Zu viele Ausländerinnen in der Damallsvenskan?

Pia Sundhage hat sich aufgeregt. Das tut sie eigentlich oft und gerne und das macht sie auch sympathisch, das sie Gefühle zeigt und voll bei der Sache ist. Manchmal allerdings frage ich mich inzwischen, ob sie sich nicht ein wenig zurückhalten sollte, zumindest in den Medien.

Denn die schnappen dankbar jede Silbe der angehenden Ehrendoktorin, Gastprofessorin, Frau des Jahres 2012, Welttrainerin des Jahres und was weiß ich nicht noch alles, auf.

Am Donnerstagabend war sie wie ich auf dem Malmö IP und sprach anschließend wie immer frank und frei ins Mikrofon der Reporter von Sydsvenska Dagbladet. Dass sie mal besser nichts gesagt hätte, war ihr dabei aber offenbar schon selber klar, denn: “Das jetzt sollte ich eigentlich nicht sagen,” begann Sundhage ihre Ausführungen und echauffierte sich darüber, dass sie zu einem Champions-League-Spiel käme und alles, was sie als Nationaltrainerin beobachten könnte, wären drei Spielerinnen bei Malmö und eine Spielerin des Gegners.

In der Tat begann Malmö die Begegnung mit nicht weniger als acht Ausländerinnen: Thora Helgadottir, Ali Riley, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Manon Melis, Ramona Bachmann, Anja Mittag.

Bei Olympique Lyonnais dagegen standen in der Anfangsformation nicht weniger als neun Französinnen und lediglich Lara Dickenmann und Lotta Schelin haben einen ausländischen Pass.

Eines ist klar. Pia Sundhage hat sich nicht darin einzumischen, wie die Vereine ihre Kader bestücken und welchen Pass die Spielerinnen haben. Und wenn sie in dem oben genannten Interview sagt, dass alles noch vor 5-6 Jahren (bevor sie zuerst nach China und dann in die USA ging) anders gewesen wäre, dann muss sie eigentlich besser als viele andere wissen, dass sich Frauenfußball in 5-6 Jahren enorm entwickelt hat und auch weiter entwickeln wird.

“In Lyon werden ausländische Spielerinnen nur dann verpflichtet, wenn ihre Qualität definitiv besser ist als das, was man auf dem franösischen Markt bekommen kann”, schrieb mir gestern ein Fan aus Frankreich via Twitter.

In Schweden, und da hat Sundhage Recht, ist das augenscheinlich nicht der Fall, auch wohl nicht in Deutschland.

Ich habe mir die aktuellen Kader in der Damallsvenskan angesehen und komme auf folgende Liste ausländischer Spielerinnen. Es sind 66 Spielerinnen. Sie verteilen sich auf: 1. Finnland 9, 2. Island, Nigeria, USA je 7, 5. Dänemark, Holland je 5 und auf zwölf weitere Länder. Bei den Vereinen liegt Malmö klar vorn.

10 LdB FC Malmö: Thora Helgadottir, Ali Riley, Paula Radtke, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt, Yoreli Rincon, Ramona Bachmann, Manon Melis, Anja Mittag

7 Tyresö FF: Line Röddik Hansen, Meghan Klingenberg, Elaine Moura, Kirsten van de Ven, Vero Boquete, Christen Press, Marta

7 KIF Örebro: Stephanie Labbé, Marie-Eva Nault, Susanna Lehtinen, Irena Martinkova, Lucie Martinkova, Sanna Talonen, Sarah Michael

7 Kristianstads DFF: Brett Maron, Sif Atladottir, Nicole Sykes, Gudny Odinsdottir, Margret Lara Vidarsdottir, Johanna Rasmussen, Lorca van de Putte

6 Vittsjö GIK: Lois Geurts, Kendall Fletcher, Ifeoma Dieke, Mandy van den Berg, Kirsty Yallop, Jane Ross

6 Piteå IF: Lydia Williams, Faith Ikidi, Hallbera Gisladottir, Anna Westerlund, June Pedersen, Francesca Ordega

5 Kopparberg/Göteborgs FC: Camille Levin, Anita Asante, Yael Averbuch, Cathrine Dyngvold, Jodie Taylor

4 Linköpings FC: Marianne Gajhede, Renée Slegers, Pernille Harder, Linda Sällström

4 Umeå IK: Katrin Jonsdottir, Ogonna Chukwudi, Rita Chikwelu, Tuija Hyyrynen

4 Sunnanå SK: Carys Hawkins, Helene Ukaonu, Annika Kukkonen, Perpetua Nkwocha

3 Mallbacken: Kaitlynn Fraine, Maija Saari, Hayley Lauder,

3 Jitex BK: Minna Meriluoto, Annica Sjölund, Leena Puranen

Theoretisch noch alles drin da unten

Vittsjös Torhüterin Lois Geurts beim Warmmachen vor dem Spiel gegen Djurgården

In einer halben Stunde wird der 20. Spieltag der Liga mit der Begegnung Erster gegen Letzter LdB FC Malmö gegen AIK abgeschlossen, da bleibt nicht viel Zeit, die gestrigen fünf Begegnungen zu summieren.

Hanna Persson, Ersatz für Kristianstads kreuzbandverletzte Nationalkeeperin Hedvig Lindahl, hielt gegen Tyresö FF einige fulminante Schüsse und musste dennoch nach zehn Minutenmit einer Fußverletzung hinkend das Spielfeld verlassen. Reserve? Fehlanzeige. Elisabet Gunnarsdottir entschied, dass Mittelfeldspielerin Katrin Omarsdottir sich mal schnell umziehen musste und das gegen das torgefährlichste Team der Liga. Am Ende gewann Tyresö verdient nach zwei Toren von Kirsten van de Ven mit 2:0 und hielt damit den Kampf um die Meisterschaft einigermaßen offen.

Kristianstads Torwarttrainer Benny Johansson war voll des Lobes über die unfreiwillige Torhüterin Omarsdottir: “Sie hat sich selbst übertroffen. Dass sie das Spiel so gut lesen konnte, war keine Überraschung, aber das Spiel in der Luft war euine große Überraschung. Sie zeigte Mut, Sprungkraft und Timing bei fast allen Ecken und Standards von denen.” Gleichzeitig äußerte er Mitleid mit Hanna Persson im Interview mit Kristianstadsbladet: “Sie hat lange auf so eine Chance gewartet und dann gleich im dritten Spiel selber verletzt zu werden, das ist bitter.”

Omarsdottir sagte, dass sie lieber im Mittelfeld spiele, aber falls Persson bis zum Ende der Saison ausfiele, würde sie da spielen wo Elisabet Gunnarsdottir sie haben will, notfalls auch im Tor. Wie eine Reihe Zuschauer bereits auf Twitter äußerten, war auch Katrin Omarsdottir der Ansicht, dass die 1:0-Führung Tyresös ein klares Abseitstor war.

Kristianstads Vorsitzender Mikael Forsberg glaubt, dass die Liga am 12. November in Stockholm mit Sicherheit über die angestrengte wirtschaftliche Situation vieler Vereine reden wird. “Dass die Liga in einer Saison, in der wieder viele der besten Spieler der Welt in der Liga spielen Zuschauer verliert, ist beunruhigend. Diesen Trend müssen wir wenden. Wir selber können jetzt auch nur den nächsten Schritt nach oben mit einer breiter angelegten Organisation schaffen,” so Forsberg.

In Göteborg trennten sich Jitex und Umeå 1:1. Umeå ging durch Ogonna Chukwudi in Führung und Sofia Skog glich wenig später aus. “Dieser Punkt kann wichtig sein,” sagte Jitex’ Trainer Stefan Rehn zu Göteborgs Posten. 174 Zuschauer bei Jitex bedeuteten wieder einmal die Minuskulisse der Liga. Jitex spielt und wenig mehr als Eltern, Geschwister und Freunde interessiert es. Schade.

99 Zuschauer zählte ich selber im Stockholmer Olympiastadion, fünf Minuten bevor das Spiel begann. Dabei schien die Sonne, aber das Wetter war sehr wechselhaft in den 90 Minuten, in denen Djurgården seinen dritten Heimsieg in Folge landen wollte. Aber Aufsteiger Vittsjö ging schnell mit 1:0 in Führung durch einen Treffer von Kapitänin Sofie Andersson. Keine sechs Minuten waren gespielt als Danesha Adams gute Vorarbeit leistete und Andersson einen Abpraller verwertete.

Daach hatte es Djurgården sehr schwer, erst in der zweiten Halbzeit kam man in Fahrt und dominierte die Begegnung und es dauerte bis zur 72. Minute, ehe Matilda Rosqvist der Ausgleich gelang. Die abschließende Druckperiode (Jessica Landström kämpfte um jeden Ball in Abwehr und Angriff) brachte dennoch keine klaren Torchancen mehr und der Punktgewinn gegen Vittsjö scheint zu wenig, besonders, wenn man die Punktgewinne der Konkurrenten Jitex und Piteå sieht und das Schlussprogramm von Djurgården und Hauptkonkurrent Örebro.

KIF Örebro kann nicht mehr nur von einer verkorksten Saison sprechen. Sie ist grottenschlecht und völlig misslungen. Früher und das ist höchstens ein Jahr her, konnte sich Örebro einer der besten Abwehrketten der Liga rühmen. Es war schwer gegen KIF Tore zu machen. 2012 aber ist der Tabellenzehnte die Schießbude der Liga mit den meisten Gegentoren. Zwar ging man gestern daheim gegen Mitkonkurrent Piteå (beide 19 Punkte vor dem Spiel) durch Linda Hallin mit 1:0 in Führung, zwar hielt Stephanie Labbé sogar einen Elfmeter von Piteå, aber am Ende stand dann doch 1:2 auf der Anzeigentafel. June Pedersen und Jennifer Nobis wendeten das Blatt und damit dürfte Piteå für dieses Mal gerettet sein. Örebro spielt nun in Göteborg (Djurgården in Kristianstad) und noch daheim gegen AIK (Djurgården gegen Piteå). Das Schlussprogramm verlangt von Djurgården mindestens vier Punkte, um die drei aufholen zu können. KIF Örebro wird wohl mit dem Schrecken davon kommen und Djurgården wird AIK Gesellschaft leisten beim Gang in die neue zweite Liga, die nun wohl Elitettan heißen wird, nachdem man Damettan nur als Arbeitsnamen geoutet hat.

Im Spitzenspiel des Tages schlug Linköping Göteborg mit 3:2. Nur zwei freie Tage zwischen den 120 Minuten Pokalfinale gegen Tyresö waren zu wenig für Göteborg. Aber Linköping ist mit dem neuen Trainer Martin Sjögren zu Saisonende auch gut drauf. Manon Melis schoss die Führung für Linköping und nachdem Christen Press mit zwei Toren das Spiel gedreht hatte, kam dann Lisa DeVanna immer besser in Form Zuerst besorgte die Norwegerin Nora Holstad Berge den Ausgleich und dann gelang DeVanna der Siegtreffer in einer sehenswerten Partie vor 407 (!) Zuschauern. Ein echtes Problem das kaum vorhandene Publikumsintereresse ein Jahr vor der EM. Hier schwant mir nichts Gutes.

 

 

Kanadas Olympia-Kader

Kanadas Trainer John Herdman hat seinen 18-köpfigen Kader nominiert, der bei den Olympischen Spielen in London gegen Schweden, Japan und Südafrika spielen wird.

Ich vermisse Stephanie Labbé, Örebros tüchtige Torfrau, aber leider gibt es eben mit Karina LeBlanc und Erin McLeod (Dalsjöfors) starke Konkurrenz.

Verkehrte Vorzeichen

KIF Örebro war noch bis vergangenes Jahr der Inbegriff der langweiligen Stabilität. Solider Fußball war das Markenzeichen der Mannschaft, die einst von Pia Sundhage und dann von dem vergangenes Jahr tödlich verunglückten Richard Holmlund betreut wurde. Solide, unspektakulär. Als noch Sanna Valkonen das Kommando in der Abwehr hatte, war man fast unüberwindbar. Auich Marina Pettersson Engström verschaffte sich diesen Ruf, schaffte es gar bis in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Im Mittelfeld rackert wie eh und je die robuste Marie Hammarström. Die Schweden letztes Jahr eine Bronzemedaille besorgte mit ihrem beherzten Schuss gegen Frankreich in Sinsheim.

Piteås Legionäre dagegen waren letztes Jahr nicht so erfolgreich wie die Vereinsführung sich das erträumt hatte. Zwar hatte man den besten Publikumsschnitt mit über 1700, am Ende gab es nur Rang 10. Und der Trainer wurde geschasst und neue Legionäre geholt, andere ausgetauscht. Aus Umeå kam Hanna Pettersson und die traf heute zweimal und legte ein Tor für Josefin Johansson auf. Piteå siegt problemlos mit 3:0 und schiesst Örebro damit unerwarteterweise erst einmal in den Tabellenkeller, drei Punkte über dem Abstiegsplatz.

Punktlos und ein Tor – Djurgården weiterhin Letzter

0:2, 0:2, 1:3, 0:1, 0:3. Mit nur einem erzielten Treffer liegt Djurgården weiterhin auf dem letzten Platz der Damallsvenskan. Bei den ebenfalls unter Erwartung gestarteten Kickerinnen von KIF Örebro verlor Djurgården am Samstag deutlich mit 0:3 und fing sich damit die höchste Saisonniederlage ein. Zum Nichabstiegsplatz 10, auf dem nach wie vor der heutige Gegner steht, beträgt der Abstand aber nun schon sechs beunruhigende Punkte.

Immerhin gab es in der zweiten Halbzeit einige Torchancen und vier Schüsse auf das von Stephanie Labbé gehütete Tor. Wie immer konnte sich Gudbjörg Gunnarsdottir bei Djurgården nicht über Arbeit beklagen. Mit nunmehr 37 gehaltenen Schüssen hat keine andere Keeperin der Damallsvenskan bislang so viel Arbeit gehabt wie die 26-Jährige Isländerin.

Das Problem bei solchen Statistiken ist, dass die Torhüterinnen, die sehr viel halten, meist auch viel reinbekommen. Denn oft steht halt ihre Abwehr ziemlich unter Druck. In Örebro trafen heute Elin Magnusson, Caroline Näfver und Marie Hammarström gegen das Stockholmer Team, das am nächsten Sonntag Umeå IK zu Gast haben wird.

Trainer Putte Eklöf sagte nach dem Spiel, dass man ja immer noch auf Spielerinnen warte, die in der Rekonvaleszenz seien – etwa Alexandra Höglund und Jessy Sharro, aber das ist die typische Rhetorik eines Trainers, der eigentlich wissen sollte, wie ernst es um sein Team bestellt ist, der es aber nicht sagen kann, will und darf. Denn sowohl von Höglund und Sharro, auch von Renée Slegers kann und wird man keine Wunder erwarten können. Das sind ordentlich begabte Spielerinnen – die bitter erforderliche Wende werden sie nicht herbeiführen können.

Djurgården wird in diesem Jahr Opfer seiner nicht vorhandenen Planung. Und natürlich der Tatsache, dass sich die Ressourcen massiv verschlechtert haben. Aber der Kader wurde auch seit langem nicht mehr wohlüberlegt zusammengestellt. Victoria Sandell Svensson war eine Weltklassespielerin, ob sie die Richtige war, den Posten einer Sportchefin zu bekleiden, darf bezweifelt werden. Im Jahr 1 nach dem Karriereende stand für Vickan erst mal die Familiengründung im Vordergrund, das ist akzeptabel, verständlich und nachvollziehbar. Man hätte aber eine erfahrene Position die Schwangerschaftsvertretung machen lassen müssen. Nun ist Svensson zurückgekehrt, aber ein Blick auf den Kader zeigt, dass da wenig von Planung zu sehen ist.

Man hat sich gleich mit vier Spielerinnen von Absteiger Hammarby eingedeckt, die vor allem in Stockholm bleiben wollten, aus privaten und beruflichen (nicht-fußballerischen) Gründen. Auch das ist legitim. Ein Erstliga-Club, der es bleiben will, sollte seine Positionen allerdings nach Notwendigkeiten und Zielen besetzen. In Ermangelung einer Nachfolgerin für Emma Lundh wird jetzt die 17-Jährige Madeleine Stegius vermutlich so lange in der Offensive verheizt, bis Jessica Landström kommt. Die wird die Niederlage ihres künftigen (und früheren) Vereins sicher auf ihrem Smartphone während der Busreise nach Potsdam mitbekommen haben.

Während Landström in Frankfurt zumindest davon träumen kann, für ein paar Minuten oder länger beim Champions-League-Finale in München eingesetzt zu werden, wird sie hier in Schweden einen gigantischen Rückstand aufholen müssen. Und so ist auch Landström das Beispiel einer Spielerin, die eher aus privaten, denn aus sportlichen Gründen wechselt. Kann man von dieser Art Spielerin dasselbe Engagement erwarten wie von einer Spielerin, die ihre Entscheidungen allein aus sportlichen Gesichtspunkten trifft?

 

 

Zweite Klatsche für KIF Örebro

KIF Örebro war immer ein Garant für relativ spektakulärarmen, defensiv ausgerichteten Fußball. Stabilität hinten, vorn gefährlich mit Sanna Talonen und Sarah Michael. Zwei fünfte Plätze in Folge, im letzten Jahr sogar streckenweise mit einer Chance, im Titelrennen mitzuspielen. Man tat das dann indirekt, besiegte Tyresö zu Hause mit 1:0 durch ein Tor von Talonen in der Nachspielzeit und stieß damit Tyresö von der Tabellenspitze, einen Spieltag vor Saisonende.

Auch vor dieser Saison sprach alles dafür, dass Örebro sich im oberen Mittelfeld festsetzen würde. Momentan, nach vier Spieltagen sieht es aber nicht so aus. 15 Gegentore in vier Spielen. Am ersten Spieltag an die Wand gespielt von Marta & Co. in Tyresö. Da hatte es 0:7 geheißen und man nahm das als Ausrutscher und sich viel vor, als der erfste Gast Umeå IK in die Behrns Arena kam. Nach einer ersten torlosen Halbzeit, in der KIF eigentlich das Heft in der Hand gehabt hatte, glitt das Spiel aus der Hand und Umeå gewann mit 2:0. Immerhin gab es im Gefolge dann den ersten Sieg und mit dem 2:0 bei Aufsteiger und Abstiegskandidat AIK sollte alles anders werden.

Heute jedoch ging man daheim gegen auf Wiedergutmachung nach dem sensationellen 1:2 gegen Vittsjö aufspielende Göteborgerinnen (wieder ohne Trainer Torbjörn Nilsson, der angeblich immer noch nach einem Hundebiss im Krankenhaus liegt) mit sage und schreibe 0:6 daheim ein.

Drei Spielerinnen fehlen bei Örebro: Nationalspielerin Sara Larsson in der Innenverteidigung und Olina Vidarsdottir im linken Mittelfeld, dazu Kim Arodin, die nach ihrer Hochzeit im Herbst wieder zurück in die Heimatstadt Eskilstuna und die zweite Liga wechselte. Larsson sollte in ein paar Wochen wieder dabei sein, Vidarsdottir ist schwanger und wenigstens diese Saison nicht dabei.

Zwei Bälle schoss Örebro während der 90 Minuten auf das Tor von Kristin Hammarström. Zehnmal zischte die Lederkugel auf das Gehäuse von Stephanie Labbé, sechs Mal ging sie rein. Christen Press, die in der letzten Woche zweimal über den Atlantik geflogen war und ein paar Tage im Traingscamp der US-Nationalmannschaft verbrachte, zeigte jedenfalls nicht auf dem Feld, dass der Jetlag sie behinderte. Mit ihren Saisontreffern vier und fünf setzte sie sich an die Spitze der Torjägerinnenliste. Zweimal traf auch Lisa Ek, die viele noch gerne in der schwedischen Nationalmannschaft sehen würden, je einmal waren Anita Asante und Sara Lindén erfolgreich.

Krise in Örebro und in Göteborg ist man nach dem Ausrutscher wieder obenauf.

Marta & Co. stürmen mit 7:0 an die Tabellenspitze

Marta ist wieder zu Hause - großer Trubel um die 26-Jährige Brasilianerin

2892 Zuschauer am Tyresövallen, der mit zwei neuen Tribünen versehen worden ist, denn Hans Löfgren und sein Team wollen hier Maßstäbe setzen. Alles ist noch ein wenig behelfsmäßig und nicht so ganz ist man darauf vorbereitet, dass alles aus den Nähten platzen soll. Vor dem Stadion werden jetzt Wellenbrecher aufgebaut, die Zuschauer in Richtung auf verschiedene Eingänge gelotst. Diejenigen, die sich eine Karte im Vorverkauf gekauft haben nach rechts, die anderen nach links. Vorverkauf.

Für Frauenfußball in Schweden war das bisher ein Fremdwort. In Tyresö setzt man Maßstäbe. Da müssen sich sogar Spielerinnen Karten kaufen für Freunde und Verwandte, wenn die sitzen wollen. Immerhin ermäßigt. Aber nummeriert.

Das mag jetzt etwas negativ klingen und vielleicht schwingt da tatsächlich ein bisschen Larmoyanz mit, dass andere Zeiten anbrechen. Oder zumindest der Versuch gemacht wird, andere Zeiten anbrechen zu lassen. Immerhin: Nach dem Spiel darf man auf den Platz gehen und schlimmer vorher in den Medienraum. Ich war akkreditiert, wollte mir lediglich die Karten für den Zugang für den Innenraum holen, die Fotoweste, wie das hier genannt wird. Und da waren Journalisten und ein Karton mit Pressekarten und ein Ständer mit Fotowesten. Das ist dann durchaus noch sympathisch.

Line Röddik Hansen - Außenverteidigerin in blendender Form

Das Spiel in einem Absatz. KIF Örebro versuchte, kompakt zu stehen und die ersten Angriffswellen zu überstehen. 20 Minuten lang lief das ganz ordentlich, obwohl man selber nichts nach vorn brachte. Dann wurde Tyresö wärmer, Line Röddik Hansen und Kirsten van de Ven fielen besonders auf dem Flügel auf und sorgten für Gefährliches. Nach dem 1:0 durch Caroline Seger in der 26. Minute brach der Damm. Allmählich. Flanke von Kirsten van de Ven und Moa Narving köpft den Ball aus sechs Metern in den Winkel an Stephanie Labbé vorbei. Ein herrlicher Kopfball, wenn Narving nicht weiß gekleidet wäre und mit dem Eigentor zum 0:2 die Niederlage wohl besiegelt hätte. So geht es in die Halbzeit, nachdem Labbé das eine oder andere Mal zeigen konnte, dass sie eine schnelle, athletische und reaktionsschnelle Keeperin ist. In der zweiten Halbzeit leitete dann ein schneller Doppelschlag die Katastrophe ein. 3:0 Line Röddik Hansen, 4:0 Caroline Seger. Innerhalb von zwei Minuten. Danach war da endgültig das Kaninchen und die Schlange. Örebro immer ängstlicher, wenn Tyresö mit seiner Übermacht aus besseren Spielerinnen angriff. Vafriationsreich. Die Aussenverteidigerinnen, heute Röddik Hansen und Elaine gingen über die Flügel und dazu kamen Kirsten van de Ven und natürlich Marta. Während ím zentralen Mittelfeld Lisa Dahlkvist nach hinten dicht macht und nach vorne Caroline Seger und nicht zuletzt Vero Dampf machen. Die nächsten beiden Treffer gehören Marta. Den einen macht sie mit der Hacke. “Ich bin noch nicht in Topform,” sagte sie uns nach dem Spiel. “Den kleinen Tanz, den Elaine und ich nach dem ersten Tor von mir aufgeführt haben, hatten wir uns vorher überlegt. Wir haben gesagt, egal wer von uns das erste brasilianische Tor macht, wir machen den Tanz.” Und bei jedem Marta-Tor schallt ein brasilianischer Schlager aus den Lautsprechern.  Am Ende gibt es noch das 7:0 gegen den Vorjahresfünften. Stephanie Labbé holt Vero von den Beinen und hätte eigentlich rot sehen müssen, aber Jenny Palmqvist ist gnädig und gibt nur gelb, aber Elfmeter und die heute 25 Jahre alt gewordene Spanierin markiert den Schlusspunkt.

Fazit: KIF Örebro ist keinesfalls ein Absgtiegskandidat, wird aber von Tyresö dermaßen ausgespielt, dass man sich fragen kann, wer das Team aufhalten können soll. Sie haben in jedem Fall ihre Anwärterschaft auf die Meisterschaft eindrucksvoll untermauert. Nächste Woche Dienstag (am 17.04.) wird man beim Spiel in Linköping sehen, ob die Meisterschaft zu einem Spaziergang werden könnte oder ob es doch einen ausgeglichenen Kampf geben kann. Die Achillesferse ist die Abwehr, die heute nicht gefordert wurde, aber wer weiß, wenn Seger auf Nilla Fischer trifft und vor allem Johanna Frisk und Karin Lissel oder die heute verletzte Linda Sembrant auf Manon Melis und Lisa DeVanna…