonymität des Internets so manchem Frauenhasser eine Plattform bietetet.

    In Deutschland traut sich zumindest kein Moderator, Entertainer oder sonst wie prominente Persönlichkeit mehr, sich irgendwie negativ über den FF zu äußern.
    Aber bei Kommentaren auf Internetseiten von Tageszeitungen kann man auch heute noch immer wieder lesen, daß FF unansehnlich, langsam und amateurhaft sei.
    Aber das es Morddrohungen gegen Spielerinnen in Deutschland geben könnte glaube ich nicht!
    Dazu ist der FF hierzulande viel zu klein und unbedeutend.

    • Die Debatte begann nach der Fernsehsendung, wo es generell um Hassattacken auf Frauen in den sozialen Medien ging. Wenn du FF-Spiele in Norwegen oder Schweden besuchst, wirst du auch keine Frauenfeindlichkeit vorfinden, dahin gehen eh nur diejenigen, die das gern sehen und sympathisieren. Ich las irgendeinen Kommentar auf Twitter, wo jemand hierzu schrieb, dass diejenigen, die sich so negativ gegen Frauenfußball äußern, wohl auch im Männerfußball den „gegnerischen“ Verein und seine Spieler mit Hasstiraden versehen. Das ist ein geringer Trost.
      Erst gestern wurde ich übrigens „Zeuge“ einer Begebenheit. Die Mannschaft von Göteborg war in Los Angeles im Trainingslager und machte dort zwei Spiele. Die neuen Spielerinnen wurden dabei „initiiert“, d.h. jemand erlaubte sich einen Scherz mit ihnen. Der bestand darin, dass von den Twitterkonten von vier Spielerinnen komisches, aber harmloses Zeugs getweetet wurde. So kam von Anita Asantes Konto ein Tweet, in dem es hieß, dass sie ihren Irrtum nun eingesehen hätte und nach all den Jahren nicht mehr Liverpool-Fan sondern ManU-Fan sei. Ein Mädchen aus Bulgarien (wenn ihre Info stimmt, 15 Jahre alt) twitterte daraufhin Anita an: „Du verdammte Scheißfo…“. Anita hat das retweetet und einige haben darauf reagiert. Ich habe dem Mädel auch geschrieben, dass das absolut unakzeptabel ist und sie sich entschuldigen muss, was sie dann auch tat. Aber ich denke, das zeigt, was im Netz passiert und wie leichtfertig schlimme Beleidigungen und auch Drohungen ausgestoßen werden. Wichtig ist, dass wir allee zusammen reagieren. Wobei es in manchen Fällen auch nicht möglich ist. Man muss abwägen, ob man miese Kommentare in den Foren von Zeitungen einfach so stehen lässt oder darauf reagiert. Manchmal ist es auch so, dass man den, sorry, Idioten, mit einer Antwort nur einen Gefallen tut, dann machen sie nämlich noch gehässiger weiter.

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