Sonnig und heiter

Nach etlichen Tagen ist in Stockholm die Sonne wieder mal zum Vorschein gekommen und bei starkem Wind und Temperaturen um -2 Grad ist es draußen bitterkalt. An Fußball ist da nur wenig zu denken.

Trotzdem gibt es Nachrichten. Was soll man von Olympique Lyon halten? Da sind sie sowieso schon das beste Team in Europa und haben unlängst auch den Weltcup aus Japan abgeholt, verpflichten aber für das neue Jahr zwei weitere Spielerinnen absoluter Weltklasse: Shinobu Ohno vom japanischen Meister INAC Kobe Leonessa hat einen 2-Jahresvertrag unterschrieben und zumindest für ein halbes Jahr hat man sich die Dienste von Megan Rapinoe gesichert. Da kann sich LdB FC Malmö im März schon mal warm anziehen. Wer soll das französische Team jetzt noch schlagen, dass 2012 sowieso kein einziges Spiel verloren hat?

Nazanin Vaseghpanah, 25 Jahre alte Mittelfeldspielerin von AIK, hat ihren Rücktritt erklärt. Und zwar mir gegenüber. Natürlich vorher schon anderen aus ihrem Familien- und Freundeskreis, aber medial bekam ich die Nachricht als erster zu hören, zwei Tage vor Weihnachten, als ich Naza, wie sie im Allgemeinen genannt wird, in einem Stockholmer Café (Vero) zu einem Interview traf. Sie sei einfach müde nach so vielen Jahren, wo man ihr immer wieder von verschiedenen Seiten vorgehalten habe, dass sie zu viel wolle, als ob man im Sport zu viel wollen könne. Nazanin beklagt auch, dass es im Frauenfußball oft zu “mädchenhaft” vor sich geht: zu niedrige Anforderungen, Schwierigkeiten für die besseren Spielerinnen, sich weiterzuentwickeln und zu viel Gerede hinter dem Rücken und zu wenig Mut, sich Wahrheiten oder Meinungen auch mal ins Gesicht zu sagen, ohne, dass die Welt untergeht. 2008 und 2009 gehörte sie zu den besten Spielerinnen der Damallsvenskan und schoss für ihren damaligen Club Hammarby immerhin 20 Tore in der Liga, was bei einem Verein im unteren Mittelfeld eine echte Leistung ist.

 

Abgestiegen – AIK wird zum JoJo-Team

Nilla Fischer wird sowohl im Verein wie auch in der Nationalmannschaft zur Innenverteidigigerin umgeschult

Aufgestiegen, abgestiegen, aufgestiegen, abgestiegen. So sind die letzten vier Spielzeiten für AIK (Solna) in Schweden verlaufen. Nur mit zwei Siegen in den letzten beiden Spielen bei gleichzeitig zwei Niederlagen für KIF Örebro und gleichzeitig höchstens einem Sieg für Djurgården hätte AIK den Abstieg in die neue zweite Liga Elitettan noch vermeiden können.

Trotzdem glaubten die Spielerinnen natürlich noch an ihre Chance. Nicht mehr die Zuschauer. Die offizielle Zahl von 84 Besuchern ist in der Liga 2012 der absolute Minusrekord. Dabei glaube ich dieses Mal durchaus, dass es vielleicht 120 waren, es wäre der erste Fall, bei dem man als Veranstalter weniger statt mehr Zuschauer angibt. Aber es hatte ja auch eh keinen Sinn mehr.

Ich kam pünktlich zum Anpfiff ins Stadion. Das Spiel in Tyresö war um 15.50 Uhr zu Ende, also verzichtete ich auf das geplante Interview mit Tyresös Amerikanerin Meghan Klingenberg (ich hoffe, das klappt noch später) und legte die 23 km mit Bus und U-Bahn in einer guten Stunde zurück, um zum Anpfiff um 17.00 Uhr in Solna zu sein. Am Abend fiel mir dann auf, dass das eine Premiere war – zwei Spiele der Damallsvenskan in voller Länge an einem Tag. Check.

Gast Linköping kam mit fünf Siegen in Folge nach Solna. Obwohl man im nächsten Jahr wohl Sparmaßnahmen zu erwarten hat, wie ich berichtet habe, hängt man sich ganz professionell noch voll rein, um wenigstens Dritter zu werden. Auch hier hätte man nominell wohl eher mit Malmö und Tyresö konkurrieren müssen. Aber Kreuzbandrisse bei Linda Sällström und Charlotte Rohlin und eine sehr schwache Trainerleistung im ersten Halbjahr der Saison sorgten dafür, dass 2012 eine enttäuschende Saison ist, die man nun am Ende mit dem “kleinen Silber”, wie der dritte Platz aus unerfindlichen Gründen schöngeredet wird, abschließen will.

0:0 nach 45 Minuten mit einer deutlich überlegenen Mannschaft aus Linköping, die zweimal die Latte traf. Aber AIK besser als jemand, der Letzter wird. Man kämpfte, rannte und bemühte sich defensiv gut zu stehen und Konter zu setzen. Das zahlte sich in der zweiten Halbzeit zunächst aus – Clara Markstedt brachte AIK mit einem Kopfball in Führung, bei dem Nationalkeeperin Sofia Lundgren überlobt wurde und somit nicht gut aussah.

Hoffnung keimte auf, sollte das Wunder doch möglich sein, zumal AIK im letzten Spiel dann beim direkten Konkurrenten KIF Örebro antreten würde?

Nein, ein Kopfball der kleinsten Spielerin brachte den Ausgleich. Lisa DeVanna (1,56 klein) machte den Ausgleich, die Australierin, die gehen wird, zeigte ohnehin an ihrer alten Wirkungsstätte eine ansprechende Leistung. Pernille Harder, Dänemarks größtes Talent seit Jahren, brachte die Führung und Manon Melis sorgte am Ende mit einem Knaller aus 15 Metern für den Endstand von 3:1 für Linköping, das nun zu Hause gegen Umeå beim letzten Spiel im alten Stadion Folkungavallen (für die EM 2013 wird neu gebaut) den dritten Platz klar machen kann.

Bei AIK natürlich betretene Mienen und traurige Gesichter. Bitter, dass die neben Djurgården wohl einzige Mannschaft, die ihre Finanzen in Ordnung gehalten hat und vor allem auf den eigenen Nachwuchs setzt, absteigen muss. Dieses Mal werden andere Vereine stark an manchen der großen Talente ziehen: Susanne Nilsson (bei Potsdam im Gespräch), Jennie Nordin und Malin Diaz dürften besonders interessant sein. Zweifelhaft ob Dauertalent Nazanin Vaseghpanah und Daniella Chamoun Stockholm verlassen wollen. Gleiches gilt für Arbeitstier Hanna Folkesson im Mittelfeld, die beruflich (und nicht nur) an Stockholm gebunden ist. Mit Sicherheit dürfte die finnische Nationalmannschaftskapitänin Maija Saari anderswo einen Arbeitsplatz suchen, während Lori Chalupnys Engagement eh nur begrenzt war.

AIK zieht Jitex in den Abstiegskampf

Die Saison bei Jitex aus Mölndal ist in vieler Hinsicht nicht so verlaufen, wie man sich das vorgestellt hatte. Stefan Rehn als neuer Trainer sollte neuen Wind bringen. Man wollte weg aus den Niederungen der Tabelle, in denen man sich 2011 aufgehalten hatte. Das Team war verstärkt worden, aber nicht alle erfüllten die Erwartungen. Die Kanadierin Christina Julien etwa kehrte nach den Sommerferien nicht mehr zurück. Eine U20-Nationalspielerin aus Nigeria wurde schon als Zugang gemeldet, nachdem sich mit Annica Sjölund eine Leistungsträgerin das Kreuzband gerissen hatte, taucht aber jetzt beim russischen Meister Rossiyanka im Kader auf.

Und AIK griff gestern den letzten Strohhalm wie Djurgården. Gewann nach 0:1 Rückstand durch Kristine Lindblom doch noch mit 3:1 nach Toren von Nazanin Vaseghpanah, Klara Markstedt und Lori Chalupny. 

Nur 186 Zuschauer kamen zu Skytteholms IP in Solna, AIK hat nun 13 Punkte und sechs Punkte Rückstand auf das rettende Ufer bei noch neun insgesamt zu vergebenden Punkten. Zu spät kann man da wohl vermuten, zumal man noch nach Malmö muss.

AIK punktet gegen Dritten und verliert trotzdem

Wasserspiele in Solna mit Jennie Nordin und Danesha Adams

Ein 1:1 gegen den Tabellendritten daheim ist für einen potentiellen Abstiegskandidaten zunächst einmal kein schlechtes Ergebnis. Aber das 1:1 von AIK gegen Mitaufsteiger Vittsjö GIK ist letztlich für AIK ein Verlust von zwei Punkten, denn die beiden Konkurrenten über der gestrichelten Linie – Jitex BK und KIF Örebro gewannen ihre Spiele und vergrößerten den Abstand, den es aufzuholen gilt, auf sechs Punkte.

Gesprächsstoff gab es aber vor allem wegen des Wechsels von Susan Varli zu Djurgården wenige Stunden vor Schließen des Transferfensters. Auch Daniella Chamoun sei  nicht im Aufgebot, erzählte man mir, als ich die Anlage betrat. Beide seien ausgeschlossen worden, es habe Ärger gegeben. Und während Chamoun nicht ins Stadion kam, saß Djurgårdens neue Stürmerin – bei AIK auf der Tribüne. Vor dem Anpfiff sprintete die dritte im Freundinnentrio, nämlich Nazanin Vaseghpanah, schnell zum Spielfeldrand und herzte Varli mit mehreren Gesten und einer Umarmung.

Schnell ging Vittsjö in Führung, nach der dritten Ecke besorgte Danesha Adams aus kurzer Distanz den Führungstreffer, den die Finnin Maija Saari nach etwas mehr als einer halben Stunde nach einem Freistoß mit dem Kopf egalisierte.

In der zweiten Halbzeit war AIK besser, aber da man nach dem Weggang Varlis nun gar keine Goalgetterin in den Reihen mehr hat und stattdessen zwei 17-Jährige vom Drittligisten Bele Barkarby in die A-Mannschaft geholt hat, vermochte man nicht, das Spiel zu gewinnen.

Der Streit bei AIK aber interessiert die Gemüter. Wir erinnern uns: 2010 hatten Vaseghpanah und Chamoun damals Hammarby wenige Wochen vor Saisonende im Streit verlassen und waren zu AIK weitergezogen. Varli war wenig später nachgefolgt. Nun scheint sich die Geschichte leider zu wiederholen. Dem Ruf der beteiligten Spielerinnen kann das nicht zuträglich sein, auch wenn die sicher eine gute Erklärung haben für das, was vorgefallen sein muss. Es wird gemunkelt, dass die beiden Spielerinnen wegen ungebührlichen Verhaltens ausgeschlossen wurden, während Mittelfeldspielerin Vaseghpanah lediglich ‘verwarnt’ worden sei.

Vittsjö spielte sicher deutlich unter seiner Kapizität auf einem Kunstrasen, der aufgrund massiver Regenfälle teilweise Lotteriepässe sah.

Susan Varli verlässt AIK

 

Susan Varli im AIK-Dress

Gestern Abend um 23.59 Uhr ging das Transferfenster zu und ein paar Stunden vorher gab Djurgården bekannt, dass man sich der Dienste vonAngreiferin Susan Varli von Abstiegs- und Lokalkonkurrent AIK versichert hätte.

Susan Varli kam 2010 von Hammarby zu AIK im Gefolge eines Streits, nachdem auch Nazanin Vaseghpanah und Daniella Chamoun Hammarby mitten in der Saison verlassen hatten. Die 21-Jährige Varli hat 11 der 14 Spiele von AIK von Beginn an bestritten und dabei fünf Tore erzielt. Insgesamt gelangen AIK elf Treffer, man verliert also die mit Abstand beste Torschützin an den Lokalrivalen.

Ein Wechsel, der national relativ ohne Bedeutung ist, lokal aber zu Spekulationen anregt. Denn ohne Probleme verlässt man wohl nicht seine Mannschaft mitten im Abstiegskampf zugunsten eines ebenfalls abstiegsbedrohten Lokalrivalen.

 

Halbzeit (11): AIK

U19-Europameisterin Therese Boström im Spiel gegen Malmö

Jennie Nordin, Malin Diaz, Petra Andersson, Therese Boström, Elin “Lulle” Bragnum.

Diese fünf Spielerinnen standen im Aufgebot der U19-Europameisterschaften in der Türkei, die kurz vor der Olympiade zu einem schwedischen Triumpf führten, einem nicht unerwarteten Sieg. Elin Bragnum musste ihre Teilnahme unmittelbar vor der Abreise absagen. Wäre sie auch mitgeflogen, wären fünf Spielerinnen von AIK Jugendeuropameisterinnen geworden.

Das ist die erste gute Nachricht. Es gibt noch mehr.

Aber erst einmal liegt AIK nach der Hälfte der Saison auf dm elften Rang, mit vier Punkten Rückstand auf KIF Örebro (10.). Das würde am Ende der Saison zum Abstieg führen. Zu einem nicht unerwarteten Abstieg. Der Meister der Norrettan hat sich nur unwesentlich verstärkt. Madeleine Tegström, man könnte sie auch “Lunge” nennen, kam vom Stockholmer Absteiger Hammarby. Eine neue Torfrau in der sicheren Susanne Nilsson, in der Abwehr noch Elin Borg und die finnische Kapitänin der Nationalmannschaft Maija Saari (die früher in Umeå und in Norwegen gespielt hat). Das würde nicht reichen, da das Gerüst der Mannschaft zu jung sei, zu unerfahren. Man muss mehr investieren, um am Ende erfolgreich die Klasse zu erhalten.

Die Abwehr ist erstaunlich gefestigt. Das ist die zweite gute Nachricht. Nur Tyresö, Malmö, Linköping und Göteborg haben weniger Gegentreffer kassiert und das waren oder sind allesamt Meisterschaftsfavoriten. Jennie Nordin, die 19-Jährige, die mit Maija Saari die Innenverteidigung organisiert, wird irgendwann in der A-Nationalmannschaft landen, wenn sie ihren Weg weitergeht. Wie schon vor ihr Linda Sembrant, die auch bei AIK wichtige Erfahrung gesammelt hat. Aber eben auch Saari, Borg und die wieselflinke Sarah Fredriksson auf der Außenposition rechts tragen dazu bei.

Das Problem liegt vorne. Denn belegt man auf der Negativseite, den Gegentreffern einen überaus guten fünften Platz liegt man in der Liste der selber erzielten Tore nur auf Platz 11 eben. Neun Tore in elf Spielen. Das ist mehr als noch vor einem Jahr Hammarby und Dalsjöfors in fast der ganzen Saison geschafft haben, aber immer noch nicht genug,

Superdribblerin und Messi-Fan Daniella Chamoun kämpft sich mit 22 Jahren von ihrem zweiten Kreuzbandriss zurück und fehlt. Susan Varli ist eine gute Stürmerin für die zweite Liga aber für einen Stammplatz in der ersten Liga fehlt ihr eigentlich noch die Erfahrung und die Durchschlagskraft. Alternativen gibt es keine, vielleicht doch, aber die ebenfalls sehr talentierte Nazanin Vaseghpanah scheitert zu oft für eine inzwischen 25-Jährige an ihrem Temperament und sie spielt auch einfach nicht mehr so weit vorn wie früher bei Hammarby, wo sie für 8-12 Tore gut war als es noch lief bei den Grünweißen.

Ein Spiel von elf hat AIK gewonnen. Das ist auch zu wenig. Aber eigentlich hätte es für diesen Sieg auch sechs Punkte geben können. LdB FC Malmö wurde zu Hause mit 2:0 geschlagen – eine der größten Überraschungen der Hinrunde nach einer kämpferisch einwandfreien und vorbildlichen Leistung. Wer Malmö schlagen kann, der müsste doch auch Punkte gegen schlechtere Vereine machen können? Zu wenig. Drei Unentschieden gegen Linköping, Göteborg und Umeå.

Wenn sich das Team nicht mit wenigstens einer gestandenen Stürmerin in der Pause verstärkt, dann wird nichts aus dem Klassenerhalt. Trotz des immensen jugendlichen Potentials, das für die Nachwuchsarbeit spricht. Und natürlich wäre es nicht gut für den Fußball in Stockholm mit so vielen Vereinen und so vielen Spielerinnen, wenn es keinen Club im Oberhaus geben würde.

AIK schlägt Malmö

Am Ende musste Ramona Bachmann Sarah Fredriksson hinterherlaufen, war AIK physisch stärker?

Während der ersten Halbzeit dachte ich des öfteren an das Champions-League-Finale der Männer vom Samstagabend und meine Achtung vor Chelsea London wuchs etwas. Denn wie erwartet begann der schwedische Meister Malmö beim Tabellenletzten AIK druckvoll und offensiv und suchte die schnelle Entscheidung. AIK, im Vergleich mit dem Team aus Südschweden mit lauter Nationalspielerinnen, zumindest auf dem Papier deutlich unterlegen, setzte gegen die Angriffswellen Malmös kämpferische Entschlossenheit, mannschaftliche Geschlossenheit und zunächst sehr defensives Spiel.

Ein ums andere Mal stieß Ramona Bachmann auf der linken Seite mit Sarah Fredriksson zusammen. Ein symptomatisches Duell für dieses Spiel. Denn Bachmann zauberte zunächst wie sie wollte, dribbelte, traf Pfosten und Latte, aber mit zunehmender Spieldauer setzte sich Fredriksson immer häufiger durch. Anja Mittag war immer eine Gefahr, fiel durch intelligentes Spielverständnis auf, aber sobald sie in den Strafraum eindrang, beherrschten Jennie Nordin und Maija Saari das Geschehen, bis hier und nicht weiter.

0:0 zur Halbzeit und mich beschlich das seltene Gefühl, das hier eine Überraschung, eine Sensation möglich sein könnte. Mit Jennie Nordin wollte ich schon letzte Woche ein Interview machen. Die 19-Jährige Innenverteidigerin spielt in der schwedischen U19-Nationalmannschaft, die sich gegen Deutschland durchsetzte in Västerås und im Juli in die Türkei zur Endrunde reisen darf. In der 60. Minute wurder der Gesprächsbedarf deutlicher. Denn da stieg Nordin bei einem Freistoß auf der anderen Seite am höchsten und köpfte den Ball an Thora Helgadottir vorbei an den Innenpfosten, wovon er ins Malmöer Tor prallte. 1:0 für den noch sieglosen Tabellenletzten.

30 Minuten verblieben Malmö, das nun noch mehr nach vorne warf. Aber die Zeit verrann, AIK warf sich in jeden Schuss, gewann immer mehr Zweikämpfe in der Abwehr gegen ein inzwischen ratloses Malmö. Und wie so oft im Fußball. In der Nachspielzeit ein schneller Konter und die gerade eingewechselte U19-Nationalspielerin Elin Bragnum bekommt das Leder vor die Füße und vollendet zum 2:0 Endstand für den Außenseiter.

Sie hatten nicht die Champions League verloren, die Malmöerinnen, aber ähnlich niedergeschlagen saßen einige auf dem Kunstrasen in Solna und hätte nicht Tyresö zur leicht verschobenen Zeit mit 1:2 verloren, es hätte ein kapitaler Verlust sein können. So rückt die Liga nur etwas enger zusammen. Und AIK dürfte erheblich an Selbstvertrauen zugelegt haben.

Jennie Nordin:”Wir haben schon letzte Woche gegen Tyresö ein gutes Spiel gemacht und nur durch ein Eigentor verloren. Das ist sehr wichtig für uns. Heute haben wir endlich einmal für unsere harte Arbeit in den letzten Wochen den Lohn eingefahren.”

Nach einer halben Stunde schied Malmös Außenbahnspielerin Katrine Veje aus, es könnte das Kreuzband sein. Hanna Folkesson, Madeleine Tegström und Nazanin Vaseghpanah liefen etliche Kilometer im Mittelfeld und trugen wesentlich zum Erfolg bei. Eine geschlossene mannschaftsleistung und in beiden Spielen, gegen Tyresö letyte Woche (0:1) und Malmö nun (2:0) fällt auf, dass AIK mehr mit dem Herzen bei der Sache war als die Favoriten.

Pokal, Runde 3, Teil 2

Dass der schwedische Pokal glanzlos über die Runden gebracht wird, darüber regen sich Frauenfußballfans und -experten schon seit Jahren auf. Umsonst. Vergangenes Jahr wurde das Finale zwischen Kopparberg/Göteborgs FC und Tyresö FF im Fernsehen übertragen, es war sogar hinreichend dramatisch und erst im Elfmeterschießen von der Heimmannschaft (!) gewonnen, aber es kamen dennoch nur 920 Zuschauer. Das nimmt man grad nun gern zum Vergleich, wenn in Köln beklagt wird, dass “nur” knapp 16.000 den FC Bayern seinen ersten großen Titel gegen bis heute in dieser Saison titellose Frankfurterinnen gewinnen sahen.

Immerhin: Gestern Abend kamen zum Zweitligisten Sirius in Uppsala sage und schreibe 1.526 Zuschauer zum Pokalspiel der dritten Runde. Warum? Marta Vieira da Silva war zu Gast und im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen, die in solchen Begegnungen die Stars auf der Bank sitzen lassen, muss man Tyresö und seinem Trainer Stefan Fredriksson ein Kompliment machen. Zwar ließ auch er Torfrau Carola Söberg, dazu Linda Sembrant, Johanna Frisk und Madelaine Edlund zunächst auf der Bank sitzen und gab den Reserven Jessica Höglander (U19-Nationaltorfrau), Jennifer Egelryd, Pauline Hammarlund (U19-Torschützin beim 1-0 in Västerås, das Deutschland aus der EM kickte) und Helén Eke einen Starteinsatz, aber Superstar Marta spielte von Beginn an und wurde erst nach 75 Minuten vom Feld geholt. Bis dahin war das Spiel aber auch schon gelaufen. Kirsten van de Ven hatte zweimal getroffen und Lisa Dahlkvist ihren ersten Treffer in einem Wettbewerbsspiel für Tyresö erzielt. Da war nur noch Statistik, als am Ende U16-Nationalspielerin Marija Banusic (die ich im Januar traf und deren Talent mich sehr beeindruckte) noch das umjubelte Ehrentor schoss.

Djurgården verbrachte den Abend in Västerås beim Drittligisten Gideonsberg und gewann locker mit 8:0. Torschützen: Mia Jalkerud, Sofia Nilsson (je 2), Madeleine Stegius, Irma Helin, Natalia Rickne, Linda Lundberg. Dort stand Ersatztorfrau Tove Enblom erstmals in einem Wettkampfspiel zwischen den Pfosten.

Jitex gewann 7:0 in Mariestad, einem idyllischen Ort am südlichen Ufer des großen Vänern-Sees. 200 Zuschauer sahen Tore von Annica Sjölund (3), Caroline Lindblad, Kristine Lindblom, Christina Julien und Kristin Karlsson.

Nach drei Niederlagen in Folge gewann Umeå IK sein Auswärtsspiel beim Tabellenführer der zweiten Liga Nord, Sunnanå SK, mit 2:1. Nationalspielerin Emma Berglund brachte Umeå durch einen Foulelfmeter in der zweiten Halbzeit in Führung. Nina Jakobsson glich nach Vorlage von Perpetua Nkwocha aus. Jenny Hjohlman sorgte schließlich für die Entscheidung in der 67. Minute, obwohl Sunnanå durchaus Chancen zum Ausgleich hatte. Die UIK-Spielerinnen, deren bizarre Trikot- oder besser Hosenbodenwerbung ich in einem Ohne-Worte-Post gezeigt habe, feierten den Sieg mit einem Duschwettkampf zwischen Caroline Jönsson und Pernilla Nordlund, deren Siegerin mir aber nicht gemeldet wurde.

Ebenfalls nur 2:1, wenn man so will, siegte der Pokalsieger 2010 KIF Örebro bei Jennifer Meiers früherem Club Bollstanäs SK. Sarah Michael und Marie Hammarström schossen die Tore für die Gäste, den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Jocelyn Charetteerzielt.

In einem Spiel zweier Drittligisten gewann Torslanda bei Stångenäs mit 5:4.

Und in Stockholm trafen die Traditionsclubs Hammarby und AIK aufeinander. Der Erstligist AIK siegte durch einen Treffer von Clara Markstedt verdient mit 1:0. Allerdings war ein Klassenunterschied weder im Ergebnis noch im Spiel zu bemerken. Der größte Unterschied zwischen beiden Teams schien mir, dass Hammarby, dass eben bis auf die Torhüterin einen völlig neuen Kader hat, sich in allen Mannschaftsteilen noch finden muss. AIK ist da wesentlich weiter. Der Tabellenletzte der Damallsvenskan hatte in Malin Diaz und Elin Bragnum seine besten Spielerinnen. Die früheren Hammarby-Spielerinnen Nazanin Vaseghpanah und Madeleine Tegström wurden eingewechselt.

Asllani beschert Kristianstad drei weitere Punkte in Stockholm

Kosovare Asllani im Kopfballduell mit AIK:s Kapitänin Hanna Folkesson

Nicht unerwartet gewann Kristianstad nach dem Sieg bei Djurgården vor genau einer Woche auch beim Tabellenvorletzten AIK. Die Begegnung endete mit 3:2 für die Gäste, die schnell das Heft in die Hand nahmen und nach einer Ecke von Johanna Rasmussen und einem Kopfball von Mia Carlsson schon nach vier Minuten in Führung gingen. Überraschend war für mich eher, dass AIK doch über weite Strecken gut mithielt und sich auch die eine oder andere Chance erarbeiten konnte. Dabei hätte Kristianstad das Spiel schnell entscheiden können, aber einmal scheiterte man an Schlussfrau Susanne Nilsson und einmal traf Susanne Moberg nur den Pfosten.Nach einem eher unnötigen Handspiel brachte man den Gastgeber ins Spiel, den fälligen Elfmeter verschoss Nazanin Vaseghpanah zu leichtfertig, denn solche Geschenke darf man als Abstiegskandidat nicht auslassen. Beim Freistoß von Maija Saari kam dann ein wenig Glück dazu, denn der Ball wurde unhaltbar für die heute sichere Hedvig Lindahl abgefälscht, es stand 1:1.

Elfmeter auf der anderen Seite. Kosovare Asllani war im Strafraum gestoßen worden, die Gefoulte schoss selber und hier zeigte sich der Unterschied beider Teams, denn Asllani verwandelte sehr sicher zur erneuten Führung. Die AIK in der zweiten Halbzeit und nach einer Ecke durch die groß gewachsene U19-Nationalspielerin Jennie Nordin ausgleichen konnte, aber abermals Asllani besorgte die dritte Führung, die sich dann auch bis zum Ende relativ problemlos hielt.

Nach dem Spiel sprach ich mit der zweifachen Torschützin.

Kosse, zwei Spiele in Stockholm, sechs Punkte und drei Tore innerhalb einer Woche von dir. Deine Meinung dazu?

Naja, das waren zwei Spiele gegen Teams, die schwer zu spielen sind. Sowohl AIK und Djurgården werden im Abstiegskampf gehandelt, aber das bedeutet auch, dass sie in jedem Spiel alles geben. AIK hat uns ganz schön eng bewacht heute, sie haben in der Defensive sehr aggressiv gespielt, genauso wie gegen Linköping. Es war etwas schwierig, Räume zu finden, aber wir haben drei Tore gemacht und gewonnen. Nach dem 1:0 und dem 2:1 sind wir jeweils etwas zu lässig geworden und es wurde schwerer als es hätte sein müssen, aber ich denke gerade in der zweiten Halbzeit hatten wir mhr Fokus. Wir können jedoch viel besser spielen.”

Denkst du manchmal an die Olympischen Sommerspiele in London?

“Nein, ich denke nur an Kristianstad.”

Mit dem heutigen Sieg hat sich das Team erst einmal auf den sechsten Platz verbessert, das kann sich jedoch noch in den kommenden drei Tagen ändern, da die Hälfte der Liga noch spielt.

Silly Season (6): Die Aufsteiger AIK und Vittsjö

Die Sieger der zweiten Ligen 2011 hießen AIK und Vittsjö, wobei erstere es unnötig spannend machten und letztere einen Durchmarsch hinlegten, den man ihnen kaum zugetraut hätte. Aber zum vorletzten Mal gilt: Es ist ein großes Gefälle zwischen Damallsvenskan und 2. Liga Nord (Norrettan) bzw 2. Liga Süd (Söderettan). Bis fast vor Toresschluss lag AIK aus Solna in engem Clinch mit Sundsvall und Sunnanå und behauptete sich am Ende drei Punkte vor Sundsvall und immerhin acht vor Sunnannå, das auf seine afrikanische Fußballerin des Jahres Perpetua Nkwocha lange verzichten musste und ohne sie ging dann nur wenig zusammen.

In der gemeinhin als schwächer eingestuften Südgruppe siegte Vittsjö mit 15 Punkten vor QBIK aus Karlstad und sogar 22 Punkten vor dem Dritten Östers aus Växjö. 20 Siege bei zwei Unentschieden hatte die Mannschaft aus dem Dorf in der Nähe von Hässleholm eingefahren.

Wie sehen die beiden Aufsteiger nun vor der Saison 2012 aus?

AIK erwachte im Dezember aus einer Art Dornröschenschlaf, denn bis dahin hatte man keine Neuigkeiten gehört. Nazanin Vaseghpanah und Daniella Chamoun, die beiden Abtrünnigen, die im Spätsommer 2010 bei Hammarby gegangen waren, hatten 2-Jahresverträge in Solna unterschrieben, werden nächstes Jahr also dabei sein. Dani Chamoun befindet sich nach ihrem bereits zweiten Kreuzbandriss mit gerade mal 22 Jahren noch in der Rehaphase. Vaseghpanah ist inzwischen 24 und es wird unter anderem wesentlich auf sie ankommen, ob AIK eine Chance haben wird, nach dem neuerlichen Aufstieg in der ersten Liga zu bestehen.

Mit der bald 22-Jährigen Elin Borg hat AIK aus Linköping eine Linksverteidigerin geholt, die für Schweden in der U20-Nationalmannschaft gespielt hat, Entwicklungspotential hat. Sarah Fredriksson, die Anfang der Saison 2011 vom Lokalrivalen Vasalund kam, hat ihren Vertrag verlängert und wird auf der rechten Außenbahn verteidigen. Gerüchte platzieren die finnische Juniorinnennationalspielerin Tiina Vatanen (2011 noch bei Sunnanå) in der Innenverteidigung AIK:s neben Jenny Nordin.

Im Mittelfeld hat Mannschaftskapitänin Hanna Folkesson ihren Vertrag verlängert. Sie bekommt Verstärkung durch die von Hammarby geholte Madeleine Tegström, deren Laufvermögen Legende ist, die aber Abschlussschwächen hat. Ob nach vorne dann eben Vaseghpanah, Chamoun und Clara Markstedt die nötigen Treffer erzielen, um mindestens Platz 10 zu schaffen, wird man sehen.

Der Nordaufsteiger scheint damit aber eine Spur stärker zu sein als Vittsjö GIK. Schlüsselspielerin ist die 26-Jährige Stürmerin Sofie Andersson, die aus Kristianstad kam und in den 22 Spielen der Söderettan mit 34 (!!!) mehr als die Hälfte der 66 Tore des Aufsteigers schoss.  Das Örtchen Vittsjö hatte vergangenes Jahr 1667 Einwohner. Eine Tradition im Mädchenfußball gab es hier schon in dern 80er Jahren, viermal haben Teams von Vittsjö GIK beim Gothia-Cup, dem großen Jugendturnier in Göteborg Pokale abgeholt. Der Aufstieg in die Damallsvenskan ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Eine Nationalspielerin hat unterschrieben. Die Neuseeländerin Kirstie Yallop, auch sie mit einer Vergangenheit in Kristianstad, wird für den Aufsteiger eine zweite Saison spielen. Ansonsten hat man noch keine neuen Spielerinnen geholt. Es braucht aber beim Aufstieg in der Regel 4-5 Verstärkungen, um den Kader annähernd fit für die erste Liga zu machen. Aber Vittsjö hatte ein ganz anderes Problem:

War der Sportplatz Vittsjö IP noch gut genug für Liga 2, so reichte er keineswegs aus für das Oberhaus Damallsvenskan. Nach einem Bericht der Lokalzeitung in Hässleholm werden insgesamt rund 1,7 Millionen € investiert, um Vittsjö, seinen Sportplatz und die Anlagen rundherum erstklassig zu machen. Politisch gab es eine klare Mehrheit für den Beschluss der Gemeinde.

Neben Kirstie Yallop ist bislang allerdings lediglich die Neuverpflichtung von Abwehrspielerin Emma Kullberg bekanntgegeben worden. Emma spielte bei Östers in der zweiten Liga. Ob Vittsjö auch in Liga 1 mit viel Herz bestehen kann, scheint zumindest Anfang des neuen Jahres mehr als fraglich zu sein.