Schwedische Stimmen

Lotta Schelin macht das 1:0 für Schweden - ihr 73. Länderspieltor (Foto: Anders Henrikson)

Lotta Schelin macht das 1:0 für Schweden – ihr 73. Länderspieltor (Foto: Anders Henrikson)

Die Medienberichterstattung über das gestrige Spiel gegen Deutschland wird in Schweden überschattet vom unerwarteten Tod des ehemaligen Nationalspielers Klas Ingesson. Seine Krebserkrankung war seit Jahren bekannt, dass es aber aktuell so schlecht um ihn stand, wussten nur wenige aus dem Kreis der Familie und engsten Freunde. So widmet heute die Zeitung Aftonbladet dem Helden der WM 1994 eine 16-seitige Beilage. Und auch in der Pressekonferenz und den Gesprächen nach dem Spiel dominierte das Thema. Pia Sundhage, Lotta Schelin und Therese Sjögran, die für Schweden erschienen waren, wurden alle Ingesson befragt. Es sei für sie wie ein Schlag ins Gesicht gewesen, sagte Pia Sundhage, als die die Nachricht bekommen habe, da sie nicht gewusst habe, dass es Ingesson so schlecht gehe. Und Lotta Schelin sagte, dass sie natürlich als Kind die WM 1994 verfolgt habe und dass Klas Ingesson damals eines ihrer Idole gewesen sei.

“Ich könnte nicht stolzer sein,” sagte die 30-Jährige dann über ihr Führungstor. “Mir war aufgefallen, dass sie mehrfach zu Angerer zurückspielten und hatte das Gefühl, dass sie mich nicht richtig sah. Ich habe die Situation richtig gelesen und es geschafft, da zu sein,” sagte Schelin zu Aftonbladet.

Und weiter: “Es sind wechselhafte Gefühle. In dem Augenblick, in dem ich das Tor machte, fühlte sich das fantastisch an. Wir führten 1:0 gegen Deutschland und ich konnte den Rekord in einem Heimspiel machen. Aber ich verliere nicht gerne. In ein paar Tagen sehe ich das wahrscheinlich positiver.”

Pia Sundhage: “Ich war dabei als Abby Wambach ihr 100. Tor schoss, aber das hier war noch toller. Als Lotta das Tor machte, waren wir alle so gut drauf. Es fühlte sich so an, als ob wir das Spiel gewinnen würden. Aber wir taten es nicht. Zur WM muss es da eine Änderung geben, da werden wir Deutschland schlagen.”

“Wir haben wirklich gut gespielt,” so Sundhage auf der Homepage des schwedischen Fußballverbands. “Die Zuspiele waren streckenweise sehr gut, wir hatten ein aggressives Defensivspiel und als Lotta das 1-0 machte, schienen wir auf der Siegerstraße zu sein. Aber dann kommt eine schlechtere Periode und wir lassen zwei Tore zu.”

 

 

Ausgesprochen

Es war denn dann wohl doch zu brisant, was sich gestern nach dem Spiel Polen – Schweden zwischen Trainerin Pia Sundhage und Spielerin Kosovare Asllani abgespielt hat. Asllani beklagte sich Journalisten gegenüber, dass sie nicht spielen durfte und sagte unter anderem, dass sie wohl gespielt hätte, wenn sie einen gewissen anderen Namen hätte und singen und tanzen würde (gemeint war Ex-Bayern-Spielerin Olivia Schough).

Sundhage wurde noch im Stadion von Journalisten darauf angesprochen.

Der schwedische Fußballverband beschloss, die Sache schnell zu lösen und schon im Hotel gab es ein Gespräch zwischen Trainerin und Spielerin und spät am Abend dann eine Nachricht auf der Homepage des Verbands: ‘Sundhage: “Es war ein gutes Gespräch.”‘

“Die Fragen, die ich nach dem Spiel bekam, erstaunten mich. Das führte zu einem Gespräch mit Kosse und es war ein gutes Gespräch,” so Sundhage.

Die PSG-Stürmerin selber wird zitiert: “Es war gut, mit Pia zu reden. Bei mir haben Gefühle die Oberhand bekommen. Jetzt haben wir das geklärt.”

Das klingt, bei aller Liebe zu Sundhage und Asllani, wie vom Pressereferat ausgedacht, um der Öffentlichkeit eine Einheit vorzuspielen, die so doch nicht existieren kann.

Asllanis Äußerung in Richtung Schough ist damit nicht aus der Welt. In der Tat gibt es seit längerem kritische Stimmen, die Nominierungspraxis der Trainerin betreffend. Kritische Stimmen, zu denen auch dieses Blog zählt.

Es ist in der Tat unverständlich, warum eine Handvoll Spielerinnen trotz alles andere als überragender Leistungen jedes Mal nominiert und gar aufgestellt wird, während junge Talente mal ein- dann wieder ausfgeladen werden und keine klare Perspektive für sich sehen.

Die Kaderzusammensetzung ist mittlerweile auch häufiger Gesprächsthema unter Spielerinnen der Damallsvenskan. Erfahrene Spielerinnen können durchaus einschätzen, welche Nominierungen unverständlich sind und sich fragen, warum andere Spielerinnen einfach nicht nominiert werden. Ich habe in letzter Zeit selber mehrfach erlebt, dass Spielerinnen mich (?!)  gefragt haben, ob ich ihnen erklären könnte, warum Spielerin X oder Spielerin Y jedes Mal in die Nationalmannschaft berufen würde. Das ist kein gutes Signal und der jüngste Eklat sollte beim Trainerteam zu Nach- und Umdenken führen, denn es gilt, das beste Team nach Kanada zu schicken.

Asllani sauer trotz 4:0-Sieg

Erwartet einfach gestaltete sich das drittletzte WM-Qualispiel der schwedischen Nationalmannschaft. Mit einem ungefährdeten 4:0-Sieg kam dabei die Equipe von Pia Sundhage dem Ziel Kanada 2015 einen weiteren Schritt näher.Lotta Schelin hatte in der ersten Halbzeit das Spiel schon nach acht Minuten im Prinzip entschieden, Treffer von Schelin, Kosovare Asllani und Linda Sembrant machten dann in der Nähe von Gdansk noch eine klare Sache draus.

Nun bleiben noch Spiele gegen Bosnien-Herzegowina und Schottland in Göteborg Mitte September. Sollten die Schwedinnen aus diesen Begegnungen mindestens vier Punkte holen, dann sind sie für die WM direkt qualifiziert.

Aber trotz des Erfolgs kam es zum Eklat. Denn nach dem Spiel zeigte sich PSG-Stürmerstar Kosovare Asllani sauer darüber, dass sie nicht von Anfang an spielen durfte.

“Wenn ich anders heißen würde und gelacht und getanzt hätte, dann hätte ich wohl von Beginn an gespielt,” so Asllani nach dem Spiel. Eine deutliche Anspielung auf die heute überraschend von Anfang an eingesetzte Olivia Schough, die nach Aussage von Sundhage im Training den besseren Eindruck gemacht hatte.

Kosovare Asllani ging noch weiter und sagte auch, dass sie glaube, dass Sundhage ein persönliches Problem mit ihr habe. “Da ist was zwischen uns und das ist seit einer Weile so. Es ist ein Fragezeichen. Bei der WM will man ja dabei sein, aber danach müssen wir weitersehen.”

Pia Sundhage zeigte sich von der unerwarteten Kritik Asllanis überrascht. Sie lobte die in Paris spielende Stürmerin auch für ihren Einsatz in der zweiten Halbzeit und meinte, das Gesagte müsse für Asllani stehen. Sundhage sagte weiter, sie glaube nicht, dass es vor den letzten beiden Spielen eine Spaltung in der Nationalmannschaft geben werde.

Aber der deutliche Seitenhieb Asllanis auf Schough wird zumindest das Binnenverhältnis der beiden Spielerinnen nicht gerade verbessern.

Dass Pia Sundhage wie gewohnt mit jungen Spielerinnen umgeht, nämlich Supertalent Marija Banusic wie erwartet nicht einmal auf der Bank sitzen durfte, ist typisch. Vermutlich wird die 18-Jährige auch gegen Bosnien und Schottland gar nicht wieder nominiert. Das Ein- und Ausladen ist seit geraumer Zeit gängige Praxis.

Wichtiger ist es jedoch, dass sich Pia Sundhage und Kosovare Asllani zusammensetzen und ihre Probleme bereinigen. Denn die Spielerdecke der ersten Garnitur ist dünn und Asllani gehört definitiv dazu.

 

 

Linköpings FC gewinnt den schwedischen Pokal

Vor 1.200 Zuschauern in der heimischen Linköping Arena gewann der LFC am Donnerstagabend das Finale um den schwedischen Pokal mit 2:1 gegen Kristianstads DFF.

Ein hochverdienter Sieg, an dem es nichts zu deuteln gibt. Allerdings ist auch der Kader Linköpings wesentlich besser als der des wirtschaftlich arg gebeutelten Gastes. Mit der Dänin Janni Arnth Jensen und der Portugiesin Claudia Neto von Beginn an bot Trainer Martin Sjögren gleich zwei der vier Neuverpflichtungen aus der Sommerpause auf. Beide boten eine gute Partie und besonders Neto wusste durch brillante Technik und gute Spielübersicht zu gefallen.

Dennoch begann das Spiel denkbar schlecht. Charlotte Rohlin gab ihr Comeback in der Innenverteidigung und nach drei Minuten war klar, warum Pia Sundhage sie (noch?) nicht in den Nationalmannschaftskader berufen hat. Rohlin vertändelte den Ballin der Mitte der eigenen Hälfte gegen Susanne Moberg, die mit einem Ball in die Tiefe Marija Banusic bediente. Die 18-Jährige, die gerade wieder mal in den Nationalmannschaftskader berufen wurde, lief ein paar Schritte und spielte dann der herauseilenden amerikanischen Torhüterin Katie Fraine den Ball überlegt und eiskalt durch die Beine ins Tor.

Das hätte ein sehr schweres Spiel für den Gastgeber werden können, wenn es Kristianstad gelungen wäre, die eigenen Reihen zu schließen. Aber keine drei Minuten später leistete sich Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl einen kapitalen Fehler. Pernille Harder hatte die 20-Jährige Fridolina Rolfö in Szene gesetzt und im Nachsetzen gelang Rolfö der Ausgleich als Lindahl sträflich ihr kurzes Eck vernachlässigte.

Überhaupt war Rolfö eine der stärksten Akteure in der ersten Halbzeit und verschwand dann zunehmend in der Wärme des Abends. Mir selber hatte sie vor eineinhalb Wochen noch genau das gesagt, dass sie physisch arbeiten müsse, um ein anfangs sehr hohes Tempo auch über 90 Minuten durchhalten zu können. Junge Talente müssen kontinuierlich an die Nationalmannschaft beim nächsten Mal wieder nicht berücksichtigt werden, sagte TV-Expertin und Ex-Nationalspielerin Frida Östberg (früher Umeå IK und Linköpings FC) in der Pause und übte damit für schwedische Verhältnisse recht offene Kritik an der Nominierungspraxis von Pia Sundhage; ganz in dem Sinn, in dem ich mich hier auch schon vor wenigen Tagen geäußert habe.

Rolfö war gegen England dabei, bekam keine Minute Spielzeit. Jetzt ist Banusic gegen Polen dabei und vermutlich wird es ihr ebenso ergehen wie Rolfö zuletzt. Schön, dass beide Youngster am Donnerstagabend das Spiel mit ihren Toren eröffneten.

Mit zunehmender Spieldauer erarbeitete sich der Gastgeber viele Chancen, die Lindahl teils mit großartigen Reflexen auf der Linie verhinderte. Da machte sie ihren Fehler aus der sechsten Minute mehrfach wieder gut.

In der zweiten Hälfte, als Linköping dann noch einen Gang höher schaltete, dann wieder ein Lindahl-Fehler und die Entscheidung. Pernille Harder, die allmählich wieder zu ihrer Großform zurückfindet (Vertrag läuft Ende 2014 aus für alle, die an einer der wohl besten Spielerinnen ihres Alters in Europa interessiert sind...), spielte sich auf der linken Seite durch und schoss aus spitzem Winkel aufs Tor und Hedvig Lindahl boxte den Ball fast genau vor die Füße der schräg vor ihr auftauchenden zweiten von drei Däninnen in der Startelf Linköpings, Marianne Gajhede Knudsen, die das Spiel dann entschied.

Kristianstad wechselte nur einmal aus, Trainerin Elisabet Gunnarsdottir wusste sicher auch, dass sie auf der Bank niemanden mehr hatte, der dem Spiel eine entscheidende Wendung hätte geben können. Linköping hatte alles im Griff und gewann hochverdient den Pokal zum vierten Mal. Abermals lieferte Innenverteidigerin Mia Carlsson eine tolle Partie ab.

In einem Spiel der Damallsvenskan am Donnerstagabend schlug Kopparberg/Göteborgs FC Piteå mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Lisa Ek in ihrem Comeback für Göteborg bereits nach drei Minuten. Piteås Torfrau Hilda Carlén soll die beste Spielerin auf dem Platz gewesen sein und weitere Treffer Göteborgs, in der auch Maren Mjelde ihren Pflichtspieleinstand im defensiven Mittelfeld gab, verhindert haben.

Die Tabelle:

Kader gegen Polen

Es bleibt dabei, ich kann mich mit Pia Sundhages und Lillie Perssons Personalpolitik nicht anfreunden und ich verstehe sie auch nicht. Oder, ich beginne sie zu verstehen, halte sie aber teilweise für falsch.

Gestern Nachmittag um 14.00 Uhr gab Sundhage auf einer Pressekonferenz des schwedischen Fußballverbands in Solna den Kader für das am 21.08. in Gdansk stattfindende WM-Qualifikationsspiel gegen Polen bekannt.

Nominiert sind:

Tor: Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Carola Söberg (Avaldsnes IL/N), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)
Abwehr: Emma Berglund (Umeå IK), Amanda Ilestedt (FC Rosengård), Lina Nilsson (FC Rosengård), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Linda Sembrant (Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna)
Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelquist (Piteå IF), Kosovare Asllani (PSG), Marija Banusic (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Avaldsnes IL), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna), Antonia Göransson (Vittsjö), Sofia Jakobsson (Montpellier), Emma Lundh (AIK), Lotta Schelin (Lyon), Olivia Schough (Rossiyanka), Caroline Seger (PSG), Therese Sjögran (Rosengård)

Der Kader umfasst 23 Spielerinnen, gegen England zuletzt waren Öhrström, Pettersson Engström, Banusic und Schough nicht dabei. Rausgeflogen aus dem Englandkader sind Magdalena Ericsson, Nilla Fischer (Gesperrt), Fridolina Rolfö, Jenny Hjohlman und Elin Wahlström.

Sundhages und Perssons Ärger nach dem 0:4 gegen England, als die dem Team mangelnden Kampgeist vorwarfen, nach dem Spiel aber “ein sehr gutes Gespräch” hatten, hat sich also vor allem auf diejenigen ausgewirkt, die gegen England gar nicht gespielt haben. Rolfö und Wahlström durften erstmals schnuppern und sind erst gar nicht wieder dabei. Nun dürfen Banusic und Pettersson Engström wiederkommen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob etwa Marija Banusic nur eine einzige Spielminute bekommen wird. Denn Pia Sundhages Personalpolitik beinhaltet, dass sie junge Spielerinnen mal dazukommen lässt, dann aber wieder mit Arbeitsaufträgen zurückschickt. Sowohl im Fall Rolfö wie auch schon jetzt wieder vorab bei Banusic hat sich die Trainerin kritisch über die Physis der Nachwuchstalente geäußert.

Sonderlich viel Mut zu Neubesetzungen hat Pia Sundhage auch schon nicht als Trainerin der USA gehabt. Christen Press etwa, die ich für eine der weltbesten Stürmerinnen halte, bekam unter Sundhage keine einzige Spielminute und kam dann erst unter dem bereits geschassten Nachfolger Tom Sermanni zum Spiel und erzielte gleich in ihrem ersten Länderspiel zwei Tore. Seitdem ist sie in der Truppe neben Abby Wambach, Sydney Leroux und Alex Morgan nicht mehr wegzudenken.

Pia Sundhage hatte in den Trainingslagern vor der EM jeweils weibliche Persönlichkeiten aus anderen Bereichen dabei, etwa Schauspielerin Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Skiolympiasiegerin Anja Pärson oder Sängerin Louise Hoffsten oder Hochspringerin Kaisa Bergquist. Sie ist bekanntermaßen immer wieder für einen alten Klassiker auf ihrer abgewetzten akustischen Gitarre gut, aber was Personalentscheidungen angeht, zeigt sie ähnlich viel Loyalität wie ihr Vorgänger Thomas Dennerby zu seinen Favoritinnen.

Sara Thunebros defensive Qualitäten werden mit den Jahren nicht besser, mit Magdalena Ericsson gibt es hier eine 14 Jahre jüngere, interessante Alternative, die man aufbauen sollte, anstatt sie durch Nominierungen und Streichungen, rein und raus, zu verunsichern. Bei der WM in Kanada wird Thunebro nicht unbedingt schneller sein als heute.

Die ständigen Nominierungen von Sofia Jakobsson, Antonia Göransson und Olivia Schough zuungunsten von hochtalentierten Akteuren wie Lina Hurtig, Fridolina Rolfö, Marija Banusic, Jenny Hjohlman sind ebenfalls kaum nachzuvollziehen. Schough, so wird in Spielerkreisen gemunkelt, wird vorwiegend als Spaßmacherin, analog zu Lukas Podolski in der deutschen Männermannschaft, nominiert. Als Stürmerin hatte sie bei ihren letzten beiden Vereinen Bayern München und Kopparberg/Göteborgs FC keinen Stammplatz.

Auch Sofia Jakobssons Karriere ist sichtlich abgebremst. Aus der Überfliegerin der U19-EM 2009, die Schweden damals mit drei Toren im Halbfinale gegen Frankreich ins Finale schoss ist ein Dauertalent geworden, das im Wesentlichen von den nun fünf Jahre alten Meriten lebt. Dennoch kassiert sie Nominierung nach Nominierung.

Antonia Göransson kam in Potsdam kaum aufs Feld in der letzten Saison, weshalb sie auch letztlich nach Vittsjö gegangen ist. Auch ihr ist der Durchbruch in der Natio noch nicht gelungen.

Und so muss Sundhage weiterhin auf die 37-Jährige Therese Sjögran setzen, die jedwede Konkurrenz von Jakobsson, Schough oder Göransson mit der linken Hand lässig abwinken kann, weil sie einfach besser als die Drei ist und inzwischen neben Lotta Schelin zweite Spitze spielt.

Würde es gelingen, Marija Banusic zu entwickeln und zu integrieren, würde Sjögran ins Schwitzen kommen. Denn die weniger als halb so alte Banusic ist eine unglaublich treffsichere Stürmerin mit einem Klasseschuss – rechts wie links. Natürlich muss sie noch dazu lernen, aber die Gelegenheit dazu gibt man ihr bislang nicht. Vielleicht nach der WM.

Und so redet man sich das 0:4 dann doch schön. Man wisse, dass man viel besser sei. Ein schlechtes Spiel mache eine gute Mannschaft nicht vom einen auf den anderen Tag zu einer schlechten. man habe gute Gespräche gehabt. Dabei wurde Schweden dieses Jahr schon vier Mal besiegt, sehr klar durch Frankreich und England und knapp von Japan und Island (!). Und auch die Niederlagen gegen Frankreich und Island waren diskutabel. Frankreich in der Vorsaison und ohne einige Stammspielerinnen, aber man kann sich fragen, warum Sundhage und Persson einen Termin gegen Frankreich akzeptieren, an dem die eigene Mannschaft also quasi mit Ansage durcheinandergewirbelt und abgeschossen wird. Warum das eigene Selbstvertrauen schwächen und das der Französinnen für 2015 aufbauen?

Die WM-Quali wird kein Problem. Bei der WM aber wird es, auch mit Pia Sundhage, wohl kaum eine Medaille geben, wenn den Arrivierten nicht mehr Druck gemacht wird. Vergessen wir nicht, dass es die Leistungsträgerinnen waren, der Kern der Mannschaft, der am Sonntag in Hartlepool untergegangen ist und keine Führungsspielerin hat in irgendeiner Weise das Blatt wenden können. Das ist kein gutes Zeichen.

 

 

 

 

Absage von Olivia

Olivia Schough musste ihre Teilnahme am Länderspiel Schweden gegen England, für das sie nachträglich nominiert worden war leider am Mittwoch absagen. Die 23-Jährige in Diensten des russischen Ersligisten Rossiyanka besitzt derzeit nur ein Visum, das zur zweimaligen Einreise nach Russland berechtigt. Sie hat aber bereits beide Einreisen “verbraucht” und kann daher Russland erst dann verlassen, wenn sie das beantragte Arbeitsvisum bekommt.

Pia Sundhage nominierte anstelle von Schough Schnell die ehemalige Potsdamerin Antonia Göransson (Vittsjö) nach.

Nordkorea nächste Station für Pia Sundhage?

Am Wochenende hat ein Interview mit Pia Sundhage in Schweden für Aufregung gesorgt. In der fünften Folge von “Heja Sverige!”, einem Podcast des schwedischen Fussballverbands, den der 26-Jährige Komiker und Journalist Soran Ismail moderiert, anwortete Sundhage auf die Frage, welche Nationalmannschaft sie denn gerne nach Ende ihres Vertrags mit dem SvFF (Schwedischer Fusballverband) trainieren würde: “Nordkorea.”

Sie wäre einmal in Pyönjang gewesen, so Sundhage und habe ein Training gesehen. Auf der einen Hälfte habe eine Jungenauswahl trainiert, auf der anderen Hälfte des Platzes habe eine Mädchenmannschaft trainiert Da sei Ordnung gewesen, schnelle Pässe und viel Technik. Aber man käme ja in das Land nicht hinein. Sicherlich hätte Pia Sundhage hier besser vorher nachgedacht. Nordkorea ist eine der schlimmsten Dikaturen der Welt und selbst wenn die 53-Jährige bekennende Kommunistin ist, so sollte sie nicht dazu beitragen, das menschenverachtende Regime der Kim-Dynastie in irgendeiner Art zu verharmlosen.

Aber das Interview dauerte eine Stunde und sechs Minuten, aber es sind natürlich diese 45 Sekunden ds Gesprächs, die zu Schlagzeilen führten. In der übrigen Zeit geht es viel um die Kindheit und Jugend Pia Sundhages, wie schwer es Mädchen damals hatten und Ismail fragt Sundhage, ob denn nicht ein bisschen “gesunder Hass” auf den Gegner auch im Frauenfussball gut wäre, zumal Fussball ja eine Art Ersatzkrieg sei, was Sundhage kategorisch verneint. “Ehrlich gesagt, ich verstehe dich nicht,” sagte sie zu Ismail. “Vielleicht ist das ja ein männliches Bedürfnis, aber Hass hat im Fussball nichts zu suchen.”

Pia Sundhage äusserte sich auch über den Hass, der dem Frauenfussball immer wieder im Internet entgegengebracht wird und zeigte sich auch hier ratlos, aber kämpferisch. “Das Schlimme ist, dass viele von den jungen Männern, die so voller Hass und Abscheu sind, selber Fussball spielen und den Sport toll finden und dass sie es völlig ok finden, die Hälfte der Bevölkerung, ihre Mütter und Schwestern und Freundinnen von diesem Spass auszuschliessen.”

Soran Ismail hat auch früher schon mit Lotta Schelin, Kosovare Asllani, Nilla Fischer und Caroline Seger gesprochen. Das Gespräch mit Pia Sundhage war vor drei Monaten (!) aufgezeichnet worden und wurde also jetzt erst online gestellt.

 

Zwei Nachnominierungen

Am 4. August trifft Schweden in Hartlepool, südlich von Newcastle, auf England. Verletzungsbedingt gibt es im Kader von Pia Sundhage zwei Veränderungen: Elin Rubensson (Rosengård) und Malin Diaz (Eskilstuna) mussten absagen, dafür rücken Magdalena Ericsson (Linköping) und Olivia Schough (Rossiyanka) nach.

Einen Schritt näher

Die schwedische Nationalmannschaft ist der WM 2015 in Kanada einen großen Schritt näher gekommen. Durch Tore der beiden PSG-Spielerinnen Caroline Seger und Kosovare Asllani (2) gewann das Team von Pia Sundhage letztlich souverän und hochverdient mit 3:1 in Motherwell gegen die bis dahin ebenfalls noch verlustpunktfreien Schottinnen. Kim Little hatte zwischenzeitlich Segers Führung durch einen Handelfmeter ausgleichen können.

Die Schottinnen begannen druckvoll und agressiv und drängten die Schwedinnen gut 20 Minuten lang nach hinten, aber mit zunehmender Spieldauer kamen die individuell insgesamt besser besetzten Skandinavierinnen immer besser ins Spiel und letztlich entschied die individuelle Klasse von Kosovare Asllani, die sich auf ihrer in der Natio bislang ungewohnten Mittelfeldrolle äußerst wohlfühlte. Der Pfosten verhinderte einen dritten Treffer der Schwedin.

“Das erste Tor war schöner. Hanna Folkesson schoss aus der Distanz und ich habe den Ball dann entscheidend abgefälscht. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, haben Geduld bewiesen. Ich denke, im Mittelfeld hat es gut funktioniert, ich konnte ganz gute Impulse geben. Ich spiele sicher am liebsten Stürmerin, aber sich anpassen zu können, ist doch was, das passt gut in meinen Lebenslauf,” sagte Aslanni nach dem Spiel dem schwedischen Radio.

Die Begegnung zeigte auch, dass der Abstand zwischen den führenden Frauenfußballnationen und der zweiten Reihe nach wie vor bedeutender ist, als man das eventuell nach den ersten Gruppenbegegnungen angenommen hatte. Dazu mehr später.

Rosengård marschiert durch

Mit einem überzeugenden 4:2 Sieg gegen Umeå IK tat Rosengård am Sonntag einen weiteren Schritt in Richtung Titelgewinn bzw. Titelverteidigung. Anja Mittag erzielte dabei ihren neunten Saisontreffer. Der Vorsprung des Meisters beträgt nunmehr sechs Punkte auf den Zweiten Örebro, der am Montagabend ein schweres Auswärtsspiel bei Linköpings FC hat. Im Prinzip scheint es nur noch Spannung um den zweiten Platz in der Champions League zu geben. Der bald scheidende Trainer Jonas Eidevall war mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft außerordentlich zufrieden und sprach von der besten Halbzeit in den zweieinhalb Jahren, seit er in Malmö arbeitet. Katrin Schmidt erzielte das zweite Tor für Rosengård.

Aus mehreren Quellen verlautet, dass der Wechsel von Antonia Göransson von Turbine Potsdam zum FC Rosengård nur noch eine Formsache sein soll. Göransson hatte kaum noch spielen dürfen und bekanntlich und verständlich will Pia Sundhage in der Nationalmannschaft auf Spielerinnen setzen, die in ihren Vereinen regelmäßig zum Einsatz kommen. Göranssons Verpflichtung wäre im Kontext der Kopfprobleme zu sehen, die Rosengårds Neuzugang Kirsten van de Ven schon seit mehr als einem Jahr begleiten. Nach zwei leichten Gehirnerschütterungen in ihrer Zeit in Tyresöhat die sympathische Niederländerin immer wieder Probleme.

Lina Nilsson, Außenverteidigerin in Diensten von Rosengård, musste ihre Teilnahme an den kommenden Länderspielen gegen Schottland und die Färöer-Inseln verletzungsbedingt absagen. Sie wird ersetzt durch Annica Svensson (Eskilstuna), die erstmals nach mehr als einem Jahr wieder Berücksichtigung bei Sundhage findet.

Englands neuer Trainer Mark Simpson hat überraschend Anita Asante aus seinem Kader gestrichen. Das regte Jonas Eidevall dermaßen auf, dass er Simpson anrief. “Anita ist eine der besten Innenverteidigerinnen in Europa. Ich habe Simpson kontaktiert und wir hatten ein gutes Gespräch. Dann ist es natürlich seine souveräne Entscheidung, aber ich glaube, zukünftig hat er einen besseren Überblick,” so Eidevall zu Sydsvenska Dagbladet.

Eidevall selber wird seine sportliche Zukunft in dieser Woche bekanntgeben, gestern sagte er, dass der Trainer, den er ersetzen wird, noch nicht Bescheid wisse, dass er seinen Job verlieren wird. Ui.

Eskilstuna gewann das Spiel der Aufsteiger erwartungsgemäß sicher mit 3:0 gegen AIK auf dem heimischen Tunavallen vor mehr als 3.000 Zuschauern. Eskilstuna muss schon in der Liga bleiben, damit der Zuschauerdurchschnitt aufpoliert wird.

Und am Samstag trennten sich im Skåne-Derby Kristianstad und Vittsjö 0:0 unentschieden. Eigentlich sogar ein Lokalderby, denn viele Spielerinnen von Vittsjö wohnen im größeren, aber immer noch nett provinziellen Kristianstad.

 

 

 

 

Olivia Schough verlässt Bayern

Olivia_SchoughNach knapp einem halben Jahr nur verlässt Olivia Schough den FC Bayern München. Das meldet die Zeitung Expressen am Sonntag. Die Zeitung hatte bereits vor einigen Wochen in einem Interview mit Schough herausgearbeitet, dass sich die Schwedin zwar in München wohlfühle, sich aber an den rauheren Umgangston in Deutschland erst noch gewöhnen müsse.

Ob das nun die Ursache für den kurzen Aufenthalt ist, bleibt dahingestellt. Expressen gegenüber sagte Schough jedenfalls, dass sie Sorge habe, ihren Nationalmannschaftsplatz bei zu wenig Spielzeit in München nicht behaupten zu können. Mit der Begründung für zu wenig Spielzeit im Verein fand ganz aktuell Antonia Göransson (Turbine Potsdam) keine Berücksichtigung bei Pia Sundhage.

München  sei eine tolle Stadt und Bayern ein tolles Team, aber sie müsse nun leider gehen. Alles kann demnach nicht so toll gewesen sein, denn die Knieverletzung und die Halsinfektion hätten sie überall anders auch gestoppt. Ein neuer Verein steht noch nicht fest, sagte Schough. In Schweden dürfte wohl Linköping nach Verstärkung suchen und auch ihr Ex-Verein Göteborg hat nach gutem Start jetzt seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen.

Sundhages Kader

Pia Sundhage bat zur Pressekonferenz nach Solna und gab den Kader für das WM-Qualifikationsspiel am 5. April im Shamrock Park zu Portadown (knapp 40 km südwestlich von Belfast) bekannt. Nominiert sind:

Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Nilla Fischer, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Elin Rubensson, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro, Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran.

Rosengårds Elin Rubensson erhielt ein Sonderlob Sundhages für ihr tolles Spiel gegen die USA beim Algvarve-Cup, wo sie Heather O’Reilly einen schweren Stand bereitete.

“Elin war ein sehr angenehmes und nettes Ausrufezeichen an der Algarve,” so Sundhage auf der Homepage des SvFF. Wir finden, dass sie sowohl links wie rechts spielen kann. Dann werden wir mal sehen, wo sie im Verein landet. Aber sie kann unglaublich gut werden,” so Sundhage voller Anerkennung.

Elin Rubensson hat auch schon im Verein von ihrer angestammten Stürmerposition kommend als Außenverteidigerin spielen dürfen (müssen). In der Nationalmannschaft startete Schweden zuletzt mit Elin Rubensson und Jessica Samuelsson auf den Außenverteidigerpositionen. Möglicherweise wird die Luft für Lina Nilsson und die bald 35-Jährige Sara Thunebro dünner.

Am 8. Mai findet dann das Rückspiel gegen die Nordirinnen in Växjö statt. Alles andere als sechs Punkte ohne Gegentor wäre eine große Überraschung.

Pia Sundhage fasste auch das Turnier an der Algarve kurz zusammen: “Es gab gleihermaßen Wein wie Wasser an der Algarve. Man kann sagen, dass ein Eindruck war, dass Motivation gegen Klasse gewinnt. Das sage ich und denke dabei sowohl an unseren Sieg über die USA wie auch den Sieg Islands über uns.”

Susan Varli macht Schluss

Susan Varli (links)

Susan Varli (links)

Susan Varli hat mit 22 die Fußballschuhe an den Nagel gehangen. Susan who? Varli war eine talentierte Spielerin mit Migrationshintergrund. Ihre Eltern sind Syrianer aus der Türkei. Das wird weiter unten noch Bedeutung bekommen. Varli spielte bei allen drei Stockholmer Traditionsvereinen: bei AIK, Hammarby und Djurgården. Verließ Hammarby vor ein paar Jahren gemeinsam mit Daniella Chamoun und Nazanin Vaseghpanah mitten in der Saison, da wurde viel geredet über die sheinbar Abtrünnigen, die obwohl unter Vertrag bei Hammarby den Rest des Jahres mit AIK trainierten und dann im Jahr drauf bei AIK spielten. Varli wurde dann 2012 bei AIK mitten in der Saison aussortiert, sie wechselte zu Djurgården und ging dann 2013 zu Hammarby in die zweite Liga.

Im Oktober 2012 als es richtig gut lief, debütierte Susan Varli in der U23-Nationalmannschaft für Schweden. Spielte gegen Norwegen, man lag 0:1 hinten und schoss dann beide Tore zum 2:1-Endstand für Schweden.

Damals trainierte noch Lillie Persson die U23, dann ging sie zu Pia Sundhage, Nachfolger wurde U19-Trainer Calle Barling.

Anfang 2013 als es darum ging, das U23-Team für das traditionelle Turnier in la Manga zu nominieren, war Varli Reserve, bekam einen Anruf von Barrling, den sie nun der Länstidning in Södertälje wiedergab.

Barrling soll gesagt haben, dass Varli ja mehr Möglichkeiten habe als andere. Schließlich habe sie türkische Eltern und könne ja auch für die Türkei spielen. Sie möge doch mal mit Leyla Güngör in Malmö Kontakt aufnehmen, die habe ähnliche Erfahrungen. Barrling hob in dem Gespräch angeblich auf die andere Mentalität Varlis ab und meinte, diese sei ja nicht wie “wir Schweden”.

Auf das Telefonat von der Zeitung angesprochen, sagte Calle Barling: “Das schreibst du nicht. Das sollst du wissen.”

Das klingt wie Nordkorea mitten in Schweden. Varli sagt, sie hätte nach dem Gespräch mit Barrling geweint, weil der sie quasi als unschwedisch bezeichnet habe und dies als einen der Gründe für ihre Nichtnominierung angegeben habe.

Spielerinnen mit Migrationshintergrund, so der Tenor des Artikels, hätten in Schweden so gut wie keine Chance. Wäre Zlatan Ibrahimovic ein Mädchen gewesen, so Varli, wäre er in Liga 5 steckengeblieben.

So ähnlich habe ich das 2012 auch von Nazanin Vaseghpanah gehört, die damals mir als erstem Journalisten mitteilte, dass sie mit dem Fußball aufhören würde. Ihr wäre immer gesagt worden, dass sie zu viel wolle, sagte “Naza” mir damals. Ihre Freundin Susan Varli benutzt eineinhalb Jahre später fast dieselben Worte.

Dass Varli, Vaseghpanah und Chamoun als Trio sicher nicht immer einfach in einer Mannschaft zu hantieren waren, habe ich von anderen Spielerinnen gehört, aus mehreren Quellen.

Dass ändert jedoch nichts daran, dass Barrling sich offenbar in dieser Angelegenheit alles andere als souverän und abgeklärt verhalten hat. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass man in den schwedischen U-Teams nicht aus der Masse heraustreten darf. Mädchen haben tüchtig (“duktig”) zu sein. Offenbar gehört leider auch dazu, dass man immer den Mund hält. Dass Barling auch der Journalistin von Länstidningen i Södertälje den Mund verbieten wollte, sieht nicht gut aus. Es stinkt zum Himmel, auch wenn jetzt Journalisten wie Anders Nilsson dem Fußballehrer zur Seite springen und bekunden, dass dies nicht der Calle Barrling sein könne, den Nilsson seit zehn Jahren kenne.

Algarve

Unter der Woche hat Pia Sundhages Assistentin Lillie Persson in Abwesenheit der Chefin den Kader für den alsbald in Portugal auszuspielenden Algarve-Cup bekanntgegeben.

Die schwedische Mannschaftsführung setzt auf albewährte Kräfte:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro

Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Elin Rubensson, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran

Ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft hat am selben Tag Josefine Öqvist erklärt. Die 30-Jährige will sich mehr um ihre Tochter kümmern und setzt daher nur noch auf das Spiel mit ihrem Verein SC Montpellier.

Eine ehemalige Nationalspielerin ist schwanger und verpasst deshalb die kommende Saison. Stina Segerström, die 31-Jährige Abwehrspielerin von Kopparberg/Göteborgs FC, erwartet ihr erstes Baby. Herzlichen Glückwunsch!

 

Blamage für Schweden

Zurück aus München, wo ich den größten Teil der letzten Woche verbracht habe. Gestern Abend übertrug der Fernsehsender TV4 Sport nun doch das erste Länderspiel der schwedischen Nationalmannschaft im neuen Jahr.

In Amiens bei Paris gab es eine hoch verdiente 0:3-Schlappe gegen Frankreich. Ich habe nur die zweite Halbzeit gesehen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass eine schwedische Nationalmannschaft so dermaßen vorgeführt wurde. Frankreich machte ein tolles Spiel und wenn man eines an den in zartblau spielenden Französinnen kritisieren will, dann ist es die mangelhafte Chancenverwertung. Das Spiel hätte 6:0 oder 7:0 enden können, ja beinahe müssen.

Sicher, die Schwedinnen sind überwiegend in der Saisonvorbereitung, die Französinnen mittendrin, aber das ist eine willkommene, aber zaghafte Verklärung des Spielverlaufs. In Abwesenheit von Pia Sundhage coachte Assistentin Lillie Persson und sicher, Lotta Schelin stand nicht zur Verfügung und auch nicht Therese Sjögran und Charlotte Rohlin. Das erklärt aber nicht, dass Sara Thunebro bis zur Auswechslung ihrer Gegenspielerin Elodie Thomis zur Slalomstange mutierte, die von der schnellen Französin nach Belieben ausgetanzt wurde.

Es erklärt nicht, dass Nachwuchskräfte wie Amanda Ilestedt zwar talentiert, aber noch lange nicht auf diesem Niveau, dem höchsten nämlich, angekommen sind. Da gab es haarsträubende Fehlpässe im Aufbauspiel, so dass die agilen und technisch zwei Klassen besseren Französinnen den Ball meist schon im Mittelfeld der Schwedinnen eroberten und Angriffswelle auf Angriffswelle auf das von Hedvig Lindahl, der wohl alten und neuen Nummer 1 schickte. Lindahl leistete sich zwei ihrer bekannten Ausrutscher, einmal war sie wieder spontan aus dem Tor geeilt, aber der Schuss der eingewechselten Miriam Makanza ging über die Querlatte ins Toraus.

Schweden hat ein Torwart, ein Abwehr, ein Mittelfeldproblem. Caroline Seger kämpfte unermüdlich, versuchte, zu retten, was zu retten war, stand aber auf verlorenem Posten. Elin Rubensson zeigte ein vielversprechendes Debüt als rechte Außenverteidigerin gegen einen übermächtigen Gegner und auch AIK:s Emma Lundh gelang es zwei, dreimal ihr außergewöhnliches Spielerfassungsvermögen zu zeigen. Torchancen der Gelbblauen: Fehlanzeige.

Mit dem neuen 4-1-3-2 Spielsystem, das man ausgerechnet gegen die wohl spielstärkste Mannschaft Europas in einem Auswärtsspiel testete, fiel man gründlich auf die Nase. An der Algarve geht es dann wohl mit Sundhage weiter.

0:1 durch Gaetane Thiney nach 14 Minuten, als Ilestedt gegen die wesentlich reifere Französin keinen Stich bekam. Ab da übernahmen die Blauen das Spielgeschehen. Zeitweilig herrschte Klassenunterschied in Amiens.

“Wir machen viele leichte Fehler und das kann man natürlich erklären. Vieles lag daran, dass wir nicht dasselbe Tempo wie die Französinnen spielen konnten und darüberhinaus fehlten uns einige gute Namen, während die ihre beste Mannschaft hatten,” versuchte Lillie Persson nach Erklärungen für das Debakel zu suchen.

Schweden spielte mit folgender Startbesetzung:

1 Hedvig Lindahl – 23 Elin Rubensson, 5 Nilla Fischer, 4 Amanda Ilestedt, 6 Sara Thunebro – 7 Lisa Dahlkvist – 11 Antonia Göransson, 17 Caroline Seger [K], 3 Hanna Folkesson – 9 Kosovare Asllani, 22 Olivia Schough.

Die Tore kann man in diesem Video des offiziellen YouTube-Channels der französischen Frauenfußballnationalmannschaft sehen: