Moberg entlassen


Die am Samstag bewusstlos zusammengebrochene schwedische Nationalspielerin Susanne Moberg ist nach mehreren Untersuchungen und einer Nacht im Krankenhaus von Kristianstad am späten Sonntagnachmittag entlassen worden. Die Tests hätten nichts ergeben, die Spielerin sei lediglich müde, so Sportchef Henrik Nygren.

Ich wünsche Susanne alles Gute und möchte dennoch appellieren, vorsichtig zu sein. Per Sandgren, Chef der Sportredaktion von Piteå-Tidningen zitiert in seiner Chronik gestern den Arzt Anders Jonzon, Kinderkardiologe an der Universität Uppsala: „Ich vergleiche das   damit, von einem Tiger gejagt zu werden. Es ist keine gute Idee, ohnmächtig zu werden, wenn ein Tiger uns jagt, die meisten von uns würden später ohnmächtig werden. Wenn man aber während eines Trainings oder eines Spiels bewusstlos wird, dann macht mich das wesentlich mehr misstrauisch, dass irgendetwas mit dem Herz nicht in Ordnung ist, als wenn jemand nach einem Spiel ohnmächtig wird.“

Vor zwei Wochen starb Victor Brännström in Piteå während eines Spiels. Er war bereits etliche Monate vorher ohnmächtig geworden. Alle Untersuchungen hatten ergeben, dass ihm nichts fehlen würde.

Die große Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter berichtet heute, dass selbst Kinder schon Schmerzmittel nehmen, um an Wettkämpfen teilnehmen zu können. Jeder fünfte Trainer ließe seine 13-14-Jährigen Schützlinge nach der Einnahme von Schmerzmitteln spielen. 62% der Übungsleiter von Kindern der Jahrgänge 1998/99 gaben an, dass sie Kindern Tabletten geben würden. Das ergab eine nicht repräsentative telefonische   Umfrage bei Fußball-, Handball- und Unihockeytrainern im Gebiet Stockholm. Bei den Medikamenten handelte es sich ausnahmslos um rezeptfreie Tabletten und Gels.

Das ist keine gute Entwicklung. Mir scheint sich im Sport eine Haltung zu entwickeln, dass man Kindern und Jugendlichen von Beginn an vermittelt, dass man bei kleinen „Wehwehchen“ sein Team nicht im Stich lassen soll. Ich kenne viele Fußballspielerinnen, die mit Schmerzen und Verletzungen in Spiele gehen. Mit gebrochenen Fingern oder angeschlagenen Schultern, lädierten Knien oder kaputten Muskeln. Mit Gels, Tabletten und Spritzen lassen sie sich fitmachen, weil sie doch ihr Team unterstützen wollen.

Im Fall von Ohnmacht und Bewusstlosigkeit müsste ein Spielverbot her. Bis das Gegenteil bewiesen ist. Denn andere Fälle haben gezeigt, dass man sein Leben riskiert, wenn man mit einem noch unentdeckten Herzfehler weiter Hochleistungssport betreibt. Ich hoffe sehr, dass jemand Susanne Moberg schützt.

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