Nehmen und was Geben?


 

Malmö IP, Arena der Frauen von LdB FC Malmö

Frauenfußball 2012 ist immer noch kein Geschäft. Spielerinnen erwerben keinen Wohlstand, keine Zukunftssicherung, ganz im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen. Es ist ein Sport, der inzwischen auf einem sportlich sehr hohen Niveau angekommen ist – nicht überall auf der Welt, aber beispielsweise in Schweden, Deutschland oder den USA. Die Spielerinnen der ersten Ligen in diesen Ländern sind gut ausgebildet, sehr durchtrainiert und haben sich weitgehend professionalisiert, d.h. der Fußball spielt bei vielen von ihnen die Hauptrolle im Leben.

Um zu ermöglichen, dass der Sport so weit kommen kann und so weit kommen konnte, sind und waren Sponsoren vonnöten. Man kann nicht von ein paar hundert Zuschauern leben und damit den Betrieb einer Spitzenmannschaft finanzieren. Sponsoren sind und waren da. Große und manchmal auch kleine Firmen, die den Frauenfußball mit kleinen und manchmal größeren Summen unterstützt haben, um ihn und seinen Fortschritt zu ermöglichen.

Ffschweden hat schon früher die Frage gestellt und problematisiert, dass die Sponsoren irgendwann etwas zurückhaben wollen und gefragt, was denn wohl passiert, wenn nichts zurückkomt?

Genau dieses Problem thematisiert ganz aktuell der schwedische Meister LdB FC Malmö. „Wir müssen mit der Gemeinde in einen Dialog treten über die Situation unserer Heimarena Malmö IP,“ sagte Sportdirektor Niclas Carlnén  dieser Woche der Zeitung Sydsvenska Dagbladet

Da der Verein keine Logen und Räume für Sponsoren anbieten könne, seien Ende 2011 einige Sponsoren abgesprungen, so Carlnén weiter. Außerdem musste man auf Werbeflächen in der kleinen Arena auf einer Seite verzichten, nachdem sich eine Spielerin dort verletzt hatte. Als Kompensation habe man einen LED-Schirm aufstellen wollen, um dort Werbung zu schalten, dies aber habe die Stadt abgelehnt, schrieb die Vorsitzende LdB FC Malmös, die Unternehmerin Cecilia Tholse Rogmark der Gemeinde in einem Brief.

Knapp 400.000 Euro würde man im neuen Jahr verlieren, weil man weniger Werbeflächen und weniger Sponsoren habe. Am 15. Mårz kommt der 1.FFC Frankfurt und wenn es richtig kalt sein sollte, dann müsse man wahrscheinlich in die Swedbank-Arena umziehen, wo der Männerverein Malmö FF spielt, das aber kostet richtig Geld.

Rund 100 000 Euro fehlen und dabei habe man einen Kader der zwar kleiner sei, aber mehr Geld koste als der letzte, so Tholse Rogmark. Und kommt zu der Forderung: „Der schwedische Fußballverband müsste die Anstrengungen von Spitzenclubs im Frauenfußball, europäisch erfolgreich zu sein, besser unterstützen.“

Zum Vergleich: Kommunale Tochterfirmen sponsorn den Frauenverein LdB FC Malmö mit 90.000 Kronen (ca. 8500 €) pro Jahr. Der Männerverein Malmö FF bezieht von kommunalen Firmen 1 500 000 Kronen (ca 135.000 €). Den Bau der Swedbank-Arena für die Männer untrerstützte die Stadt Malmö mit der Gewährung von Krediten in Höhe von 125 Millionen Kronen, während sie in den Unterhalt des Malmö IP, der Anlage für LdB FC Malmö pro Jahr 5 Millionen Kronen investiert.

Sponsoren wollen heute etwas zurückbekommen. Wenn es kein Geld ist infolge von durch den Sport oder einzelne Sportler gesteigerten Verkäufen, dann wollen sie zumindest ihren Mitarbeitern und wichtigen Kunden VIP-Erlebnisse vermitteln. Dazu sind aber die Arenen der Frauenfußballclubs viel zu heruntergekommen und schlicht, oft jahrelang nicht renoviert oder unterhalten.

Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder redet sich seit Jahren den Mund fusselig darüber, dass die nächste Entwicklungsstufe des Frauenfußballs nur dann erreicht werden kann, wenn auch Frauenfußball zu einem besseren Produkt wird. Denn darum geht es zumindest im Spitzensport. Wir müssen ein Produkt verkaufen, das dem anspruchsvolleren Kunden von heute genügt. Ein überdachter und bequemer Sitzplatz ist nur eine Sache. Aber nicht unwichtig. Auf Hammarby IP etwa, inzwischen mit einer zweitklassigen Mannschaft, muss man sehr genau schauen, wie das Wetter wird, dort sitzt man auf klapprigen alten Holzbänken und es gibt nirgends eine Überdachung, beim Platzregen sieht man sehr schnell sehr alt aus. Und im Spitzenfußball gibt es heutzutage eben Sponsoren, die ein richtiges Essen in der Loge haben wollen und keine Kochwurst mit Senf und Ketchup im labbrigen Brot. Es gibt sehr viele Fans, denen all das nichts ausmacht, keine Frage. Die jedes Mal kommen, auch wenn es kein Dach oder zu wenig Platz gibt, aber die Sponsoren wollen ihren Kunden eben mehr anbieten. Dafür sind sie bereit, den Verein und die Mannschaft zu unterstützen, aber man kann ihnen nicht unbedingt noch auflasten, die Sportplätze und Stadien finanziell aufzurüsten, die in Schweden im Besitz von Städten und Gemeinden sind.

Selten hat ein Artikel über Frauenfußball in Sydsvenska Dagbladet so viele Kommentare bekommen, wie der über die angespannte finanzielle Situation des Meisters am letzten Mittwoch. Immerhin 52.

Da wird darauf hingewiesen, dass die Frauen einen Zuschauerschnitt von 1357 hätten im Vergleich zu 12388 bei den Männern, womit das Verhältnis der Förderung gerecht wäre. Jemand anderes verlangt, dass Frauen sich viel zu wenig für Frauenfußball interessierten und eine größere Verantwortung übernehmen müssten und die Spiele ihrer „Schwestern“ besuchen sollten. Die zwei Meisterschaftstitel der letzten beiden Jahre hätten auch der Stadt Malmö Reputation gebracht, heisst es da an anderer Stelle.

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