Sundhages Startformation gegen Island

Traditionsgemäß geben schwedische Trainer am Abend vor dem Spiel ihre Startformation auch der Öffentlichkeit bekannt – jedenfallsm, was Freundschaftsspiele angeht. Das hat Thomas Dennerby so gehalten und auch Pia Sundhage macht damit weiter.

Heute Abend um 18.00 Uhr Ortszeit (19.00 MEZ) wiord Schweden gegen Island mit folgender Formation auflaufen:

12 Kristin Hammarström – 13 Lina Nilsson, 3 Emma Berglund, 5 Nilla Fischer, 6 Sara Thunebro – 11 Antonia Göransson, 17 Caroline Seger [K], 7 Lisa Dahlkvist, 20 Marie Hammarström – 9 Kosovare Asllani, 8 Lotta Schelin.

Für viele Beobachter ist Sundhage damit sehr nah an der voraussichtlichen Startformation, mit der sie die EM bestreiten will. Nilla Fischer ist endgültig von der 6 zur Innenverteidigerin mutiert. Ob Charlotte Rohlin noch zurückkommt, scheint fraglich, denn Sundhage setzt auf Fischer, obwohl deren Positionsspiel noch oft zu wünschen übrig lässt und beim Gegentreffer gegen China auch ursächlich war. Auf den Außenbahnen in der Abwehr ist Sara Thunebro gesetzt und Lina Nilsson scheint sich im Konkurrenzkampf gegen Annica Svensson durchzusetzen. Schweden ist hier gut, aber keinesfalls mit internationaler Klasse besetzt. Überhaupt scheint mir die Abwehr noch ein Sorgenkind zu sein, denn mit einer ungelernten Fischer in zentraler Position, einer keine Spielzeit im Verein bekommenden Thunebro auf links und einer international eher durchschnittlichen Besetzung auf rechts sieht das nicht sonderlich überzeugend aus.

Im Mittelfeld sind Seger und Dahlkvist gesetzt. Positiv natürlich, dass die Beiden auch im Verein auf denselben Positionen spielen und jede Menge Zeit zum Einspielen hatten und sich sehr gut kennen. Lisa Dahlkvist allerdings ist meilenweit von ihrer Bestform entfernt und Caroline Seger war im letzten Jahr eine Spielerin, die oft 20 Minuten glänzte und 70 verschwand.

Auf den offensiven Außenbahnen kommen heute Göransson und Hammarström zum Einsatz. Göransson hat sich in Potsdam zu einer Rakete entwickelt. Hammarström ist eher die defensive Balance dazu. Offensiv stärker wäre Schweden mit Sofia Jakobsson oder Johanna Almgren.

Lotta Schelin ist die einzige völlig indiskutable Spielerin. Die einzige, der ich uneingeschränkt das Prädikat absolute Weltklasse geben würde. Sie hat das gerade erst am Wochenende noch im Spitzenspiel gegen Paris Saint-Germains unter Beweis gestellt, wo sie mit ihren beiden Toren das Spiel entschied.

Daneben bekommt Kosovare Asllani wieder eine Chance. Mal sehen wie das heute läuft, auch hier wäre natürlich Jakobsson eine Alternative, aber die neue Stürmerin von Chelsea London (im Mai werde ich sie bei Chelsea besuchen und dann auch hier darüber schreiben) ist meiner Meinung nach von der Spielanlage Schelin zu ähnlich und hat nicht so viele Überraschungsmomente wie die quirlige Asllani zu bieten.

Russische Profiträume – Sofia Jakobsson packt aus

Dieses Interview hätte ich gerne selber geführt. Nachdem Sofia Jakobsson wochenlang mehr oder weniger verzweifelt versucht hat, ihren russischen Club Rossiyanka zu verlassen und letztlich bei Chelsea London landete und dann auch noch Linnés Liljegärd mit dem russischen Meister brach, konnte man sich an den Fingern einer Hand abzählen, dass da einiges vorgefallen sein muss.

Bislang hat Jakobsson geschwiegen oder niemand hat sie danach gefragt. In einem Interview mit der Seite Fotbollskanalen des TV4-Imperiums hat Sofia Jakobsson jetzt breit und ausführlich über Russland gesprochen.

Im Sommer 2011, so erzählt Jakobsson dem Fernsehsender, tauchte Rossiyankas damaliger Trainer Farid Benstiti (früher Lyon und jetzt Paris) auf in Umeå und machte der jungen Schwedin sportliche Avancen. Er solle in Russland eine Weltklassemannschaft aufbauen und man wolle ganz hoch hinaus. Jakobsson behauptet heute, dass sie erst sehr zögerlich war, ablehnen wollte. Aber der Promi mit Frankreich-Hintergrund und seine Zukunftsvisionen, die er mit ihr verbinden wollte, schmeichelte ihr dann doch.Das Gehalt war sensationell und als Rossiyanka auch bereit war, 400.000 Kronen Ablöse an Umeå zu zahlen brachen die Dämme. Der Vertrag kam zustande.

In ihrem Vorort, nordöstlich von Moskau, lebten die Spielerinnen das gute Leben, das man heute in Russland leben kann. Schöne Wohnungen, eine internationale Athmosphäre mit vier Brasilianerinnen, darunter Weltklassespielerin Cristiane und eine Südafrikanerin, mit der sich Sofia anfreundete. Die Spielerinnen unternahmen Dinge in der Freizeit, registrierten die großen Unterschiede in der russischen Gesellschaft in Krasnoarmejsk, aber sie waren Profis und lebten ihren Traum.

Sofia Jakobsson sagt heute, dass die Qualität, das Talent vieler russischer Spielerinnen hoch sei, dass sich viele ihrer ehemaligen Mannschaftskameradinnen auch in der Damallsvenskan gut behaupten könnten. Das ist sowieso ein Punkt, den ich nicht verstehe, kleiner Exkurs: Warum holt man nicht öfters osteuropäische Spielerinnen nach Schweden? Sie sind talentiert, billiger als Amerikanerinnen und Afrikanerinnen und oft leichter zu integrieren.

Vor der Olympiapause verlängerte Sofia ihren Vertrag in Moskau um ein weiteres Jahr. Und als sie aus London bzw. Schweden nach dem Sommerurlaub zurückkam, war auf einmal alles anders. Farid Benstiti war nicht mehr da, er war von Paris SG abgeworben worden und auch die vier Brasilianerinnen hatten bereits die Koffer gepackt und Russland auf Nimmerwiedersehen verlassen.

Das Training übernahm der Sohn eines Vorstandsmitglieds und was Jakobsson derm Fernsehsender erzählt, so hätte wohl auch ich das Training übernehmen können, es wäre kaum schlechter gewesen.

“Es war fast wie eine Rückkehr zum Kinderfußball und für mich war das einfach nicht seriös,” sagt Jakobsson dem Fernsehsender TV4. “Ich habe keine Ahnung, ob dieser Sohn irgendeine Fußballausbildung hatte, aber ich glaube es nicht. Er hatte einfach nicht die Art Übungen.”

Jakobsson packte langsam die Panik. Hier war sie in einem inzwischen runtergekommenen Verein und in Schweden löste Pia Sundhage Thomas Dennerby ab. Sofia sah ihre EM-Chance, noch dazu beim Turnier im eigenen Land, in großer Gefahr. Sprach mit Rossiyankam, bat entlassen zu werden. Dort zeigte man Verständnis, sagt sie, aber sie müsse ausgelöst werden aus dem Vertrag. Inzwischen war auch noch Göteborgs Linnéa Liljegärd eingetroffen, die Jakobsson in dem Interview merkwürdigerweise mit keinem einzigen Wort erwähnt.

In Moskau wusste man, dass die Schwedin weg will und setzte sie auf die Bank. Und manchmal nicht mal das. Nun hatte sie ein grottenschlechtes Training und dazu noch keine Spielpraxis. Dann kam ein deutscher Trainer (Achim Feifel, früher Hamburger SV), der Disziplin als Waffe benutzte, so der Artikel. Da er sich kaum mit dem Team verständigen konnte, hätte er oft “stopp, stopp, stopp” über den Platz geschrien und als disziplinarische Maßnahme serienweise Strafrunden laufen lassen.

Ende Januar dann gelang der Schwedin der Absprung nach England, wo sie jetzt für Chelsea London spielen wird. Die Engländer zahlten eine Ablöse, von der es heißt, dass sie deutlich geringer war als die ursprüngliche Kaufsumme.

Sofia Lundgren – Bandscheibenvorfall?

Fünf Monate vor Beginn der EURO 2013 in Schweden spricht die Zeitung Aftonbladet von einer Torwartkrise. Thomas Dennerbys ewige Nummer 1 Hedvig Lindahl wird es bekanntermaßen wegen eines Kreuzbandrisses im Herbst kaum schaffen, wieder bis zur EURO fit zu werden. Heute nun traf die Nationalmannschaft zu einem neuerlichen Trainingslager in Stockholm ein und zwar sah man Sofia Lundgren in der Friends Arena, aber trainieren konnte die 30-Jährige nicht. Sie zog das Bein deutlich nach als die Spielerinnen mit ihren Taschen in die hypermoderne Arena einzogen.

Der Verein deutete auf Twitter an, dass Lundgren möglicherweise einen Bandscheibenvorfall erlitten habe. Die offizielle Magnetröntgenuntersuchung steht aber wohl noch aus. “Das kommt ziemlich unegelegen,” sagte Lundgren gegenüber der Zeitung. “Es wäre ganz schön blöd, wenn ich deswegen die EM verpassen würde, aber gleichzeitig muss ich auf meinen Körper hören und das Ganze in einer längeren Perspektive sehen. Ich muss den Rücken noch viele Jahre benutzen können,” so Lundgren, die vor kurzem auch noch Familienzuwachs bekommen hat. Erst einmal gibt sie sich jedoch optimistisch und geht davon aus, dem Verein in der Liga und der Nationalmannschaft zur Verfügung stehen zu können. Das medizinische Team der Nationalmannschaft will sich am Wochenende mit Lundgrens Rücken befassen.

Anstelle Lundgrens hat Pia Sundhage schnell noch Tyresös Ersatztorhüterin Jessica Höglander nachnominiert. Höglander ist U19-Europameisterin. Susanne Nilsson, die von vielen als größtes Talent in Schweden gefeiert wird, testet in den kommenden Tagen die Möglichkeit für die Nationalmannschaft Serbiens zu spielen. Die 21-Jährige hat sowohl einen schwedischen wie auch einen serbischen Pass.

Leichtes Spiel

Dass der Erste gegen den Letzten daheim gewinnt, ist keine große Überraschung. In keiner Liga, erst recht nicht im Frauenfußball, weder in der Damallsvenskan der Bundesliga oder der französischen Liga.

Am Abend gab es eine TV-Liveübertragung vom Malmö IP und dabei war die wichtigste Erkenntnis für mich, dass das Flutlicht wohl kaum internationalen Ansprüchen gerecht werden dürfte, denn auf dem Bildschirm wirkte die Atmosphäre vor 711 Zuschauern etwas schumrig, an den Rändern beinahe zu dunkel.

Aber das ist ein anderes Thema. Als es nach einer halben Stunde jedoch bereits 3:0 für Malmö stand (Anja Mittag per Foulelfmeter und zweimal Ramona Bachmann) beschäftigte ich mich teils dann doch mit Haushaltstätigkeiten und auch dem vorhergehenden Post in diesem Blog, der noch nicht fertig geworden war. Nochmal Bachmann und die hungrige Sofie Anker-Kofoed erhöhten standesgemäß auf 5:0 und Malmö ist nurmehr einen Auswärtssieg bei Umeå von der schwedischen Meisterschaft 2012, der dritten in Serie entfernt.

Anja Mittag fliegt morgen vermutlich von Kopenhagen (das sind nur knapp 20 Minuten mit dem Zug über die Öresund-Brücke zum dortigen Flughafen Kastrup) nach Frankfurt und trifft da die deutsche Nationalmannschaft, die dann Richtung USA fliegt. Christen Press, einzige noch ernst zu nehmende Verfolgerin um den Titel der Torschützenkönigin sagte mir, dass sie nicht dabei sein werde, wenn das USWNT zweimal auf Deutschland trifft. Die USA werden von Jill Ellis betreut werden, für einige Insider Favoritin auf die Sundhage-Nachfolge. Doch Ellis hat mittlerweile erklärt, dass sie den Job aus privaten Gründen ebensowenig übernehmen wird wie die Mitfavoritin April Heinrichs. Bleiben rund 25 Namen, die im Gespräch sind. Aber erst einmal vertritt Jill Ellis also N.N. Einen Kader sucht man auf der Webseite von US Soccer aber vergebens, Press sagte mir jedoch am Freitag, dass sie nicht dabei ist.

Auch Sara Björk Gunnarsdottir und Thora Helgadottir werden wohl ihre Reisetaschen packen, denn die Isländerinnen treffen bald auf zwei sicher offene Playoff-Spiele auf die Ukraine im Kampf um einen von noch drei zu vergebenden Plätzen bei der EURO 2013.

Ramona Bachmann nimmt es am 23.10. dann in Växjö mit Schweden und Pia Sundhage auf, deren erster Kader am Vormittag doch etwas enttäuschend alle schon von Thomas Dennerby nominierten Spielerinnen enthielt. Aber da Sundhage 24 Namen präsentierte, waren mit Malmös Elin Rubensson (da hätten die Wettbüros wohl wenig gezahlt), Emmelie Konradsson und Carola Söberg eben auch drei neue Namen im Vergleich zmit Dennerbys Kadern dabei.

 

 

Hedvig Lindahl: Kreuzbandriss

In Göteborg verletzte sich Nationalkeeperin Hedvig Lindahl am Knie. Heute Abend wurde es offiziell auf der Homepage ihres Vereins Kristianstads DFF verkündet: das Kreuzband im linken Knie der 29-Jährigen ist gerissen. Damit fällt sie für den Rest der Saison aus und wohl auch weit in die kommende EURO-Saison 2013 hinein.

Vielerorts wurde spekuliert, ob die neue schwedische Trainerin Pia Sundhage sportlich an der nicht unumstrittenen Lindahl festhalten würde, die sieben Jahre lang die unumstrittene Nummer 1 von Thomas Dennerby gewesen war. Nun löst sich diese Frage auf sehr unglückliche Weise. Vermutlich wird Sundhage im Oktober in Växjö gegen die Schweiz auf Sofia Lundgren und Kristin Hammarström zurückgreifen.

In Malmö zittert derweil Lisa Ek um den Zustand ihres Knies. Die 30-Jährige war erst während der Sommerpause von Göteborg nach Malmö gewechselt und dort als Verstärkung für die durch Kreuzbandriss ausgefallene Therese Sjögran geholt worden. Nun verdrehte sich Ek das Knie beim Training vor der Abreise nach Ungarn, ein MTR-Termin soll am Montag Gewissheit bringen, ob Lisa Ek eventuell ebenfalls das Kreuzband gerissen hat. Bei ihr wäre das bereits der dritte Riss im Knie in ihrer Karriere.

 

 

Vier Spielerinnen am 3. November – Lindahl wartet auf MRT

Kristianstad schafft es in diesen Tagen im Gespräch zu sein. Kosovare Asllanis Wechsel nach Paris am Samstag, für den die Franzosen angeblich stolze 10.000 € Ablösesumme (ironisch gemeint, aber immerhin mal eine Ablöse im Frauenfußball) auf den Tisch legen mussten. Susanne Mobergs schlimme Ohnmacht im Spiel in Göteborg.

Heute nun erfahren wir, dass der Verein bei der Vertragsgestaltung ein kleines Fehlerchen gemacht hat und übersehen hat, dass alle vier Jahre eine Olympiade stattindet, die eine Pause im Spielbetrieb nach sich zieht.

Will sagen, dass man eben mit den allermeisten Spielerinnen nur Vertrag bis zum 31.10. hat und nicht für das letzte Saisonspiel gegen Jitex. Die könnten sich freuen, wenn tatsächlich alle Spielerinnen buchstabengetreu ihren Papieren folgen würden, denn am 03.11. hat Kristianstad nur drei Feldspielerin und eine Torhüterin – bisher. Aber das wird sich wohl schnell lösen.

“Wir wissen, dass es einige gibt, die den Verein wechseln wollen, aber wir hoffen, dass sie genug Herz haben und das letzte Spiel spielen werden,” so Sportchef Mikael Forsberg in Kristianstadsbladet.

Nun ja, das werden sie wohl haben. Gestern habe ich hier  noch konstatiert, dass es oft eher der Fall ist, dass sich Spielerinnen über Gebühr für ihren Verein einsetzen und selbst gesundheitliche Folgen in Kauf nehmen. Oder verdrängen.

Apropos. Hedvig Lindahl, Thomas Dennerbys Stammtorhüterin in der Nationalelf, hat sich am Knie verletzt in Göteborg und wartet noch immer (!) auf eine MTR-Untersuchung. Schlimmstenfalls könnte das Kreuzband gerissen sein. Wir drücken die Daumen, Hedvig!

Den Umständen entsprechend gut

Maija Saari (AIK), rechts Susanne Moberg

geht es Kristianstads Stürmerin Susanne Moberg, die gestern Nachmittag beim Auswärtsspiel gegen Göteborg kurz vor der Halbzeitpause plötzlich bewusstlos zusammenbrach.

“Ich sah Susanne, als es passierte,” berichtet Trainerin Elisabet Gunnarsdottir. “Sie schlug den Ball in den Strafraum und fiel dann einfach hin. Es sah furchtbar aus.”

Moberg, die sieben Länderspiele für Schweden absolvierte und zum erweiterten Kader Thomas Dennerbys gehörte, ist 26 Jahre alt.

Am Abend konnte Susanne Moberg bereits mit der Mannschaft zurück nach Kristianstad fahren. “Die Proben und Tests, die man durchgeführt hat, haben gezeigt, dass alles in Ordnung ist. Die Ärzte vermuten, dass sie eine Infektion hat. Morgen wird sie weiter im Krankenhaus in Kristianstad untersucht,” so Sportchef Henrik Nygren zu Kristianstadsbladet.

Am Abend hieß es dann, dass Moberg doch noch sofort untersucht werden soll, da ihr immer noch schlecht sei und sie sich sehr müde fühlte. ffschweden bleibt am Ball.

Vor zwei Wochen war der 29-Jährige Zweitligaspieler Victor Brännström bei einem Zweitligaspiel zusammengebrochen und im Krankenhaus verstorben.

Hejdå, Thomas! Schweden schlägt Holland 2:1

Nach zwei unterschiedlichen Halbzeiten gewann Schweden sein letztes Länderspiel unter Thomas Dennerby durch Tore von Lotta Schelin und Kosovare Asllani miot 2:1 gegen die Niederlande. Lediglich 1256 Zuschauer waren in die Nationalarena des Frauenfußballs in Göteborg gekommen, weniger als ein Jahr vor der EURO 2013 eine niederschmetternde Zahl. Wie viele werden dann Spiele wie Italien – Finnland oder ähnliche Spiele sehen wollen, wenn nicht einmal die eigene Nationalmannschaft ein akzeptabel großes Publikum ins Stadion locken kann.

Holland war die bessere Mannschaft in der ersten Halbzeit, ging durch einen Kopfballtreffer von Anouk Hoogendijk auch verdient in Führung. Schweden blieb blass, aber in der zweiten Halbzeit wendete sich das Blatt. 10:0 Torschüsse für die Gastgeberinnen und letztlich noch ein verdienter Sieg.

Aber das Wichtigste an diesem Nachmittag in Westschweden war dann doch der Abschied von Thomas Dennerby nach siebeneinhalb Jahren. Dennerby war verständlicherweise gut drauf, aber doch auch gerührt. “Manchmal ist man schon den Tränen nah,” sagte er, was vor allem an der Reaktion der Umgebung läge. Und Caroline Seger erzählte, dass es am Abend ein feierliches Abendessen zu Ehren Dennerbys geben werde und dabei würde auch ein Geschenk überreicht werden, “ein teures und feines”, so die Spielerin von Tyresö FF.

Der verpasste Scoop – Kein guter Anfang

Ich habe mich früher in diesem Blog gefragt, ob es eine gute Entscheidung wäre, falls Pia Sundhage sich dazu entschließen würde, den Job als Trainerin Schwedens zu übernehmen. Eine wichtige Überlegung dabei war, dass der schwedische Fußballverband den Frauenfußball lediglich in öffentlichen Erklärungen gleichermaßen wichtig wie den Männerfußball deklariert. Das Agieren spricht oft eine andere Sprache und ist sehr unprofessionell.

Seit heute Morgen, kurz nach 0.00 Uhr wissen wir, dass Sundhage am 1. Dezember das Amt übernehmen wird und einen Vertrag bis 31.12.2016 hat oder unterschreiben wird. Kurz nach 0.00 Uhr?

Ja, dazu noch an einem Sonntagmorgen. Die meisten schwedischen Sportjournalisten dürften entweder die Nacht zum Sonntag draußen in einem Restaurant, einer Kneipe, was auch immer verbracht haben oder sich auf den Gang ins Bett vorbereitet haben bzw. schon dort friedlich geschlummert haben. Die Zeitungen, die am Sonntagmorgen in Hunderttausende schwedische Haushalte ausgeliefert werden, waren längst gedruckt und auf dem Weg zu den vielen Tausend Boten zwischen Haparanda und Ystad, die sie dann irgendwann des nachts in die Briefkästenschlitze der Menschen einwerfen.

Wer am Sonntagmorgen beim Frühstück eine Zeitung in die Hand nimmt, in diesem Land, wird mit anderen Worten nicht mitbekommen, dass die Nachfolge Thomas Dennerbys geklärt ist.

Wie Kollege Johan Rydén schon richtig bemerkt hat: “So würde man niemals einen neuen Trainer der Männer bekanntgeben.”

Nun wird man argumentieren, dass Pia Sundhage ja noch Trainerin in den USA ist, dass man dort gestern Abend in Rochester (Abby Wambachs Geburtsort) das erste Spiel der sogenannten Victory-Tour gegen Costa Rica spielte (8:0) und sich deshalb alles so entwickelt habe, zumal auch der amerikanische Verband gegen 18.00 Uhr schwedischer Zeit auf seiner Webseite den Artikel “Pia Sundhage to Return Home to Pursue Opportunities in Sweden” (Pia Sundhage wird nach Hause zurückkehren um dortige Möglichkeiten zu verfolgen) veröffentlichte.

Jaja, aber wieso bitte kann man denn eine so eminent wichtige Nachricht nicht gemeinsam absprechen. Wann man damit wie in die Öffentlichkeit geht? So dass man am meisten von der Veröffentlichung dieser Nachricht hat. So haben heute alle schwedischen Zeitungen nichts in den Printausgaben und im Internet alte Archivfotos der 52-Jährigen Trainerin. Das ist leider, leider kein guter Start. Hoffen wir, dass ab dem 1. Dezember andere Zeiten in Solna, dem Sitz des schwedischen Verbands einkehren.

Inzwischen wird der Vorsitzende des amerikanischen Fußballverbands US Soccer, Suni Gulati, wie folgt zitiert:

Über den Status von Pia Sundhages Vertrag: “Sie wird die beiden Spiele gegen Australien coachen und das ist dann der Abschluss.”

Darüber, wie die Diskussion begann: “Sie hat mehr als 100 Länderspiele für Schweden, sie ist da eine Ikone. Vor fünf Jahren (als wir sie unter Vertrag nahmen) haben wir nicht darüber gesprochen, dass sie zurück nach Schweden will, aber es war immer ein Traum für sie. Wir trafen uns beim olympischen Finale (der Männer) und begannen zu reden. Wir wollten eine Auswertung machen wie bei jedem Turnier, das wir spielen und ich fragte sie, wo sie in Gedanken sei. Sie sagte, Schweden, und darüber sprachen wir etwas.”

Über Berichte, dass sie schwedische Nationaltrainerin wird.

“Ich wäre nicht überrrascht, wenn sie Trainerin der schwedischen Nationalmannschaft wird, denn das ist ihr Traum. Wie ich schon zu Pia gesagt habe, als wir das erste Mal drüber sprachen. Wir werden sie sehr, sehr dabei unterstützen, jede Silbermedaille zu gewinnen, die es da draußen gibt.”

“Sie war sehr erfolgreich, aber wenn du eine fantastische Truppe von Spielern mit einer fantastischen Trainerin und einem fantastischen Programm zusammentust, dann ist es genau das, was du bekommst.”

“Pia war sehr fokussiert auf die A-Nationalmannschaft, sie hatte nicht so viel mit unseren Jugendauswahlen zu tun. Dafür ist April Heinrichs zuständig. Pia hat in fünf Jahren sechs Spiele verloren, was ein unglaublicher Erfolg ist. In 21 Jahren haben wir sechs Goldmedaillen gewonnen. Heute ist kein trauriger Tag, keinesfalls. Wir sind sehr glücklich für Pia und glücklich, dass wir die beste Mannschaft der Welt haben.”

Das komplette Interview mit Sunil Gulati gibt es hier.

Anja Mittags dritter Hattrick

Dass die Begegnung bei Linköpings FC schwer werden würde, darüber war man sich im Klaren beim schwedischen Meister. Eigentlich konnte man nicht viele Tore erwarten, dass am Ende acht vor 1863 Zuschauern (toll, trotz Live-Übertragung im Fernsehen) fallen würden, damit hatte wohl kaum jemand gerechnet. 5:3 siegte Malmö und liess damit den Konkurrenten aus Tyresö die Tabellenführung nur dreieinhalb Stunden.

Elin Rubensson war die Spielerin der ersten Halbzeit. Ihr toller Einsatz auf der rechten Seite und der Pass auf Ramona Bachmann, die mit dem Rücken zum Tor stand und Sofia Lundgren im Tor mit der Hacke alt aussehen liess (die Fehler waren vorher gemacht worden) waren Klasse und unterstrichen, dass Rubensson eine zukünftige A-Nationalspielerin ist, die vielleicht schon vom neuen Trainer, von der neuen Trainerin nach Thomas Dennerby für die EM 2013 geholt werden könnte. Malmö führte 1:0 nach sechs Minuten. Aber lange war dieses Spiel offen. Ex-Malmögoalgetterin Manon Melis bekam in der 35. Minute die Gelegenheit zum Ausgleich und liess sie sich dann auch nicht entgehen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte übernahm der Gastgeber dann die Initiative, zuerst die Führung durch Jonna Andersson, dann wieder der Ausgleich, dieses Mal Anja Mittag, die von den TV-Moderatoren gescholten wurde, weil sie auswärts angeblich schwach sei. Sie habe bisher ja nur ein Auswärtstor gemacht und 13 zu Hause. Nun ja, sie schien das gehört zu haben. Denn nach der neuerlichen Führung durch einen herrlichen Kopfball von Malin Levenstad, der aus gut zehn Metern in den Winkel des eigenen Tores ging war es wieder Mittag, die den Ausgleich und zehn Minuten später auch die Führung erzielte. Der dritte Hattrick in Schweden und das siebzehnte Saisontor (!).

Den Schlusspunkt setzte Ramona Bachmann mit einem fulminanten Schuss aus sicher 25 Metern in den linken Winkel. Malmö hatte mit einer Klasseleistung seiner Offensive die Tabellenführung zurückgeholt. Alle Tore durch Bachmann und Mittag, aber eine Stunde lang brillierte neben den beiden Stars auch Elin Rubensson.