12, 10, 8 oder 16?


Steffi Jones hat eine neue Freundin, seit Oktober. Sie heißt Nicole. Das berichten heute die Welt und auch die Bild und es ist so etwas wie eine kleine Sensation. Immer noch. Und das im Jahr 2013. Noch immer wird das sich outen genannt, als ob es etwas Besonderes wäre. Das zeigt, wie verklemmt der Springer-Verlag und seine Zeitungen sind, das zeigt aber auch, wie verklemmt unsere Gesellschaft noch ist. In Deutschland. Dabei scheint mir dieses outen doch eher angebracht zu sein, wenn man irgendwelche Neigungen hat, die man besser nicht der Öffentlichkeit preisgeben sollte. Bevor ich diesen Post jetzt versemmele: Ich wollte das eigentlich nur als Einstieg dafür nutzen, dass es im Frauenfußball viel wichtigere Themen als solche nichtigen Nachrichten gibt, zu denen besser die Neue Post oder Das goldene Blatt schöne Home-Stories machen.

Es geht nämlich auch um das Eingemachte. Manchmal. Der dänische Fußballverband hat heute beschlossen, dass er seine oberste Spielklasse verkleinert. Die 3F-Ligaen wird ab der Saison 2013/14 nicht mehr aus zehn, sondern nur noch aus acht Vereinen bestehen. Und man führt eine zweigeteilte zweite Liga ein. Mit einer Ostgruppe und einer Westgruppe mit jeweils acht Teams.

Damit geht man genau den entgegengesetzten Weg, den Schweden jetzt gehen wird, das eine eingleisige zweite Liga einführt, mit 14 Teams.

Umeå IK forderte seinerzeit eine Topliga in Schweden mit nur sechs Vereinen. Malmö und Linköping unterstützen dies. Wenn ich mir ansehe, wie Olympique Lyonnais mit 14 Siegen aus 14 Spielen und 90:4 Toren (!!!) in Frankreich zur ichweißnichtwievielten Meisterschaft in Serie spaziert und wie vermutlich auch 2013 wieder Malmö und Tyresö alle anderen Teams weit hinter sich lassen werden, dann frage ich mich, ob wir hierzulande nicht auch eine kleinere Liga brauchen würden?

Ähnlich der WPS oder der NWSL. Mit einem völlig anderen System. Mit in etwa gleichstarken Mannschaften, deren Begegnungen ziemlich schwer vorauszusagen sind.

Denn es liegen Welten zwischen Malmö und Djurgården. So war das 2012. Wenn ich zu den Spielen Djurgårdens ins alte Stockholmer Olympiastadion von 1912 ging und sah, wie sich ein paar ehrenrührige Freiwillige abmühten, dem Arrangement eines Spiels in der ersten Liga einen würdigen Rahmen zu geben, sich aber manchmal nur wenig mehr als 100 Fans (Verwandte, Freunde/Freundinnen und wer noch?) zum Spiel einfanden, dann empfand ich teils so etwas wie Mitleid. Da marschierten elf Spielerinnen ins leere Stadionrund und winkten beim Verlesen der Aufstellung eingeübt nach vorne zu den 100 und zurück zu der riesigen Gegengeraden, auf der niemand saß.

Ähnlich muss es bei Jitex sein, das den schlechtesten Zuschauerschnitt der Liga hat. Das Team hat auch im zweiten Jahr den Klassenerhalt geschafft, aber publikumsmäßig ist es kaum mehr als zweitklassig.

Diese kleinen Organisationen übernehmen sich. Sie sind in der ersten Liga und können doch nie das notwendige Maß halten. Djurgården ist ordentlich abgesackt, weil einfach der Geldhahn immer spärlicher aufgedreht war.

Am Ende hat alles mit Geld zu tun. Hans Löfgren hat in Tyresö mit enormem Einsatz ein ganzes Rudel von Sponsoren aufgetan und innerhalb weniger Jahre aus einem Viertligisten einen schwedischen Meister gemacht. Das ist einerseits eine Riesenleistung, zeigt andererseits aber auch, wie „leicht“ das ist, wenn man Sponsoren dazu bringen kann, zu investieren und wenn man ein System schafft, das ihnen einen Gegenwert bringt.

Diesen Gegenwert bringen nur wenige Mannschaften im schwedischen Frauenfußball. Eine gute Mannschaft ist immer ein gutes Aushängeschild für ihre Stadt oder ihre Gemeinde. Das sieht man insbesondere im Norden, wo Umeå und auch Piteå dank ihrer Frauenfußballmannschaften überhaupt erst auf der Landkarte wahrgenommen wurden und werden.

In den größeren Städten, wo es auch mehr Sportvereine, nicht zuletzt im Männersport gibt, die um Aufmerksamkeit, nein nicht konkurrieren, sie haben einfach die massenmediale Aufmerksamkeit. Da geht es schon viel schwieriger.

Und am Ende hat man vielleicht fünf Vereine, die wirklich noch Topfußball finanzieren können. In Schweden sind das Tyresö, Malmö, Linköping, Göteborg und Kristianstad. Ob das auch dieses Jahr allen 5 gelingen wird, wird man sehen.

Selbst Malmö scheint vor allem Glück gehabt zu haben. Glück, dass da auf einmal ein Milliardär auftauchte, dessen Sohn im Vorstand des FC Rosengård sitzt und der jetzt seine Liebe zum Fußball ausleben kann. Zweimal hatte man in Malmö von Konkurs geredet in 2012. Verzweifelt nach Sponsoren gerufen. Dann kam Dan Olofsson.

Nein, seien wir ehrlich. Ich sehe eher, dass es sechs wirkliche Spitzenmannschaften in Schweden geben könnte. Für die anderen sechs in der ersten Liga fehlen eigentlich die ökonomischen Muskeln. Da strengt man sich gewaltig an und riskiert auch schon mal seine Existenz wie das im Falle des Zweitligaspitzenreiters Dalsjöfors 2012 richtig in die Hose gegangen ist. Auf einmal war das Märchen zu Ende. Duisburg scheint einem ähnlichen Schicksal entgegen zu gehen.

Wieso also besinnen wir uns nicht und diskutieren Alternativen? Eine Ligakonstruktion nach amerikanischen Vorbild etwa? Nicht mit Individuen als Eigentümern. Aber mit Firmen oder Städten. Und das unter einem Dach, einer Dachorganisation, die im Einverständnis mit allen Teams zusieht, dass alle Teams ungefähr gleich stark sind. Konkurrenz belebt doch das Geschäft. Und es macht den Sport interessanter.

Am Ende könnte ich mir gut ein Halbfinale und Finale der besten Vier vorstellen. Mit Best of 5, wie im Eishockey.

16 Vereine, wie sie etwa Richard Östlund, der Trainer von KIF Örebro heute auf Twitter forderte, halte ich nicht für realisierbar. Es wäre eigentlich das Beste und Schönste, aber wir leben noch nicht in dieser Welt.

Ich sehe das große Risiko, dass wir mit 6-8 Vereinen eine Elite konstruieren, bei der der Abstand zum Rest sehr groß wird, aber leider sehe ich derzeit keine andere Basis für den Leistungssport Frauenfußball, zumindest nicht in Schweden. Denn wir werden auch dieses Jahr wieder Vereine wirtschaftlich wackeln sehen. Weil sie zu wenig Sponsoren haben und sowohl die Leistungsfähigkeit des Teams wie die der Organisation davon abhängig sind. Die Sponsoren kommen aber nur, wenn sie auch etwas zurückbekommen. Noch können wir ihnen aber viel zu wenig geben. Das Produkt muss attraktiver werden.

Bei der Olympiade in London haben wir ab dem Halbfinale, an dem dann die USA, Japan, Frankreich und Kanada beteiligt waren, großartigen Fußball gesehen. Aber vorher? Große Leistungsunterschiede. Ähnlich wird auch die EM in diesem Jahr laufen. Schweden, Deutschland, Frankreich, England. Vielleicht noch Norwegen. Unter diesen fünf sind die Halbfinalisten des Turniers zu finden. Die anderen Sieben sind nur eine Transportstrecke auf dem Weg.

Ähnlich ist es in der Damallsvenskan.

Ich weiß, ich weiß. Wir brauchen mehr Förderung, mehr Akzeptanz und all dergleichen. Aber manchmal scheint mir, .wir sind am Ende einer Entwicklung und nicht am Anfang.

 

3 Gedanken zu „12, 10, 8 oder 16?

  1. Damit wird aber Geld verdient. Darauf ist der Verlag seit Jahrzehnten spezialisiert. Wer im Frauenfussball taetig ist, der weiss genau, dass mindestens 50 % der Fussballerinnen lesbisch sind. Es ist schon bekannt, dass bei vielen Transfers nur mit „Doppelpack“ geht – entweder ich und sie oder gar nicht. Ich finde, es nicht nicht gut, darueber offentlich zu diskutieren. Und das hat mit Verlogenheit nix zu tun..

    • Ja, stimmt. Springer macht sogar viel Geld damit. Es gibt aber prinzipiell keine tabuisierten Themen. Aber dieses ist nur interessant, wenn es gegen Diskriminierung geht oder irgendeine Relevanz hat, sportlich oder wasweiß ich. Die Doppelpacktransfers würde ich als Verein nicht akzeptieren, das ist unprofessionell. Aber auf der anderen Seite ist dann eben doch wieder so einiges unprofessionell im Sport.

  2. Mit der kleinen Ligen liegen alle falsch. Nur wer gegen gute spielt , kann sich weiter entwickeln, auch wenn er heute noch hoch verliert. Das Beispiel OL ist falsch, das ist einfach eine Sammlung von besten Spielerinnen in einem Verein. Man soll nicht nur auf die Ergebnisse gucken, man soll auch sehen (und verstehen), wie das Spielen gegen „lower“ Teams diese motiviert, sich weiter zu entwickeln. Wer Frauenfussball gut kennt, der muss eins wissen; der Bedarf nach gute Fussballerinnen ist enorm hoch aber die sind noch nicht da. Es wird also noch eine weile dauern, bis in jeder Liga sich weitere staerkere Mannschaften bilden. Es ist Unsinn, kleine Liga zu bilden mit 4-6 Teams und der Rest soll regional, im Dorf kicken. Damit wird keine Entwicklung stattfinden. Zwei Spiele gegen USA o. Japan, auch 30-0 verloren geben 100000-mal mehr als 120 Dorf spiele und kleine Siege.

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