Tyresö bindet sich an neuen Sponsor


Eines der Erfolgsrezepte für den schnellen Aufstieg von Tyresö FF vom Viertligisten zum schwedischen Meister innerhalb von sieben Jahren war, dass Hans Löfgren ein feines Geflecht von kleinen und mittelgroßen Unternehmen gesponnen hat, dem er eine Identität und vor allem ein gemeinsames Ziel gab: aus einem Vorort von Stockholm die Metropole des schwedischen Frauenfußballs zu machen. Und den Unternehmen, die dazu beitragen, eben auch Vorteile zu verschaffen. Ein Netzwerk, in dem Geschäftskontakte entstehen und Geschäfte gemacht werden. Das schien, von außen betrachtet, auch weitgehend gelungen zu sein. Und fast auch ein Alleinstellungsmerkmal. Der sportlich größte Konkurrent LdB FC Malmö war einen ganz anderen Weg gegangen: Man hatte sich von einem Großsponsor vor dem unmittelbar vor der Tür stehenden Konkurs retten lassen, als man noch Malmö FF hieß und trug dankbar den Namen des Kosmetikunternehmens LdB und bot ihm eine Plattform in rosa mit einer Webseite, die itsawomensworld.se heißt.

Zwei Wege – ein Ziel.

Aber der Siebenjahresplan Tyresös, der mit der Meisterschaft 2012 erfüllt wurde, markiert noch nicht das Ende von Hans Löfgrens ehrgeizigen Plänen. In seiner legendären Power-Point-Präsentation, die er seinerzeit dem Vorstand des Vereins präsentierte, ist die Meisterschaft nur einer, wenngleich wichtiger Meilenstein.

Das Ziel ist der Gewinn der Champions League 2014 und der Aufstieg zur besten Mannschaft Europas und damit wohl auch der Welt.

Um solche Ziele erreichen zu können bedarf es heutzutage vor allem eines: Geld, viel Geld. Das gilt auch für den Frauenfußball. Olympique Lyonnais ist heute das Maß aller Dinge, Tyresö will die Französinnen vom Thron stoßen. Da hat man sich etwas vorgenommen, denn Lyon strotzt nur vor Selbstbewusstsein, wie ich selber am Samstag im Gespräch mit Lotta Schelin feststellen konnte.

Zeit, aufzurüsten und einen neuen Sponsor vorzustellen. Statt kleckern wird nun geklotzt. Gestern Vormittag lud Tyresö die Presse in den Vorort ein und viele kamen tatsächlich. Und der neue Sponsor ist: Prioritet Finans.

Deren Konzernchef Nils Wiberg hatte sich gestern nach Tyresö begeben, um die neue Zusammenarbeit, die beide Seiten als eine der größten in der Geschichte des schwedischen Frauenfußballs beschreiben, bekanntzugeben.

WIbergs Unternehmen macht Milliardenumsätze und das vor allem als Inkassounternehmen, d.h. man kauft Rechnungen von anderen Firmen an und treibt die Forderungen ein.

Prioritet Finans war im vergangenen Jahr ganz ordentlich ins Gerede gekommen. Die investigative Sendung Uppdrag Granskning im ersten schwedischen Staatsfernsehen SVT hatte eine Stunde lang über die Firma als Sponsor des Männerfußballvereins IFK Göteborg berichtet. Die Methoden der Reporter sind nicht immer astrein. In der Sendung gab sich Journalist Ali Fegan als Unternehmer aus, der eine Reihe von Schwarzarbeitern beschäftigt. Der Reporter erklärte dem Vertreter von Prioritet Finans, dass er seinen Fahrern schnell und bar Geld auszahlen müsse. Der jetzige Rechnungskäufer nehme 5-6% Provision, man wolle das billiger erledigen. Ausgerüstet mit versteckter Kamera und verstecktem Mikrofon bringt Fegan den Vertreter von Tyresös neuem Sponsor dazu, sich zu der illegalen Geldwäsche bereit zu erklären, für vier Prozent. Wer Schwedisch kann, kann den Dialog zwischen Fegan und dem Firmenvertreter hier nachlesen. Die Journalisten von Uppdrag Granskning behaupten in ihrem Programm, das Prioritet Finans Geschäfte mit mehreren Wirtschaftskriminellen gemacht haben soll.

Auf diese vermeintlichen Hintergründe angesprochen, erklärte Tyresös Vorsitzender Hans Lindberg gestern, dass man sich sehr genau umgehört habe. Die staatliche Finanzinspektion habe das Unternehmen untersucht und keine Anmerkungen gemacht. Damit sei alles in Ordnung.

Wie viel Geld Wiberg dem schwedischen Meister zukommen lässt, ist nicht bekannt. Da der Verein aber mitteilte, dass er seinen Umsatz von bislang 11 auf 20 Millionen Kronen jährlich steigern würde, kann man davon ausgehen, dass es sich um etwas weniger als zehn Millionen handeln dürfte.

Damit kann nun auch Marta bis zum Ende der CL-Saison 2013/14 gehalten werden. Auch die Verpflichtung von Christen Press dürfte letztlich im Wesentlichen dank des neuen Sponsors möglich gewesen sein.

 

 

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