Nicht dabei


Am Sonntag in drei Wochen beginnt in Deutschland die FIFA WM 2011. Kosovare Asllani, Anja Mittag und ich werden nicht dabei sein. Eigentlich hätten wir alle drei in unterschiedlichen Rollen einen Platz gehabt. Asllani und Mittag als Spielerinnen für Schweden und Deutschland, ich wollte das grosse Ereignis, das vermutlich bislang am besten organisierte Ereignis der Geschichte des Frauenfussballs journalistisch begleiten.

Die FIFA ist allerdings der Meinung, dass man nicht überwiegend gratis arbeiten darf, wenn man sich professionell nennen will. In Stockholm sagte mir Steffi Jones‘ rechte Hand David Noemi ich möge mich doch am besten direkt an ihn per E-Mail wenden, was die Akkreditierung angehe.

Damit hatte Noemi mich abgewimmelt, den Eindruck erweckt, da würde was gehen, er müsse das halt nur mal schriftlich haben. Die Antwort war jedoch, dass das OK keinerlei Ausnahme machen könne. Wir bedanken uns für das nette Gespräch. Na gut der Kaffee war auf OK-Rechnung gegangen, dafür hätte ich mich vielleicht bedanken sollen.

Nicht dabei bin aber nicht nur ich nicht, sondern sehr viele Freunde und Freundinnen des Frauenfussballs, die dem Sport in den letzten Jahren und sogar Jahrzehnten die Treue gehalten haben. Artikel, Interviews, Reportagen gemacht haben. Viele haben oftmals ihren Urlaub geopfert, sind zu Länderspielen oder gar Turnieren gefahren und hatten nahen Kontakt zu den Hauptdarstellerinnen des Sports. Haben ihnen stets geholfen, den Sport etwas bekannter zu machen, die Bedingungen rundherum stückchenweise zu verbessern. Sie haben Meinung gemacht, sie haben manche Sportlerinnen bekannter gemacht und sie haben das meist sehr uneigennützig getan. Natürlich hat ihnen das alles auch selbst viel gebracht und bedeutet.

Jetzt dürfen die meisten nicht dabei sein beim grossen Fest in drei Wochen. Der Frauenfussball soll sich von seiner Geschichte verabschieden und professionalisieren. Dazu gehört dann auch, den Ballast von Amateuren (unbezahlten) loszuwerden, der sich bislang bei Turnieren herumgetrieben hat.

Ob die WM wirklich den Quantensprung schafft und die vielen Journalisten, die jetzt einmal für drei Wochen über Frauenfussball schreiben werden oder solange bis das eigene Team ausscheidet, auch nachher weiter über Ligafussball berichten wird, über Turniere wie das an der Algarve, wo selten mehr als 200 Zuschauer zu sehen waren bei den Spielen, das werden wir dann sehen.

Jetzt sind alle dabei, in Deutschland haben viele Tageszeitungen viele Artikel, die taz wird eine Sonderbeilage herausgeben in der ffschweden die schwedische Nationalmannschaft vorstellen wird.

In sechs Monaten aber, da wird dann die grosse Tagespresse und auch die Äthermedien dann wieder eines sein  nicht dabei, wenn Bad Neuenahr und Freiburg gegeneinander spielen und wenn in Schweden Silly Season ist und man allenthalben neue Teams zusammenstellt.

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2 Gedanken zu „Nicht dabei

  1. Das ist wirklich schade!

    Dann sollen sie Euch doch einfach bezahlen? Gibt es denn schon zu viele Journalisten oder wie?

    Ich habe die gleiche Meinung wie du in Bezug auf nach der WM. Vielleicht bleibt ein bisschen mehr hängen was die alltägliche Berichterstattung angeht, aber das wird nicht viel sein. Solange nur ein paar hundert Zuschauer zu den Bundesligaspielen kommen, gibt es auch nicht viel Medieninteresse. Und dann sind wieder die unbezahlten Journalisten gut genug.

    Der Markus Juchem/Nora Kruse von womensoccer.de, ist der dabei? Soviel ich weiss, schreibt er gelegentlich was für die uefa.

  2. Danke Rainer,

    du sprichst wahrscheinlich vielen aus der Seele.

    Uns geht es nicht wirklich anders, aber immerhin haben es bei uns 2 Leute geschafft bei diesem Event dabei zu sein. Aber es ist richtig, in wenigen Wochen, wenn alles vorbei ist, wird der FF in Deutschland und auch anderswo wieder ein tristes Dasein führen und dann ist man wieder froh über die Leute die so verrückt sind und sich Woche für Woche und bei Wind und Wetter an der Seitenlinie aufhalten und das machen wofür sie schon lange arbeiten: Den Frauenfussball in die Medien zu bringen.

    Es ist eine Schande und ein Genickschlag für alle, die so viel ihrer privaten Zeit opfern. Jetzt sitzen da haufenweise Stümper, die noch nicht einmal die Namen der Spielerinnen kennen.

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