Noch 24 Stunden – Anja Mittag vor dem Finale


I

Anja Mittag im VIP-Raum von LdB FC Malmö (Foto: Marcus Sporkmann)

n 24 Stunden steigt das Spiel der Spiele. Zumindest seit September 2008. Damals spielten Linköping und Umeå gegeneinander und die Gäste aus Nordschweden sicherten sich mit dem 4:1 Auswärtssieg vor der Rekordkulisse von 9418 Zuschauern im Prinzip ihren bislang letzten Meistertitel.

Damals standen auf Seiten Umeås Lisa Dahlkvist, Marta, Ramona Bachmann, Carola Söberg, Johanna Frisk und Madelaine Edlund. Auf der Gegenseite spielte Caroline Seger. Sechs der sieben Spielerinnen stehen heute in Diensten von Tyresö und Ramona Bachmann ist morgen gesperrt.

Die Zuschauerzahl von 9418 wird man morgen schon deswegen nicht erreichen können, weil das Stadion offziell nur 7800 fasst. Aber der Medienhype war wohl noch nie so groß vor einem Frauenfußballvereinsspiel in Schweden. Mehr als doppelt so viele Medienvertreter wie normal bedeuten, dass man einen kleinen Teil der Zuschauertribüne in Presseplätze umwandeln wird, das kam bisher noch nicht vor in Malmö.

Zwei Tage vor dem Spiel sprach ich mit Anja Mittag, die morgen Nachmittag gegen 15.00 Uhr mindestens alleinige Torschützenkönigin der Liga sein dürfte, wenn nicht die Amerikanerin Christen Press (Göteborg) mindestens vier Mal trifft und Anja leer ausgeht.

Als Ramona Bachmann in Umeå ihr zweites Handspiel machte und noch verletzt am Boden lag, was hast du da gedacht, ihr lagt schon 0:1 hinten und Ramona hatte schon gelb wegen Handspiels in der ersten Halbzeit?

„Ich hab mich mit Schmitti {Katrin Schmidt} unterhalten. Man hat schon geahnt, dass da was kommt, zumal die Schiedsrichtern mit ihren Assistenten redete und als Ramona wieder aufstand gab es dann ja auch gelb-rot.“

Ich hatte den Eindruck, dass du dann in den letzten 35 Minuten total gewachsen bist und mit eine Führungsrolle übernommen hast. Da war wesentlich mehr Pondus beim Laufen und in den Zweikämpfen?

„Ja, das stimmt vielleicht, aber es gilt wohl für die ganze Mannschaft. Wir hatten noch sehr viele Chancen, aber es ist uns trotzdem nicht gelungen, den ganzen Weg zu gehen und das Spiel zu gewinnen. Irgendwie scheint die letzte Konzentration gefehlt zu haben.“

Da wirklich alle Medienvertreter, Experten und Fans damit gerechnet hatten, dass Malmö mit einem Sieg in Umeå den Meistertitel holt, kann es aber auch sein, dass das in den Köpfen der Spielerinnen doch den üblichen Gedanken „wir nehmen ein Spiel nach dem anderen“ verdrängt hat. Das 1:1 wurde am Ende wie eine Sensation in manchen Medien dargestellt. Vero Boquete sprach mir gegenüber von einem „Wunder“.

Glücklicherweise musste Malmö am Mittwoch gleich wieder in der Champions League ran, geschickterweise hatte man das Heimrecht mit Bardolina Verona getauscht.

„Natürlich haben wir über das Spiel in Umeå gesprochen, aber wir mussten es ziemlich bald sein lassen, denn drei Tage später mussten wir schon gegen Verona spielen,“ erzählt Anja.

Auf das Spiel morgen bereitet sie sich auf die für sie so kennzeichnende professionelle Weise vor. Auch Anja Mittags Gedanken sind wie die ihrer Mannschaftskameradinnen und Gegnerinnen oft beim Samstagspiel. Heute Morgen etwa schrieb Elin Rubensson, die vermutlich morgen neben Anja stürmen wird: „Match, match, match“ auf Twitter und kann es kaum noch erwarten.

Dass Tyresö stark ist und eine beeindruckende Zahl von Klassespielerinnen hat, weiß Anja Mittag natürlich. Respekt vor dem Gegner ist etwas, das ich immer wieder bei ihr anerkennend feststelle, egal ob der Gegner USA, Tyresö oder Stattena (dritte Liga) heißt. Über morgen sagt sie unter anderem. „Es kommt darauf an, die Chancen zu nutzen, wenn sie kommen. Und in einem Spiel über 90 Minuten kommt früher oder später eine gute Gelegenheit.“

Genau das hat die 27-Jährige aus Chemnitz, die jetzt in Malmö ein neues Zuhause gefunden hat (mehr darüber in einem späteren Artikel), schon mehrfach diese Saison bewiesen. Ich erinnere mich an das Spiel in Linköping, wo es nicht gut für Malmö aussah und Reporter Daniel Kristiansson Anja schon als eine zu Hause erfolgreiche, auswärts eher unscheinbare Spielerin kritisierte. Als ob sie das gehört hatte, machte sie daraufhin einen Hattrick und entschied die Begegnung und Kristiansson musste Abbitte leisten.

Wie auch immer, es wird einen tollen Rahmen geben, leider ist Regen angesagt, aber alles spricht dafür, dass wir morgen in Malmö ein historisches Finale erleben werden.

„Es wird sicher ein toller Rahmen. Wir hätten natürlich viel lieber schon am Sonntag die Meisterschaft gewonnen, aber das hat nun mal nicht geklappt. Jetzt gibt es am Samstag ein großes Spiel und ich freue mich drauf,“ sagt Anja Mittag.

P.S.: Auch Anja hätte eine Nominierung unter die besten zehn Spielerinnen auf der FIFA-Liste in diesem Jahr verdient gehabt. Marta wurde zu Recht nominiert, denn auch sie spielt bei Tyresö eine herausragende Rolle. Aber Mittag und Boquete stehen ihr aus unterschiedlichen Gründen nicht viel nach, sondern bewegen sich, wie man auf Neudeutsch sagt, auf Augenhöhe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s