Gepflegte Langeweile im Stadion


Madelaine Edlund

Entweder war ich gestern Abend nicht in Fussballstimmung oder (was wahrscheinlicher ist) es war wirklich das langweiligste Fussballspiel dieser Saison. Tyresö gewann mit 3:0 bei Djurgården vor 1326 Zuschauern, der besten Kulisse für Djurgården seit 2008.

Vor dem Spiel hatte Djurgården ein Seminar über Frauenfussball und seine Entwicklung in Schweden veranstaltet, das kostete 300 Kronen Eintritt und dafür gab es Kaffee und „bullar“, das schwedische Wort für Teilchen. Naja so ungefähr jedenfalls. In der Halbzeitpause, als ich mir meinen wohlverdienten Becher Kaffee holte, strömten die Teilnehmer des Seminars mit den beiden Referenten Thomas Dennerby und Ann-Helen Grahm in den Presseraum und der 51-Jährige Dennerby wäre locker als Sohn der meisten Teilnehmer durchgegangen. Ok, ich übertreibe ein bisschen.

Dafür sassen ganz viele Mädchen auf der Tribüne, so viele wie schon seit sehr langer Zeit nicht mehr. Sie erklären wohl auch letztlich die hohe Zuschauerzahl.

Dafür widmeten sich die meisten von ihnen allerdings auch nicht dem Geschehen auf dem wie immer wie geleckt aussehendem Rasen des Stockholmer Olympiastadions von 1912. Dazu war das Spiel einfach zu einseitig und leider auch zu schlecht.

Djurgården hielt so lange mit, bis Tyresö dann irgendwann für seine Geduld belohnt wurde und Madelaine Edlund in der 29. Minute den Ball nach einer Flanke von Kirsten van de Ven reinköpfte. Danach gab ed noch ein kurzes Aufbäumchen, bis dann zehn Minuten darauf Karin Lissel den Ball ins Tor drückte. Zuvor hatten serienweise Djurgårdenspielerinnen den Ball im Strafraum verpennt und einfach nur zugeschaut, bis Lissel dann die Fussspitze hinhielt. Ein veritabler Abwehrfehler. Es hätte noch mehr Tore geben können, aber Djurgårdens Gudbjörg Gunnarsdottir stand wie immer sicher und zeigte gute Reflexe.

In der zweiten Halbzeit wartete ich vergeblich auf das Pfeifkonzert der 1326. Nicht mal ein Buhruf. Aber im Frauenfussball sind alle immer nett. Und die meisten hatten eh keinen Eintritt bezahlt. Ausserdem stellte ich fest, dass viele gar nicht auf das Spiel achteten, sondern sich angeregt über irgendetwas ganz anderes unterhielten. Kinder spielten auf den Rängen.

Tyresö tat nur noch das Notwendige um das Spiel zu kontrollieren und alle Djurgårdenversuche wurden im Keim erstickt. Dazu auf beiden Seiten zahllose Fehlpässe und unzählige Einwürfe weil der Ball ständig ins Aus gebolzt wurde. Katrin Schmidt erbarmte sich in der 76. Minute des Publikums und spielte zwei Gegnerinnen aus und schob das Leder hinter Gugga zum 3:0 ins Tor. Wenigstens etwas.

Nun liegt der Aufstreber vier Punkte hinter dem Führungsduo, bestehend aus Malmö und Umeå. Allerdings ist das Offensivspiel zu einförmig, um die Topteams wirklich schlagen zu können. Immer lange Bälle auf Josefine Öqvist, die dann ihren Gegnerinnen wegsprinten soll. Und in der Mitte wird Madelaine Edlund gesucht, die sich durchtanken kann. Das ist gut und reicht für die meisten Gegner, aber nicht für die Goldmedaille. Kirsten van de Ven ist eine exzellente Offensivspielerin, sie kommt aber im Tyresö 2011 immer nur ganz kurzfristig zur Geltung, hat eigentlich keine wesentliche Rolle mehr wie vergangenes Jahr, als Öqvist noch nicht da war. Vereinswechsel 2012?

Um wirklich um die Meisterschaft mitspielen zu können, muss das Team sich wohl doch noch einmal verstärken. Hans Löfgren träumt seit langem von Marta in Tyresö. Eine Louisa Necib im Mittelfeld würde es auch schon tun. Denn da wo Elin Ekblom Bak unbestritten rackert, sich die Hacken abläuft und ständig ihren Gegnerinnen am Trikot oder an der Hose zupft, ist das zwar gute Mittelfeldarbeit, es ist solide und nicht immer anständig, es ist aber alles andere als kreativ und überraschend. Es ist nicht brillant, sondern Maloche. Dieses Moment von Kreativität und Brillanz aber fehlt dem Spiel von Tyresö.

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