Schweden 2014: Die Lage im Januar

In 98 Tagen beginnt die neue Saison der Damallsvenskan. Sollte das Wetter so bleiben, wie es derzeit in Süd- und Mittelschweden ist, nämlich schneefrei und außergewöhnlich mild, könnte es erstmals seit vielen Jahren, eine Vorsaison geben, in der z.B. in Stockholm sogar relativ problemlos draußen trainiert werden kann.

Was hat sich bis dato getan in den 12 Vereinen der ersten Liga? Was machen die Absteiger, welche Entwicklungen gibt es in der zweiten Liga?

Das Transferfenster ist geöffnet und mit Sicherheit wird sich der Kader hier und dort noch verändern. Einige Teams sind mehr aktiv gewesen als andere. Hier ist der Zwischenstand und die Vereine sind so sortiert, wie sie nach heutigem Stand und meiner Meinung abschneiden würden, wenn die Saison nächste Woche beginnen würde.

1. FC Rosengård

Nach der zweiten Umbenennung des einstigen Frauenteams von Malmö FF steht der Meister von 2013 mit neuem Sponsor im Rücken äußerst stark da. Die Vereinsführung und Sportchef Niclas Carlnén haben die Strategie, Spielerinnen möglichst langfristig an den Verein zu binden und auch primär nur solche Spielerinnen anzuwerben, die zum Verein und zur Mannschaft passen.

Scouting war schon immer eine Stärke Malmös in den letzten Jahren. Das beste Beispiel hierfür die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, die mittlerweile Schlüsselspielerin ist. Bei Annika Kukkonen und Katrine Veje hat man sich aber doch offenbar verrechnet. Kukkonen wechselte bereits vorletztes Jahr und Veje musste jetzt gehen, über den Öresund nach Kopenhagen. Auch die Kolumbianerin Yoreli Rincon hat es nicht geschafft, sie war bei Aufsteiger Eskilstuna im Gespräch, hat aber noch keinen neuen Verein. Ihre technischen Finessen konnten nicht die physischen Mängel überdecken.

Mit Kapitänin Malin Levenstad hat eine Führungsspielerin den Verein verlassen. Sie ist zwar nur sechs Monate an Aufsteiger AIK ausgeliehen, aber es ist nicht anzunehmen, dass sie zurückkehrt. Als Innenverteidigerin fehlt es ihr letztlich auch an der internationalen Klasse, die man braucht, um die Champions League zu gewinnen.

Sowohl gegen Olympique Lyon im März 2013 wie gegen den VfL Wolfsburg im Spätherbst war man letztlich chancenlos. Gegen Wolfsburg zwar glücklos, aber eben nach 180 Minuten erfolglos. Um den nächsten Schritt auch international zu machen, holte man sich mit der robusten und spielintelligenten Engländerin Anita Asante eine Spielerin, die nicht nur die Champions League bereits mit dem FC Arsenal gewonnen hat und über große internationale Erfahrung verfügt, sondern auch jemanden, der multifunktionell einsetzbar ist: sowohl im Zentrum der Abwehr wie auch im zentralen defensiven Mittelfeld.

Der Abgang von Manon Melis zum angeblich wesentlich besser zahlenden Ligakonkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC könnte die Südschweden mehr schwächen, als man das gemeinhin erwartet. Im erfolgreichen Herbst, in dem Malmö letztlich den Spieß umdrehte und Tyresö den Titel mit deutlichem Abstand wegschnappte, war es immer wieder Melis im Zusammenspiel mit Veteranin Therese Sjögran, die entscheidende Tore schoss.

Man hat jedoch mit Melis’ Landsfrau Kirsten van de Ven von Gegenspieler Tyresö eine äußerst ehrgeizige Flügelflitzerin mit hoher Sozialkompetenz geholt. 2014 müsste aber auch die Saison von Megatalent Elin Rubensson werden, falls nicht, würde ich der 20-Jährigen raten, sich einen neuen Verein zu suchen, um ihre Begabung nicht zu verschwenden.

Rosengård ist erster Anwärter auf den Meistertitel im neuen Jahr. Der Konkurrent Nummer eins derzeit ist meiner Meinung nach

2. Linköpings FC

Zampano Anders Mäki und Trainer Martin Sjögren haben in Linköping schon letztes Jahr ein kleines Meisterstück vollbracht. Mit Nilla Fischer gab man die teuerste Spielerin mitten in der Saison an den VfL Wolfsburg ab und man merkte es nicht. Denn Linköping siegte sich souverän durch den Herbst und das mit einem äußerst jungen Team, das man auch noch verstärkt hat für dieses Jahr.

Vor zwei Jahren sollte es noch das Geld und die erfahrenen Spielerinnen machen. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer und andere tummelten sich in der 100.000-Einwohnerstadt, anderthalb Zugstunden südlich von Stockholm und das Experiment ging in die Hose. Trainer Jörgen Pettersson (vor Sjögren Trainer in Malmö) ging und Sjögren kam, das hatte es genauso schon in Malmö gegeben. Sjögren holte dann auf Anhieb den Titel.

In Linköping schaffte er das zwar nicht, aber sowohl Rosengård wie auch Tyresö haben mit Sicherheit gehörigen Respekt vor den Blauen.

Mäki und Sjögren “sammeln” offenbar U19-Europameisterinnen. Aus der Mannschaft die 2012 in der Türkei für Schweden Gold holte, spielen jetzt vier in Linköping, nachdem man sich von Jitex Fridolina Rolfö für das offensive Mittelfeld gesichert hat. Sofia Lundgren wird ihre Karriere als Torhüterin wohl nach einem Bandscheibenvorfall beenden. Aufgrund der Ungewissheit ihrer sportlichen Zukunft hatte man der 32-Jährigen auch keinen neuen Vertrag mehr angeboten und sich schließlich die Amerikanerin Katie Fraine von Absteiger Mallbacken geholt. Möglicherweise ist Fraine die beste Torhüterin der Liga. Sollte es der Niederländerin Renée Slegers im Mittelfeld nochmals gelingen, das fortzusetzen, was sie in der zweiten Saisonhälfte geboten hat und Welttalent Pernille Harder sich so weiterentwickeln wie anzunehmen ist, dann ist die Quali für die Champions League im Bereich des Möglichen für Linköping.

3. Tyresö FF

Eine Personalpolitik, die ich nicht verstehe. Fünf Amerikanerinnen hat der Verein um den ehemaligen Assistenztrainer der USA, Tony Gustavsson, geholt. Alle fünf müssen nun spätestens Anfang Juni gehen. Die vielen Wechsel in der zweiten Jahreshälfte 2013 und die Verletzung von Marta haben Tyresö den Titel gekostet und mit dem, was vermutlich nun wieder ansteht, neue Spielerinnen, die sich schnellstens akklimatisieren sollen, wird man es wieder nicht schaffen. Kann es sein, dass sich Fädenzieher Hasse Löfgren zurückzieht, wenn er sein 2006 definiertes Ziel Champions League erreicht hat. Auch die Verträge von Caroline Seger, Vero Boquete und Marta laufen im Juni aus, die Saison geht aber bis Ende Oktober. Mit soviel Unstetigkeit wird nicht mehr als Platz 3 drin sein.

4. Umeå IK

Der neue Trainer Jonas WIkström findet eine reformierte Organisation vor und eine starke Truppe. Umeå musste einsehen, dass die finanziellen Abenteuer des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts nicht mehr möglich waren. Man gab die Devise aus, dass man nun auf einheimische Talente setzen würde.

Umeå steht heute in der Tat da mit sechs Spielerinnen, die entweder in der schwedischen Nationalmannschaft spielen oder aber Lehrgänge bei Pia Sundhage besucht haben. Lina Hurtig ist eines der größten Talente im Lande, von ihr dürfte man sehr viel hören in diesem Jahr. Hanna Folkesson im zentralen Mittelfeld ist eine Arbeitsbiene, die ihresgleichen sucht und wenn Kapitänin Emma Berglund nun nach überstandener Kreuzband-Reha wieder in der Inenverteidigung spielten wird, dann hat Umeå eine äußerst starke zentrale Linie.

5. Vittsjö GIK

Der aus Finnland nach Südschweden ausgewanderte Calevi Hämäläinen stellt mit seinem Unternehmen Wiwood Spanplatten her. Da er aber auch noch fußballverrückt ist, sponsort er den örtlichen Frauenfußballverein Vittsjö GIK. In der ersten Saison noch sensationell guter Aufsteiger hatte man vergangenes Jahr das verflixte zweite Jahr, bedingt unter anderem durch mehrere Verletzungen, kriegte am Ende aber doch noch die Kurve. Für 2014 hat man sich bestens verstärkt.

Göteborg schnappte den Kleinstädtern die holländische Torhüterin Loes Geurts weg. Dafür holte man sich die bessere Minna Meriluoto, ein Gewinn für Vittsjö. Ebenso ist die Schottin Hayley Lauder von Absteiger Mallbacken ein Gewinn. Mit der wohl endlich wieder genesenen Ifeoma Dieke und Goalgetterin Jane Ross bildet Lauder ein schottisches Trio in Skåne.

 

6. KIF Örebro

Lediglich Umeås nigerianisches Mittelfeldas Ogonna Chukwudi steht auf der Liste der Neuzugänge. Im Kader hat sich wenig getan und wenn, wie anzunehmen, die tschechischen Zwillinge Lucia und Irene Martinkova eine weitere Saison in Närke absolvieren, dann sollte einem Platz in der oberen Hälfte nichts entgegen stehen.

 

7. Kopparberg/Göteborgs FC

Die Zwillinge Hammarström haben aufgehört. Olivia Schough geht zum FC Bayern, Yael Averbuch und Anita Asante sind weg – und statt Torbjörn Nilsson sitzt Stefan Rehn auf der Bank, den man vom Lokalkonkurrenten Jitex wegholte. Göteborg hat mehr abgegeben an Kompetenz als es sich bislang geholt hat. Manon Melis steht auf der Habenseite, aber die anderen Neuverstärkungen sind eher solide als überragend. Holländerinnen sind im Gespräch in Göteborg, unter ihnen die Duisburgerin Lieke Martens. Seit mehreren Jahren verspricht Sponsor und Klubboss Peter Bronsman, dass Göteborg sich wieder ganz nach oben orientiert. Aber bislang ist das noch nicht passiert. Eine Melis macht noch keinen Sommer.

 

8. Piteå IF

Nach Jahren mit ausländischen Torfrauen versucht man es endlich mal mit einer einheimischen: Hilda Carlén ist in zwei Schritten von Malmö über Hammarby (Stockholm) nach Norden gezogen.

Das solide Gerüst mit Faith Ikidi in der Abwehr steht. Nach vorne gibt es mit den jungen Schwedinnen Pauline Hammarlund und Jennifer Egelryd zwei interessante Neuverstärkungen, die beide via Tyresö gekommen sind, aktuell aber jetzt aus Linköping und Uppsala.

 

9. Kristianstads DFF

Im Kader von Elisabet Gunnarsdottir, der seit Jahren einzigen Frau auf einer erstklassigen Trainerbank, hat sich kaum etwas getan bisher. Viel weiter nach oben wird es deshalb auch nicht gehen, auch wenn Gunnarsdottir möglicherweise wieder die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben wird. Aber ich bin sicher, dass sich hier das Karussell noch drehen wird.

 

10. Eskilstuna United

Der Aufsteiger wird seine erste Saison im Oberhaus spielen und dank der Geldspritze eines lokalen Sponsors, der umgerechnet 280 000 Euro zuschießt, sollte es auch gehen, das Experiment Damallsvenskan.

Ein schönes Stadion am Tunavallen, Sara Thunebro als vermutete Spielführerin und vorne soll die Kamerunerin Gaelle Enganamouit für Furore sorgen, neben der in Malmö einst ausgesiebten Felicia Karlsson.

Das sollte reichen für Jahr 1.

 

11. AIK

Mit Malin Levenstad und Maija Saari hat man sich ein routiniertes Paar in der Innenverteidigung geholt. Aber ist Saari wieder fit nach ihrem Kreuzbandriss, der sie die EM-Teilnahme kostete? Und kann die talentierte, aber verletzungsanfällige Sarah Storck vorne wirklich die Tore machen, die man braucht, um in Liga 1 zu bleiben? Zweifelhaft.

 

12. Jitex BK

In Mölndal im südlichen Göteborg haben sie letztes Jahr versucht, der sturen Gemeinde die Schuld an der Finanzmisere zu geben. Aus Spielerinnenkreisen weiß ich jedoch, dass die Organisation des Vereins viel zu wünschen übrig lässt. Das erklärt die Abgänge von insgesamt 12 Spielerinnen (!`), ein Exodus, den normalerweise nur ein Absteiger erlebt.

Elf neue Spielerinnen hat man jetzt geholt, von denen aber keine (!) aus der Damallsvenskan kommt. Eine aus Island und eine aus Kanada. Neun abewr aus der zweiten Liga Elitettan, durchaus Talente darunter wie Filippa Curmark. Aber das wird vorn und hinten nicht reichen und Jitex wird durchgereicht nach unten

Göteborg nach Nilsson

Wird Olivia Schough 2014 einer der letzten Stars in Göteborg sein?

Wird Olivia Schough 2014 einer der letzten Stars in Göteborg sein?

Torbjörn Nilsson hat Kopparberg/Göteborgs FC nach sechs Jahren verlassen, mit Stefan Rehn übernimmt ein weiterer, ehemaliger Spieler des IFK Göteborg der Stadt bestes Frauenteam.

Aber wohin geht die Reise? Zweimal holte Nilsson den Pokal, dieses Jahr noch den Supercup nach einem dramatischen Elfmeterschießen in Tyresö. Der Vorsitzende des Vereins, Peter Bronsman, ist gleichzeitig Boss des erfolgreichen Brauereiunternehmens Kopparberg. War mal Weltmarktführer im Export von Cider. Gelder sind vorhanden.

Aber sie werden nicht notwendigerweise in den Verein investiert. Das ist bestenfalls halbherzig, was man an der Westküste macht. Torbjörn Nilsson wurde versprochen, dass man investieren würde, um mit Tyresö und Malmö mitzuhalten, um ihn zu einer Unterschrift unter einen 2-Jahresvertrag zu bewegen.

Christen Press war eine Neuverpflichtung, die viele 2012 nicht kannte, die aber in der Liga für Furore sorgte und entscheidend beitrug, dass Göteborg auch im vergangenen Jahr noch zumindest zeitweise mithalten konnte mit den beiden Giganten der Liga.

Aber wie schon Nationalspielerin Olivia Schough mir vor wenigen Wochen in Tyresö frustriert nach dem 1:4 sagte: “Wir haben einfach keine Breite im Kader. Wir sind zu wenige.” Manchmal saßen bei Göteborg nur drei Spielerinnen auf der Bank bei Auswärtsspielen und manchmal war eine davon noch die längst zurückgetretene Jane Törnqvist. 

Nun geht mit Anita Asante der letzte Star und in einem Interview mit der Zeitung Expressen sagten die beiden Nationalspielerinnen Kristin und Marie Hammarström, dass sie nicht mehr hinterherlaufen wollen. Sie verlangen Investitionen oder aber sie überlegen, ihre Karrieren zu beenden.

Bronsman sagt, dass Asante gegangen sei, weil sie unbedingt Champions League spielen wollte. Die Engländerin ist jedoch weit klüger. Mir sagte sie in Göteborg, dass der Entschluss Göteborg zu verlassen aufkeimte, als der Verein Christen Press mehr oder weniger sang- und klanglos von Tyresö abwerben ließ. Anita verstand, dass Göteborg nicht mehr mit den beiden Topteams mithalten wollte oder konnte.

Yael Averbuch wird mit ziemlicher Sicherheit 2014 wieder in der NWSL spielen. Damit geht eine weitere wichtige Spielerin. Mit Cathrine Dyngvold und Jessica Landström wurden zwei Spielerinnen verpflichtet, die nicht ansatzweise das brachten, was man sich erhofft hatte. Und die mitten in der Saison unter merkwürdigen Umständen verpflichtete Andrine Hegerberg besitzt nicht entfernt die Schnelligkeit ihrer kleinen Schwester Ada, ist für einen Topverein viel zu langsam.

Wird Göteborg investieren?

“Einfache Antwort, ja. Wir werden in der nächsten Saison ein größeres Spielerinnenbudget haben, aber wir werden nicht unsere finanzielle Basis gefährden. Stefan wird jetzt besonders wichtig, da er die Spielerinnen finden muss, die er haben will. Gleichzeitig soll er einen Kern aufbauen, der schon in der Mannschaft ist. Wir werden auch längerfristige Verträge mit Spielerinnen machen,” sagt Bronsman, der bislang lediglich 1-Jahresverträge mit allen Spielerinnen abschloss. Ausnahmen waren Asante und Averbuch, die jeweils 1,5 Jahre bekamen, weil sie mitten in einer Saison kamen.

Versprochen haben Sportchefs und Präsidenten von Frauenfußballvereinen schon sehr viel, seit ich den Sport verfolge, aber selten wurde das letztlich auch umgesetzt. In Göteborg jedenfalls steht ein enormer Wechsel an vor der kommenden Saison.

Die letzte Runde – Damallsvenskan 2013

Tanz zwischen Göteborg und Sunnanå

Tanz zwischen Göteborg und Sunnanå

Die Saison ist vorbei, zumindest für die Clubs zwischen Platz 3-12. Lediglich Meister LdB FC Malmö und Tyresö FF spielen noch in der Champions League gegen den VfL Wolfsburg und Fortund Hjørring.

Und wie so oft haben letzte Spieltage ihre eigenen Ergebnisse.

In Mallbacken, beim Tabellenvorletzten durften heute Anja Mittag & Co. den Meisterpokal in Empfang nehmen. Mallbacken steigt ab, aber auf dem sehr speziellen Strandvallen in den värmländischen Wäldern, zu dem nur eine Schotterpiste führt, haben die besten drei Teams des Jahres alle Punkte gelassen. Auch Malmö lag zurück, konnte durch Mittag ausgleichen, beim 1:1 blieb es.

Tyresö trat nach der Abwehrschlacht von Paris am Mittwoch beim Tabellendritten Linköping ohne seine Amerikanerinnen Ashlyn Harris, Meghan Klingenberg, Ali Krieger und Christen Press an, ließ darüber hinaus noch Marta zu Hause und Vero Boquete auf der Bank. Die immer noch ganz ordentliche Elf, die dann auf Seriensieger Linköping traf, verlor am Ende deutlich mit 1:4, was den Vorsprung Malmös in der Abschlusstabelle auf sieben Punkte anwachsen ließ.

Selber war ich nach einem Wochenende auf einer Deutschlehrertagung in Göteborg und ging heute Nachmittag zum Valhalla IP, einer älteren Sportanlage unweit des Scandinaviums und sah das letzte Spiel von Torbjörn Nilsson als Trainer. Göteborg spielte gegen den Tabellenletzten Sunnanå, gewann mit 3:0 und beendet die Saison zwar als Vierter, aber unzufrieden mit einem riesigen Abstand zu Meister Malmö. In der zweiten Halbzeit unterhielt ich mich lange mit der englischen Nationalspielerin Anita Asante, die dem Spiel auf Krücken beiwohnte. Anita hat sich im Training einen Knochen im Fuß gebrochen. Gemeinhin wird erwartet, dass die 28-Jährige im kommenden Jahr für Meister Malmö spielen wird. Sie gab mir zwar keine 100%-ige Antwort auf die Frage nach dem Vereinswechsel, aber sagte, dass die meisten in Göteborg nicht damit rechnen würden, dass sie auch 2014 für Göteborg spielen würde. Immer ein Vergnügen, mit der Londonerin zu reden, die tiefe Einsichten und Analysen hat und die ihren Weg zielstrebig und konsequent gegangen ist. Mehr zum englischen Fußball und Anita Asante in einigen Wochen, wenn mein England-Artikel, mit dem ich mich schon gut fünf Monate beschäftigt habe, endlich fertig ist.

Umeå schlug Kristianstad mit 3:1 und sicherte sich damit doch noch Rang fünf und fing KIF Örebro am letzten Spieltag ab. Auch hier verabschiedet man sich von einem Trainer. Joakim Blomqvist verlässt Umeå IK, wie Torbjörn Nilsson mit einem Sieg. Trotz einer mehr als enttäuschenden Saison wird aber Elisabet Gunnarsdottir wohl auf der Bank von Kristianstad sitzen bleiben. Sie, die eigentlih Meister werden wollte mit KDFF, beendet die Saison somit auf Rang 9.

Örebro gab Rang fünf in der letzten Runde ab, nicht unerwartet gewann ein zum Schluss der Saison stabil spielendes Vittsjö GIK mit 3:0.

Und Jitex verabschiedete sich von Trainer Stefan Rehn, der nun doch Nilssons nachfolger beim Lokalrivalen Göteborg wird. Ob Rehn der Richtige ist, bleibt abzuwarten. Symptomatisch, dass er nicht mit einem Sieg geht, sondern mit einem schmeichelhaften Unentschieden, dass Mimmi Löfwenius erst in der 88. Minute rettete. 1:1 gegen Piteå.

Stefan Rehn wird Nachfolger von Torbjörn Nilsson in Göteborg

Jitex hat bis zuletzt behauptet, dass es seinen Trainer Stefan Rehn nicht aus dem laufenden Vertrag freigeben wird. Das Gerücht, dass Rehn Nachfolger des bei Kopparberg/Göteborgs zurückgetretenen Torbjörn Nilsson werden würde, sei ein Gerücht und nicht mehr.

Rehn unterschrieb einen 3-Jahresvertrag und Sportchef Lasse Svensson schrieb auf der Homepage des Vereins: “Wir bekommen einen sehr renommierten und erfahrenen Trainer, der unter anderem den IFK Göteborg trainiert hat und eine schwedische Meisterschaft gewonnen hat. Jetzt hoffen wir, dass Stefan KGFC wieder an die Spitze der Damallsvenskan führen wird und damit auch erneut in die Champions League, was unser Ziel ist.”

Allerdings dürfte Rehn ebensowenig wie Nilsson den Verein in die Champions League führen, wenn man seinen Spielerkader nicht entsprechend aufrüstet, damit man in de4r Lage ist, Tyresö und Malmö wirklich Konkurrenz zu machen,

Jitex verliert Rolfö und Rehn

Nachdem man durch das 1:0 über Kristianstad am Sonntag wohl den Klassenerhalt gesichert hat, verliert Jitex in der kommenden Saison zwei wichtige Persönlichkeiten.

Wie die Zeitung Expressen meldet, geht U19-Europameisterin (von 2012) Fridolina Rolfö kommende Saison zu Linköpings FC und leistet dort ihren Jahrgangsgenossinnen Lina Ringshamre, Jennie Nordin, Pauline Hammarlund und Magdalena Ericsson Gesellschaft. Keine Frage: Ein wichtiger und auch richtiger Schritt für die talentierte offensive Mittelfeldspielerin und Stürmerin. Ihre Verpflichtung setzt ein weiteres Fragezeichen hinter den Verbleib von Linda Sällström, deren Konkurrenz nach der zweiten Kreuzband-Reha noch größer wird.

Ja und Trainer Stefan Rehn, ehemaliger Fußballnationalspieler, soll fast mit dem Lokalrivalen Kopparberg/Göteborgs FC als Nachfolger des gestern offiziell zurückgetretenen Torbjörn Nilsson einig sein. Für den arg gebeutelten, finanziell schwachen Verein aus Mölndal ist das natürlich schon ein herber Schlag. Rehn war allerdings mit Jitex nicht sonderlich erfolgreich.

Tschüss, Torbjörn!

TorbjörnNehmen wir es gleich einmal vorweg. Der Mann hat Charisma. Mit ihm verlässt einer der sympathischsten und mit Sicherheit der erfolgreichste ehemalige Fußballprofi die Damallsvenskan.

Torbjörn Nilsson und sein Club Kopparberg/Göteborgs FC gaben heute Nachmittag gemeinsam auf der Webseite des Vereins bekannt, dass nach sechs Spielzeiten Schluss ist für ihn als Cheftrainer.

Nach einer enttäuschenden Rückrunde mit drei Siegen, einem Unentschieden und fünf Niederlagen ist die Luft raus, wie Nilsson selber klug sagte. Möglicherweise hatte er der Mannschaft nichts mehr zu geben, konnte definitiv kein Feuer mehr entzünden.

Aber Personalien fallen einem in Göteborg ein. Christen Press war die ideale Stürmerin für das Spiel Göteborgs. Als einzige Spitze hatte sie den Auftrag “in the deep” zu gehen, wie Nilsson ihr vergangenes Jahr erklärte. Nach einer akzeptablen Saison, in der man aber weder Malmö noch Göteborg gefährden konnte, ließ es die sportliche Leitung und der Vorstand zu, dass Press dem aggressiven Werbegebaren von Meister Tyresö FF nachgab und den Verein wechselte. Da lockte wohl die Champions League, das Geld und auch die eine oder andere Mitspielerin in Tyresö.

Aber es gab einen Glücksgriff. Von den Birmingham Ladies kam Jodie Taylor, für die meisten ein unbeschriebenes Blatt, eine Spielerin, die dem Nationalkader von Hope Powell in England nicht angehörte. Und Jessica Landström wollte es auch noch einmal wissen und kam von Absteiger Djurgården.

Taylor schlug ein wie eine Bombe. Zehn Tore in zehn Spielen, ein perfekter Ersatz für Press und Taylors Erfolg war gleich mit Landströms Rückkehr auf die Bank – wie schon in Frankfurt. Jodie Taylor war schnell, schussstark, konnte das Spiel lesen und nutzte ihre Chancen. Und wurde nicht für die EURO nominiert. Eine Fehlentscheidung von Powell wie so viele andere, die dann zum kläglichen Ausscheiden Englands bei der EURO führten und zu Powells Abschied nach mehr als 15 Jahren an der Macht im englischen Frauenfußball. Jodie Taylor haute ab. Nach Hause. Sie sagte, sie habe so viel investiert, um in die Nationalmannschaft zu kommen, habe ihr Zuhause, ihre Freunde, sogar eine Beziehung aufgegeben dafür. Zu viel. Torbjörn Nilsson sagte, dass man jemanden, dem es so schlecht wie Taylor gehe, nicht aufhalten könne.

Da blieben Cathrine Dyngvold, Jessica Landström und Olivia Schough. Aber keine konnte Taylor ersetzen. Schough ist ein Wirbelwind auf den Außenpositionen, aber sie ist kein Goalgetter. Jessica Landström fehlt die Technik und Cathrine Dyngvold ist zu langsam. Und so holte man eine Spielerin, die in puncto Schnelligkeit angeblich auch noch nachlegen muss: Andrine Hegerberg und die Art wie dieser Wechsel zustande kam, mit Abschied ohne sich zu verabschieden, einem Testspiel, von dem der alte Verein Turbine Potsdam nichts wusste und einer Bitte um Freigabe 24 Stunden bevor das Transferfenster schloss, war schon kein gutes Zeichen. Am Samstag kann ich mir das alles noch einmal anschauen, dann gastiert Göteborg nach drei Niederlagen in Serie bei Tyresö.

Der Kader von Göteborg besteht nach wie vor aus 15-16 Spielerinnen, zu wenig, um an der Spitze mithalten zu können. In Tyresö sitzen derzeit Sara Thunebro, Kirsten van de Ven, Jennifer Hermoso Fuentes und Malin Diaz auf der Bank und nach der Ankunft Whitney Engens letzte Woche wird wieder eine geopfert werden müssen, möglicherweise Nationalspielerin Linda Sembrandt.

In Göteborg sitzt Jane Törnqvist (ja, genau die) offiziell zumindest auf der Bank, meist jedoch auf der Tribüne. Und unten zwei junge Spielerinnen und Landström.

Sponsor Peter Bronsman hatte Nilsson versprochen, dass der Club investiert, dass man mithalten wolle mit Tyresö und Malmö. Aber er hat seine Millionen dann doch lieber im Tresor gelassen. Das ist schon ein wenig unfair, denn wie ich es verstanden habe, hatte Nilsson gerade unter der Prämisse der Verstärkung für zwei Jahre unterschrieben, von denen er sich nun eines sparen wird.

Ich werde ihn vermissen, den verschmitzten Gentleman, den Mann, der seinerzeit seinen IFK Göteborg zum UEFA-Pokalsieg schoss, im Finale gegen den Hamburger SV. Den Mann, der seine Spielerinnen auch schon mal Samstagabend anrufen konnte, um zu hören wie es ihnen ging. Linnéa Liljegärd hat mir das einmal erzählt. “Das kann schon mal nerven,” sagte sie lächelnd, “aber es ist eigentlich auch ganz schön, denn er meint es ernst.”

 

 

 

Jodie Taylor kommt wohl nicht zurück

Die schwedische Damallsvenskan verliert innerhalb weniger Tage ihren dritten klangvollen Namen. Dabei wussten nur wenige vor Beginn der Saison 2013, wer die 27-Jährige Engländerin Jodie Taylor war. Die Stürmerin kam per Ausleihe von den Birmingham Ladies und schoss in elf Spielen zehn Tore für Kopparberg/Göteborgs FC, zwei mehr als Anja Mittag und damit lag Taylor nur knapp hinter der mit 12 Treffern führenden Amerikanerin Christen Press.

Vor der EM ging Taylor zurück nach England und nun kommt sie wohl nicht mehr zurück.

“Ich würde mal sagen, dass sie zu 99,9% in England bleiben wird,” sagt Göteborgs Trainer Torbjörn Nilsson. “Wir haben ihr geschrieben und gesagt, dass sie hier herzlich willkommen ist, aber wenn es einem Menschen so schlecht geht, dann kann man ihn zu nichts zwingen,” so Nilsson weiter.

Offiziell werden familiäre Gründe für die aktuelle Situation angegeben, aber offenbar geht es Taylor selber psychisch nicht sonderlich gut. Schon während der EM hatte ich mich mit englischen Journalisten unterhalten und mich gewundert, warum eine so erfolgreiche Torschützin wie Taylor nicht im Kader einer Hope Powell sei und hatte zu hören bekommen, dass es mit Jodie Taylor nicht immer einfach sei.

In Göteborg hat man darüber diskutiert, ob Taylor ihren Vertrag widerrechtlich gebrochen hat, dazu konnte und wollte sich Torbjörn Nilsson aber nicht äußern.

“Jetzt müssen wir uns schnell nach Alternativen umsehen. Das kann schnell gehen und zur Zeit ziehen wir an vielen Strippen, aber im Moment haben wir noch niemanden”, so Nilsson weiter.

Das Transferfenster schließt am 15. August, was Göteborg also noch zehn Tage gibt. Möglicherweise kommt Jessica Landström wieder zu dem einen oder anderen Einsatz. Sie hatte sich in der Konkurrenz nicht gegen Taylor durchsetzen können und war auf der Bank gelandet, wo sie auch in Frankfurt schon ausgiebig gesessen hatte.

Malmö: Sieg im Spitzenspiel

Um das inzwischen auf 23 Punkte vorausgeeilte Tyresö auch nur annähernd gefährden zu können und die am 12.06. angesetzte Spitzenbegegnung wirklich zum Höhepunkt der Vorrunde zu machen, gab es von Beginn an keine andere Alternative für LdB FC Malmö, als gegen Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC sozusagen volle Kanne zu spielen.

Zumal man am letzten Spieltag beim 1:3 in Linköping eine peinliche Pleite hatte einstecken müssen. Malmös junger Trainer Jonas Eidevall zog eine harte personelle Konsequenz: Sündenbock und Mannschaftskapitänin Malin Levenstad ist nicht nur out im Nationalmannschaftskader von Pia Sundhage, auch Eidevall setzte seine Spielführerin auf die Bank und ließ stattdessen Amanda Ilestedt und Kathleen Radtke in der Innenverteidigung auflaufen.

Auf der Bank auch Therese Sjögran. Die 182fache Nationalspielerin wil nach Kreuzbandriss in ihrem 37. Lebensjahr noch unbedingt zur EM, aber Eidevall entschied sich abermals gegen Sjögran und gab ihr elf Minuten am Ende der Begegnung. Aber beim Expertentalk am Rande der Fernsehübertragung des Spiels gestern war herauszuhören, dass man gemeinhin doch mit einer Nominierung Sjögrans für das Spiel am 19.06. in Stockholm gegen Brasilien rechnet. Merkwürdigerweise muss man sagen, denn dass eine Spielerin, die in der Liga keine 90 Minuten spielen darf, weil andere stärker sind, nun die Personalprobleme der Nationalmannschaft lösen soll erscheint mir bei aller Leistungen Sjögrans in der Vergangenheit doch etwas zweifelhaft. Aber Johanna Almgren fällt aus für die EM und mit einem Mal fällt allen auf, dass man denselben Spielertypen, den Sofia Jakobsson, Antonia Göransson, Kosovare Asllani repräsentieren offenbar in Hülle und Fülle hat, während jemand fehle, die den Ball halten könne. Nicht gut genug für Malmös Startelf mit den acht Ausländerinnen, aber gut genug für Schweden, das Europameister werden will, ist aber trotz allem ein Paradox für mich.

Zwei Ausländerinnen herrschen in Malmös Mittelfeld und sie sorgten gestern auch für den furiosen Auftakt in den ersten 20 Minuten der Partie. Malmö druckvoll, schnell und engagiert wie noch nie in dieser Saison. Man wollte die Scharte von Linköping auswetzen, das war klar. Katrin Schmidt gewann beinahe jeden Zweikampf und zusammen mit Sara Björk Gunnarsdottir leistete sie Kärrnerarbeit. Silvia Neid liest leider nicht dieses Blog, ansonsten sollte sie schnell noch einmal nach Malmö reisen, um sich Schmidt anzusehen, die ist in Topform und eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Und Gunnarsdottir, gestern Abend trotz ihrer erst 21 Jahre Mannschaftskapiänin machte auch das 1:0 in der neunten Minute, nach einem mustergültigen Angriff und einem trockenen Schuss in die rechte Ecke von Nationalkeeperin Kristin Hammarströms Tor.

Aber Göteborg stellte um, von 4-4-2 auf 4-5-1, Fuchs Torbjörn Nilsson holte Olivia Schough zurück ins Mittelfeld und bekam so ein Gegengewicht zu Malmös bis dahin drückender Überlegenheit im zentralen Mittelfeld zustande. Schnelle Bälle auf die flinke Jodie Taylor sorgten immer wieder für Gefahr. Jessica Landström übrigens ist nun auch in Göteborg (ähnlich wie früher in Frankfurt) eine Bankspielerin geworden, sie hat auch nicht mehr (?) die Klasse, die Taylor einbringt, die technisch und läuferisch deutliche Vorteile hat.

Es gab kein zweites Tor in der ersten Halbzeit für Malmö und so bestätigten sich meine Erwartungen, dass Göteborgs Zeit nun gekommen war kurz nach dem Seitenwechsel, als Jodie Taylor wieder einmal geschickt wurde und aus halbrechter Position schoss und lobbte, ein Treffer, bei dem Islands Nationalkeeperin Thora Helgadottir wieder einmal alt aus sah. Wieder einmal, denn auch gegen Linköping hatte die Weltklassefrau nicht so ganz stabil ausgeschaut. Wütend und schuldbewusst kickte Helgadottir das Leder auch Richtung Mittellinie nach dem Ausgleich – sie hatte falsch gestanden.

Im Nachhinein  sagte Torbjörn Nilsson, das seine Mannschaft nach dem Ausgleich etwas überheblich geworden sei, man habe geglaubt, dass man nun die Punkte zwei und drei einsacken würde und sich Leichtsinnsfehler erlaubt. Gleichzeitig weckte der Ausgleich aber auch Malmö auf. Eine gefährliche Kombination, die durch Treffer von Ramona Bachmann und Anja Mittag zum äußerst wichtigen 3:1-Heimsieg führte.

Malmö gewinnt also und in einer Woche um 19.20 Uhr kommt Meister Tyresö nach Malmö. Vor einem Jahr entschied sich in dieser Begegnung die Meisterschaft, das könnte wieder so sein, falls Tyresö in Malmö gewinnen kann. Wir aber können uns wirklich auf diese Begegnung freuen, die alle Chancen hat, zum Classico der schwedischen Frauenliga zu werden.

Noch ein wichtiges Thema, das sich im gestrigen Spiel manifestierte. 645 Zuschauer bei einem Spitzenspiel an einem schönen Vorsommerabend sind zu wenig. Viel zu wenig, obwohl das Spiel live von TV4 Sport übertragen wurde. Linda Wijkström, Generalsekretärin des Elitfföreningen Damfotboll (EFD; der Zusammenschluss aller Erst- und Zweitligavereine zur Entwicklung des Frauenfußballs) sagte dazu vor einigen Wochen, dass das wirklich bedauerlich sei, dass aber auch gleichzeitig Frauenfußball in den sozialen Medien wesentlich häufiger Thema sei als noch vor drei Jahren.

Da werden Äpfel mit Birnen oder eher noch Mandarinen verglichen, denn die Vereine haben letztlich nichts davon, dass die Zahl der Twitter- und Facebook-Nutzer weiter steigt und somit auch die Erwähnung des Sports in diesen Gratisforen. Die Spielerinnen wollen doch vor Publikum spielen und nicht vor Häusern, die in den letzten Jahren immer leerer werden. Bislang jedenfalls hat man wenig davon, dass der Frauenfußballinteressierte 2013 offenbar irgendwo mit einem Smartphone sitzt und Tormeldungen auf Twitter retweetet. Nicht nur Malmö hat Zuschauer verloren. Tyresö, das ja nicht nur den Meistertitel verteidigen will, sondern auch die Champions League 2014 in Lissabon einsacken will, hatte vor der Saison gewohnt lauthals verkündet, dass man den Zuschauerschnitt jetzt Richtung 2.000 entwickeln werde. Hans Löfgren hatte gelegentlich sogar das Gerücht gestreut, man werde zum ersten Saisonspiel in die Friends Arena (Auftragungsort des EM-Finals 2013 mit einem maximalen fassungsvermögen von rund 52.000) ausweichen. Bei drei von fünf Heimspielen gab man die offizielle Zuschauerzahl unter 1.000 an und man hat die 1.500er-Marke noch nicht überschritten. Inoffiziell sind es oft weniger Zuschauer als gemeldet, da muss es Dunkelziffern geben, das sagen alle, die regelmäßig Spiele besuchen, ob in Tyresö oder anderswo.

Das Ganze spielt sich aber eben 35 Tage vor dem ersten Spiel der EURO 2013 ab, Italien trifft in Halmstad auf Finnland. Am selben Tag wird dann Schweden gegen Dänemark in Göteborg spielen, diese Begegnung ist ausverkauft, aber meine Befürchtung ist, dass die Spiele ohne schwedische Beteiligung eher spärlich besucht werden, obwohl man offenbar und angeblich schon jetzt mehr Tickets abgesetzt hat, als ie EURO 2009 in Finnland Zuschauer hatte. Sorgenkind dabei ist die Gruppe in Linköping und Norrköping, in der Frankreich, Englan, Russland und Spanien spielen, Länder, die zumindest bislang noch keine Tradition darin haben, dass Fans ihren Mannschaften nachreisen.

Der Liga jedoch hat das Megaevent noch gar nichts gebracht, beinahe im Gegenteil. Man bleibt zu Hause und facebookt oder twittert. Im Vergleich zu 2005 haben wir mehr als 25% Zuschauer verloren.

Damallsvenskan – Mein Tipp für 2013

Heute Nachmittag geht es los, die Damallsvenskan in der EM-Saison 2013 startet mit der Begegnung zwischen KIF Örebro und Mallbacken. Morgen stehen dann weitere drei Partien auf dem Programm, bis der Spieltag am Mittwoch mit Göteborg – Linköping abgeschlossen wird.

Mein Tipp steht schon seit dem letzten Wochenende, hier ist er.

1. Tyresö FF: Das Herzschlag-Finale aus dem letzten Jahr, als Malmö alles in der Hand hatte, wird es dieses Jahr nicht geben. Tyresö hat den besten Kader, mit Abstand. Das Mittelfeld mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist lässt sich nicht toppen. Die Abwehr bleibt der schwächste Mannschaftsteil hier, aber die meisten Teams werden gar nicht viel zum Angreifen gegen Tyresö kommen. Für die Champions League jedoch muss dann 2014 aufgerüstet werden. Christen Press ist die beste Verpflichtung der ganzen Liga. Sie wird Anja Mittag dieses Jahr einen heißen Kampf um die Torjägerinnenkrone liefern.

2. LdB FC Malmö: Wie im Vorjahr Zweiter, dieses Mal aber auf Abstand. Malmö hat mit Manon Melis eine Weltklassestürmerin zurück “nach Hause” geholt, aber werden sich Mittag, Melis, Ramona Bachmann und Elin Rubensson da nicht auch auf den Füßen stehen. Wie klappt das Zusammenspiel? Kann man vor allem Bachmann-Mittag-Melis zu einer Einheit bringen mit sehr gutem Spielverständnis untereinander, kann Malmö sehr gefährlich werden. Therese Sjögran versucht ihr Comeback mit 36, in der Nationalmannschaft wohl zu spät. Wenn Yoreli Rincon (siehe Bachmann-Interview) sich akklimatisieren kann, dann kann sie mit ihrer einzigartigen Technik eins der Ausrufezeichen der Saison werden. Schwäche: Wie bei Tyresö die Abwehr. Zwar sind Lina Nilsson, Malin Levenstad und Amanda Ilestedt Nationalspielerinnen und auch Ali Riley für Neuseeland, keine von ihnen ist jedoch Weltklasse. Wird interessant sein zu sehen, wie Marta, Boquete und Press mit dieser Abwehr umgehen werden,

3. Kopparberg/Göteborgs FC: Jessica Landström kam für Christen Press. Kein Ersatz. Aber die später durch Vermittlung der hervorragenden Anita Asante gekommene Britin Jodie Taylor wird Landström den Startplatz streitig machen. Schnell, physisch und kopfballstark. “Von hinten sieht sie sogar wie Press aus,” scherzte Torbjörn Nilsson, mittlerweile der dienstälteste Trainer der Liga, auf dem Medientreffen am Dienstag. Die Norwegerin Cathrine Dyngvold ist ebenfalls ein großes Talent. Mit Yael Averbuch hat Göteborg darüber hinaus eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Das sieht USA-Trainer Tom Sermanni sicher genauso, denn er hat Averbuch zurück ins USWNT geholt. Es reicht für Platz 3, leider kann sich Göteborg nicht einmischen weiter oben, wo es um die CL-Plätze geht. Da hätte Supersponsor Peter Bronsman seine Versprechung aus dem Herbst Ernst machen und etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Olivia Schough hat durch die Nominierung in die schwedische Natio einen Quantensprung gemacht.

4. Kristianstads DFF: Elisabet Gunnarsdottir arbeitet sich langsam, aber sicher nach oben. Seit fünf Jahren in Schweden strickt die charismatische Isländerin weiter an ihrer Meistermannschaft. “Ein paar Spielerinnen wollten wir nicht mehr haben,” sagte sie mir am Dienstag. In den nächsten Tagen wird KDFF, wie das Team in Kurzform genannt wird, mit einem neuen Youtube-Video von sich reden machen. “Hast du Regie geführt?” fragte ich die 36-Jährige. “Darauf kannst du Gift nehmen,” sagte sie. Offensiv sieht das sensationell aus. Josefine Öqvist gibt in zwei Wochen ihr Comeback nach Babypause, das meiner Meinung nach größte schwedische Fußballtalent seit ?, Marija Banusic, wird für Furore sorgen, wenn sie auf dem Teppich bleibt. Und Beta wies mich darauf hin, dass bald dem 90-Minuten-Einsatz von Margret Lara Vidarsdottir nichts mehr im Wege stehen wird. Beta glaubt an Margret und sieht ihre Rolle hinter Öqvist und Banusic. Und dann gibt es noch die starke Dänin Johanna Rasmussen. Nationaltorfrau Hedvig Lindahl ist nach ihrem Kreuzbandriss wieder voll im Training und wird im Mai wieder der Trainerin zur Verfügung stehen, sagt sie selber. Das kann weit reichen…

5. Linköpings FC: Voriges Jahr wollten sie mit der Brechstange nach oben. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer… Es ging in die Hose, es gab finanzielle Probleme und geblieben ist erst mal nur Fischer. Geholt hat der unter der Saison gekommene Malmöer Meistertrainer Martin Sjögren aber sehr interessante junge Spielerinnen: U19-Europameisterinnen Magdalena Eriksson und Jennie Nordin für die Abwehr und vorne nach Banusic und Umeås Lina Hurtig wohl das dritte große Talent in der Offfensive: die noch 16-Jährige Stina Blackstenius, die in den Vorbereitungsspielen im Prinzip in jedem Spiel getroffen hat. Leider hat sich Finnlands Rakete Linda Sällström den zweiten Kreuzbandriss innerhalb eines Jahres im gleichen Knie eingefangen , was den Verdacht nahelegt, dass da was falsch gemacht wurde… Im Mittelfeld und offensiv wird die Dänin Pernille Harder der Star. Ich halte Harder ohnehin für eine der begabtesten Spielerinnen Nordeuropas. Charlotte Rohlin ist zurück, mal sehen. Nilla Fischer soll Mittelfeld spielen, sagt Sjögren, entgegen Pia Sundhages ausdrücklichem Wunsch, dass sie auch im Verein in der Abwehr spielen solle.

6. Umeå IK: Ich habe Umeå in Tyresö gesehen in der Vorbereitung (1:1) und hatte wieder mal einen sehr positiven Eindruck von Joakim Blomquists Team. Sein drittes Jahr, der Psychologe tut Umeå gut. Emma Berglund steuert die Abwehr, im Mittelfeld ist man mit Hanna Folkesson enorm verstärkt im zentralen Bereich. Nach oben (1-5) fällt die Offensive trotz Hurtig etwas ab, daher nur Platz 6, denn es wird auch wieder die Downs des letzten Jahres geben, auch wenn man jetzt mit Katrin Jonsdottir Routine in die Abwehr geholt hat.

7. Piteå IF: Anna Westerlund sagte mir (siehe Interview mit ihr) am Dienstag, dass man den achten Platz des Vorjahres unbedingt verbessern wolle. Aber wegen der starken Konkurrenz springt nicht mehr als ein Platz heraus. Ein sehr internationales Team, angefangen bei der australischen Torfrau Lydia Williams, im zweiten Jahr, aber eigentlich neu, da sie sich direkt im ersten Spiel 2012 einen Kreuzbandriss zuzog. Aufgehört bei der neuen nigerianischen Stürmerin Francesca Ordega, die sich sicher erst akklimatisieren muss. In der Abwehr ist Faith Ikidi eine Bank. Ein solides Team mit gutem Publikum.

8. Sunnanå SK: Vielleicht zu optimistisch getippt. Aber der Aufsteiger hat große Tradition in der Damallsvenskan und hat sich auch gut verstärkt. Susanne Nilsson im Tor ist wohl die beste schwedische Torfrau unter 30 (leider hat das Pia Sundhage noch nicht verstanden, Eile ist geboten, da Nilsson auch einen serbischen Pass hat) und mit Annika Kukkonen ist eine hart arbeitende zentrale Mittelfeldspielerin dazu gekommen. Die unverwüstliche und großartige Perpetua Nkwocha wird auch mit 37Jahren noch starke Akzente setzen. Und Carina Holmberg ist Nationalspielerin geworden, sie war schon immer gut, aber diese Nominierung hat ihr sicher noch zusätzlich Flügel verliehen.

9. Vittsjö GIK: Das zweite Jahr ist immer schwieriger als das erste, heißt es, wenn es einem Aufsteiger gelingt, sich in der Liga zu halten… Das klingt gemein, ist aber oft so. Leider hat die starke Amerikanerin Danesha Adams Vittsjö Richtung NWSL verlassen, aber dafür ist mit der Schottin Jane Ross gleichwertiger Ersatz gekommen, sagen die Trainer. Immerhin ist Kendall Fletcher geblieben und wenn es Ifeoma Dieke nach ihrem Kreuzbandriss wieder gelingt, die Vorjahresform zu erreichen und auch noch Sofie Andersson ihre sensationelle Hinrunde wiederholen kann… Ein bisschen zu viel wenn, um weiter oben zu landen, aber Vittsjö wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen.

10. Jitex BK: Leider. Das versprochene Stadion wird erst gegen Sommer fertig, anders als versprochen und nun müssen die ersten Heimspiele in Lindome gespielt werden, weit vom Schuss, vermutlich vor allem vor Freunden und Verwandten. Ein robustes, physisches Team mit zwei großen schwedischen Talenten, an die ich glaube: Fridolina Rolfö und Mimmi Löfwenius. Eine exzellente Torhüterin mit der Finnin Minna Meriluoto. Wenn Annica Sjölund nach ihrem Kreuzbandriss wieder zurückfindet, dann kann es besser als Rang 10 werden, aber die Konkurrenz ist stark.

11. KIF Örebro: Nochmal leider. Sie haben sich verstärkt mit dem tschechischen Zwillingspaar Lucie und Irene Martinkova, aber sie haben Marie Hammarström verloren, die wohl zentrale Spielerin des gesamten Teams. Das wird ihnen zu schaffen machen, ebenso, dass Edda Gardarsdottir, die hart schuftende Mittelfeldspielerin, mit ihrer Freundin Olina Vidarsdottir nach London gegangen ist. Sarah Michael kann an ihren guten Tagen Weltklasse sein. Örebro wird einige dieser Tage brauchen, um sich in der Liga zu halten.

12. Mallbacken: Wenn schon der eigene Trainer sagt, dass man einen äußerst dünnen Kader und auch schmale Ressourcen hat… Es gibt diese Überraschungsaufsteiger, die selber davon überrascht werden, auf einmal (wieder) in der ersten Liga zu sein. Wenn man dann nicht investieren kann, muss man auch mit dem Schlimmsten rechnen. Gerne hätte Mallbacken ja noch eine Stürmerin verpflichtet, aber Trainer Stefan Johansson sagte auf dem Pressetreffen, dass man keine gefunden habe… Ja, dann.

Aus jeder Lage schießen

 

Christen Press

Christen Press auf dem Tyresövallen im Juni 2012

Vor einer guten Woche habe ich ein wenig über Anja Mittag und ihre Saison geschrieben, nun ist Christen Press an der Reihe.

Die gerade 24 Jahre alt gewordene Stürmerin stammt aus Kalifornien, aus der Nähe von Los Angeles und zum ersten mal wurde ich auf sie aufmerksam, als sie in der WPS bei magicJack spielte, zusammen mit Abby Wambach und Hope Solo. Pro Woche wurde ein Spiel live und gratis im Internet übertragen und meistens war das sonntags um Mitternacht unserer Zeit. Press hat 2011 in 17 Spielen acht Tore geschossen und schnitt damit hervorragend ab, denn Marta, die in ihren drei WPS-Jahren die Torjägerinnenliste in drei verschiedenen Clubs gewann (!), hatte lediglich zwei Tore mehr erzielt.

Aber Christen Press war schon 2011 keine Unbekannte. Sie hatte an der renommierten Stanford University in der Nähe von San Francisco studiert und auch für das Fußballteam gespielt. 2010, in ihrem letzten Jahr an der Uni, gewann sie die sogenannte Hermann-Trophy, den Preis für die beste College-Spielerin in den USA. Vor ihr holten u.a. Christine Sinclair, Anne Mäkinen, Mia Hamm und Kristine Lilly die begehrte Trophäe.

Und für ihr erstes Jahr in der amerikanischen Profiliga wurde sie neben Alex Morgan und Sydney Leroux für den Preis “beste Newcomerin der Liga” nominiert und irgendwie habe ich immer gedacht, Morgan hätte den Preis bekommen.

Als ich Christen Press am Rande der Fotbollsgalan im November 2012 in Stockholm in der Mixed Zone traf und sie auf einen vereinbarten Fototermin mit Anja Mittag wartete, bemühte ich mich, etwas Small Talk zu machen und sagte, dass ich die Nominierung ganz toll gefunden hatte, dass aber ja Morgan den Preis bekommen hätte.

Sie lächelte: “No, it was actually me, who won the award.” So kann man ins Fettnäpfchen treten und lernt daraus, beim nächsten Mal alles genauer im Vorfeld zu lesen.

Ein nächstes Mal schien es dann aber doch erst einmal nicht zu geben, denn Christen und ihr Verein Kopparberg/Göteborgs FC trennten sich. Gerne hätte man die schnelle und schussstarke Goalgetterin behalten, die nicht nur 17 Tore in der Liga schoss, sondern auch im Pokalfinale gegen Tyresö (Göteborg gewann 2:1 nach Verlängerung) entscheidenden Anteil daran gehab hatte, die Trophäe in Göteborg behalten. Aber Christen wollte zu den Lagern der amerikanischen Nationalmannschaft, die alle paar Wochen stattfinden, eine Freigabe bekommen und dazu war Göteborg nicht bereit. Was man verstehen kann, denn so hätte die Amerikanerin bei vielen Spielen gefehlt und wäre ständig zwischen USA und Schweden hin- und hergeflogen.

Ende November reiste sie mit ihrer Schwester nach Peru und wanderte in den Anden zur Festung Macchu Picchu und am 27. November schrieb Christen in ihrem Blog: “Jetzt, wo ich an der Peripherie der amerikanischen Nationalmannschaft bin und die Profiliga vor der Tür steht, zögere ich etwas meine persönlichen und  beruflichen Ziele in Schweden aus Angst um meine amerikanischen Fußballträume weiter zu verfolgen. Theoretisch scheint es ein tolles Jahr zu sein, um im Ausland zu spielen, denn es stehen keine großen Turniere für das USWNT an, aber drei Faktoren stören meine Überzeugung: 1) Mit einem neuen Trainer Tom Semanni und einer neuen Leitung scheint das nächste Jahr eines zu werden, dass “neuen” Spielerinnen die Möglichkeit gibt, gesehen zu werden. 2) Eine starke, eigene Liga ist sehr wichtig für die Entwicklung des Frauenfußballs in den USA, weil es eine Umgebung mit starkem Wettbewerb braucht, in der neue Spielerinnen gesehen werden können und um Plätze im team konkurrieren können. 3) In der neuen Liga zu spielen ist eine Art und Weise, an der wachsenden Bedeutung des Fußballs bei uns Anteil zu nehmen. Ein paar Tage, bevor wir in die Anden aufbrachen, fragte mich jemand, warum ich den Inka-Pfad gehen wolle und ich sagte, dass meine Überlegungen vielleicht klarer würden während der Wanderung.”

So muss es dann gewesen sein, denn im Dezember galt es dann als offenes Geheimnis, dass Press doch nicht in die USA zurückkehren würde, sondern beim schwedischen Meister Tyresö das Dream Team noch weiter verstärken würde.

Ich habe Christen Press bei allen Auswärtsspielen in Stockholm getroffen 2012. Die erste Begegnung war nach dem Spiel gegen Tyresö, das 1:3 verloren ging. Das war kurz vor den Olympischen Spielen in London, wo Press und ihre künftige Mannschaftskameradin Meghan Klingenberg als Reserven von Pia Sundhage nominiert waren. Damals herrschte noch die Vorfreude auf das Olympische Dorf, in dem sie nur wenige Tage verbringen würden, da die USA außerhalb von London den Weg zum Finale finden musste.

Bei allen drei Spielen in Stockholm, von denen zwei verloren gingen, beeindruckte mich Press enorm. Nicht über die gesamte Distanz von 270 Minuten, aber sie ist enorm schnell, hat einen sehr gute Ballannahme und wie mir Vero Boquete über sie sagte: “Mir gefällt, dass sie wirklich aus allen Lagen schießt.” Und Press’ Schussversuche sind gut und kommen mit einer blitzschnellen Reaktionszeit. Das macht sie zu einer der besten Stürmerinnen, die derzeit in Europa Fußball spielen. Ausschnitte aus dem Pokalfinale und ein Interview gibt es im verlinkten YouTube-Video weiter unten.

“Ich bin nach Schweden gekommen, um eine bessere Fußballspielerin zu werden,” sagte sie mir dann später in der Saison am Telefon. “Als ich hierher kam, wusste ich nicht recht, was mich erwarten würde, aber ich muss sagen, dass ich sehr positiv überrascht war. Meine Mannschaftskameradinnen waren sehr nett und haben mich sofort ins Team aufgenommen. Und als ich mich dann allmählich an die Spiel- und Lebensweise mehr angepasst habe, da bin ich nicht zuletzt als Fußballspielerin doch sehr gewachsen.”

Torbjörn Nilsson, Press Trainer in Göteborg, sagte nach der Verpflichtung der Amerikanerin, er habe sie nicht selber gesehen, aber dieses Mal habe er sich einfach auf Aussagen von Leuten verlassen, die viel vom Fußball verstehen. Für Christen war der Schritt nach Schweden einfach: “Als die WPS ihren Betrieb einstellte, wusste ich, dass ich jetzt ins Ausland gehen wollte. In Frage kamen da vor allem Schweden und auch Deutschland, weil man weiß, das die sehr gujte Ligen haben. Göteborg gefällt mir sehr gut, es ist eine nette Stadt, die Leute sind sehr hilfsbereit und wie ich gern sage, es sind die Leute, die ausmachen, wie ein Ort ist.”

Fahrrad gefahren, wie ihre englische Teamkameradin Anita Asante, ist sie aber nicht in der zweitgrößten Stadt Schwedens. Und sportlich? “Es war eine Saison, in der es rauf und runter ging und uns hat definitiv die Stabilität gefehlt. Jetzt ist es an der Zeit, das die Mannschaft ein Level nach oben kommt, beständiger spielt, um in der nächsten Saison unter die besten Zwei zu kommen,” sagte Christen Press.

Am Ostermontag wird sie ihr Debüt in einem Wettkampfspiel geben, da geht es beim Supercup ausgerechnet gegen ihre alten Mannschaftskameradinnen.

Pia Sundhage eckt an

Erster Zusammenstoß zwischen Pia Sundhage und den schwedischen Trainern in der Damallsvenskan: Sundhage erklärte, dass sie die Nationalmannschaft insgesamt wenigstens 100 Tage vor der EM beisammen haben möchte.

Das weisen die meisten der Trainer als zu viel zurück. Göteborgs Torbjörn Nilsson erklärte das auch zu einer Frage der Gerechtigkeit. Man habe einem internationalen Spielschema zu folgen und da wäre es ungerecht, wenn ein Land mehr Zugang zu seinen Nationalspielerinnen hätte als ein anderes. Sundhage dagegen ist aus ihrer Zeit in den USA daran gewöhnt, dass der Verband den Vereinen seine Wünsche weitgehend diktieren kann. Auch eine Sache des Vertrauens: Vertraut Sundhage der Kompetenz ihrer Ligatrainer, das richtige Training durchzuführen?

Im Januar treffen sich die Parteien, mal schaun wer sich durchsetzt.

Göteborg will zurück

Pokalsieger und vierter Platz und ein Platz im Viertelfinale der Champions League. Die Saison endete versöhnlich für Kopparberg/Göteborgs FC, obwohl Trainer Torbjörn Nilsson im April noch von der Meisterschaft gesprochen hatte. Aber mit Malmö und Tyresö konnte man nicht mithalten.

Aber nach der Sommerpause lief es bedeutend besser für den Vizemeister des Vorjahres. Die Amerikanerinnen Christen Press, Yael Averbuch, Ingrid Wells, und Camille Levin sowie die Engländerin Anita Asante haben das Spiel belebt. Vor allem Press und Asante waren eine konstante Größe, während Averbuch, die für Lisa Ek kam, ihre schwedische Vorgängerin deutlich übertraf.

Nun hat Trainer Nilsson bereits bis einschließlich 2014 unterschrieben. Und der starke Mann des Vereins, der Besitzer der Brauerei Kopparberg, Peter Bronsman, will mehr in die Mannschaft investieren. Angeblich (wenn man der Zeitung GT glauben darf) werden Press und Asante verlängern und in den nächsten beiden Wochen sollen Neuverpflichtungen einer schwedischen und einer ausländischen Nationalspielerin bekannt gegeben werden.

Bronsmans Brauerei hat einen jährlichen Umsatz von umgerechnet 175 Millionen €, sein Cider mit Birnengeschmack ist der meistverkaufte der Welt. Wirtschaftliches Potential ist da vorhanden und ich bin gespannt, wer in der nächsten Saison zum Team gehören wird.

Tore von Averbuch und Mittag für schwedische Clubs

Noch haben Kopparberg/Göteborgs FC und LdB FC Malmö das Viertelfinale der Champions League im Frühjahr 2013 nicht erreicht.

Göteborg holte beim dänischen Vertreter Fortuna Hjörring ein 1:1 Unentschieden. Nadia Nadim brachte die Däninnen in Führung und wieder einmal trug sich die Amerikanerin Yael Averbuch in die Torschützenliste ein.

“Wir haben eine schlechte erste Halbzeit gespielt. Die waremn tüchtig. Dann übernehmen wir nach etwa zehn Minuten in der zweiten Halbzeit das Kommando. Naturgras ist nicht unsere Spezialität, aber unsere letzten 30 Minuten waren gut. Da waren wir die ganze Zeit in deren Hälfte,” summierte Trainer Torbjörn Nilsson gegenüber Göteborgs Posten.

Übrigens: Die 24-Jährige Nadia Nadim sollten sich mal schwedische Vereine anschauen. Sie könnte sich in einer stärkeren Liga als der dänischen sicher noch weiterentwickeln.

Nach zwei Minuten machte Anja Mittag auf Vorlage von Ramona Bachmann das 1:0 gegen Bardolino Verona. Das ließ sich gut an, mit mehr Toren hätte man rechnen können. Aber es blieb nach 90 Minuten beim 1:0 und das Rückspiel in einer Woche sollte man daher sehr ernst nehmen. Denn gegen Birmingham United verlor Verona 0:2 in der letzten Runde, um dann daheim 3:0 zu gewinnen.

Unzufrieden waren offenbar  beide Teams mit der Leistung der englischen Schiedsrichterin Alexandra Ihringova.

Olympique Lyon zeigte auf eindrucksvolle Weise, dass Frauenfußball in Europa selbst in Achtelfinalspielen der Champions League noch nicht sonderlich ausgeglichen ist. Man gewann beim russischen Vizemeister Zorkij in Krasnogorsk mit 9:0. Drei Mal traf dabei Louisa Necib.

Stabaek kam in Oslo gegen den französischen Vizemeister Juvisy nicht über ein 0:0 hinaus. Dabei hatten die Norwegerinnen mehrere 100%-ige Torchancen und vergaben teils frei vorm Tor von Tanya DeSouza.

 

And the nominees are… – Die Nominierungen zur Fussballgala

Traditionell werden im Frauken- und Männerfussball im November auf einer live im Fernsehen übertragenen Gala die besten Fussballer des Jahres ausgezeichnet. Am Freitagnachmittag wurden die Nominierungen bekanntgegeben, Hier sind die für den Frauenfussball:

Beste Torhüterin: Thora Helgadottir, Hedvig Lindahl, Kristin Hammarström, Gudbjörg Gunnarsdottir. 

Beste Abwehrspielerin: Emma Berglund, Linda Sembrant, Sara Thunebro, Line Röddik Hansen

Beste Mittelfeldspielerin: Anita Asante, Vero Boquete, Caroline Seger, Marta 

Beste Stürmerin: Christen Press, Ramona Bachmann, Anja Mittag, Lotta Schelin

Beste Spielerin der Damallsvenskan: Vero Boquete, Ramona Bachmann, Marta, Anja Mittag

Newcomer des Jahres: Amanda Ilestedt, Lina Hurtig, Jennie Nordin, Elin Rubensson

Trainer des Jahres: Elisabet Gunnarsdottir, Peter Moberg, Thomas Mårtensson und Ulf Palmqvist, Torbjörn Nilsson

Anja Mittag und Katrin Schmidt bald schwedische Meisterinnen

Es ist eine blöde Überschrift, zugegeben. Und zu lang. Aber nach dem 1:0-Sieg von Meister LdB FC Malmö beim Pokalsieger und -finalisten Kopparberg/Göteborgs FC durch einen Treffer von Ramona Bachmann in der 41. Minute müsste schon sehr viel passieren, damit Malmö die erolgreiche Titelverteidigung noch aus der Hand gibt. Am 3. November kommt es am 22,. und letzten Spieltag zum Duell der Giganten: Malmö gegen Tyresö. Aber gewinnt Malmö seine nächsten beiden Spiele gegen den Tabellenletzten AIK (zu Hause) und auswärts bei Umeå IK, dann sind Anja Mittag und Katrin Schmidt die ersten beiden Deutschen, die schwedische Meisterinnen werden.

Trainer Peter Moberg war sehr zufrieden mit seiner Mannschaft: “Eine richtige Mannschaftsleistung, unsere Taktik ist heute voll aufgegangen. Göteborg ist die Mannschaft mit dem besten Passspiel in der Liga. Unsere Taktik war, kompakt zu spielen und die Räume für Göteborg eng zu machen. Das ist uns sehr gut gelungen,” so Moberg zur Zeitung Sydsvenska Dagbladet,

Lediglich das eine oder andere Tor mehr hätte sich Moberg gewünscht. Wie seine Torschützin Bachmann geht er jedoch nicht auf die Medien ein, die nun die Meisterschaft bereits an Malmö verschreiben. Man werde jetzt konzentriert arbeiten, um sich optimal auf das nächste Spiel vorzubereiten, hieß es.

Bei Göteborg spielte Anita Asante erstmals in der Innenverteidigung für die verletzte Stina Segerström. “Eine tolle Leistung,” bescheinigte ihr Trainer Torbjörn Nilsson. Der noch konstatierte, dass man jetzt erst mal Kräfte sammeln müsse, denn am Donnerstag spiel Göteborg zu Hause gegen Tyresö das schwedische Pokalfinale – eine Neuauflage der Begegnung von 2011, die damals Göteborg im Elfmeterschießen gewann.