Einen Schritt näher

Die schwedische Nationalmannschaft ist der WM 2015 in Kanada einen großen Schritt näher gekommen. Durch Tore der beiden PSG-Spielerinnen Caroline Seger und Kosovare Asllani (2) gewann das Team von Pia Sundhage letztlich souverän und hochverdient mit 3:1 in Motherwell gegen die bis dahin ebenfalls noch verlustpunktfreien Schottinnen. Kim Little hatte zwischenzeitlich Segers Führung durch einen Handelfmeter ausgleichen können.

Die Schottinnen begannen druckvoll und agressiv und drängten die Schwedinnen gut 20 Minuten lang nach hinten, aber mit zunehmender Spieldauer kamen die individuell insgesamt besser besetzten Skandinavierinnen immer besser ins Spiel und letztlich entschied die individuelle Klasse von Kosovare Asllani, die sich auf ihrer in der Natio bislang ungewohnten Mittelfeldrolle äußerst wohlfühlte. Der Pfosten verhinderte einen dritten Treffer der Schwedin.

“Das erste Tor war schöner. Hanna Folkesson schoss aus der Distanz und ich habe den Ball dann entscheidend abgefälscht. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, haben Geduld bewiesen. Ich denke, im Mittelfeld hat es gut funktioniert, ich konnte ganz gute Impulse geben. Ich spiele sicher am liebsten Stürmerin, aber sich anpassen zu können, ist doch was, das passt gut in meinen Lebenslauf,” sagte Aslanni nach dem Spiel dem schwedischen Radio.

Die Begegnung zeigte auch, dass der Abstand zwischen den führenden Frauenfußballnationen und der zweiten Reihe nach wie vor bedeutender ist, als man das eventuell nach den ersten Gruppenbegegnungen angenommen hatte. Dazu mehr später.

Rosengård marschiert durch

Mit einem überzeugenden 4:2 Sieg gegen Umeå IK tat Rosengård am Sonntag einen weiteren Schritt in Richtung Titelgewinn bzw. Titelverteidigung. Anja Mittag erzielte dabei ihren neunten Saisontreffer. Der Vorsprung des Meisters beträgt nunmehr sechs Punkte auf den Zweiten Örebro, der am Montagabend ein schweres Auswärtsspiel bei Linköpings FC hat. Im Prinzip scheint es nur noch Spannung um den zweiten Platz in der Champions League zu geben. Der bald scheidende Trainer Jonas Eidevall war mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft außerordentlich zufrieden und sprach von der besten Halbzeit in den zweieinhalb Jahren, seit er in Malmö arbeitet. Katrin Schmidt erzielte das zweite Tor für Rosengård.

Aus mehreren Quellen verlautet, dass der Wechsel von Antonia Göransson von Turbine Potsdam zum FC Rosengård nur noch eine Formsache sein soll. Göransson hatte kaum noch spielen dürfen und bekanntlich und verständlich will Pia Sundhage in der Nationalmannschaft auf Spielerinnen setzen, die in ihren Vereinen regelmäßig zum Einsatz kommen. Göranssons Verpflichtung wäre im Kontext der Kopfprobleme zu sehen, die Rosengårds Neuzugang Kirsten van de Ven schon seit mehr als einem Jahr begleiten. Nach zwei leichten Gehirnerschütterungen in ihrer Zeit in Tyresöhat die sympathische Niederländerin immer wieder Probleme.

Lina Nilsson, Außenverteidigerin in Diensten von Rosengård, musste ihre Teilnahme an den kommenden Länderspielen gegen Schottland und die Färöer-Inseln verletzungsbedingt absagen. Sie wird ersetzt durch Annica Svensson (Eskilstuna), die erstmals nach mehr als einem Jahr wieder Berücksichtigung bei Sundhage findet.

Englands neuer Trainer Mark Simpson hat überraschend Anita Asante aus seinem Kader gestrichen. Das regte Jonas Eidevall dermaßen auf, dass er Simpson anrief. “Anita ist eine der besten Innenverteidigerinnen in Europa. Ich habe Simpson kontaktiert und wir hatten ein gutes Gespräch. Dann ist es natürlich seine souveräne Entscheidung, aber ich glaube, zukünftig hat er einen besseren Überblick,” so Eidevall zu Sydsvenska Dagbladet.

Eidevall selber wird seine sportliche Zukunft in dieser Woche bekanntgeben, gestern sagte er, dass der Trainer, den er ersetzen wird, noch nicht Bescheid wisse, dass er seinen Job verlieren wird. Ui.

Eskilstuna gewann das Spiel der Aufsteiger erwartungsgemäß sicher mit 3:0 gegen AIK auf dem heimischen Tunavallen vor mehr als 3.000 Zuschauern. Eskilstuna muss schon in der Liga bleiben, damit der Zuschauerdurchschnitt aufpoliert wird.

Und am Samstag trennten sich im Skåne-Derby Kristianstad und Vittsjö 0:0 unentschieden. Eigentlich sogar ein Lokalderby, denn viele Spielerinnen von Vittsjö wohnen im größeren, aber immer noch nett provinziellen Kristianstad.

 

 

 

 

Olivia Schough verlässt Bayern

Olivia_SchoughNach knapp einem halben Jahr nur verlässt Olivia Schough den FC Bayern München. Das meldet die Zeitung Expressen am Sonntag. Die Zeitung hatte bereits vor einigen Wochen in einem Interview mit Schough herausgearbeitet, dass sich die Schwedin zwar in München wohlfühle, sich aber an den rauheren Umgangston in Deutschland erst noch gewöhnen müsse.

Ob das nun die Ursache für den kurzen Aufenthalt ist, bleibt dahingestellt. Expressen gegenüber sagte Schough jedenfalls, dass sie Sorge habe, ihren Nationalmannschaftsplatz bei zu wenig Spielzeit in München nicht behaupten zu können. Mit der Begründung für zu wenig Spielzeit im Verein fand ganz aktuell Antonia Göransson (Turbine Potsdam) keine Berücksichtigung bei Pia Sundhage.

München  sei eine tolle Stadt und Bayern ein tolles Team, aber sie müsse nun leider gehen. Alles kann demnach nicht so toll gewesen sein, denn die Knieverletzung und die Halsinfektion hätten sie überall anders auch gestoppt. Ein neuer Verein steht noch nicht fest, sagte Schough. In Schweden dürfte wohl Linköping nach Verstärkung suchen und auch ihr Ex-Verein Göteborg hat nach gutem Start jetzt seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen.

Sundhages Kader

Pia Sundhage bat zur Pressekonferenz nach Solna und gab den Kader für das WM-Qualifikationsspiel am 5. April im Shamrock Park zu Portadown (knapp 40 km südwestlich von Belfast) bekannt. Nominiert sind:

Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Nilla Fischer, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Elin Rubensson, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro, Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran.

Rosengårds Elin Rubensson erhielt ein Sonderlob Sundhages für ihr tolles Spiel gegen die USA beim Algvarve-Cup, wo sie Heather O’Reilly einen schweren Stand bereitete.

“Elin war ein sehr angenehmes und nettes Ausrufezeichen an der Algarve,” so Sundhage auf der Homepage des SvFF. Wir finden, dass sie sowohl links wie rechts spielen kann. Dann werden wir mal sehen, wo sie im Verein landet. Aber sie kann unglaublich gut werden,” so Sundhage voller Anerkennung.

Elin Rubensson hat auch schon im Verein von ihrer angestammten Stürmerposition kommend als Außenverteidigerin spielen dürfen (müssen). In der Nationalmannschaft startete Schweden zuletzt mit Elin Rubensson und Jessica Samuelsson auf den Außenverteidigerpositionen. Möglicherweise wird die Luft für Lina Nilsson und die bald 35-Jährige Sara Thunebro dünner.

Am 8. Mai findet dann das Rückspiel gegen die Nordirinnen in Växjö statt. Alles andere als sechs Punkte ohne Gegentor wäre eine große Überraschung.

Pia Sundhage fasste auch das Turnier an der Algarve kurz zusammen: “Es gab gleihermaßen Wein wie Wasser an der Algarve. Man kann sagen, dass ein Eindruck war, dass Motivation gegen Klasse gewinnt. Das sage ich und denke dabei sowohl an unseren Sieg über die USA wie auch den Sieg Islands über uns.”

Susan Varli macht Schluss

Susan Varli (links)

Susan Varli (links)

Susan Varli hat mit 22 die Fußballschuhe an den Nagel gehangen. Susan who? Varli war eine talentierte Spielerin mit Migrationshintergrund. Ihre Eltern sind Syrianer aus der Türkei. Das wird weiter unten noch Bedeutung bekommen. Varli spielte bei allen drei Stockholmer Traditionsvereinen: bei AIK, Hammarby und Djurgården. Verließ Hammarby vor ein paar Jahren gemeinsam mit Daniella Chamoun und Nazanin Vaseghpanah mitten in der Saison, da wurde viel geredet über die sheinbar Abtrünnigen, die obwohl unter Vertrag bei Hammarby den Rest des Jahres mit AIK trainierten und dann im Jahr drauf bei AIK spielten. Varli wurde dann 2012 bei AIK mitten in der Saison aussortiert, sie wechselte zu Djurgården und ging dann 2013 zu Hammarby in die zweite Liga.

Im Oktober 2012 als es richtig gut lief, debütierte Susan Varli in der U23-Nationalmannschaft für Schweden. Spielte gegen Norwegen, man lag 0:1 hinten und schoss dann beide Tore zum 2:1-Endstand für Schweden.

Damals trainierte noch Lillie Persson die U23, dann ging sie zu Pia Sundhage, Nachfolger wurde U19-Trainer Calle Barling.

Anfang 2013 als es darum ging, das U23-Team für das traditionelle Turnier in la Manga zu nominieren, war Varli Reserve, bekam einen Anruf von Barrling, den sie nun der Länstidning in Södertälje wiedergab.

Barrling soll gesagt haben, dass Varli ja mehr Möglichkeiten habe als andere. Schließlich habe sie türkische Eltern und könne ja auch für die Türkei spielen. Sie möge doch mal mit Leyla Güngör in Malmö Kontakt aufnehmen, die habe ähnliche Erfahrungen. Barrling hob in dem Gespräch angeblich auf die andere Mentalität Varlis ab und meinte, diese sei ja nicht wie “wir Schweden”.

Auf das Telefonat von der Zeitung angesprochen, sagte Calle Barling: “Das schreibst du nicht. Das sollst du wissen.”

Das klingt wie Nordkorea mitten in Schweden. Varli sagt, sie hätte nach dem Gespräch mit Barrling geweint, weil der sie quasi als unschwedisch bezeichnet habe und dies als einen der Gründe für ihre Nichtnominierung angegeben habe.

Spielerinnen mit Migrationshintergrund, so der Tenor des Artikels, hätten in Schweden so gut wie keine Chance. Wäre Zlatan Ibrahimovic ein Mädchen gewesen, so Varli, wäre er in Liga 5 steckengeblieben.

So ähnlich habe ich das 2012 auch von Nazanin Vaseghpanah gehört, die damals mir als erstem Journalisten mitteilte, dass sie mit dem Fußball aufhören würde. Ihr wäre immer gesagt worden, dass sie zu viel wolle, sagte “Naza” mir damals. Ihre Freundin Susan Varli benutzt eineinhalb Jahre später fast dieselben Worte.

Dass Varli, Vaseghpanah und Chamoun als Trio sicher nicht immer einfach in einer Mannschaft zu hantieren waren, habe ich von anderen Spielerinnen gehört, aus mehreren Quellen.

Dass ändert jedoch nichts daran, dass Barrling sich offenbar in dieser Angelegenheit alles andere als souverän und abgeklärt verhalten hat. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass man in den schwedischen U-Teams nicht aus der Masse heraustreten darf. Mädchen haben tüchtig (“duktig”) zu sein. Offenbar gehört leider auch dazu, dass man immer den Mund hält. Dass Barling auch der Journalistin von Länstidningen i Södertälje den Mund verbieten wollte, sieht nicht gut aus. Es stinkt zum Himmel, auch wenn jetzt Journalisten wie Anders Nilsson dem Fußballehrer zur Seite springen und bekunden, dass dies nicht der Calle Barrling sein könne, den Nilsson seit zehn Jahren kenne.

Algarve

Unter der Woche hat Pia Sundhages Assistentin Lillie Persson in Abwesenheit der Chefin den Kader für den alsbald in Portugal auszuspielenden Algarve-Cup bekanntgegeben.

Die schwedische Mannschaftsführung setzt auf albewährte Kräfte:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro

Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Elin Rubensson, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran

Ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft hat am selben Tag Josefine Öqvist erklärt. Die 30-Jährige will sich mehr um ihre Tochter kümmern und setzt daher nur noch auf das Spiel mit ihrem Verein SC Montpellier.

Eine ehemalige Nationalspielerin ist schwanger und verpasst deshalb die kommende Saison. Stina Segerström, die 31-Jährige Abwehrspielerin von Kopparberg/Göteborgs FC, erwartet ihr erstes Baby. Herzlichen Glückwunsch!

 

Blamage für Schweden

Zurück aus München, wo ich den größten Teil der letzten Woche verbracht habe. Gestern Abend übertrug der Fernsehsender TV4 Sport nun doch das erste Länderspiel der schwedischen Nationalmannschaft im neuen Jahr.

In Amiens bei Paris gab es eine hoch verdiente 0:3-Schlappe gegen Frankreich. Ich habe nur die zweite Halbzeit gesehen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass eine schwedische Nationalmannschaft so dermaßen vorgeführt wurde. Frankreich machte ein tolles Spiel und wenn man eines an den in zartblau spielenden Französinnen kritisieren will, dann ist es die mangelhafte Chancenverwertung. Das Spiel hätte 6:0 oder 7:0 enden können, ja beinahe müssen.

Sicher, die Schwedinnen sind überwiegend in der Saisonvorbereitung, die Französinnen mittendrin, aber das ist eine willkommene, aber zaghafte Verklärung des Spielverlaufs. In Abwesenheit von Pia Sundhage coachte Assistentin Lillie Persson und sicher, Lotta Schelin stand nicht zur Verfügung und auch nicht Therese Sjögran und Charlotte Rohlin. Das erklärt aber nicht, dass Sara Thunebro bis zur Auswechslung ihrer Gegenspielerin Elodie Thomis zur Slalomstange mutierte, die von der schnellen Französin nach Belieben ausgetanzt wurde.

Es erklärt nicht, dass Nachwuchskräfte wie Amanda Ilestedt zwar talentiert, aber noch lange nicht auf diesem Niveau, dem höchsten nämlich, angekommen sind. Da gab es haarsträubende Fehlpässe im Aufbauspiel, so dass die agilen und technisch zwei Klassen besseren Französinnen den Ball meist schon im Mittelfeld der Schwedinnen eroberten und Angriffswelle auf Angriffswelle auf das von Hedvig Lindahl, der wohl alten und neuen Nummer 1 schickte. Lindahl leistete sich zwei ihrer bekannten Ausrutscher, einmal war sie wieder spontan aus dem Tor geeilt, aber der Schuss der eingewechselten Miriam Makanza ging über die Querlatte ins Toraus.

Schweden hat ein Torwart, ein Abwehr, ein Mittelfeldproblem. Caroline Seger kämpfte unermüdlich, versuchte, zu retten, was zu retten war, stand aber auf verlorenem Posten. Elin Rubensson zeigte ein vielversprechendes Debüt als rechte Außenverteidigerin gegen einen übermächtigen Gegner und auch AIK:s Emma Lundh gelang es zwei, dreimal ihr außergewöhnliches Spielerfassungsvermögen zu zeigen. Torchancen der Gelbblauen: Fehlanzeige.

Mit dem neuen 4-1-3-2 Spielsystem, das man ausgerechnet gegen die wohl spielstärkste Mannschaft Europas in einem Auswärtsspiel testete, fiel man gründlich auf die Nase. An der Algarve geht es dann wohl mit Sundhage weiter.

0:1 durch Gaetane Thiney nach 14 Minuten, als Ilestedt gegen die wesentlich reifere Französin keinen Stich bekam. Ab da übernahmen die Blauen das Spielgeschehen. Zeitweilig herrschte Klassenunterschied in Amiens.

“Wir machen viele leichte Fehler und das kann man natürlich erklären. Vieles lag daran, dass wir nicht dasselbe Tempo wie die Französinnen spielen konnten und darüberhinaus fehlten uns einige gute Namen, während die ihre beste Mannschaft hatten,” versuchte Lillie Persson nach Erklärungen für das Debakel zu suchen.

Schweden spielte mit folgender Startbesetzung:

1 Hedvig Lindahl – 23 Elin Rubensson, 5 Nilla Fischer, 4 Amanda Ilestedt, 6 Sara Thunebro – 7 Lisa Dahlkvist – 11 Antonia Göransson, 17 Caroline Seger [K], 3 Hanna Folkesson – 9 Kosovare Asllani, 22 Olivia Schough.

Die Tore kann man in diesem Video des offiziellen YouTube-Channels der französischen Frauenfußballnationalmannschaft sehen:

Gegen Frankreich

Am 08.02. wird die schwedische Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel im neuen Jahr bestreiten. Gegner außerhalb von Paris ist Frankreich.

In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die in den USA eine zweimonatige Gastprofessur wahrnimmt (sie wird zum Algarve-Cup wieder beim Team sein) benannte Co-Trainerin Lillie Persson folgenden Kader für das Frankreich-Spiel:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Magdalena Ericsson, Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Charlotte Rohlin, Sara Thunebro

Mittelfeld & Angriff: Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Emma Lundh, Lina Hurtig, Elin Rubensson, Olivia Schough, Lotta Schelin, Caroline Seger, Therese Sjögran, Josefine Öqvist.

Zurückgekehrt ist Carola Söberg. Im Tor gibt es nach dem Bandscheibenvorfall von Sofia Lundgren und dem Rücktritt von Kristin Hammarström Besetzungsprobleme und die nicht gerade stabile Hedvig Lindahl ist nun wieder die Nummer 1.

Die wieder genesene Emma Berglund wurde noch nicht berücksichtigt, ebensowenig Tyresös Linda Sembrant, die in der Champions League schon starke Spiele im Herbst gemacht hat.

Im Angriff darf man gespannt sein, ob Persson Supertalent Lina Hurtig testen wird. Die neuerliche Nominierung von Emma Lundh zeigt, dass das als schwierig geltende ewige Talent Lundh offenbar beim letzten Lehrgang überzeugt hat. Die mittlerweile 24-Jährige verfügt über eine manchmal geniale Spielintuition, hat aber den Durchbruch immer noch nicht geschafft.

 

Vermischtes

Schnee liegt in Schweden. Seit gut einer Woche ist es wieder schwieriger geworden, draußen zu trainieren, was normalerweise in dieser Jahreszeit für die meisten Vereine, zumal im Norden, sowieso nicht geht.

Ein paar Kurznachrichten:

Zlatan Ibrahimovic und Pia Sundhage haben sich bei der Verleihung des Ballon D’Or am Montag in Zürich kurz unterhalten. Dabei soll Sundhage den 32-Jährigen Superstar, der zuletzt despektierliche Bermerkungen über den Frauenfußball gemacht hatte, zum Länderspiel Schwedens am 8. Februar gegen Frankreich in der Nähe von Paris ein. Ibrahimovic antwortete, dass er kommen würde, wenn er nicht durch Termine verhindert sei. Man darf also gespannt sein. Damit wird mein alter Vorschlag also aufgegriffen:). Sicher die beste Möglichkeit, die unselige “Fahrrad”-Geschichte ad acta zu legen. Ibrahimovic und sein Management täten klug daran, sich den Termin freizuschaufeln.

Das kürzlich ausgefallene Trainingslager der schwedischen Nationalmannschaft aufgrund des Boykotts von zehn der zwölf Vereine der Damallsvenskan hat am Freitag zu einem Treffen zwischen Vertretern des schwedischen Fußballbundes SvFF und EFD (der Interessenorganisation der ersten und zweiten Liga) geführt. In sehr salbungsvollen Worten beiderseits, die ich den Lesern hier ersparen möchte, weil sie vom gemeinsamen Willen, dem schwedischen Fußball zu dienen getragen sind und abzielen, jedwede Missverständnisse künftig zu vermeiden und Friede, Freude, Eierkuchen usw., erklärte man einander die Freundschaft, Loyalität und Hingebung. Ergebnis: Alle für 2014 geplanten Trainingslager sollen stattfinden.

Die Tschechin Lucie Martinkova, in Diensten von KIF Örebro, wurde auf der Fußballgala im heimischen Prag zum zweiten Mal hintereinander als Tschechiens Fußballerin des Jahres ausgezeichnet.

Im dritten Jahr hintereinander wird über LdB FC Malmös (jetzt: FC Rosengård) Steuerschuld von rund 700.000 € gesprochen, die der neue Verein übertragen bekommen hat. Das könnte Rosengård in arge Not bringen, aber offenbar kann man diese Summe immer wieder ein Jahr aufschieben, so dass wir 2015 im Jänner sicher wieder eine Notiz hierzu finden werden…

Morgen, Montag, fliegt die Mannschaft von Linköpings FC zu einem außergewöhnlich weit entfernten Trainingslager nach Thailand. Man wird dort u.a. auch auf die thailändische Nationalmannschaft treffen. Es gibt Schlimmeres.

Wenn der schwedische Meister FC Rosengård am 1. Februar zu Gast beim Champions-League-Viertelfinalisten Turbine Potsdam (Achtung, Potsdam-Fans: Gelegenheit, Anja Mittag mal wieder bei euch zu sehen) sein wird, könnte es sein, dass im Tor der Schwedinnen die 18-Jährige Kroatin Doris Bacic stehen wird. Denn sowohl die Nummer 1 Thora Helgadottir und die Nummer 2 Zecira Musovic sind noch angeschlagen. Bacic kommt vom englischen Topclub Arsenal Ladies, wo sie fast gar nicht eingesetzt wurde.

 

 

Peinliche Absage

Es ist eine bittere Niederlage für Pia Sundhage. Zehn Vereine der Damallsvenskan weigerten sich, ihre Nationalspielerinnen für das in Växjö geplante Trainingslager abzustellen. Der Zeitraum 12.-16.01. ist zwar ein sogenanntes FIFA-Fenster, aber da Schweden kein Länderspiel bestreitet, können die Vereine der charismatischen Trainerin ihre Zusage verweigern, was sie also auch taten.

Dagegen hatten Turbine Potsdam, der VfL Wolfsburg, BV Cloppenburg, Bayern München, Olympique Lyonnais und Paris Saint-Germains ihre Spielerinnen bereits freigestellt. Lotta Schelin, Kosovare Asllani, Nilla Fischer und Co. wären also gekommen, aber Emmelie Konradsson, Malin Reuterwall, Elin Rubensson und Co. wurde es verboten.

Was für ein Gesichtsverlust für Pia Sundhage. Man kann sich fragen, was diesen tiefen Graben verursacht hat, der offenbar zwischen der Führung der Nationalmannschaft, deren erste Vertreterin die zweifache Olympiasiegertrainerin ist, und den Vereinen der Liga besteht? Denn dies schadet dem Ansehen des schwedischen Fußballs, keine Frage und man fragt sich, wie die weitere Zusammenarbeit zwischen Pia Sundhage und “ihren” Trainern in der Heimat verlaufen soll.

Der Verband ergab sich heute und sagte das Trainingslager aufgrund des Boykotts ab. Nationalmannschaftschefin Marika Domanski Lyfors: “Es wäre nicht richtig, die ausländischen Spielerinnen zu einem Lehrgang einzubestellen, an dem dann praktisch keine einheimischen Spielerinnen teilnehmen.”

Und Pia Sundhages Assistentin Lillie Persson: “Dieser Lehrgang sollte einigen Spielerinnen die Möglichkeit geben, sich mit den allerbesten zu messen. Spielerinnen, die es bislang nicht geschafft hatten, in eine 18er-Formation hereinzukommen, die wir zu Länderspielen nominieren. Darüber hinaus war der Lehrgang als wichtiger fysiologischer Test im Hinblick auf die WM 2015 geplant.”

Der nächste Lehrgang findet nun vom 6.-9. Februar in Stockholm (Bosön) statt. Sicherheitshalber hat man nun schnell ein Auswärts-Länderspiel (Gegner wird noch bekanntgegeben) vereinbart, um nicht eine neuerliche Blamage hinnehmen zu müssen.

Alle gegen Sundhage

Vom 12.-16. Januar hat der schwedische Fußballverband den ersten Lehrgang für die A-Nationalmannschaft angesetzt. In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die eine Gastprofessur in den USA wahrnimmt, wird Assistentin Lillie Persson Lehrgangsleiterin sein. Insgesamt 65 Tage wollen Sundhage und Persson 2014 mit ihren Nationalspielerinnen verbringen, um das Team zu schweißen, das bei der WM 2015 in Kanada um die Medaillen mitspielen soll.

Die Vereine sind alles andere als begeistert und nach Angaben von Anders Nilsson, Blogger bei der Boulevardzeitung Aftonbladet, sieht es so aus, als ob die Spielerinnen von Meister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö), Linköpings FC und Umeå IK nicht zum Lehrgang nach Växjö fahren dürfen.

Damit wären zehn der insgesamt 25 nominierten Spielerinnen aus dem Rennen: Malin Reuterwall, Magdalena Ericsson, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Hanna Folkesson, Therese Sjögran, Lina Hurtig und Elin Rubensson.

“Unser Ziel ist, das Regelwerk zu befolgen und die Spielerinnen lediglich von den von der FIFA bestimmten Spielterminen freizugeben,” wird Rosengårds Sportchef Niclas Carlnén zitiert. Es gehe nicht darum, dass man gegen die Nationalmannschaft sei, so Carlnén weiter, aber es müsse ein besseres Gleichgewicht geben und man müsse die Belastung für die Spielerinnen zu gewissen Zeiten verringern.

Nilson behauptet in seinem Blog ebenfalls, dass zehn der zwölf Vereine der Damallsvenskan einen Brief an Fußballchefin Marika Domanski Lyfors geschrieben hätten, in dem sie mitteilen, ihre Spielerinnen lediglich zu den von der FIFA bestimmten Terminen freigeben wollen.

westAls ich gestern auf Twitter etwas provokant fragte, ob man sich nicht mehr an der Nationalmannschaft orientieren müsse, da die Öffentlichkeit die Spiele der Nationalmannschaft verfolgt, aber kaum jemand zur Damallsvenskan gehe, antwortete mir Umeås Sportchef Niklas Westman: “Meinst du das Ernst? Sollen die Clubs der Damallsvenskan den Spielerinnen Gehälter zahlen für eine Menge Fysio-Tests im Januar?”.

Das zeigt, dass es auch noch um etwas anderes geht als Ruhe für die Spielerinnen. Westman bringt das finanzielle Argument ins Spiel. Wenn die Nationalmannschaft die Spielerinnen 65 Tage lang im Jahr in Beschlag nehmen will, dann zahlen die Vereine etwas mehr als zwei Monatsgehälter trotz Abwesenheit ihrer besten Mitarbeiterinnen.

Aber ist nicht eine Möglichkeit, die Publikumsmisere der letzten Jahre, in denen die Liga Zuschauer in großem Maße verloren hat, anzugehen, die Nationalmannschaft noch opulärer zu machen? Oder geht Frauenfußball und großes Publikum vielleicht nur im Rahmen von Länderwettbewerben und großen internationalen Meisterschaften zusammen?

Könnte nicht ein amerikanisches Modell, in dem der Fußballverband zumindest ansatzweise die Gehälter seiner 25 wichtigsten Spielerinnen übernimmt und damit auch das Recht hat, die Spielerinnen zu Lehrgängen einzuberufen eine interessante Variante sein?

Oder wollen wir im Klein-Klein weiterwurschteln und uns auch in drei Jahren noch darüber ärgern, dass zu den meisten Spielen höchsten fünfhundert Zuschauer kommen, wenn man dann auch noch den Zeugwart, alle Spielerinnen und Ordner mitgezählt hat?

In jedem Fall scheint Pia Sundhage mit ihrem Team allmählich die Grenzen von dem zu erreichen, was die Vereine mit ihr bereit sind, mitzumachen. Das ist für den schwedischen Fußball kaum eine gute Entwicklung.

Das Argument Carlnéns, dass die Spielerinnen nicht mehr belastet werden können, verfängt doch auch nicht. Die Damallsvenskan hat 22 Spiele. Die Spielzeit dauert sieben Monate, davon ist ein guter Monat spielfrei. Auch hier muss man darüber nachdenken, ob man den Spielbetrieb nicht ausdehnt, zum Beispiel im März beginnt und im November aufhört. Wir reden hier über hauptamtlich vergütete Spielerinnen, die zwar nicht viel Geld verdienen, aber im Wesentlichen doch Profis sind. Und die sind sozusagen ein halbes Jahr auf der Bühne, während sie den Rest des Jahres auf mehr schlecht als recht beleuchteten Trainingsplätzen für das andere halbe Jahr üben und infolgedessen von der Öffentlichkeit, die letztlich die notwendige Lebensnahrung (Geld) zuführen soll, nicht wahrgenommen wird.

Statt zumindest neues Denken zu ermöglichen, verschanzen sich die Clubs, deren Zuschauerränge immer leerer werden, aber lieber hinter dem Argument, dass die Spielerinnen bitte vor allem und in erster Linie ihnen gehören. Ist das der Weg in die Zukunft?

 

 

Schweden 2014: Die Lage im Januar

In 98 Tagen beginnt die neue Saison der Damallsvenskan. Sollte das Wetter so bleiben, wie es derzeit in Süd- und Mittelschweden ist, nämlich schneefrei und außergewöhnlich mild, könnte es erstmals seit vielen Jahren, eine Vorsaison geben, in der z.B. in Stockholm sogar relativ problemlos draußen trainiert werden kann.

Was hat sich bis dato getan in den 12 Vereinen der ersten Liga? Was machen die Absteiger, welche Entwicklungen gibt es in der zweiten Liga?

Das Transferfenster ist geöffnet und mit Sicherheit wird sich der Kader hier und dort noch verändern. Einige Teams sind mehr aktiv gewesen als andere. Hier ist der Zwischenstand und die Vereine sind so sortiert, wie sie nach heutigem Stand und meiner Meinung abschneiden würden, wenn die Saison nächste Woche beginnen würde.

1. FC Rosengård

Nach der zweiten Umbenennung des einstigen Frauenteams von Malmö FF steht der Meister von 2013 mit neuem Sponsor im Rücken äußerst stark da. Die Vereinsführung und Sportchef Niclas Carlnén haben die Strategie, Spielerinnen möglichst langfristig an den Verein zu binden und auch primär nur solche Spielerinnen anzuwerben, die zum Verein und zur Mannschaft passen.

Scouting war schon immer eine Stärke Malmös in den letzten Jahren. Das beste Beispiel hierfür die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, die mittlerweile Schlüsselspielerin ist. Bei Annika Kukkonen und Katrine Veje hat man sich aber doch offenbar verrechnet. Kukkonen wechselte bereits vorletztes Jahr und Veje musste jetzt gehen, über den Öresund nach Kopenhagen. Auch die Kolumbianerin Yoreli Rincon hat es nicht geschafft, sie war bei Aufsteiger Eskilstuna im Gespräch, hat aber noch keinen neuen Verein. Ihre technischen Finessen konnten nicht die physischen Mängel überdecken.

Mit Kapitänin Malin Levenstad hat eine Führungsspielerin den Verein verlassen. Sie ist zwar nur sechs Monate an Aufsteiger AIK ausgeliehen, aber es ist nicht anzunehmen, dass sie zurückkehrt. Als Innenverteidigerin fehlt es ihr letztlich auch an der internationalen Klasse, die man braucht, um die Champions League zu gewinnen.

Sowohl gegen Olympique Lyon im März 2013 wie gegen den VfL Wolfsburg im Spätherbst war man letztlich chancenlos. Gegen Wolfsburg zwar glücklos, aber eben nach 180 Minuten erfolglos. Um den nächsten Schritt auch international zu machen, holte man sich mit der robusten und spielintelligenten Engländerin Anita Asante eine Spielerin, die nicht nur die Champions League bereits mit dem FC Arsenal gewonnen hat und über große internationale Erfahrung verfügt, sondern auch jemanden, der multifunktionell einsetzbar ist: sowohl im Zentrum der Abwehr wie auch im zentralen defensiven Mittelfeld.

Der Abgang von Manon Melis zum angeblich wesentlich besser zahlenden Ligakonkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC könnte die Südschweden mehr schwächen, als man das gemeinhin erwartet. Im erfolgreichen Herbst, in dem Malmö letztlich den Spieß umdrehte und Tyresö den Titel mit deutlichem Abstand wegschnappte, war es immer wieder Melis im Zusammenspiel mit Veteranin Therese Sjögran, die entscheidende Tore schoss.

Man hat jedoch mit Melis’ Landsfrau Kirsten van de Ven von Gegenspieler Tyresö eine äußerst ehrgeizige Flügelflitzerin mit hoher Sozialkompetenz geholt. 2014 müsste aber auch die Saison von Megatalent Elin Rubensson werden, falls nicht, würde ich der 20-Jährigen raten, sich einen neuen Verein zu suchen, um ihre Begabung nicht zu verschwenden.

Rosengård ist erster Anwärter auf den Meistertitel im neuen Jahr. Der Konkurrent Nummer eins derzeit ist meiner Meinung nach

2. Linköpings FC

Zampano Anders Mäki und Trainer Martin Sjögren haben in Linköping schon letztes Jahr ein kleines Meisterstück vollbracht. Mit Nilla Fischer gab man die teuerste Spielerin mitten in der Saison an den VfL Wolfsburg ab und man merkte es nicht. Denn Linköping siegte sich souverän durch den Herbst und das mit einem äußerst jungen Team, das man auch noch verstärkt hat für dieses Jahr.

Vor zwei Jahren sollte es noch das Geld und die erfahrenen Spielerinnen machen. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer und andere tummelten sich in der 100.000-Einwohnerstadt, anderthalb Zugstunden südlich von Stockholm und das Experiment ging in die Hose. Trainer Jörgen Pettersson (vor Sjögren Trainer in Malmö) ging und Sjögren kam, das hatte es genauso schon in Malmö gegeben. Sjögren holte dann auf Anhieb den Titel.

In Linköping schaffte er das zwar nicht, aber sowohl Rosengård wie auch Tyresö haben mit Sicherheit gehörigen Respekt vor den Blauen.

Mäki und Sjögren “sammeln” offenbar U19-Europameisterinnen. Aus der Mannschaft die 2012 in der Türkei für Schweden Gold holte, spielen jetzt vier in Linköping, nachdem man sich von Jitex Fridolina Rolfö für das offensive Mittelfeld gesichert hat. Sofia Lundgren wird ihre Karriere als Torhüterin wohl nach einem Bandscheibenvorfall beenden. Aufgrund der Ungewissheit ihrer sportlichen Zukunft hatte man der 32-Jährigen auch keinen neuen Vertrag mehr angeboten und sich schließlich die Amerikanerin Katie Fraine von Absteiger Mallbacken geholt. Möglicherweise ist Fraine die beste Torhüterin der Liga. Sollte es der Niederländerin Renée Slegers im Mittelfeld nochmals gelingen, das fortzusetzen, was sie in der zweiten Saisonhälfte geboten hat und Welttalent Pernille Harder sich so weiterentwickeln wie anzunehmen ist, dann ist die Quali für die Champions League im Bereich des Möglichen für Linköping.

3. Tyresö FF

Eine Personalpolitik, die ich nicht verstehe. Fünf Amerikanerinnen hat der Verein um den ehemaligen Assistenztrainer der USA, Tony Gustavsson, geholt. Alle fünf müssen nun spätestens Anfang Juni gehen. Die vielen Wechsel in der zweiten Jahreshälfte 2013 und die Verletzung von Marta haben Tyresö den Titel gekostet und mit dem, was vermutlich nun wieder ansteht, neue Spielerinnen, die sich schnellstens akklimatisieren sollen, wird man es wieder nicht schaffen. Kann es sein, dass sich Fädenzieher Hasse Löfgren zurückzieht, wenn er sein 2006 definiertes Ziel Champions League erreicht hat. Auch die Verträge von Caroline Seger, Vero Boquete und Marta laufen im Juni aus, die Saison geht aber bis Ende Oktober. Mit soviel Unstetigkeit wird nicht mehr als Platz 3 drin sein.

4. Umeå IK

Der neue Trainer Jonas WIkström findet eine reformierte Organisation vor und eine starke Truppe. Umeå musste einsehen, dass die finanziellen Abenteuer des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts nicht mehr möglich waren. Man gab die Devise aus, dass man nun auf einheimische Talente setzen würde.

Umeå steht heute in der Tat da mit sechs Spielerinnen, die entweder in der schwedischen Nationalmannschaft spielen oder aber Lehrgänge bei Pia Sundhage besucht haben. Lina Hurtig ist eines der größten Talente im Lande, von ihr dürfte man sehr viel hören in diesem Jahr. Hanna Folkesson im zentralen Mittelfeld ist eine Arbeitsbiene, die ihresgleichen sucht und wenn Kapitänin Emma Berglund nun nach überstandener Kreuzband-Reha wieder in der Inenverteidigung spielten wird, dann hat Umeå eine äußerst starke zentrale Linie.

5. Vittsjö GIK

Der aus Finnland nach Südschweden ausgewanderte Calevi Hämäläinen stellt mit seinem Unternehmen Wiwood Spanplatten her. Da er aber auch noch fußballverrückt ist, sponsort er den örtlichen Frauenfußballverein Vittsjö GIK. In der ersten Saison noch sensationell guter Aufsteiger hatte man vergangenes Jahr das verflixte zweite Jahr, bedingt unter anderem durch mehrere Verletzungen, kriegte am Ende aber doch noch die Kurve. Für 2014 hat man sich bestens verstärkt.

Göteborg schnappte den Kleinstädtern die holländische Torhüterin Loes Geurts weg. Dafür holte man sich die bessere Minna Meriluoto, ein Gewinn für Vittsjö. Ebenso ist die Schottin Hayley Lauder von Absteiger Mallbacken ein Gewinn. Mit der wohl endlich wieder genesenen Ifeoma Dieke und Goalgetterin Jane Ross bildet Lauder ein schottisches Trio in Skåne.

 

6. KIF Örebro

Lediglich Umeås nigerianisches Mittelfeldas Ogonna Chukwudi steht auf der Liste der Neuzugänge. Im Kader hat sich wenig getan und wenn, wie anzunehmen, die tschechischen Zwillinge Lucia und Irene Martinkova eine weitere Saison in Närke absolvieren, dann sollte einem Platz in der oberen Hälfte nichts entgegen stehen.

 

7. Kopparberg/Göteborgs FC

Die Zwillinge Hammarström haben aufgehört. Olivia Schough geht zum FC Bayern, Yael Averbuch und Anita Asante sind weg – und statt Torbjörn Nilsson sitzt Stefan Rehn auf der Bank, den man vom Lokalkonkurrenten Jitex wegholte. Göteborg hat mehr abgegeben an Kompetenz als es sich bislang geholt hat. Manon Melis steht auf der Habenseite, aber die anderen Neuverstärkungen sind eher solide als überragend. Holländerinnen sind im Gespräch in Göteborg, unter ihnen die Duisburgerin Lieke Martens. Seit mehreren Jahren verspricht Sponsor und Klubboss Peter Bronsman, dass Göteborg sich wieder ganz nach oben orientiert. Aber bislang ist das noch nicht passiert. Eine Melis macht noch keinen Sommer.

 

8. Piteå IF

Nach Jahren mit ausländischen Torfrauen versucht man es endlich mal mit einer einheimischen: Hilda Carlén ist in zwei Schritten von Malmö über Hammarby (Stockholm) nach Norden gezogen.

Das solide Gerüst mit Faith Ikidi in der Abwehr steht. Nach vorne gibt es mit den jungen Schwedinnen Pauline Hammarlund und Jennifer Egelryd zwei interessante Neuverstärkungen, die beide via Tyresö gekommen sind, aktuell aber jetzt aus Linköping und Uppsala.

 

9. Kristianstads DFF

Im Kader von Elisabet Gunnarsdottir, der seit Jahren einzigen Frau auf einer erstklassigen Trainerbank, hat sich kaum etwas getan bisher. Viel weiter nach oben wird es deshalb auch nicht gehen, auch wenn Gunnarsdottir möglicherweise wieder die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben wird. Aber ich bin sicher, dass sich hier das Karussell noch drehen wird.

 

10. Eskilstuna United

Der Aufsteiger wird seine erste Saison im Oberhaus spielen und dank der Geldspritze eines lokalen Sponsors, der umgerechnet 280 000 Euro zuschießt, sollte es auch gehen, das Experiment Damallsvenskan.

Ein schönes Stadion am Tunavallen, Sara Thunebro als vermutete Spielführerin und vorne soll die Kamerunerin Gaelle Enganamouit für Furore sorgen, neben der in Malmö einst ausgesiebten Felicia Karlsson.

Das sollte reichen für Jahr 1.

 

11. AIK

Mit Malin Levenstad und Maija Saari hat man sich ein routiniertes Paar in der Innenverteidigung geholt. Aber ist Saari wieder fit nach ihrem Kreuzbandriss, der sie die EM-Teilnahme kostete? Und kann die talentierte, aber verletzungsanfällige Sarah Storck vorne wirklich die Tore machen, die man braucht, um in Liga 1 zu bleiben? Zweifelhaft.

 

12. Jitex BK

In Mölndal im südlichen Göteborg haben sie letztes Jahr versucht, der sturen Gemeinde die Schuld an der Finanzmisere zu geben. Aus Spielerinnenkreisen weiß ich jedoch, dass die Organisation des Vereins viel zu wünschen übrig lässt. Das erklärt die Abgänge von insgesamt 12 Spielerinnen (!`), ein Exodus, den normalerweise nur ein Absteiger erlebt.

Elf neue Spielerinnen hat man jetzt geholt, von denen aber keine (!) aus der Damallsvenskan kommt. Eine aus Island und eine aus Kanada. Neun abewr aus der zweiten Liga Elitettan, durchaus Talente darunter wie Filippa Curmark. Aber das wird vorn und hinten nicht reichen und Jitex wird durchgereicht nach unten

Zlatan Ibrahimovic: “Es war ein Scherz”

Nach drei Tagen intensiver Medien- und Blogdebatte in Schweden und Artikeln in ausländischen Zeitungen vom Guardian bis zur Augsburger Allgemeinen meldete sich heute der Weltstar persönlich zu Wort.

Über seine persönliche App für Smartphones, IPad und anderen Tablets, mit der man sich stets darüber informieren kann, was der Meister denkt und tut, verlautete Zlatan Ibrahimovic, dass die Sache mit dem Fahrrad ein Scherz zwischen ihm und dem Reporter gewesen sei. Er bleibe dabei, dass er die Medien für die Berichterstattung über das an Anders Svensson versprochene Auto kritisiere, er habe aber nie die Absicht gehabt, die Frauennationalmannschaft Schwedens herabzusetzen oder gar zu demütigen. Er respektiere die großen Leistungen der schwedischen Frauenfußballnationalmannschaft und er habe leider nicht geahnt, dass das unschuldige Fahrrradzitat zu so großen Schlagzeilen führen würde.

Damit wäre dann alles erledigt? Wohl kaum. Denn so richtig wird das dem 32-Jährigen Weltklassestürmer von Paris Saint-Germains kaum jemand abnehmen.

Jennifer Wegerup, ehemalige schwedische Klassespielerin und heute Sportreporterin bei der Boulevardzeitung Aftonbladet schreibt einen interessanten Kommentar hierzu in der heutigen Ausgabe. Sie kennt Ibrahimovic seit zehn Jahren, hat ihn immer wieder getroffen und interviewt. Es sei sehr ungewöhnlich, schreibt sie, dass Ibrahimovic zu eigenen Äußerungen in die Defensive geht. Das zeige, dass ihn der Wirbel überrascht hat und ihm wohl auch geraten wurde, sich dazu möglichst moderat und fast entschuldigend zu äußern.

Zlatan Ibrahimovic habe in den zehn Jahren ihrer Bekanntschaft Wegerup niemals in irgendeiner Weise schlecht oder herablassend behandelt. Als Frau in der Welt des Sportjournalismus begegne man sehr oft urmännlichen Klischees und sei oft sexuellen Belästigungen ausgesetzt. Das finge damit an, so Wegerup, dass Spieler einem ihre Zimmernummer geben und männliche Kollegen sagen, dass “richtige Frauen” nicht als Sportreporter arbeiten würden. Ibrahimovic aber habe sich immer korrekt verhalten.

Einmal, bei einem Interview in Paris, habe Zlatan zu ihr gesagt: “Die Leute verstehen oft nicht, wenn ich einen Witz mache, über die Jahre bin ich oft missverstanden worden.”

Aber, so Wegerup: “Aber das bedeutet nicht, dass er sagen kann, was er will. Mit der Rolle, die er als Kapitän der Nationalmannschaft hat, folgt auch Verantwortung sowie Erwartungen und Forderungen und dass weiß er sehr wohl.”

Dass Verbandspräsident Karl-Erik Nilsson sich mit einer butterweichen Erklärung, deren Kernaussage “Jeder Spieler darf sagen, was er will” herausredet, wundert Wegerup nicht. Nilsson und der Verband hätten panische Angst, dass der letzte Spieler von internationaler Klasse nach einem Verweis die Nationalmannschaft boykottieren könnte. Dadurch würde man Millionen an Einnahmen verlieren.

Anette Börjesson, Herausgeberin von MARTA fotbollsmagasin und www.damfotboll.com schrieb gestern Abend in einem Kommentar auf der Internetseite, dass sie sich bei Zlatan Ibrahimovic bedanken möchte. Unter der Überschrift “Danke, Zlatan!” schreibt Börjesson, dass es ein Verdienst des 32-Jährigen sei, dass er ihr klargemacht habe, dass keine der Errungenschaften des Frauenfußballs selbstverständlich sei. Dass es sein Verdienst sei, deutlch gemacht zu haben, wie es wirklich um die Situation des Frauenfußballs aber auch von Frauen im Allgemeinen im ausgehenden jahr 2013 bestellt sei. Und dass klar werde, dass mit diesem Interview im Expressen eigentlich der Kampf wieder von vorn beginne.

Pia Sundhage sagte im Sommer in einem ansonsten eher schwachen Dokumentarfilm über die Entwicklung des Frauenfußballs in Schweden, dass man nicht nachlassen dürfe. In dem Moment, in dem wir es für selbstverständlich halten, dass wir Mädchen- und Frauenmannschaften haben, dass wir nicht erst spät abends trainieren dürfen, dann, wenn die Jungs und Männer fertig sind, in dem Moment, in dem wir uns zurücklehnen und uns ausruhen auf dem, was wir erreicht haben, in diesem Augenblick wird es Kräfte geben, die uns all das wieder wegnehmen wollen, so Sundhage im Frühjahr 2013. Wie Recht sie doch hat.

 

ARTIKEL 2013: Lotta Schelin

Lotta01Lotta Schelins Karriere habe ich über die Jahre hinweg beobachtet. Ich sah sie als junge Spielerin bei Kopparberg/Göteborgs FC, einem Verein, der zu ihren Zeiten im oberen Mittelfeld der Liga spielte, für den sie aber Tor um Tor schoss. International ließ ihr Durchbruch auf sich warten. Ich war überzeugt, dass er irgendwann kommt und nach einem Spiel bei Hammarby, bei dem sie beide Tore schoss, habe ich sie mit Thierry Henry verglichen. Das Tabu sozusagen gebrochen. Dass man nicht vergleichen darf. Umso erleichterter war ich, als ich später in einem Interview las, dass Lotta Schelin eine DVD besitzt, auf der weit über hundert Tore Henrys hintereinander geschnitten sind.

Zum ersten Mal mit ihr geredet habe ich dann 2007 im November. Es war nach dem Spiel Schweden – Dänemark im Råsunda-Stadion von Stockholm. Schweden qualifizierte sich in einem Play-Off für die Olympischen Spiele in China im Jahr darauf. Schon da fiel sie mir als angenehme Gesprächspartnerin auf, es war kein Interview, wir waren in der Mixed Zone und sprachen knapp 20 Minuten angeregt über die abgelaufene Saison, die Olympiade und die Zukunft des Frauenfußballs.

In Deutschland zweifelte man immer an ihrem möglichen Durchbruch zum Weltstar, den ich erhoffte, weil ich das große Talent der damals 23-Jährigen schon mehrfach mit eigenen Augen auf den Fußballplätzen der Damallsvenskan hatte sehen können. Sie ging nach Frankreich zu Olympique Lyon, eine Entscheidung, die viele kritisierten, auch ich war sehr skeptisch, ob das der richtige Schritt sein könnte, denn Lyon war zwar ein gutes Team, aber viel zu überlegen in Frankreich und um sich als Fußballspielerin zu entwickeln, brauchte man regelmäßige Spiele gegen die Besten, glaubte ich.

Lotta Schelin behielt Recht, sie gewann zahlreiche Meistertitel mit Lyon und nach zwei verlorenen Duellen mit deutschen Mannschaften in der Champions League, holten sie sich dann auch den Titel und niemand zweifelte mehr daran, dass Lyon Europas beste Mannschaft ist. Lotta entwickelte sich zu einer der Leistungsträgerinnen dieser Mannschaft und in Schweden immer mehr zur Führungsspielerin der Nationalmannschaft.

Lotta2Im Februar 2013 traf ich sie kurz in der Friends Arena, in der die Natio trainierte, weil Pia Sundhage den Traum, hierhin zu einem EM-Finale zurückzukehren, nähren wollte. Es wurde nichts draus, wie wir alle wissen.

Tiffany Weimer, Chefredakteurin von OurGameMagazine und gleichzeitig Spielerin beim dänischen Fußballclub Fortuna Hjørring kontaktierte mich, und fragte, ob ich nicht ein langes Interview mit Lotta machen könne, im Vorfeld der EM. Sie selber hätten vergeblich aus den USA versucht, in Kontakt zu kommen.

Ich besaß lediglich Lotta Schelins alte, schwedische Handynummer, hatte aber unverschämtes Glück. Über eine gute Freundin der Nationalspielerin kam ich dann doch in Kontakt und als ich dann schließlich eine Mail aus Lyon bekam mit dem ok und einer französischen Handynummer, jubelte ich innerlich. Wir mussten dann mehrfach verschieben, aber irgendwann Anfang Mai war es dann soweit und aus unserem ca. 45-minütigen Gespräch entstand der Artikel für OurGameMagazine, den ich hier jetzt erstmals auf Deutsch, leicht gekürzt, veröffentliche.

Lotta Schelin. Stürmerin. 29 Jahre alt. Geboren in Trångsund, außerhalb von Stockholm, aber aufgewachsen in Göteborg. Jetziger Verein: Olympique Lyonnais, nach Ansicht vieler Experten die beste Frauenfußballmannschaft der Welt.

Lotta Schelin. 118 Länderspiele für Schweden. 51 Tore. Dreifache Gewinnerin des “Diamantballs” für die beste schwedische Spielerin des Jahres. Zweifache Gewinnerin der Champions League. Fünffache französische Meisterin. Notorische Torschützin. Sehr schnell, technisch, elegant, gefährlich.

Es gibt wenig Zweifel daran, dass Lotta Schelin gegenwärtig zu den besten Fußballspielerinnen der Welt gehört und sie spielt für eine Mannschaft, in der sich viele gar nicht erinnern können, wann sie zuletzt verloren haben. “Ich glaube, irgendwann 2010,” sagte Lotta in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen im März als Lyon nach einem vernichtenden 5:0 Sieg gegen das schwedische Topteam LdB FC Malmö auch das Rückspiel mit 3:0 gewann, ein Spiel, bei dem Lotta das 1:0 auf sehr typische Weise erzielte. Ein perfekter Pass von Camille Abily und Lotta bewegt sich schnell und scharf wie eine Rasierklinge durch die Malmöer Abwehr und legt den Ball lässig und elegant in die Ecke des von Thora Helgadottir gehüteten Tores.

Obwohl man zusammengerechnet 0:8 verloren hatte, gab es viele, die behaupteten, dass man gar nicht so weit weg gewesen sei vom französischen Gegner, dass der Unterschied nicht so groß sei, wie das Ergebnis glauben lässt. Als ich ein paar Wochen nach den Spielen mit der Schweizer Stürmerin Ramona Bachmann redete, hob sie hervor, dass der größte Unterschied zwischen Malmö und Lyon der Umstand sei, dass Lyon jetzt eine Mannschaft habe, die mehrere Spielzeiten zusammen gewesen wäre.

Ist es so einfach, dass Lyon eine Reihe von Weltklassespielerinnen hat, die ein paar Jahre zusammen gespielt haben oder steckt doch mehr dahinter? Ich fragte Lotta Schelin.

“Ja, ich denke, dass das einer der Gründe ist. Aber ich glaube, dass ein weiterer Unterschied ist, dass wir so viele Nationalspielerinnen auf dem allerhöchsten Niveau haben. Das bedeutet, dass wir unsere Startformation ändern können, so dass jeder mal spielen kann und die Möglichkeit bekommt, auszuruhen, wenn es mal nötig ist. Solche Sachen sind wichtig. Ich glaube auch, dass wir viele Topeigenschaften haben. Wir haben technische Fähigkeiten, wir sind sehr schnell, wir haben Spielerinnen, die Tore machen können, wir sind bei Kopfbällen sehr gut. Ich glaube, das ist wirklich speziell und wenn du alle diese Teile zusammenbekommst, dann hast du eine wirklich gute Mischung.”

Lotta3Als du nach Frankreich gekommen bist, war die Mannschaft noch nicht so gut wie heute. Was hat euch an die Spitze gebracht?

“Ich geb dir Recht,” sagt Lotta. “Wir waren noch nicht so weit, noch nicht. Wir hatten ein paar Probleme in der Abwehr. Wir haben nicht auf demselben Niveau gespielt damals, hatten Hochs und Tiefs. Heute denke ich, dass wir ein sehr hohes Niveau haben, auch in der Abwehr. Ich glaube, die letzte Zutat, die wir brauchten, war unser Trainer Patrice Lair. Er kam, änderte ein paar Dinge und er brachte auch ein paar Spielerinnen mit. Französische Spielerinnen auf einem hohen Niveau. Anstatt acht oder neun ausländischer Spielerinnen, hatten wir auf einmal nur noch drei. Patrice kam und hat allen Spielerinnen Druck gemacht, selbst denen, die glaubten, sie hätten sichere Plätze in der Startelf. Louisa Necib zum Beispiel, sie war eine Startspielerin, aber sie hatte so viel mehr zu geben. Sie hat sich unter Patrice um einiges weiterentwickelt, weil er Druck gemacht hat und es ihr ermöglichte, ihren besten Fußball zu spielen. Das heißt natürlich nicht, dass Farid Benstiti, der Lyon neun Jahre vorher trainiert hat, kein guter Trainer war. Aber das Team brauchte vielleicht einen Neuen. Patrice ist ein ganz besonderer Mensch. Er verlangt unglaublich viel von seinen Spielerinnen. Und ich denke, das war das letzte Puzzleteilchen, das wir brauchten, um ganz nach oben zu kommen.”

Wir sprechen über den Beginn in Frankreich und die Kritik am Wechsel dorthin aus Schweden.

“Nach meinen Gesprächen mit Lyon war ich sicher, dass die wirklich etwas bewegen wollten. Die investierten einiges, nicht nur um weiterhin die beste Mannschaft in Frankreich zu sein, sondern um die beste Mannschaft Europas zu werden. Sie mochten Spielerinnen aus den nordischen Ländern und in meinem Fall war es gut, dass ich aus Schweden kam und eine ordentliche Torproduktion zu dieser Zeit. Sie mochten die nordeuropäische Mentalität, die diese Spielerinnen mitbrachten. Heute, nach viereinhalb Jahren und dem Erfolg, den das Team gehabt hat, ist es wohl klar, dass ich sehr glücklich bin, 2008 diese Entscheidung getroffen zu haben.”

Nicht nur Olympique Lyon hat sich seitdem verbessert, auch andere Teams wie Juvisy, Montpellier oder Paris Saint-Germains haben sich zu den besseren Mannschaften des Kontinents gesellt. Obwohl es Lotta Schelin wichtig ist, zu unterstreichen, dass selbst Paris ihrer Mannschaft – bisher – noch nicht richtig auf den Pelz gerückt ist.

In Frankreich zu leben und zu spielen, hieß auch, sich an eine neue Sprache und Kultur zu gewöhnen. Was den Fußball angeht, auch eine andere Art, das Spiel zu spielen. Lotta erklärt mir, dass es eine Weile gedauert hat, dass man in Frankreich erwartet, dass eine Stürmerin den Ball mit dem Rücken zum Tor des Gegners annimmt, während man in Schweden Wert darauf legt, dass man in Torrichtung steht.

Ein weiterer Unterschied war die Berichterstattung der Medien über Frauenfußball, wenigstens am Anfang. In einem schwedischen Radioprogramm im Sommer 2012 erwähnte Lotta Schelin eine Fernsehreportage, die sie zusammen mit Mitspielerinnen machen sollte. Der Journalist bat sie, in einem Einkaufszentrum durch ein paar Geschäfte zu bummeln, was Lotta eigentlich nicht wollte, dann aber doch tat. Als der Beitrag gesendet wurde, sagte der Reporter, dass obwohl sie Fußballspielerinnen seien, würden sie natürlich gerne das tun, was jede Frau gern tut – shoppen. Ich spreche sie darauf an und sie erzählt mir, dass sich das geändert hat.

“Ja, das war vor ein paar Jahren. Die mussten auf etwas Bezug nehmen, dass ihnen vertraut war, weil sie noch nicht so viel über uns wussten. Heute finde ich, dass es viel besser ist. Die Journalisten in Frankreich wissen, dass wir die beste Mannschaft Europas sind und bei Interviews geht es mehr darum, was wir auf dem Platz leisten. Aber das kann auch schon wieder passieren. Damals dachte ich, dass es so falsch war, uns in diesen Kontext zu stellen.”

Immer wenn man dich sieht oder auch trifft, bist du sehr freundlich, nett und aufmerksam. Ich frage mich, was dich wütend machen kann und ob das überhaupt möglich ist?

“Naja”, antwortet Lotta Schelin und lacht. “Es gibt wirklich eine Menge Dinge, die mich wütend machen können. Etwas, das mich wirklich in Gang setzt, das ist Ungerechtigkeit. Ungerechtigkeit in jeder Form. Dann Dinge, die die Rolle der Frau in der Gesellschaft betreffen oder wenn Menschen schlecht behandelt werden. Armut. Aber Ungerechtigkeit ist wirklich etwas, das mich wütend macht. Die französischen Spielerinnen in unserem Team besuchen oft Schulen und treffen junge Mädchen und gerade letzte Woche war ich auch in einer Schule und wir haben über das Recht auf Gleichberechtigung mit den jungen Mädchen gesprochen. Das ist wirklich etwas Gutes, das wir ab und zu machen können.”

Wir sprechen über den bevorstehenden Sommer, die EM in der Heimat und das Faktum, dass Lotta überall auf den Titelseiten und in den Fernsehprogrammen zu sehen ist. Ob das zwar stressig, aber nicht auch eine schöne Anerkennung sei, will ich wissen.

“Ich versuche, es tatsächlich so zu sehen. Dann setzt es mich natürlich auch ganz schön unter Druck und auch wie Pia über mich gesprochen hat, hat Druck auf mich gelegt, aber ich versuche wirklich, es so zu sehen wie du sagst. Ich habe so viele jahre gespielt und so viel von mir selber gegeben. Ich sehe das positiv. Ich hoffe, das wir gut vorbereitet sein werden, daran hab ich eigentlich keinen Zweifel. Hoffentlich können wir diesen Sommer etwas Herrliches schaffen. Für uns, aber auch für den Frauenfußball allgemein.”

[...]

In einer Talskhow mit dem norwegischen Fernsehmoderator Frederik Skavlan ist Lotta eine intelligente und humorvolle Gesprächspartnerin und ich finde, sie hat den Frauenfußball auf die bestmögliche Weise vertreten. Du musst eine große innere Stärke haben, all das so zu schaffen. Auf dem Platz, aber auch in den Medien. Woher kommt das?

“Ich bin menschlich in jeder Hinsicht,” lacht sie. “Ich bion aktiv in einem Sport, der sehr viel Hier und Jetzt passiert. Es ist sehr schwer, auf alten Lorbeeren zu ruhen. Ich denke, dass ich durch das älter werden viele Erfahrungen gesammelt habe und mit dem Hintergrund was ich in den letzten Jahren erreicht habe, weiß ich, dass du Sachen schaffen kannst, solange du gut in Form bist. Und ich hab auch gelernt, dass es meist gut wird, wenn ich mein Bestes gebe.”

“Du kannst immer alle Situationen analysieren und überlegen, was du hättest noch besser machen können oder was du beim nächsten Mal besser machen musst. Aber ich denke, dass das Wichtigste ist, dass du mit dir selber klarkommst. Dass du weißt, was du tun kannst. Dann kannst du auch sagen, oh, das heute war nicht gut. Damit hab ich kein Problem. Diese Leistung bin nicht ich, das ist nicht Lotta, nicht einmal die Fußball-Lotta. Es ist sehr wichtig, dass du das trennen kannst. Ich habe kein Problem, meine Leistung zu diskutieren, aber das bedeutet nicht, dass ich keine gute Fußballspielerin bin. Ich weiß, dass ich ein gewisses Potential habe. Du wirst immer weniger gute Spiele machen, eine weniger gute Saison spielen, aber es wichtig, dass du Abstand dazu haben kannst.”

Mit diesem Denken hat Lotta auch eine Strategie für das Kämpfen gegen die Migräneanfälle entwickelt, die sie seit Jahren quälen?

“Es war total wichtig für mich, diese Diagnose zu bekommen, Wissen über die Krankheit anzusammeln und wissen wie ich mich verhalten kann. Wenn du weißt, woran du leidest und wenn es möglich ist, etwas dagegen zu tun, wird es viel einfacher. Ich habe immer noch schlechte Tage, aber ich habe gelernt, wie ich damit umgehen kann. Ich weiß zum Beispiel, dass ich bestimmte Sachen beim Kopfballtraining nicht machen darf. “

Bisher bist du das Gesicht der kommenden EM. Welche anderen Spielerinnen können ebenfalls in den Mittelpunkt rücken?

 “Da gibt es viele. Camille Abily zum Beispiel, meine Mitspielerin aus Lyon. Sie ist eine der besten Fußballerinnen Europas. Wendy Renard, Innenverteidigerin. Schwer jemand zu finden, der auf ihrem Level spielt. Und natürlich gibt es andere. Einige die in Schweden spielen. Manon Melis und Anja Mittag zum Beispiel.”

 Wir beenden unser langes Gespräch, in dem wir etwas über die private Lotta reden. Welche Musik sie mag, welche Serien sie sich anschaut. Während ihres Radioprogramms im Sommer 2012 spielte sie vorwiegend ruhige Popmusik, oft mit Sängerinnen. Florence & The Machine war dabei, Birdy. Und Bruce Springsteen mit “Paradise” einem langsamen Stück von seinem Album “The Rising.”

 “Ich bin nicht wirklich gut darin, meine Musik upzudaten,” gibt sie zu. “Vor kurzem hab ich Musik von [Caroline] Seger bekommen, sie ist der DJ der Nationalmannschaft, wenn du so willst. Vor Spielen hören wir oft R’n’B, uptempo-Stücke. Ich höre so ziemlich alles, aber wie du gesagt hast, wenn ich selber höre, ist es oft ziemlich ruhige Musik.”

 In ihrer Freizeit in Lyon geht sie gerne auswärts essen und Lotta weist darauf hin, dass es in der Stadt, in der sie lebt, wirklich sehr gute Restaurants gibt. “Ich bin sehr gerne zu Hause und koche da. Aber ich kann auch sozial sein, bin jemand der gern andere trifft und draußen Spaß hat. Es gibt nicht so viele Partys, vielleicht mal, wenn wir etwas gewonnen haben.”

 In einem Interview für das amerikanische Studio 90 des amerikanischen Fußballverbands US-Soccer zusammen mit Hope Solo, hast du mal gesagt, dass du gerne Desperate Housewives siehst. Siehst du gerade irgendwelche Serien?

 “Es gibt tatsächlich recht viele. Besonders, wenn du so wie wir, viel in Bussen, Zügen oder Flugzeugen unterwegs bist, wir haben immer sowas dabei. Im Moment schaue ich Dexter, die Sopranos und Girls, aber es gibt nicht den Favoriten.”

 Es ist fast Zeit, dieses lange Interview mit Lotta Schelin zu beenden. Zwei Fragen stehen noch auf meiner Liste.

 Wo ist der Frauenfußball in zehn Jahren?

 “Ich glaube wirklich an den Frauenfußball,” antwortet Lotta. “Ich bin zum Beispiel fünf Jahre hier in Lyon gewesen und ich hab gesehen, welche Entwicklung dieses Projekt genommen hat. Jetzt haben andere Vereine reagiert. Jemand von der FIFA hat gesagt, dass man den Männerfußball nicht mehr so groß weiterentwickeln kann, dass der Frauenfußball aber sehr viel Potential hat. Da gibt es noch so viel zu tun und so viel zu erreichen. Wenn die großen Clubs mehr investieren, werden wir eine positive Entwicklung haben. Schau dir Lyon an. Wir gehören zu den besten Teams der Welt und das Vereinslogo geht um die Welt. Die schwedische Liga steht auf sehr soliden Füßen. Eine Sache, die wir überlegen solten, wäre die Spielzeit an Frankreich und Deutschland anzupassen, um dieselbe Mannschaft in einer Champions-League-Saison behalten zu können und somit besser vorbereitet in die Viertelfinals zu gehen, aber ich finde, dass die Damallsvenskan ein recht ausgeglichenes Niveau hat.”

Und wo wird Lotta Schelin in zehn Jahren sein?

“Wo ich in zehn Jahren bin? Naja, wahrscheinlich werde ich nicht mehr Fußball spiuelen. Schwer zu sagen, aber ich glaube, ich werde wieder in Schweden sein. Ich hab daran gedacht mit einer guten Freundin ein Café zu eröffnen. Sehr wahrscheinlich werde ich Verbindung zum Fußball haben. Ich werde immer auf die eine oder andere Weise mit Fußball zu tun haben.”

Pia Sundhage beurlaubt bis März 2014

Pia Sundhage hat sich im Januar und Februar beurlauben lassen und wird die beiden Wintermonate in den USA verbringen, wo sie eine Gastprofessur am Bethany College in Lindsborg im amerikanischen Bundesstaat Kansas angenommen hat.

Sie bekommt die jährlich vergebene Pearson-Professur für schwedische Studien. Pia Sundhage wird Vorlesungen über Führungskultur halten und sich natürlich mit dem lokalen und regionalen Fußball befassen und verschiedene öffentliche Auftritte für die Universität absolvieren.

“Es ist eine große Ehre für uns, dass eine der besten Trainerinnen der Welt bei uns sein wird. Sie ist eine weitere Persönlichkeit in einem Reigen aus schwedischen Gelehrten, Wissenschaftlern, Künstlern, Musikern und Schriftstellern, die am Bethany College im Rahmen dieses Programms gewirkt haben,” sagte der Präsident der Hochschule, Edward F. Leonard III auf der Homepage von Bethany College.

Sundhage wird Anfang März, rechtzeitig zum alljährlichen Algarve-Cup wieder zur schwedischen Nationalmannschaft stoßen.