Schweden gewinnt unter Pia Sundhage


Pia Sundhages erstes Spiel als Trainerin der schwedischen Nationalmannschaft hätte besser nicht beginnen können. Nach nur 38 Sekunden drückte Rossiyankas Sofia Jakobsson nach einer tollen Vorarbeit von Paris SG:s Kosovare Asllani über die Linie und die 4900 im EM-Stadion von Växjö in Småland hatten erstmals Grund zum Jubeln.

4-4-2 ist das neue System der Schwedinnen. Nilla Fischer spielt in der Abwehr und Sundhage verlangt viel von ihrem Star Lotta Schelin. Sie trug heute erstmals die Kapitänsbinde und onwohl sie sich bemühte, muss sich die 28-Jährige wohl noch an beides gewöhnen – die Führungsrolle doppelter Hinsicht und die öffentlich geäußerten Erwartungen ihrer Trainerin.

Ein bisschen mehr Pippi Langstgrumpf sollte die Mannschaft bekommen, dachte Pia. Unberechenbarer werden, sich mehr trauen, auch mal das Außergewöhnliche wagen. Wie kann man das am besten erreichen? Man lädt Pippi Langstrumpf zu einem Besuch ins Trainingslager ein. Ende vergangener Woche kam Pippi-Darstellerin Inger Nilsson zur Mannschaft und sprach mit den Spielerinnen über Pippi. Der Besuch der 53-Jährigen Schauspielerin kam sehr gut an, davon zeugen einige Twitter-Einträge letzte Woche.

Wenn eine das umgesetzt hat, dann war es Kosovare Asllani. Die Stürmerin aus Paris war beste Spielerin auf dem Platz, bereitet den ersten und dritten Treffer vor und schoss den zweiten selber. In der ersten Halbzeit testete Sundhage vorn das Duo Schelin -Jakobsson, nahm dann Jakobsson raus und brachte Antonia Göransson. Asllani durfte jetzt neben Schelin agieren und das Duo funktionierte besser, auch wenn Sundhage sicher nicht mit Schelin zufrieden war. Göransson gelang auch das dritte Tor.

„Ich durfte im Sturm spielen in der zweiten Halbzeit, da fühle ich mich wohler,“ machte Asllani Ansprüche auf den Platz neben Schelin geltend. Pia Sundhage konterte lächelnd im Fernsehen, dass es Aufgabe der Mannschaftsführung sein werde, dafür zu sorgen, dass Asllani sich sowohl im äußeren Mittelfeld wie auch im Sturm wohlfühlen wird.

Die Schweiz war kein Prüfstein. Harmlos agierend, physisch und technisch auf fast alklen Positionen unterlegen. Da nützt es auch nichts, dass man mit Lara Dickenmann und Ramona Bachmann zwei Klassespielerinnen in seinen Reihen hat. Beide wissen, dass sie im Verlauf ihrer Karriere wohl kaum mit der Nationalmannschaft international Erfolg haben werden. Da hat Martina Voss-Tecklenburg eine schwere Aufgabe zu bewältigen.

Sofia Lundgren im Tor war sicher in allen Situationen, aber es gab eben auch nicht so viele. Nilla Fischer hatte bisweilen Koordinationsprobleme, aber sie gab ein vielbversprechendes Debüt in der Innenverteidigung. Sundhage scheint Fischer hier sehen zu wollen, denn sie sprach nach dem Spiel davon, dass sie in der Innenverteidigung gern jemanden hätte, der den Spielaufbau fördern kann.

Caroline Seger und Lisa Dahlkvist begannen, in der zweiten Halbzeit kam Emmelie Konradsson für Dahlkvist. Eine gute Leistung der Spielerin aus Umeå, die in diesem Aufgebot vielleicht die einzige Überraschung war. Aber Pia Sundhage ist auf Alternativen aus, das wurde im Gespräch deutlich. Sie beginnt allmählich, Strukturen aufzubaueb und zu verändern. Und hat noch acht Monate Zeit, die sie auch brauchen wird.

Pia bedauert, dass es jetzt bis ins nächste Jahr kein Länderspiel geben wird. Aber: Jeden Monat gibt es ein Trainingslager mit der Natio, das konnte sie durchsetzen. Und sie muss und wird auch den Trainern der Damallsvenskan vertrauen, denn anders als in den USA wird sie ihren Kader nicht ständig um sich haben können, da heißt es auch Verantwortung zu delegieren. Das kann Sundhage jedoch, sie ist eine charismatische Führungspersönlichkeit und wenn sie über Fußball spricht, dann merkt man, dass es kein anderes Thema gibt, das ihr mehr bedeutet. Diese Begeisterung ist gepaart mit einer analytischen Intelligenz und vor allem einer Menschenliebe, die man selten sieht. Wie weit das die Schwedinnen im nächsten Jahr bringen kann, werden wir sehen. Der Weg ist noch weit. Aber es wird interessant sein, ihn zu verfolgen.

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