Trouble in paradise – Ärger um magicJack


Wieder mal ein Exkurs in diesem Blog. Es geht nicht um Schweden, sondern um die amerikanische Profiliga WPS. Die Dänin Johanna Rasmussen, das hat ffschweden diese Woche gemeldet, wird schon sehr bald die Fussballschuhe für Kristianstads DFF schnüren, nachdem ihr Vertrag mit magicJack aufgelöst wurde.

Wobei wir beim Thema wären. Sechs Vereine, oder sagen wir ruhig „franchises“ (Filialen) hat die Women’s Professional Soccer League in ihrer dritten Saison. Das ist nicht viel, aber im Laufe der Zeit haben sich Los Angeles Sol, St. Louis Athletics, Chicago Red Devils und FC Gold Pride schon wieder verabschiedet. Die Liga, die stets wachsen sollte, ist in ihrer dritten Saison immer noch im Zwergenstatus.

Im ersten und zweiten Jahr hatte man noch viele Ausländerinnen angeworben, die Brasilianerin Marta kam von Umeå IK und wurde zum Flaggschiff des neuen Versuchs, florierenden Profifussball in den USA aufzubauen. Die Zuschauerzahlen blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück, die Verluste waren weitaus grösser als angenommen. Investoren zogen sich zurück, hatten sich die Finger verbrannt und wollten nicht noch mehr Geld verlieren.

Im dritten Jahr fällt auf, dass in den sechs Filialen der WPS kaum noch Europäerinnen spielen. Es heisst, dass Europäerinnen den Aufwand, den man für sie betreiben muss, nicht wert sind. Viele sind wieder zurück nach Europa gekommen. Es gibt nur noch zwei Braslianerinnen bei Western New York Flash, im ersten Jahr hatte jeder Club zwei Südamerikanerinnen.

Nach der für die USA erfolgreiche WM und der Silbermedaille, nachdem die Medien in den Staaten aufmerksam geworden waren, gab es in den ersten Spielen tolle Zuschauerzahlen, erstmals waren Begegnungen ausverkauft und die Superstars Abby Wambach und Hope Solo wollte man auf einmal live im Stadion sehen.

Das sah gut aus. Aber unter der Oberfläche gärte es und diese Woche bricht der Streit offen aus.

Eigentlich wäre der für amerikanische Verhältnisse schon fast traditionsreiche Verein Washington Freedom (hier wurden die deutschen Steffi Jones und Jennifer Meier 2003 amerikanische Meisterinnen in der WUSA) im letzten Jahr auch in Konkurs gegangen.

Dann kam ein Investor. magicJack ist ein kleines Gerät mit USB-Anschluss, dass man an seinen Computer anschliessen kann. Damit kann man dann im „Voice over IP!-Verfahren in den USA telefonieren. Erfinder und Besitzer des Unternehmens ist Dan Borislow, ein 49-Jähriger Erfinder, Pferdezüchter und mittlerweile eben auch Eigentümer oder Investor eines Frauenfussballfranchiseunternehmens der WPS. Seine Tochter Kylie spielt Fussball und sicherlich auch deshalb stieg er ein, als Washington Freedom die Puste und das Geld ausging und der Club der sich zunächst magicJack’s Washington Freedom nannte, hiess dann nur noch magicJack und die Heimspiele werden längst nicht mehr in Washington, D.C. ausgetragen, das ganze Team zog um nach Boca Raton (Florida), das ist für Dan Borislow dann auch nicht mehr so weit zu den Heimspielen.

Aber die noch junge Geschichte des „Franchises“ magicJack in der WPS ist mit viel Ärger zwischen dem Eigentümer und der Liga beladen. Bereits Mitte Mai gab es eine deutliche Stellungnahme der Liga: magicJack hatte seine ersten drei Heimspiele ausgetragen, ohne einige wesentliche Grundbedingungen, auf die sich alle Franchises vertraglich verpflichtet hatten, zu erfüllen:

  • Ligasponsorenschilder wurden nicht aufgestellt
  • es gab keine Videos von den Spielen
  • Medien hatten keinen Zugang zu den Spielerinnen nach den Matches

Anne-Marie Eileraas, Generalsekretärin der WPS, erklärte: „Als Mr Borisow Anteile an Washington Freedom erwarb, hat er eine Organisation erworben, die Verpflichtungen gegenüber der Liga und ihren Besitzern hat. Die WPS hat dem Team eine Frist gegeben, Optionen und auch Hilfe angeboten, um sicherzustellen, dass die Standards der Liga erfüllt werden. Zu unserer grossen Enttäuschung ist es dem Team nicht gelungen, diese Standards zu erfüllen und statt mit den Partnern daran zu arbeiten, diese Grundvoraussetzungen zu erfüllen, hat es Mr Borisow vorgezogen, öffentliche Äusserungen zu machen, die einen fehlenden Respekt der Wahrheit gegenüber dokumentieren und die den Interessen der Liga schaden.“

Das war schon harter Tobak. Aber Mitte Juni wurde es noch unangenehmer. Da begann nämlich die Direktion der WPS Schritte zu unternehmen, um das Franchise von magicJack mit dem Ende der Saison 2011 abzuschliessen. Borisow hat beschlossen, gegen die WPS vor Gericht zu ziehen. Eine Schlammschlacht hat begonnen, unmittelbar nachdem der Frauenfussball in den USA endlich wieder einmal grössere Aufmerksamkeit bekommen hat.

Dan Borisow ist nicht nur der Besitzer der Mannschaft, er ist auch ihr Trainer. In einer E-Mail von Jennifer Hitchon von der Gewerkschaft der Spielerinnen an die WPS-Chefin Eileraas ist die Rede von Mobbing durch den Trainer, von Drohungen gegen die Spielerinnen und vielem mehr. Seinen Spielerinnen hat er per Mail verboten, Internetdienste wie Twitter aktiv zu verwenden, was ebenfalls gegen die Statuten verstösst. Im Übrigen fehle dem Millionär auch die notwendige Trainerlizenz und die Gewerkschaft fordert die WPS auf, Borislow das Coachen des Teams aufgrund zahlreicher Verstösse gegen Regeln der WPS, aber auch der FIFA zu untersagen. Den kompletten Brief der Gewerkschaft gibt es hier.

Informationen zufolge ist Superstar Hope Solo nach der WM nicht mehr nach Boca Raton zurückgekehrt, der Club hat inzwischen die Kanadierin Karine LeBlanc verpflichtet. Solo laboriert an einer Schulterverletzung, die scheinbar in Florida nicht behandelt werden kann.

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Trouble in paradise – Ärger um magicJack

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